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In Code gegossene Ergebnisse der KDE-Konferenz

01.11.2003 Wenn sich 76 KDE-Entwickler und -Entwicklerinnen eine Woche lang zum gemeinsamen Programmieren treffen, hat der Desktop anschließend mehr Features und hoffentlich weniger Fehler. Wir wollten genauer wissen, was uns in KDE 3.2 und darüber hinaus erwartet.

Im Vorfeld der "KDE Contributor Conference Kastle" Ende August im tschechischen Nové Hrady standen die guten Vorsätze [1]. Dass denen Taten folgten, sieht leicht, wer auf dem KDE-Server stöbert: Seit dem 25. September steht bereits die zweite Alpha-Vorversion von KDE 3.2 zum Download bereit. Doch was haben die einzelnen Entwickler und -Entwicklerinnen dazu beigetragen? Wir fragten die, die uns in [1] von ihren Plänen berichteten, was sie davon während des einwöchigen "Hackfests" umsetzen konnten.

Dass am Ende doch alles anders kommt, als man denkt, bestätigt der Quanta+-Entwickler Andras Mantia aus Rumänien: "Leider gab es keine Bugfixing-Session in dem Sinne, dass alle gemeinsam und strukturiert nach Fehlern fahndeten. Aber das war auch gar nicht nötig: Alle waren so heiß auf's Programmieren, dass sie Fehler genauso selbstständig behoben, wie sie neue Features einbauten – ohne, dass jemand dazu den Anstoß geben musste."

Für den Webeditor selbst trudelten "ziemlich viele neue Fehlerberichte während der Konferenz ein, von denen ich die meisten in Nové Hrady und kurz danach bearbeitet habe. Jetzt sind wir wieder bei etwa zehn offenen Bug-Reports angelangt, was meiner Meinung nach recht gut ist. Zwei dieser Fehler lohnen eine Erwähnung: In Quanta 3.1.3 ist die Text-Kopierfunktion aus dem Editor heraus kaputt. Seit dem 3.1.4er Release geht sie wieder. Der Bug, der alle alten Versionen in manchen Fällen falsche Rechte für hochgeladene Dateien setzen ließ und damit für Zugriffsprobleme sorgte, ist ebenfalls behoben."

Neue Mitmacher gesucht

Als einziger aus dem Quanta-Team nach Tschechien gereist, nutzte Andras den Luxus der permanenten Online-Anbindung dazu, ein IRC-Meeting zu organisieren. "Im Verlauf dieses Workshops erklärte ich neuen Entwicklern Schritt für Schritt anhand des Codes, was in Quanta passiert. Das versetzt hoffentlich einige Abonnenten der Entwickler-Mailingliste in die Lage, tatsächlich mit C++-Code zu Quanta beizutragen – derzeit arbeiten daran leider nicht besonders viele Programmierer."

Abbildung 1

Abbildung 1: Das Bearbeiten von Skripten wird in Quanta einfacher

An neuen Features dürfen sich die Quanta-User spätestens in KDE 3.2 über eine Baumansicht (Abbildung 1) freuen, mit deren Hilfe sich Skripte besser verwalten lassen. Auch die Benutzbarkeit hat sich an einigen Stellen verbessert: "Als wichtigste Änderungen zu nennen wären hier die für das 3.2er Release auf den neuesten Stand gebrachte Dokumentation (immer noch 'work in progress', aber wir kamen ein gutes Stück voran) und die Möglichkeit, die Projekt- (also HTML-)Dokumentation im Dokumentationsbaum einzusehen. Außerdem haben wir die Pop-Down-Menüs der Open/Open Recent- und Paste-Buttons in der Werkzeugleiste aufgeräumt".

Abbildung 2: Quantas neue "Open Recent"- und "Paste"-Aktionen verwenden mittlerweile auch andere KDE-Applikationen

Auch der Kanadier George Staikos modifizierte seinen ursprünglichen Plan "Fehler beheben und an der Skriptfähigkeit von KDE-Anwendungen arbeiten" ein wenig: "Wie versprochen habe ich an der Skriptfähigkeit gearbeitet, allerdings hat es der entsprechende Code noch nicht komplett ins CVS geschafft." Konkret geht es dabei um die Möglichkeit, Mozilla-Oberflächenbeschreibungen im XUL-Format samt entsprechender Funktionalität in echte grafische KDE-Programme zu übersetzen.

Zu diesem Zweck arbeitet George an einer Bibliothek namens KaXUL (auszusprechen wie das englische Wort "casual"), die für KDE 3.2 allerdings noch nicht reif genug ist. Dass das in Nové Hrady präsentierte Programm uxul XUL-Dateien mit KaXULs Hilfe in nicht allzu ferner Zukunft ähnlich Shell-Skripten interpretiert und on-the-fly ausführt, bleibt für "Normal-User" also noch Zukunftsmusik.

Geldbörse für Passwörter

Georges zweites großes Thema hieß KWallet (Abbildung 3): Ähnlich, wie man sein Bargeld zentral in einer Brieftasche (englisch: "wallet") "verwaltet", "wird KDE 3.2 ein Wallet-System für Passwörter enthalten. Damit sind die Zeiten vorbei, in denen diese in einfachen Textdateien verstreut auf dem System herumlagen."

