Ordnung im digitalen Schuhkarton

Halbautomatische Nachbearbeitung von Fotoserien

01.10.2003
Immer dann, wenn es um die Bearbeitung hunderter, im JPEG-Format abgelegter Fotos geht, ist GIMP nicht der Weisheit letzter Schluss. Hier spielen speziell Kommandozeilenprogramme ihre Stärken aus.

Eine Ausbeute von fünf qualitativ guten Fotos auf einem Film mag frustrieren, ist für Amateure aber keinesfalls schlecht – nicht umsonst verschießen Profi-Fotografen Unmengen an Filmmaterial. Auch bei digitalen Schnappschüssen verbessert sich dieses Verhältnis nur dadurch, dass man offensichtlich missglückte Bilder bereits auf der Kamera löscht.

Doch gibt es hier immerhin den Lichtblick der digitalen Nachbearbeitung: Liegen die "überlebenden" Bilder der ersten Auslese einmal auf der Festplatte vor, geht die Operation "Bilder löschen" in die zweite Runde. Die übriggebliebenen Bilddateien wollen sinnvoll auf der Festplatte geordnet und auch dann korrekt nach Aufnahmedatum und -uhrzeit benannt werden, wenn die Kamera in der falschen Zeitzone agiert. Aufnahmen, bei denen die Kamera senkrecht stand, müssen gedreht werden, und tote Pixel verlangen nach Retusche. Genug Arbeit für mehrere verregnete Wochenenden – doch es geht auch schneller.

Für viele dieser Arbeiten ließe sich GIMP hernehmen, wären da nicht einige gravierende Nachteile: Das Programm erlaubt keine Serienbearbeitung, so dass man sich nur um ein Bild auf einmal kümmern kann. Zum einmaligen Ansehen der Aufnahmen in voller Größe, um zu beurteilen, ob sie etwas geworden ist, eignet es sich – da zu umständlich – ebenfalls schlecht.

Zudem führt jeder Bearbeitungsschritt – jedes Laden und Speichern mit GIMP – zu Informationsverlusten: Fotos, insbesondere von Digitalkameras, liegen meist im JPEG-Format vor. Jede JPEG-Kompression, auch die Neukompression eines wiederausgepackten JPEG-Bilds, verringert die Bildqualtät: Man sieht das auch an der Größe der von GIMP gespeicherten Datei – sie ist wesentlich kleiner als die Originaldatei.

Digitalkameras legen nicht nur die Bilddaten selbst in ihren JPEG-Files ab, sondern auch zusätzliche Information wie Aufnahmezeitpunkt oder Belichtungszeit im sogenannten EXIF-Header. Bei der Nachbearbeitung mit GIMP und den meisten anderen Bildbearbeitungsprogrammen gehen diese beim Abspeichern verloren.

Genügend Gründe, um sich nach Alternativen zur Fotobearbeitung umzuschauen. Dieser Artikel zeigt, wie man mit diversen Bildbearbeitungswerkzeugen arbeitet, die nicht unbedingt zum Standardumfang aller Linux-Distributionen gehören und deswegen häufig erst installiert werden müssen. Wie dies vonstatten geht, beschreibt Kasten 1. Dem Thema "digitaler Fotoausdruck" widmet sich ein Artikel im nächsten Heft.

Kasten 1: Installation der Bildbearbeitungssoftware

Soweit der folgende Text keine abweichenden Angaben macht, lassen sich alle genannten Programme bei SuSE, Red Hat u. ä. als RPM-Paket mit

rpm -Uvh Paketdateiname.rpm

installieren. Meldet der Paketmanager dabei fehlende, zusätzlich benötigte Pakete, müssen die erst eingespielt werden, ehe Sie einen erneuten Installationsversuch starten. Mandrake-Linux-User sparen sich diesen Aufwand, indem sie das Paket statt mit rpm von Vornherein mit

urpmi Paketdateiname.rpm

einspielen. Halten Sie dabei Ihre Installations-CDs bereit! Sollten für Red Hat gedachte Pakete unter Mandrake nicht laufen, entfernen Sie sie wieder mit rpm -e Paketname.

