Aus der Rille gekratzt

Audio-Aufnahme mit Linux-Tools

01.11.2003
Die ans Herz gewachsenen LPs und MCs warten traurig in heimischen Regalen auf ihre digitale Wiedergeburt. Mit Hilfe eines Linux-PCs ist die Erlösung nah.

Damit die geliebte Plattensammlung ihren Weg auf die Festplatte antreten kann, bedarf sie der Hilfe einiger Tools. Die einzelnen Lieder werden so Schritt für Schritt dem gewünschten Ergebnis näher gebracht. Erforderlich ist zudem noch ein Linux-PC mit konfigurierter Sound-Karte und eine Stereoanlage, die als Audiosignalquelle dient.

Am Anfang war die Konfiguration

Voraussetzung für unseren kleinen Workshop ist eine korrekt konfigurierte Sound-Karte. Ist diese noch nicht eingerichtet, so bieten die Kästen 1 und 2 zusätzliche Hilfestellung neben der Dokumentation Ihrer Distribution an.

Kasten 1: Konfiguration einer Sound-Karte unter SuSE Linux

Die automatische Hardware-Erkennung, die SuSE bei jedem Systemstart durchführt, fördert ohne Benutzereingaben eine brauchbare Standardkonfiguration zu Tage. Eine tiefergehende Konfiguration nehmen Sie bei Bedarf im KDE Kontrollzentrum unter YaST2 Module/Hardware/Sound vor (Abbildung 1).

Verfügt der Rechner über mehrere eingebaute Sound-Karten oder hat er Sound onboard auf dem Motherboard, so hilft ein Blick in die oben erwähnte YaST2 Registerkarte weiter: Steht die gewünschte Sound-Karte nicht an erster Stelle, so empfiehlt es sich, die davor befindlichen Einträge zu löschen und anschließend wieder neu hinzuzufügen.

Auf diesem Wege konfiguriert YaST2 sie wieder und bindet sie erneut in das System ein, jedoch nach der gewünschten Standardkarte. Alternativ verzichten Sie auf YaST2 und konfigurieren statt dessen manuel. (siehe Kasten 2).

Abbildung 1: YaST2 mit konfigurierten Sound-Karten

Kasten 2: Manuelle Konfiguration einer Sound-Karte

Wer nicht auf YaST zugreifen kann, führt die notwendigen Schritte von Hand durch. Dies stellt nur in den seltenen Fällen ein Hindernis dar. Im Grunde müssen Sie für die meisten Sound-Karten lediglich das passende Kernel-Modul ermitteln und laden. Dies ist nur in den Fällen notwendig, in denen dies nicht bereits beim Systemstart geschieht.

Bringen Sie in Erfahrung, welches Modul für Ihre Sound-Karte zuständig ist. Fragen Sie mit einer Suchmaschine im Internet nach linux module Name der Sound-Karte/des Chipsatzes. Da fast alle Distributionen in ihren Standard-Kernel Sound-Support einbauen, müssen Sie maeist nur das passende Sound-Modul laden.

Dies geschieht mit folgender Eingabe als User root:

/sbin/modprobe Name des Moduls

Testen Sie die Konfiguration sicherheitshalber erst einmal. Dafür reicht es, eine beliebige WAV-Datei ans Standard-Digital-Sampling-Device /dev/dsp zu schicken, wie es der folgende Befehl in einer Shell erledigt:

cat /opt/kde/share/sounds/KDE_Beep_Beep.wav > /dev/dsp

Kommt es an späterer Stelle zu Problemen, dann empfiehlt sich folgende Vorgehensweise: Finden Sie heraus, welches Device Ihrer gewünschten Sound-Karte entspricht, indem Sie obige Befehlszeile beispielsweise mit dsp1 wiederholen. Tabelle 1 hält nähere Erläuterungen zu den einzelnen Sound-Devices bereit.

