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Ark vereinfacht?

Ark Linux 1.0 Alpha 9

01.11.2003 "Etwas, das funktioniert", "starke Konkurrenz und Alternative zu Windows XP für normale Menschen" – nicht eben kleine Ziele stecken sich die Entwickler der neuen Desktop-Distribution Ark Linux. Deren aktuellste Version, 1.0 Alpha 9, steht jetzt zum Download bereit.

Um- oder Einsteigern ein einfach zu bedienendes und zu konfigurierendes System zu bieten, dieses Ziel setzen sich immer mehr Distributoren jenseits des Mainstreams. Manche, etwa das kommerzielle LindowsOS [3], zielen dabei auf möglichst viel Ähnlichkeit mit Windows, andere, wie das Ark-Linux-Projekt, stellen bestehende Linux-Mechanismen bewusst infrage und werfen sie schon mal ganz über Bord.

Ein (anders als Lindows) kostenloser Windows-XP-Ersatz für normale Menschen soll Ark Linux werden, das sich nach zweijähriger Entwicklungszeit langsam der magischen Version 1.0 nähert. Wir schauten uns die neue Vorabversion Alpha 9 alias "H2O" an.

Tetris statt Texte

Installations-CD booten, Sprache festlegen – soweit nichts Neues. Dann folgt die Frage nach dem Installationsort. Wer hier nicht mit einer zuvor angelegten Partition antworten kann, hat die Wahl, Ark Linux parallel neben Windows oder über den gesamten Plattenplatz verteilt zu installieren.

Mehr will die Installationsroutine gar nicht wissen: Fragen nach dem Netzwerk oder der zu installierenden Software fehlen; allerdings spart sich Ark Linux auch die nach einem root-Passwort.

Anschließend macht sich Tetris als Pausenfüller während der (auf einem HP-Notebook mit 1,7 GHz Pentium Mobile und 256 MB RAM) etwa halbstündigen Installation breit. Es folgt die Aufforderung, den Rechner neu zu starten. Leistet man der Folge, marschiert die Boot-Routine ohne Abfrage von Benutzernamen und Passwort direkt zum KDE-Desktop 3.1.3 des Standardusers arklinux durch. Ein einfaches su auf der Kommandozeile genügt, und schon avanciert der, ebenfalls ohne Passworteingabe, zum Superuser root.

Dieses Nutzerkonzept mag zwar bequem erscheinen; aus Sicherheitsgründen empfiehlt es sich aber, beiden nachträglich ein Passwort zu verpassen. Das geht problemlos im Ark-Kontrollzentrum (Abbildung 1). Bei der Gelegenheit lässt sich auch die automatische Anmeldung für arklinux deaktivieren.

Nach der Installation stellte sich heraus, dass weder der Notebook-Sound (Acer-M5451-Soundchip) noch das interne HP-Modem (Acer-M5457-AC-Link-Modem) die Hardware-Erkennung bestanden. Die Knoppix-3.1-Gegenprobe ergab, dass zumindest Audio prinzipiell kein Problem sein sollte (das Modem blieb auch da stumm).

Ein nachträglich am USB-Port angestöpselter HP-Scanner war hingegen gleich verfügbar. Dank DHCP-Server im Netzwerk funktionierte der Zugriff aufs LAN über die eingebaute Netzwerkkarte sofort – anderenfalls ist Handarbeit im Ark-Kontrollzentrum, Ark Mission Control genannt, angesagt.

Abbildung 1

Abbildung 1: Mission Control – Windows XP lässt grüßen

Als Herzstück der Distribution erinnert dieses nicht ganz zufällig an die Windows-XP-Systemsteuerung – sie übernimmt auch die gleichen Aufgaben von den Netzwerk- und Hardware-Einstellungen über die Nutzerverwaltung bis hin zur Software-Installation. Hinter den meisten Menüpunkten finden sich zwar altbekannte KDE-Konfigurationsprogramme wieder. Das Grundkonzept erweist sich jedoch als stimmig und wohldurchdacht.

Hinter dem Menüpunkt Software Installieren verbirgt sich das Paketverwaltungstool APT mit dem grafischen Frontend Synaptic (Abbildung 3). Eine schnelle Leitung ins Internet vorausgesetzt, könnte die Software-Verwaltung und -Installation nicht einfacher sein. Die Datei /etc/apt/sources.list enthält bereits die Ark-Linux-FTP-Server, von denen Synaptic Software auf Mausklick samt den zusätzlich benötigten Paketen installiert und auf den aktuellen Stand bringt. Der Versuch, distributionsfremde APT-Quellen anzuzapfen, schlug indes fehl. Immerhin reicht die vorinstallierte Auswahl an KDE-Programmen (siehe auch Abbildung 2) für den Linux-Einstieg aus.