Damit im Quellcode vorliegende Pakete kompiliert werden können, benötigen Sie die Paketgruppe Entwicklung (Development) o. ä. aus dem Paketinstallationsprogramm Ihrer Distribution. Installieren Sie auch unbedingt die -devel-Pakete der Bibliotheken, die das zu übersetzende Programm benötigt! Anschließend reichen in den meisten Fällen die Kommandos

tar -xvzf name.tar.gz
cd name
./configure
make
su -root-Passwort
make install

Abweichendes erfahren Sie in den README- und/oder INSTALL-Dateien der Pakete wie auch im Folgenden.

Ggqview [1] gehört bei vielen Distributionen schon zum Lieferumfang; alternativ bietet die Web-Seite des Projekts neben dem Quellcode RPMs für Red Hat 7.x, 8 und 9 zum Download an; für letztere allerdings nur die instabile 1.3.x-Version. Zur Installation benötigt man mindestens GTK+ 1.2.x und gdk-pixbuf 0.10.0 für gqview 1.2.x bzw. GTK+ 2.2.x für gqview 1.3.x.

Flphoto [2] liegt lediglich Mandrake Linux seit Version 9.1 bei; die Projektseite bietet außer dem Quellcode nur eine RPM-Datei für Red Hat Linux an. Installiert sein muss mindestens libfltk 1.x (http://www.fltk.org/); aber erst libgphoto2, libcups und libexif (http://libexif.sf.net/) samt entsprechenden -devel-Paketen für die Kompilation sorgen für den vollen Funktionsumfang.

Jhead [4] 2.0 wird in Mandrake 9.2 (http://www.mandrakelinux.com/en/cookerdevel.php3) enthalten sein, Mandrake 9.1 bringt eine ältere Version mit, SuSE und Red Hat verzichten ganz darauf. Die jhead-Web-Seite bietet den Quellcode, RPMs für Red Hat und ausführbare Binärdateien für verschiedene Betriebssysteme. Letztere kopiert man einfach nach /usr/local/bin/ und setzt mit

chmod 755 jhead

Ausführungsrechte für alle. Beides ist auch beim Selberkompilieren nach dem make-Aufruf nötig (es gibt kein make install in diesem Fall); hier kopiert man zudem die Manpage an Ort und Stelle:

cp jhead.1.gz /usr/share/man/man1
chmod 644 /usr/share/man/man1/jhead.1.gz

Die libjpeg-Bibliothek [5] liegt jeder Distribution bei; damit sollte auch jpegtran überall zur Verfügung stehen. Wenn nicht, müssen Sie eventuell ein Zusatzpaket von Ihren Installations-CDs (wie libjpeg-progs unter Mandrake Linux) einspielen. ImageMagick> [6] bringt normalerweise jede Distribution mit. Im Zweifelsfall weist die Projektseite den Weg zu den Quellcode-Paketen, RPMs für alle Red-Hat-Versionen (im linux-Unterverzeichnis der Mirrors) und binären .tar.gz-Paketen (im binaries-Unterverzeichnis). Die Installation des Binärpakets beschreibt die QuickStart.txt-Datei auf den Downloadservern.

Mit jpegpixi-Paketen [7] versorgt lediglich Debian und zukünftig Mandrake 9.2 seine User. Zur Kompilation des Quellcode-Pakets benötigen Sie die libjpeg-Bibliothek und das zugehörige -devel-Paket.

Gut vorgeschaut

Zunächst geht es darum, die Bilder auf dem Bildschirm zu sichten. Des besseren Überblicks wegen empfiehlt sich eine Thumbnail-Ansicht. Im Konqueror aus KDE 3.x erreichen Sie diese Funktion über das Menü Ansicht / Vorschau (Abbildung 1).

Je nach KDE-Version aktivieren Sie anschließend den Punkt Vorschauen anzeigen oder wählen gleich die Dateitypen, zu denen Konqueror ein Vorschaubild erstellen soll – im Falle der Fotos etwa den Punkt Bilder, wie in Abbildung 1 zu sehen. Nach und nach verwandeln sich nun die Dateisymbole in entsprechende Vorschaubildchen. Ist das nicht der Fall, überprüfen Sie, ob im Menü Ansicht / Anzeigemodus Symbol-Ansicht oder Mehrspaltige Ansicht eingestellt ist.