Ist das passende Device ermittelt, so benennnt root dsp und mixer um und erstellt symbolische Links auf die zukünftigen Standard-Devices. Dies gilt nur für den Fall, dass es sich bei den Devices nicht bereits um symbolische Links handelt:

mv /dev/dsp /dev/dsp#
mv /dev/mixer /dev/mixer#
ln -s /dev/dsp# /dev/dsp
ln -s /dev/mixer# /dev/mixer

Für die Hash-Zeichen setzen Sie einfach die nächste freie Nummer ein. Testen Sie anschließend die Konfiguration einmal mehr, um sicher zu gehen, dass alles wie gewünscht funktioniert.

Vergessen Sie nicht, Ihr benötigtes Sound-Modul automatisch beim Systemstart mit zu laden, bei Slackware zum Beispiel als root auf die folgende Weise:

echo "/sbin/modprobe Modulname" >> /etc/rc.d/rc.modules

Bekommen Sie beim Zugriff auf dsp die Fehlermeldung Permission denied, ändern Sie die Zugriffsrechte auf die Devices soweit, dass alle Benutzer darauf zugreifen dürfen. Tippen Sie als root:

chmod a+rw /dev/dsp@L: *
chmod a+rw /dev/mixer@L: *

Langfristig betrachtet ist es durchaus sinnvoll, die dem Kernel eigenen Sound-Module durch die des ALSA-Projekts [9] zu ersetzen – ab Version 2.5.5 befinden sich die ALSA-Treiber übrigens offiziell im Linux-Kernel [10]. Eine detaillierte Installationsbeschreibung für die verschiedenen durch die Treiber des "Advanced Linux Sound Architecture"-Projekts unterstützten Sound-Karten liegt unter [11] bereit. Trotzdem ist bei der Kompilierung der Sourcefiles Vorsicht geboten.

Die weitergehende Konfiguration sowie Beispiele für die Anpassung der der Datei /etc/modules.conf und einige spezifische Tipps finden sich ebenfalls im Internet zu Hauf.

Tabelle 1: Übersicht über die wichtigsten Sound-Devices

/dev/dsp Ein symbolischer Link, der in vielen Fällen auf dsp0 zeigt.
/dev/dsp0 Das erste Digital Sampling Device.
/dev/dsp1 Zweites Digital Sampling Device.
/dev/mixer Ein symbolischer Link, der in vielen Fällen auf mixer0 zeigt.
/dev/mixer0 Erster Sound-Mixer
/dev/mixer1 Zweiter Sound-Mixer

Im Folgenden setzen wir als Aufnahmeprogramm krecord ein, das unter Umständen von SuSE und Red Hat nicht standardmäßig installiert wird. Ob dieses bereits auf Ihrem System vorhanden ist, prüfen Sie einfach mit dem Befehl which krecord. Dies sollte Ihnen den Pfad zur Software anzeigen. Ist dies nicht der Fall, müssen Sie das Programm aus den Quellen installieren.

Obwohl der Name eine Verknüpfung mit KDE vermuten lässt, handelt es sich bei krecord [12] – im Gegensatz zu dem KDE-Tool krec – um ein von KDE unabhängiges Einzelprojekt. Das Tar-Archiv des Programms findet sich auf der Projekt-Homepage [1]. Zur Installation des Sourcecodes gehen Sie als root wie folgt vor:

mv krecord-1.14.tar.gz /usr/local/src
cd /usr/local/src
tar xfvz krecord-1.14.tar.gz
cd krecord-1.14
make && make install

Als Mixerprogramm kommt im Folgenden das KDE-Tool kmix zum Einsatz. Durch dessen innige Beziehung mit KDE liegt kmix nicht als einzelnes Tar-Archiv vor, sondern ist im kmultimedia-Paket enthalten, welches in seiner aktuellen Version stets von [2] zu beziehen ist.

Prinzipiell können Sie jedes andere Mixerprogramm benutzen, das die Auswahl des aufzunehmenden Kanals unterstützt, wie zum Beispiel rexima [3] oder alsamixer [7]. Ist KDE nicht auf Ihrem System installiert, so bietet es sich an, rexima aus dem Quellcode zu kompilieren.

mv rexima-1.4.tar.gz /usr/local/src
cd /usr/local/src
tar xfvz rexima-1.4.tar.gz
cd rexima-1.4
make && make install

Nach dem Programmaufruf findet die Navigation und Aussteuerung mit den Cursor-Tasten statt, wohingegen [Space] zur Auswahl des zur Aufnahme bestimmten Kanals reserviert ist (Abbildung 2).