Abbildung 2

Abbildung 2: Die Basisinstallation setzt auf KDE-Anwendungen; zusätzliche Software gibt es von CD oder per Online-Installation

Die Druckerverwaltung übernimmt CUPS. Wer das entsprechende KDE-Konfigurationsmenü, ebenfalls im Ark-Kontrollzentrum zu finden, nicht mag, spricht den CUPS-Server im Webbrowser unter der URL http://localhost:631 an. Ein angegrauter HP-Laserjet 4V war schnell installiert und lieferte nach etwas Feintuning brauchbare Druckergebnisse.

Mehr Software von CD

Fehlt zur Software-Installation die direkte Leitung ins Internet, kommen drei zusätzliche CD-Images zum Einsatz, die unter [1] aus dem Netz gezogen oder zum Stückpreis von je 10 Euro bestellt werden wollen: CD #3 enthält Development-Tools, CD #4 Server-Programme; alles andere findet auf CD #2 namens Software Platz. Damit entfällt das von anderen Distributionen gewohnte permanente Wechseln der Installations-CDs weitgehend.

Ins Laufwerk eingelegt öffnet sich automatisch das Tool arkinstall zur Software-Installation von CD-ROM. Warum dafür eine Extra-Anwendung zum Einsatz kommt, wo doch APT auch von CD installieren kann, war nicht erkennbar. OpenOffice 1.0.1, Mozilla 1.4 und zusätzliche Schriften lassen sich ebenso einfach nachinstallieren wie MySQL 4.015 oder PHP 4.3.3. Nicht alle Programmversionen sind auf dem neuesten Stand: So kommt das Grafik-Programm The GIMP in der Version 1.3.17 vom Juli 2003 daher (aktuell: 1.3.20), Mozilla hingegen ist mit dem 1.4er Release up to date.

Abbildung 3

Abbildung 3: Software-Verwaltung mit Synaptic

All das ähnelt anderen Distributionen – wäre nicht der Standarduser arklinux bereits von Beginn an mit Rechten ausgestattet, die sonst root vorbehalten sind. Er darf nicht nur Software installieren (ein potenzielles Einfallstor für Trojaner aus dem Internet), sondern auch das Netzwerk-Interface starten.

Verwehrt bleibt ihm hingegen das Einbinden von Laufwerken oder Netzwerkfreigaben. Für diese Aufgaben holt sich der Benutzer mittels su standardmäßig ohne Passwort-Eingabe root-Rechte. Ausführlich regelt das Tool Kapabilities diese Privilegien. Das gehört allerdings zur Software-Gattung "kaum bedienbar".

Nun läge ein Blick in die Dokumentation nahe. Aber Fehlanzeige: Weder zu Kapabilities noch zu Ark Linux selbst lassen sich Handbücher u. ä. auftreiben. Die Projekt-Webseite [4] bietet lediglich eine dürre FAQ-Abteilung.

Dass die Ark-Linux-Entwickler die Sicherheit bewusst zu Gunsten der Nutzerfreundlichkeit hintanstellen, soll kein ehernes Gesetz bleiben. Für kommende Versionen versprechen sie einen Advanced-Installer, mit dem sich jeder Aspekt der Installation steuern lässt. Dort sollte es dann möglich sein, einen zusätzlichen, nicht-privilegierten Account anzulegen und ein root-Passwort bereits während der Installation zu vergeben. Eine vereinfachte Installationsroutine mit Superuser ohne Passwort und erweitertem Standarduser wird es auch weiterhin geben. Solange letzterer nicht das Websurfen und die normale Desktop-Arbeit übernimmt, spricht sogar vieles dafür, User mit abgestuften Privilegien neben dem allmächtigen root einzuführen.

Glossar

APT

Das "Advanced Package Tool", das mächtige Software-Management-System der Debian-Distribution, führt und pflegt Inhaltslisten von Installations-CDs und Servern mit aktueller Software einerseits und führt andererseits Buch über die installierte Software. Damit ist es in der Lage, Paketabhängigkeiten eigenständig aufzulösen.

CUPS

Mit dem "Common Unix Printing System" lassen sich Drucker sehr einfach und elegant im Webbrowser administrieren. Weil dieses System viele Druck-Probleme in heterogenen Umgebungen löst und es Linux-Usern ohne Verrenkungen erlaubt, das Optimale aus den Druckern herauszuholen, entwickelt es sich derzeit zum Standard-Druck-System unter Linux.

Infos

[1] Ark-Linux-Download: http://www.arklinux.org/download.php

[2] Die Ark-Linux-Entwickler im Interview: http://www.pro-linux.de/news/ 2003/5717.html

[3] Max Werner: "Lindows 4.0 im Test", LinuxUser 09/2003, S. 44 f.

[4] Die Ark-Linux-Website: http://www.arklinux.org/

Der Autor

Stefan Kurze ist frisch gebackener Diplom-Ingenieur Medientechnik. An Linux biss er sich fest, als er vor zwei Jahren eine Suse 7.2 installierte und nicht damit rechnete, dass 64 MByte Hauptspeicher und KDE 2 kein gutes Pärchen sind.

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