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Alles ist ein Projekt

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

als die LinuxUser-Redaktion dieses Heft produzierte, liefen gleichzeitig die Vorbereitungen für die diesjährige "Editor's Choice"-Umfrage an. In deren Ergebnis prämiert die Linux New Media AG alljährlich Soft- und Hardware sowie Firmen und Organisationen, die das Linux-Umfeld in diesem Jahr besonders prägten. Eine vielköpfige Jury, bestehend aus Stammautoren und -autorinnen der in unserem Verlag erscheinenden Publikationen, deren Redaktionen wie auch Vertretern und Vertreterinnen von Open-Source-Projekten, macht Vorschläge für verschiedene Kategorien und wählt schließlich die Gewinner, die wir Ihnen im nächsten Heft präsentieren werden.

Eine dieser Kategorien heißt "Einsteiger-freundlichste Software" – und sie bereitete nicht nur mir einige Bauchschmerzen: Zwar lassen sich diverse Distributionen – pflegeleichte Hardware vorausgesetzt – auch mit geringen Vorwissen installieren, zwar macht es für Computer-Anwender und -Anwenderinnen ohne Linux-Kenntnisse nach geringer Vorinformation kaum einen Unterschied, ob sie mit dem KDE-Desktop oder der Windows-XP-Oberfläche zu arbeiten anfangen [1].

Doch selbst das KDE-Brennprogramm k3b, mit dem die Linux-Testgruppe an der Relevantive-Benutzbarkeitsstudie sehr viel besser klar kam als die Vergleichsgruppe, die dieselbe Brenn-Aufgabe unter Windows XP bekam, braucht man nur einmal anschauen, um Mängel festzustellen: Warum muss ich zum Erzeugen einer neuen CD den Punkt Neues Projekt anwählen? Ich will doch kein Projekt starten, sondern nur eine CD brennen!

Die Wortwahl innerhalb der Benutzerschnittstelle ist zugegebenermaßen nur einer von vielen Aspekten des Themas Benutzerfreundlichkeit. Doch legen die Entwickler und Entwicklerinnen von Kommandozeilen-Tools ironischerweise oft mehr Wert auf die Namen eines Programms und seiner Optionen: Im Vergleich zum Projekt CD-Brennen verwendet die Anwenderin selbst beim für seine Syntax berüchtigten Kommando find regelrecht natürliche Sprache, um ihr Begehr auszudrücken:

find /home/pjung -name LU@L: * -type d

weist den Rechner an: "Finde im Verzeichnis /home/pjung all das, was einen Namen hat, der mit LU beginnt, und vom Typ 'Verzeichnis' (englisch: directory) ist!"

Unter dem Aspekt entwickle ich beinahe Sympathie für den Teilnehmer an der Editor's Choice, der während der Nominierungsrunde das Unix-Urgestein Emacs als Kandidaten für die einsteigerfreundlichste Software vorschlug: Bei diesem Editor weiß ich wie bei den klassischen Unix-Kommandozeilen-Tools von vornherein, dass ich mich erstmal einarbeiten muss. Software mit grafischer Oberfläche hingegen sollte sich quasi von allein erschließen, und ausgerechnet hier machen sich die Entwickler wenig Gedanken über ihre Nutzer und Nutzerinnen. Motto: "Lernen kann man mit entsprechender Einarbeitungszeit alles."

Entsprechend froh war ich darüber, dass sich viele KDE-Entwickler auf der KDE-Konferenz Ende August im Gespräch durchaus selbstkritisch zeigten und dem Thema Benutzbarkeit – Usability – nicht unaufgeschlossen gegenüber standen. Schließlich hängt der Erfolg von Linux auf dem Desktop vor allem davon ab, wie intuitiv sich KDE, GNOME, Mozilla, OpenOffice und andere grafische Programme benutzen lassen.

Entsprechend enttäuscht bin ich aber auch davon, dass bis zu Druckunterlagenschluss noch kein KDE-Programmierer die im Anschluss an die Konferenz eröffnete KDE-Usability-Hotline, die Mailingliste kde-usability-devel [2], um Hilfe fragte. Denn selbst die hier angebotene kostenfreie Unterstützung durch Usability-Experten und -Expertinnen nützen nichts, wenn sie nicht angenommen wird.

Andererseits hat es das KDE-Usability-Projekt bislang selbst noch nicht geschafft, das neue Angebot auf der Projekt-Webseite [3] zu ergänzen. Open-Source-Projekte sind halt auch nicht perfekt.

Patricia Jung Stellvertretende Chefredakteurin

Infos

[1] Relevantive-Usability-Studie: http://www.relevantive.de/Linux.html

[2] Mailingliste kde-usability-devel: http://mail.kde.org/mailman/listinfo/kde-usability-devel/

[3] KDE-Usability-Projekt: http://usability.kde.org/

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