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Zukunftsbilder

Von GIMP 1.2 zu GIMP 2.0

Neue Werkzeuge

Auf den ersten Blick bietet das Werkzeugfenster in der neuen Version sehr viel mehr als GIMP 1.2. Doch Ebenentransformation und Farbselektion sind nicht neu: Die Vorgängerversion verstreut sie in verschiedenen Menüs, sodass sie für Anfänger schwer zu finden sind. Die Optionen jedes Werkzeugs sammelt ein Dock innerhalb des Werkzeugfensters und zeigt sie bei der Auswahl des Werkzeugs im selben Fenster an.

Das Pinselwerkzeug macht in der neuen Version beim Malen im Maus-Cursor den ausgewählten Pinsel kenntlich, was versehentlichen Pinselstrichen mit falscher Breite vorbeugt.

Die Bezier-Kurven heißen nunmehr Pfadwerkzeug. Bei Bedarf verschieben Sie einzelne Knoten damit schon während Sie einen Pfad erstellen; bisher mussten Sie erst den Werkzeugmodus ändern. Neu ist außerdem die Möglichkeit, mit verschiedenen Pinseln und Stilen Pfade nachzuziehen. Mit dem neuen SVG-Exportformat verwenden Sie GIMP-Pfade auch in dedizierten Vektor-Grafikprogrammen wie Sodipodi [4].

Text und Farben

Das Textwerkzeug unterstützt in der neuen Version TrueType-Schriftsätze besser (Kasten 1).

Neben der Schriftart und der Farbe wählen sie nun auch eine Ausrichtung. Zu linksbündig, zentriert und rechtsbündig kommt auch Blocksatz; in der Testversion gibt es allerdings noch keine Silbentrennung, was den Nutzen dieser Funktion in der Praxis beinahe aufhebt. Längere Texte importieren Sie bei Bedarf aus einer anderen Datei.

Zudem erstellt GIMP für Texte eine eigene Textebene, so dass Sie sie auch nachträglich unabhängig von anderen Ebenen ändern (Abbildung 3).

Abbildung 3

Abbildung 3: Das Textwerkzeug legt eine eigene Textebene an

An die Rückwärtskompatibilität von GIMP 2.0 dachten die Entwickler dabei ebenfalls: Eine Textebene liest Version 1.2 als gewöhnliche Ebene ein; andere Ebenen übernimmt es sowieso ohne Murren.

Kasten 1: Schriften und Linux

Wenn es um die Schriften unter Linux ging, bekamen schon viele GIMP-Benutzer graue Haare. Es ist schwer zu verstehen, dass das Malprogramm die Schriftsätze über den X-Server bezieht und über keine eigenständige Lösung verfügt; dies hätte die Installation und die Benutzung deutlich erleichert.

Der Grund liegt in der Geschichte des Grafik-Servers X11 bzw. der freien Linux-Variante XFree86. Wie Unix war auch X11 für den Betrieb in Netzwerken konzipiert und nicht explizit für Einzelplatzrechner. Deshalb stellt es mit einem Font-Server Schriftsätze im lokalen Netz bereit.

Früher benutzte man ausschließlich die Schriftformate PostScript oder Type-1. Letzteres war Eigentum der Firma Adobe, die Benutzung ließ sie sich bezahlen. Doch durch die Entwicklung und Verbreitung des TrueType-Standards durch Apple und Microsoft sah sich Adobe gezwungen, die Spezifikationen für Type-1 offen zu legen. Seitdem ist es möglich, freie Type-1-Schriften für Linux zu entwickeln und zu benutzen.

Das FreeType-Projekt [8] entwickelte eine Bibliothek, mit der alle Applikationen TrueType-Schriften benutzen können. Die Integration der FreeType-Bibliothek in Desktop-Umgebungen und die Unabhängigkeit der Schriftenverwaltung vom X-Server beseitigte die meisten Probleme der Schriftverwaltung.

Die Vorgängerversionen von GIMP 2.0 benutzen zwei Farbmodelle: HSV und RGB. Mit beiden lässt sich im professionellen Druck nicht viel anfangen, denn Druckereien bevorzugen Grafiken im CMYK-Format. Zwar ist der CMYK-Modus in der Testversion noch nicht benutzbar, aber fest eingeplant für Version 2.0.

Die Farbprofile Pantone und HKS wird GIMP 2.0 nicht enthalten, da sie urheberrechtlich geschützt sind; stattdessen versucht das "Free-Color-Management"-Projekt [2], ICC-Farbprofile zu implementieren.

Hier trägt die Generalüberholung der Programmstruktur erste Früchte: Die Einbindung der neuen Farbmodelle wäre in GIMP 1.2 sehr umständlich gewesen.

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