Wollen Sie nicht nur eigene Partituren schreiben, sondern diese auch gleich mit selbst entworfenen Instrumenten spielen? Die Synthesizer-Programme FluidSynth [10] und AlsaModularSynth [14] erfüllen diese Aufgabe im Zusammenspiel mit dem Noteneditor NoteEdit [1].
NoteEdit
SuSE ist derzeit die einzige bekannte Distribution, die NoteEdit mitliefert, für Red Hat 9 finden Sie RPM-Pakete von NoteEdit und der TSE3-Bibliothek auf der Heft-CD. Bei anderen Distributionen müssen Sie die Quellen von der CD selbst kompilieren, die Anleitung gibt es unter [2].
Seit unserem Artikel in Ausgabe 4/2002 hat es die Notenzeichen Segno, Fine, Dal Segno, Dal Segno al Coda, Dal Segno al Fine und Piano-Pedal-Markierungen dazugelernt (Abbildung 1): Es stellt sie nicht nur dar, sondern beachtet sie auch bei der Wiedergabe. Zu den Triolen kamen allgemeine N-Tuplets, bei denen N zwischen 2 und 10 liegt, hinzu. Auch geschweifte und eckige Klammern (Akkoladen) sind möglich (Abbildung 2).
Taktstriche gehen bei Bedarf über mehrere Notenzeilen hinweg. Zudem ergänzte der Autor einige hilfreiche Kleinigkeiten wie den Doppel-Taktstrich, Arpeggio und den Schlussstrich.
NoteEdit unterstützt zudem Ritardando und Accelerando und notiert Akkorde und deren Griffschemata für die Gitarre (Abbildung 3).
In früheren Versionen ärgerten sich viele Nutzer, dass die für diesen Zweck ungewöhnliche mittlere Maustaste neue Noten einfügte. Inzwischen übernimmt ein Linksklick diese Aufgabe. Zudem können Sie in der aktuellen Ausgabe auch einzelne Noten eines Akkords bearbeiten, die Pfeiltasten verschieben sie nach oben und unten.
Wichtig für deutschsprachige Benutzer: Das Paket enthält die gesamte Dokumentation auch auf deutsch [3].
Außer den Export-Formaten MusiXTeX, PMX [4], LilyPond [5] und MUP [6] schreibt NoteEdit jetzt auch ABC music-Dateien [7]. Dies ist nicht nur ein verbreitetes Austauschformat für Notenschrift, auch das empfehlenswerte Notensatzsystem abcm2ps [8, 9] arbeitet damit.
Zur Musikwiedergabe benötigt NoteEdit ein funktionierendes MIDI-Gerät, der Menüpunkt Einstellungen / Noteneditor einrichten... / Klang zeigt die verfügbaren Geräte. Wählen Sie eines aus und überzeugen Sie sich von seiner Funktionalität, indem Sie eine Beispieldatei aus dem Unterverzeichnis examples abspielen. SuSE-Benutzer finden es unter /usr/share/doc/packages/noteedit/.
FluidSynth
Alternativ zum Hardware-MIDI-Gerät sorgt ein Software-Synthesizer wie FluidSynth oftmals für bessere Klangqualität. Manche Hardware liefert so schlechte Ergebnisse, dass auch Laien den Unterschied deutlich hören. Kasten 1 beschreibt die FluidSynth-Installation.
Kasten 1: Installation von FluidSynth
FluidSynth und NoteEdit arbeiten nur zusammen, wenn ALSA [11] die Kommunikation mit der Soundkarte übernimmt. Leider setzt SuSE derzeit als einzige große Distribution ALSA als Standard ein, für Red Hat 9 gibt es Pakete auf der Heft-CD.
Damit FluidSynth mit ALSA-Unterstützung kompiliert, muss das ALSA-Entwicklungspaket installiert sein; SuSE-Nutzer installieren dazu alsa-devel, das RedHat-Paket alsa-driver enthält sie ebenfalls. Anschließend entpacken Sie FluidSynth von der Heft-CD mit tar -xzf fluidsynth-1.0.3.tar.gz. Zum Kompilieren und Installieren dienen die folgenden Befehle:
cd fluidsynth-1.0.3 ./configure make su (auf Verlangen root-Passwort eingeben) make install exit
Dieser Synthesizer erzeugt Töne durch die so genannte Wavetable-Synthese. Das Verfahren nutzt einen Soundfont, eine Sammlung von Beispieltönen (Samples) aller Instrumente eines virtuellen Orchesters. Aus diesen Tönen berechnen Wavetable-Synthesizer alle weiteren MIDI-Töne.
Auf der Heft-CD finden Sie die Soundfonts FluidR3 und Unison im Verzeichnis LinuxUser/soundfonts/, weitere gibt es unter [12] und [13].
FluidR3 sollten Sie nur benutzen, wenn Sie über mindestens 256 MB Arbeitsspeicher verfügen, denn FluidSynth lädt die 141 MB große Soundfont-Datei komplett in den Speicher. Bei zu wenig RAM lähmt dies unter Umständen das ganze System; verwenden Sie alternativ den kleineren Unisono-Font.
Nach dem Entpacken des Soundfonts mit gzip -d FluidR3.sf2.gz kommen Sie mit
fluidsynth FluidR3.sf2
in die FluidSynth-Eingabeaufforderung. Das Programm synthetisiert nun Töne, bis Sie es mit quit beenden.
Wenn Sie anschließend unter Einstellungen / Noteneditor einrichten... / Klang das Gerät Synth input port einstellen, verwendet NoteEdit den Software-Synthesizer zur Ausgabe. Wieder verschafft ein Test mit einer Beispieldatei Klarheit, ob alles wie gewünscht funktioniert. Wenn Ihnen die Wiedergabe zu leise ist, erhöhen Sie die Lautstärke an der FluidSynth-Eingabeaufforderung mit gain 2; dieser Befehl akzeptiert als Argument Werte von 1 bis 5. Für den Fall, dass Ihre Partitur Streicher enthält, wie die Zeile drei von example1.not aus den NoteEdit-Beispielen, beschreibt Kasten 2, wie Sie einen Bug in FluidSynth umgehen.
Kasten 2: Streicher in FluidSynth fehlerhaft
Durch einen Programmfehler synthetisiert FluidSynth das Instrument Streicher nicht korrekt. Diesen Bug umgehen Sie, indem Sie stattdessen Chor-A verwenden. Mit dem Auswahl-Werkzeug – das Icon mit dem schwarzen Pfeil – markieren Sie die betreffende Zeile; in der NoteEdit-Beispieldatei example1.not ist es die dritte. Im Dialogfenster Notenzeile / Eigenschaften... wählen Sie im Fenster Stimmen das Instrument 52. Chor Aahs aus.



