Fast drei Jahre haben die Entwickler von GIMP [1], dem "GNU Image Manipulation Program", für Version 2.0 vor allem an der internen Struktur gefeilt. Sie ist noch im Entwicklungsstadium und firmiert so lange unter der Nummer 1.3. Die Schwächen der Version 1.2 in der Benutzerführung, bei der Dokumentation aber auch in punkto Funktionalität und Programmstruktur soll die neue Ausgabe ausräumen.
Der erste Eindruck zählt
Gleich nach dem Start zeigt GIMP 2.0 dem Nutzer die auffälligste Veränderung gegenüber der Vorgängerversion: Das Hauptfenster stellt die Icons und Schriften bunter und aufgeräumter dar; dafür sorgt die Grafikbibliothek GTK+ 2.0, auf der das neue GIMP basiert. Es hält sich zudem an die Richtlinien des Projekts freedesktop.org [8].
So ziehen Sie Bilder zum Öffnen sowohl aus dem GNOME-Filemanager Nautilus als auch aus dem KDE-Pendant Konqueror per Drag & Drop ins GIMP-Fenster.
Für neue Bilder bietet GIMP 2.0 eine Auswahl von Templates mit voreingestellten Maßen. Eigene Vorgaben fügt der Benutzer hinzu, indem er bestehende Bilder im Template-Format speichert.
Äußeres
Neue Orientierungshilfen bietet GIMP 2.0, um bei den mitunter vielen offenen Fenstern den Überblick zu behalten. Künftig sammeln auf Wunsch Containerfenster, so genannte Docks, mehrere Dialogfenster und zeigen sie in Form von Reitern an, wie beispielsweise vom Webbrowser Mozilla bekannt (Abbildung 1).
Viele Benutzer wünschen sich ein Fensterlayout, das alle Fenster in einem Hauptfenster vereint. Für Window-Manager mit unübersichtlicher Fensterdarstellung wäre dies praktisch, doch Nutzern mehrerer Monitore ginge damit viel Komfort verloren: Sie könnten die einzelnen Fenster nicht mehr auf den Bildschirmen verteilen. Daher gibt es in Version 2.0 den Kompromiss mit den optionalen Docks, das regimp-Projekt [3] verfolgt den Ansatz mit nur einem Hauptfenster weiter.
Die Dialogfenster finden Sie künftig wesentlich leichter, nämlich zentral über das Datei-Menü des Werkzeugfensters. Bei GIMP 1.2 versteckt sich beispielsweise der Dialog für die Zwischenablage unter Bearbeiten / Ablage, und das Journal erreichte man nur über das Bild-Menü; für Neulinge nicht leicht zu finden.
Ebenenspezifische Funktionen trennt das neue GIMP von den Bildfunktionen. Farboperationen wie Invertieren, Histogramm und Einstellen des Kontrastes finden Sie unter Ebenen / Farben, anstatt unter Bild wie bei der Vorgängerversion. Das Bild-Menü lässt sich künftig zum schnelleren und bequemeren Zugang als Menüzeile am oberen Rand einblenden.
Die Übersicht verbessert ein neues Werkzeug, das den Rand um die Leinwand beliebig einfärbt. So unterscheidet er sich auch bei grauem Hintergrund auf den ersten Blick deutlich vom Bild (Abbildung 2).
Zudem helfen Anzeigefilter zur Helligkeits- und Kontrastmanipulation farbenblinden Benutzern, die Sicht auf das Bild zu verdeutlichen, ohne daran Änderungen vorzunehmen: Sie stellen die gewünschten Werte auf dem Bildschirm dar, aber speichern sie nicht in der Bilddatei. Die Zoom-Funktion erlaubt künftig stufenlose Vergrößerung bis hin zum Vollbildmodus.
Das Platzieren und Ausrichten von Bildelementen erleichtern weitere neue Werkzeuge: Zu den Linealen der Version 1.2 kommen künftig Raster hinzu; die Abstände der Rasterpunkte- oder linien legen Sie frei fest und richten daran Bildobjekte aus (Abbildung 2).
GIMP fühlt sich nicht nur auf Linux und Windows zu Hause, es existiert auch für andere Unix-Versionen, OS/2 und Mac OS X. BeOS-Entwickler stellten Portierungsversuche auf ihr Betriebssystem mangels Interesse ein; Benutzern von Systemen, auf denen GIMP noch nicht anzutreffen ist, bleibt trotzdem Hoffnung, denn der Portierungsaufwand für Entwickler sank durch die Überarbeitung erheblich. Auch 64-Bit-Prozessoren sind für GIMP 2.0 kein Problem.