Abbildung 2: Rexima ist eine schlanke Alternative zum Programm kmix

Den richtigen Pegel finden

Um Ihre Sound-Karte nun mit den Schätzen Ihrer Hörspiel- oder Musiksammlung zu füttern, sorgen Sie lediglich dafür, dass Ihre Stereoanlage oder eine andere Quelle an den PC angeschlossen ist. Geben Sie hierfür dem Line-in-Eingang den Vorzug vor dem Mikrophon-Eingang, weil ersterer eine weitaus bessere Qualität liefert. Im Test zeigte sich, dass bereits mit einem einfachen Walkman als Audioquelle durchaus brauchbare Ergebnisse möglich sind.

Starten Sie nun das KDE-Mixerprogramm kmix und das Audioaufnahme-Tool krecord durch Eingabe der Zeile kmix && krecord &. Es öffnen sich zwei Fenster. kmix benutzen Sie, um den Lautstärkepegel anzusteuern, krecord übernimmt die Einstellungen für die eigentliche Aufnahme.

Sollte sich lediglich das Fenster von krecord öffnen, so wurde kmix bereits automatisch beim KDE-Start geladen. In der Schnellstartleiste befindet sich dann ein kleines blaues Icon, das einen Lautsprecher darstellt. Klicken Sie es mit der rechten Maustaste an, und wählen Sie im Menu den Punkt Wiederherstellen aus, um kmix wieder zu maximieren.

Abbildung 3: Einstellungssache: kmix nach dem Programmstart

Klicken Sie im kmix-Fenster auf Einstellungen / KMix einrichten und wählen Sie die Option Bezeichnungen anzeigen aus. Bestätigen Sie die Änderungen zeigt kmix über den Reglern die jeweilige Bezeichnung an, so dass es Ihnen leichter fällt, sich zurecht zu finden (Abbildung 4).

Wählen Sie nun den richtigen Kanal für die Aufnahme aus. Klicken Sie dazu auf den dunkelroten Button unter dem Regler. Leuchtet dieser wie in Abbildung 3 auf, so wurde er zur Aufnahme bestimmt. Für den ersten Test empfiehlt es sich, alle notwendigen Regler vorerst auf ein gutes Mittelmaß zu beschränken. Dazu gehören Lautstärke, PCM und Leitung.

Abbildung 4: Zeigt kmix die Bezeichnungen an, erleichtert dies den Einstieg

Unter Einstellungen / Input Level bietet krecord die Möglichkeit, den genauen Aufnahmepegel in Dezibel anzuzeigen. Das unter Einstellungen / Freq Analyser zu findende Tool visualisiert die jeweiligen Frequenzen in vertikaler Balkenform.

Mit derart guten Hilfsmitteln ausgestattet lohnt sich eine erste Aufnahme. Wählen Sie jetzt eine Kassette oder LP aus, und spielen Sie diese auf Ihrer an die Sound-Karte angeschlossenen Anlage ab. Der Sound der Anlage ist nun auch durch die PC-Boxen zu hören, und ein Blick auf den Bildschirm zeigt rege Bewegung in der näheren Umgebung von krecord (Abbildung 5).

Abbildung 5: krecord und kmix in Aktion

Für die Fein-Justierung bewegen Sie den Regler von Leitung gegebenenfalls soweit nach oben oder unten, dass sich das input level in einem grün-gelben Pegelbereich befindet. Jeden Vorstoß in den roten Bereich registriert krecord als Verzerrung und nimmt diese Stelle als Klick-Geräusch auf!

Führen Sie diesen Schritt also mit besonderer Genauigkeit und Sorgfalt durch, und bedenken Sie, dass der Lautstärkepegel der Audioquelle nicht immer gleichmäßig verläuft.

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