POP3-Postfächer überprüfen mit pop3browser

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Mailbomben, Viren oder Spam verstopfen Ihr Postfach? Löschen Sie den Mail-Müll doch einfach mit pop3browser vor dem Download.

Obwohl es Mail-Filter gibt, die Werbenachrichten erkennen und automatisch auf dem Server löschen, ist deren Einsatz ein zweischneidiges Schwert. Zu oft verfängt sich eine durchaus erwünschte Nachricht in ihren Netzen und wird auf Nimmerwiedersehen gelöscht. Alternativ bietet sich das Perl-Skript pop3browser an, mit dem Sie ihre Mailboxen schnell überprüfen und Unerwünschtes löschen.

Einen Schönheitsfehler hat das Helferlein jedoch: Sie finden es nicht bei kommerziellen Anbietern wie SuSE oder Red Hat, sondern ausschließlich als Teil der freien Linux-Distribution Debian. Dafür ist dort die Installation mit den Befehl apt-get install pop3browser besonders einfach.

Wagen Sie dennoch den Versuch mit einer Distribution, die das Paketverwaltungs-Tool RPM nutzt, ziehen das Sie Debian-Paket von der Web-Seite von Rpmseek.com [1] herunter. Um dies nun in ein RPM-Paket zu verwandeln, steht Ihnen das Programm alien [2] zur Verfügung.

Einstellungssache

Zunächst will der pop3browser drei Informationen von Ihnen: den POP-Server, den Sie benutzen, Ihre Benutzerkennung und das dazugehörige Passwort. Pro Server schreiben Sie diese Daten zeilenweise in eine Datei und speichern sie als ~/.pop3browserrc ab:

pop.serv1.de Username1 Passwd1
pop.serv2.de Username2 Passwd2
pop.serv3.de Username3 Passwd3
[…]
Abbildung 1: Der pop3browser beginnt seine Arbeit

Eine Hand voll Optionen

Nun können Sie sich bereits mit dem Internet verbinden und pop3browser in der Shell starten. Das Programm begrüßt Sie mit der Meldung aus Abbildung 1. Es stellt Ihnen einen programminternen Prompt zu Verfügung.

Sollte die Datei ~/.pop3browserrc aufgrund laxer Dateirechte für andere User im System lesbar sein, ändert das Tool dessen Zugriffs-Bits in Ihrem Sinne und meldet Ihnen den Vorgang:

The configuration file was readable for other users than the file owner.
Correcting it…

Übersetzt bedeutet diese Zeile: "Die Konfigurationsdatei ist für andere Benutzer als nur den Dateiinhaber lesbar. Ich korrigiere das."

Abbildung 2: Die allmorgendliche Fuhre Spam in der Übersicht des pop3browsers

Jetzt können Sie die verschiedenen POP-Server auflisten, mit denen Sie arbeiten möchten. Dazu dient die Option hosts:

pop3browser>hosts
0  Username1@pop.serv1.de
1  Username2@pop.serv2.de
2  Username3@pop.serv3.de

Überprüfen Sie einen Rechner Ihrer Wahl, in unserem Beispiel den Server pop.serv1.de durch der Option login 0. Der pop3browser zeigt Ihnen nun die Summe der im Postfach vorhandenen Nachrichten an:

pop3browser>login 0
4 mails on pop.serv1.de for Username1

Um sich eine Mail anzusehen, benutzen Sie den Befehl show zusammen mit der Nummer der entsprechenden Nachricht:

pop3browser>show 1
From: "Master Spam" <sp4m@w4r3z.xx>
To: tux@iglu.fi
Subject: I just wanted to say Hey
ICANCgkNCiAgPEhUTUw+PGJvZHkgY
PiA8Zm9udCBmYWNlPSJWZXJkYW5hL
LXNlcmlmIiBzaXplPSIxIj4tODl2M

Unsere erste Post ist unschwer als Spam zu erkennen. Die Ausgabe der Mail-Header und die Anzahl der angezeigten Zeilen im Textkörper der Mail stellen Sie übrigens in der Datei pop3browser. Am Anfang der Datei befindet sich eine Zeile mit folgendem Inhalt:

$bodylines=10;

Ändern Sie diese ab, wenn Sie mehr oder weniger Zeilen sehen möchten. Trauen Sie sich das manuelle Editieren des Perl-Skriptes nicht zu, müssen Sie es bei der Voreinstellung belassen.

Im nächsten Schritt löschen wir den erkannten Müll:

pop3browser>delete 1
marking message no. 1 for deletion

Ein list zeigt Ihnen, neben Nummer und Größe der Mails, ebenfalls an, welche Nachricht schon gesehen (s) oder zum Löschen (d) markiert wurde:

pop3browser>list
msg no: 1  size: 6567  tags:sd
msg no: 2  size: 2919  tags:
msg no: 3  size: 2847  tags:
msg no: 4  size: 3129  tags:

Mit der Option delete ist jedoch Vorsicht geboten, da es kein undelete gibt. Als Alternative bleibt Ihnen nur, mit [Strg-C] aus dem Progamm auszusteigen, um die Löschmarkierung zu annullieren. Eine ganze Reihe von Nachrichten, die beispielsweise vom selben Empfänger kommen, entfernen Sie mit dem Aufruf kill.

pop3browser>kill nervensaege.tu.xx
Processing mail no. 1
Processing mail no. 2
number: 2 matched!
Processing mail no. 3
Processing mail no. 4
number: 4 matched!

Jede Mail, die den Ausdruck nervensaege.tu.xx im Header trägt, wurde auf diese Weise gelöscht, in unserem Beispiel die Nachrichten mit den Nummern zwei und vier.

Einige Freemail-Anbieter, wie beispielsweise GMX, bieten Ihnen das APOP-Verfahren zum Holen Ihrer Mails an. Damit ist ein sicheres Login möglich, anders als über das gängige POP3-Protokoll. Der pop3browser unterstützt diese Art der Verbindung, wenn Sie sie explizit angeben:

pop3browser>apop 2
1 mails on pop.gmx.net for xxx
pop3browser>close
Connection closed

Um in den Genuss dieser Übertragung zu kommen, müssen Sie als Debianer allerdings zuvor das Paket libmd5-perl via apt-get installeinspielen. Das entsprechende RPM-Paket heißt perl-MD5.

In unserem letzten Beispiel sehen Sie eine weitere Option mit dem Namen close. Sie beendet die Verbindung zum aktuellen Server. Ihrem großen Bruder entspricht die Angabe quit. Sowohl die Anbindung ans Postfach als auch der POP-Client an sich werden dadurch beendet. Zurück bleibt Ihr gewohnter Shell-Prompt, in dem Sie mit Tools wie fetchmail oder grepmail Ihre Post holen - diesmal jedoch ohne Spam oder Viren.

Glossar

POP

Post Office Protocol. Übliches Protokoll zur Übertragung von E-Mails vom Provider zum Kunden.

APOP

Authenticated Post Office Protocol. Ergänzung des POP3-Protokolls um den Befehl AUTH, durch den sich Benutzer beim Mailserver anmelden.

Infos

[1] Suchmaschine für RPM- und Debian-Pakete:  http://www.rpmseek.com/

[2] Heike Jurzik: LinuxUser 08/2002, Zu Befehl - alien  http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/08/080-alien/alien.html

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