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Auf Rosen gebettet

Rosegarden 4

01.11.2003 Die Versionsnummer deutet es an – Rosegarden 4 hat bereits eine lange Entwicklungszeit hinter sich: Rosegarden 2.1 erschien schon 1997; seitdem explodierte der Funktionsumfang geradezu.

Ein vielseitiger Notensatzeditor ist die Grundlage für die Arbeit mit Musik am Computer. Wer ein digitales Tonbandgerät gleich dazu möchte, für den bietet Rosegarden [1] die Lösung. Damit nehmen Sie MIDI-Daten auf, spielen sie ab und erstellen daraus Partituren.

Die Installation

Da Rosegarden eine anspruchsvolle Echtzeitverarbeitung enthält, stellt es recht hohe Anforderungen: Ein Prozessor mit mindestens 1 GHz und nicht weniger als 256 MB Arbeitsspeicher sollten es schon sein, sonst trüben lange Wartezeiten bis hin zur Unbenutzbarkeit die Freude an Rosegarden.

Rosegarden ist ein KDE3-Programm; Sie benötigen deshalb die KDE-Bibliotheken (kdelibs3), die zur Standardinstallation jeder großen Distribution gehören. Rosegarden für SuSE 8.2, Mandrake 9.0 und Red Hat 9 finden Sie auf der Heft-CD oder unter [2]. Debian stuft die 4er-Serie noch als unstable ein, Benutzer dieser Distribution finden ein Paket unter [3].

Zudem ist dieALSA-Soundarchitektur ([4], Seite 29) notwendig. Bei SuSE ist sie Standard, bei anderen Distributionen müssen Sie sie gegebenenfalls nachinstallieren. Um die Soundkarte als MIDI-Gerät zu benutzen, verwenden Sie das Programm FluidSynth, dessen Installation Seite 41 beschreibt.

Nach dem Entpacken des Soundfonts Unison.sf2 von der Heft-CD (LinuxUser/soundfonts/) mit dem Befehl gzip -d Unison.sf2.gz starten Sie den Synthesizer:

fluidsynth Unison.sf2

Der Befehl gain 5 an der FluidSynth-Eingabeaufforderung erhöht die Lautstärke des Geräts, die Voreinstellung ist vielen zu leise.

Beim Start öffnet Rosegarden seinen Sequenzer. Zu Analysezwecken starten Sie ihn mit rosegardensequencer auch einzeln. Listing 1 zeigt die Ausgabe unseres Testrechners.

Listing 1

rosegardensequencer

rosegardensequencer: Registering with DCOP server
rosegardensequencer: created plugin manager
MappedAudioPluginManager::discoverPlugins - discovering plugins
Rosegarden 0.9.1 - AlsaDriver - alsa-lib version 0.9.3
cannot connect to jack server
cannot connect to default JACK server
  ALSA Client information:
    72,0 - (Rawmidi 1 - MPU-401 (UART) 1-0, MPU-401 (UART) 1-0)
(DUPLEX) [ctype 2, ptype 2, cap 127]    129,0 - (FLUID Synth (18285), Synth
input port (18285))             (WRITE ONLY) [ctype 1, ptype 1048576, cap 66]
Creating device 0 in Play mode for connection 72:0 MPU-401 (UART) 1-0 (duplex)
Default device name for this device is MIDI external device
Creating device 1 in Record mode for connection 72:0 MPU-401 (UART) 1-0 (duplex)
Default device name for this device is MIDI hardware input device
Creating device 2 in Play mode for connection 129:0 Synth input port (18285)
(write)Default device name for this device is MIDI soft synth
    Record client set to (72, 0)
AlsaDriver::initialiseMidi -  initialised MIDI subsystem
rosegardensequencer: RosegardenSequencer - started OK

Unter ALSA Client information stehen die MIDI-Geräte, die der Sequenzer gefunden hat, darunter die Namen, unter denen er sie für Rosegarden bereitstellt:

  • device 0 ist die Ausgabe-Schnittstelle für ein externes MIDI-Gerät.
  • device 1 bezeichnet die Aufnahme-Schnittstelle für ein externes MIDI-Gerät.
  • device 2 steht für die MIDI-Schnittstelle für die Wiedergabe durch den Software-Synthesizer.

Das Studio

Starten Sie Rosegarden nun über das KDE-Menü oder mit dem Befehl rosegarden. Zunächst erscheint ein "Tipp des Tages", er enthält gerade für Einsteiger oft wertvolle Informationen. Da Rosegarden nicht immer mit einer intuitiven Oberfläche glänzt, bildet er neben dem Handbuch und dem Tutorial eine wichtige Orientierungshilfe.

Ein Rosegarden-Studio beschreibt die Geräte, die für die Ein- und Ausgabe zur Verfügung stehen. Als Beispiel für ein Eingabegerät wäre das Keyboard zu nennen, das Sie über MIDI an den PC angeschlossen haben. In der Regel erkennt Rosegarden MIDI-Schnittstellen und Software-Synthesizer selbst; falls das Programm ein Gerät nicht automatisch findet, tragen Sie es im Dialogfenster Studio / MIDI-Geräte verwalten... mit Wiedergabegerät hinzufügen manuell ein.

Für jedes Ausgabegerät teilen Sie Rosegarden vor der Benutzung die verfügbaren Sounds mit. Bei Software-Synthesizern importieren Sie dazu mit Studio / MIDI-Bänke und Programme verwalten... die verwendete Soundfont-Datei (z. B. Unison.sf2) und Rosegarden extrahiert daraus die Instrumentennamen (Abbildung 1).

Für einige externe Synthesizer gibt es im Unterverzeichnis library des Rosegarden-Verzeichnisses – bei SuSE /usr/share/apps/rosegarden/ – fertige Definitionsdateien. Existiert für Ihr Gerät noch keine Sound-Datei, müssen Sie die Instrumente leider per Hand eintragen.

Abbildung 1: Der General-MIDI-Soundfont Unison enthält 128 Instrumente

Rosegarden unterteilt Musikstücke in Spuren und Segmente. Eine solche Spur ist einem Instrument zugeordnet, ähnlich wie die Zeilen einer Partitur. Jede Spur besteht aus einem oder mehreren Segmenten. Dank dieser Struktur verschieben und kopieren Sie Segmente innerhalb einer oder zwischen verschiedenen Spuren problemlos. Den Kopien ordnen Sie dann eigene Parameter z. B. zur Transposition zu.

Den Inhalt eines Segments bearbeiten Sie mit drei verschiedenen Editoren, Sie erreichen sie über das Segmente-Menü: Im Notationseditor haben Sie die Wahl zwischen verschiedenen Notenschriften: Neben den heute üblichen Notensymbolen gibt es die Mensuralnotation, die etwa bis zur Renaissance gebräuchlich war, sowie Dreiecke und Kreuze für Schlagzeugstimmen.

Der Matrixeditor zeigt einen Lochstreifen, wie man ihn früher für mechanische Instrumente verwendete. Jedem Ton ist eine Zeile zugeordnet, und Sie tragen die Töne durch Markierungen auf der Zeitskala ein. Diese Ansicht eignet sich vor allem zum Programmieren von Drumsets.

Im Eventlisteneditor sehen Sie alle Ereignisse aus technischer Sicht. Sie können hier keine Noten hinzufügen oder löschen; diese Ansicht ist nur für's Finetuning einzelner Töne gedacht.

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LinuxUser 06/2012

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