Icon-Futter für Schreibtischnager

deskTOPia: idesk

01.11.2003
Auf den Programmstart per Mausklick müssen Nutzer einfacher Fenster-Manager meist verzichten. Idesk schafft Abhilfe und verpasst ihrem Desktop nebenbei eine Schönheits-OP.

deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Ein Klick auf ein Desktop-Icon – und schon startet die Anwendung. Die Funktion, die den Nutzern der großen Desktop-Umgebungen den entscheidenden Geschwindigkeitsvorteil beim Aufruf häufig benutzter Programme verschafft, vermissen viele, die nur mit Window-Managern arbeiten. Einige hatten schon aus der Not eine Tugend gemacht und behauptet, sie brauchten die ewig von Fenstern überdeckten Minibildchen sowieso nicht. Mit idesk [1] von Chris Roberts, das inzwischen von Tim Finley weiterentwickelt wird, sind diese Zeiten nun vorbei. Das Tool bringt ohne die Installation eines kompletten Systems wie KDE oder GNOME Icons auf den Desktop. KDE-User haben denn auch nichts davon: Idesk bekommt man nur zu sehen, wenn kein applikationseigener Hintergrund das originäre Root-Fenster des X-Servers überdeckt.

Grundausstattung

Da das Idesk-Quelltextpaket von [1] seine Dateien beim Entpacken des Archivs im aktuellen Verzeichnis verteilt, empfiehlt es sich, zunächst mit mkdir idesk einen separaten Ordner anzulegen, dort hinein zu wechseln und erst dann den Befehl tar -xzf /pfad/zu/idesk-0.5.6.tar.gz auszuführen.

Um das Programm zu übersetzen, benötigen Sie die librsvg, gdk-pixbuf-2, pkg-config und die entsprechenden Development-Pakete. Zusätzlich verlangt die Software nach einigen GTK/GNOME-Bibliotheken wie glib2(-devel), libxml2(-devel), pango(-devel) und libart_lgpl(-devel) (so die SuSE-Paketnamen), die bei manchen Distributionen (nicht jedoch bei SuSE) bereits zu den Voraussetzungen für die librsvg-Installation zählen. Letztere Bibliothek sorgt dafür, dass idesk nicht nur Icons im PNG-Format, sondern auch SVG-Dateien darstellt.

Mit make kompilieren Sie das Programm, und ein von root ausgeführtes make install kopiert die Programmdatei nach /usr/local/bin.

Unter SuSE Linux bricht der make-Aufruf jedoch trotz imlib-devel-Installation mit einer Reihe Fehlermeldungen ab, die "undefinierte Verweise" auf die Imlib-Bibliothek beklagen:

undefined reference to `Imlib_kill_image'

Schuld daran trägt die von SuSE ausgelieferte Ausgabe der Bibliothek, die ohne pkg-config-Unterstützung daherkommt. Um Idesk dennoch zu übersetzen, müssen Sie das Makefile ändern (Kasten 1). Wer das nicht mag, findet auf der Heft-CD jeweils ein vorkompiliertes idesk für SuSE Linux in den Versionen 8.1 und 8.2. Kopieren Sie die Datei in ein Verzeichnis, das im Suchpfad für Programme liegt, etwa nach /usr/local/bin.

Kasten 1: Kompilieren um zwei Ecken

Um Idesk unter SuSE aus dem Quellcode zu übersetzen, entfernen Sie das Stichwort imlib aus der Zeile

libs    = `pkg-config imlib gdk-2.0 gdk-pixbuf-xlib-2.0 libart-2.0 libxml-2.0 pangoft2 librsvg-2.0 --libs`

in der Datei src/Makefile, so dass der Befehl pkg-config --libs nicht mehr auf die Imlib-Bibliothek angewendet wird. Er sammelt die richtigen Compiler- und Linker-Optionen für die übrigen benötigten Libraries zusammen. Um diese auch für Imlib herauszufinden, fügen Sie den Befehl imlib-config --libs hinzu (Die Backticks `` bewirken, dass der darin stehende Befehl ausgeführt wird und dessen Ausgabe beim make-Aufruf in der Hilfsvariablen libs landen):

libs     = `pkg-config gdk-2.0 gdk-pixbuf-xlib-2.0 libart-2.0 libxml-2.0 pangoft2 librsvg-2.0 --libs` `imlib-config --libs`

Rufen Sie nun wie gewohnt make im Oberverzeichnis zu src und anschließend als root den Befehl make install auf. (Patricia Jung)

Gut eingerichtet

Idesk liest seine Konfiguration aus der Datei ~/.ideskrc, die Sie zunächst anlegen müssen. Die dem Quellcode beiliegende README-Datei bietet eine Vorlage und Erklärungen zu den einzelnen Optionen. Alternativ greifen Sie auf die .ideskrc von der Heft-CD zurück.

Der Abschnitt table Config definiert das allgemeine Programmverhalten. Verwenden Sie einen hellen Desktop-Hintergrund, ändern Sie die Schriftfarbe in der Zeile

FontColor: #ffffff

von weiß (#ffffff) nach schwarz (#000000), damit Sie die Icon-Beschriftung lesen können. Diese zeigt Idesk dank der Option CaptionOnHover: true nur an, wenn Sie den Mauszeiger über ein Icon bewegen. Transparency: 150 legt den Transparenzgrad fest, den Sie auf 0 setzen, wenn Sie auf mehr oder weniger durchsichtige Icons (wie in Abbildung 1 und 2) verzichten wollen.

Der Abschnitt table Actions kümmert sich um die Mausaktionen. Er sorgt dafür, dass ein Doppelklick die verknüpfte Anwendung startet und Sie die Icons mit der linken Maustaste per Drag & Drop verschieben können. Die passenden Minibildchen und Idesk müssen Sie jedoch erst noch miteinander bekannt machen.

Ein Blick auf [2] und ähnliche Web-Seiten überzeugt davon, dass sich in der großen Auswahl frei verfügbarer Icons für jeden Geschmack etwas Passendes findet. Wer nicht in die Ferne schweifen mag, wirft einen Blick auf die Bildchen, die im Ordner /usr/share/icons bereits auf der eigenen Festplatte lagern. Für SuSE-Linux-Nutzer lohnt sich auch ein Blick in /opt/kde3/share/icons und /opt/gnome/share/icons.

Dateien mit der Endung .lnk im (von Ihnen anzulegenden) Ordner ~/.idesktop sorgen nun dafür, dass auf dem Desktop Icons erscheinen, auf deren Klick hin eine Applikation startet. Einen solchen Schnellstarter für den Datei-Manager Konqueror definiert die Datei ~/.idesktop/Konqueror.lnk: Listing 1 zeigt ein Beispiel für Linux Mandrake; an SuSE 8.1 und 8.2 angepasste Versionen finden Sie auf der Heft-CD.

Listing 1

~/.idesktop/Konqueror.lnk

table Icon
  Caption: Home
  Command: konqueror
  Icon: /usr/share/icons/ikons/32x32/filesystems/folder_home.png
end

Auf das Stichwort Caption: folgt die Icon-Beschriftung, auf Command: die Befehlszeile für das auszuführende Programm, und der Punkt Icon: teilt Idesk mit, welches Bildchen es verwenden soll. Analoge Definitionsdateien legen Sie für andere häufig genutzte Anwendungen an.

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