Abbildung 3

Abbildung 3: Nie wieder Passwörter vergessen? KWallet hilft ab KDE 3.2 dabei

Gerade der Zugriff auf zugangsbeschränkte Web-Seiten im Konqueror – vom Wiki bis zum Online-Banking – dürfte dann nicht mehr in Gedächtnistraining ausarten. Dass sich der KDE-Browser auch in den Momenten verwenden lässt, in denen das "Web Archiver"-Plugin eine Seite samt Bildern herunterlädt, damit man sie später auch offline betrachten kann, dafür sorgte Antonio Larrosa Jiménez [2] aus Spanien: "Ich habe das Plugin für den Konqueror so verändert, dass es den Browser nicht mehr blockiert. Es zeigt jetzt zudem einen – meiner Meinung nach – schönen Dialog mit Informationen zum Fortschritt und Status jedes Downloads; auch der Abspeicherprozess lässt sich darin unterbrechen."

In puncto Usability bewegte sich beim Konqueror ebenfalls einiges. Eva Brucherseifer aus Deutschland, die im Rahmen eines Konferenzvortrags zusammen mit Jan Mühlig die Relevantive-Usability-Studie (siehe Seite 7) vorstellte, berichtet: "Bereits im Vorfeld stellten wir eine Liste mit Verbesserungsmöglichkeiten für die Seitenleiste des Konquerors zusammen, die der Konqueror-Maintainer fleißig abarbeitete. Er war aber nicht der einzige, mit dem wir Probleme besprachen, die im Verlauf der Studie auftraten. Ich selbst habe am GUI des Hintergrund-Konfigurationsdialogs gearbeitet und ein paar kleine Usability-Fehler in KOrganizer behoben."

Dass die "New hot stuff"-Funktion des KOrganizers (vgl. Seite 19) im Hilfemenü am falschen Platz ist, sah auch dessen deutscher Maintainer Cornelius Schumacher ein, der sich am Ende froh darüber äußerte, "dass wir das neue PIM-Framework Kontact definitiv mit KDE 3.2 veröffentlichen werden. Während David Faure dafür sorgte, dass Kontact die Werkzeugleisten der zu integrierenden Applikationen in der richtigen Reihenfolge anzeigt und ihre Position speichert, habe ich selbst zum Beispiel das Synchronisationstool KitchenSync [3] einbaufertig gemacht. Es enthält einen neuen Teil, in dem sich Sicherheitskopien erstellen und wieder einspielen lassen. Allerdings bin ich noch nicht ganz sicher, ob es KitchenSync tatsächlich in KDE 3.2 schaffen wird."

Abbildung 4

Abbildung 4: Vorschau der Fensterdekoration

Lubos Lunák aus Tschechien fand zwar keine Zeit, sich zu überlegen, ob der Window-Manager KWin das "Multiple Document Interface" [1] unterstützen soll, sorgte aber dafür, dass mal eben aufpoppende Dialoge anderen Applikationen in KDE 3.2 nicht mehr den Maus- und Tastaturfokus wegnehmen. "Außerdem habe ich ein neues API für die Dekorationsplugins entworfen. Das für Anwender sichtbare Ergebnis dieser Arbeit: eine Vorschau im Fensterdekorationsdialog (Abbildung 4)."

Vom Window-Manager ist es nur ein kleiner Schritt zum KDE-Panel, an dem Antonio, der im Übrigen recht kurzentschlossen nach Tschechien fuhr, arbeitete: "Alle Applikationen, die ein Piktogramm im System-Tray der Kontrollleiste anzeigen, verhalten sich jetzt, was dieses Icon betrifft, identisch und benutzen dafür die Effekte, die der User für die Panel-Icon-Gruppe festlegt."

Glossar

CVS

"Concurrent Versions System", freies Verwaltungssystem für Quellcode u. a. textbasierte Projekte, an denen viele Leute gemeinsam arbeiten.

XUL

"XML-based User Interface Language", Sprache, in der die Mozilla-Oberfläche definiert ist.

GUI

"Graphical User Interface", grafische Oberfläche einer Software, also die Schnittstelle zwischen Programm und Benutzer(inne)n.

PIM-Framework

Eine Software, die verschiedene Programme zum Verwalten von E-Mails, Terminen und Kontakten ("Personal Information Management") so miteinander integriert, dass sie unter einer gemeinsamen Oberfläche zusammenspielen.

System-Tray

Die Icon-"Ablagefläche", die sich per Default links neben der Uhr in der Kontrollleiste (dem Panel) befindet. Anders als die Icons rechts neben dem K-Button starten sie keine Programme, sondern erlauben es, ständig laufende Dienste in Anspruch zu nehmen und zu konfigurieren.

Infos

[1] Patricia Jung: "Sneak Preview", LinuxUser 09/2003, S. 42 f.

[2] Patricia Jung: "Versteckt und nützlich", LinuxUser 09/2003, S. 30 ff.

[3] Carsten Niehaus: "Kitchen-Sync", LinuxUser 06/2003, S. 38 f., http://www.linux-user.de/ausgabe/2003/06/038-kitchensync/

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