Abbildung 1: Der Konqueror mit aktivierter Thumbnail-Anzeige

Um die Bildqualität wirklich zu beurteilen, sind die Thumbnails allerdings zu klein; hier benötigen Sie eine bildschirmfüllende Darstellung oder gar eine Anzeige in Originalgröße, bei der ein Bildschirm-Pixel einem Foto-Pixel entspricht. In Konqueror erfordert das einige Klimmzüge: Zunächst doppelklicken Sie das Foto, scrollen sich dann durch das in Originalgröße angezeigte Bild und kehren anschließend mit dem Zurück-Symbol wieder zu den Thumbnails zurück.

Einfacher geht es mit speziell für Bildanzeige und elementare Bildbearbeitung vorgesehenen Programmen wie gqview [1] und flphoto [2]. Beide zeigen neben einer Liste der Thumbnails das gerade ausgewählte Foto groß an, und diese Großansicht lässt sich beliebig zoomen. Bei gqview (Abbildung 2) müssen die Thumbnails gegebenenfalls durch Klick auf das Symbol ganz links in der Symbolleiste (Indexbilder anzeigen) aktiviert werden.

gqview ist erste Wahl, wenn es ums Einsortieren der Fotos in Ordner oder das Löschen unerwünschter Aufnahmen geht. Ein Rechtsklick auf das Bild oder den Indexeintrag links genügt, und ein Menü mit den verfügbaren Funktionen erscheint. Bildbearbeitungs- bzw. Retuschefunktionen bringt das Programm zwar nicht mit, dafür lassen sich im Bearbeiten-Untermenü des Kontextmenüs benutzerdefinierte Programme für diese Zwecke einbinden. Wie das genau geht, steht in Kasten 2.

Abbildung 2: Das Kontextmenü der Bildanzeige im gqview-Hauptfenster bietet alle wichtigen Funktionen zum Ordnen der Fotos auf der Festplatte sowie das in Kasten 2 beschriebene, frei konfigurierbare "Bearbeiten"-Menü

Kasten 2: Bildbearbeitung mit

gqview

gqview erlaubt es über das Bearbeiten-Untermenü des Kontextmenüs zu einem Bild, beliebige externe Tools auf diese Datei anzuwenden. Standardmäßig stehen hier Programme wie GIMP, Electric Eyes usw. zur Verfügung. Mit Bearbeiten / Einstellungen ... im gqview-Hauptmenü fügen Sie eigene Werkzeuge hinzu: Wählen Sie im dann erscheinenden Dialog die Registerkarte Bearbeitungsprogramme. Dort finden Sie acht Eingabezeilen-Paare vor, in die Sie jeweils rechts die aufzurufende Kommandozeile, links den Text, der als Menüeintrag erscheinen soll, hineinschreiben. Der Platzhalter %f in der Kommandozeile steht für den Namen der zu bearbeitenden Bilddatei.

Die hier eingetragenen Programme müssen nicht unbedingt grafische Applikationen sein, auch nicht-interaktive Kommandozeilenprogramme können verwendet werden, so etwa die Skripte aus diesem Artikel (rotateleft %f, rotateright %f, removedeadpixels %f). Abbildung 3 zeigt ein Beispiel.

Abbildung 3: Die hier definierten Bildbearbeitungsfunktionen füllen das "Bearbeiten"-Menü von Abbildung 2

Vorbereitungen zur Präsentation

flphoto (Abbildung 4) kann zwar keine Fotos auf der Festplatte hin- und herbewegen, stellt ansonsten aber eine integrierte Umgebung zur Fotobearbeitung dar. Wenn erforderlich, lädt sie Fotos über den Menüpunkt Album / Import / Camera sogar direkt von der Digitalkamera und stützt sich dabei auf GPhoto2.

flphoto fasst Bilder in Listen, sogenannten "Alben", zusammen, fügt Bilddateien oder Verzeichnisse über Album / Import hinzu, löscht Bilder aus dem Album (nicht von der Festplatte), und erlaubt es, die Fotos durch Ziehen der Thumbnails mit der Maus umzuordnen. Die gängigsten Bildbearbeitungsfunktionen wie Drehen, Beschneiden, Skalieren (alle im Menü Image / Transform), Helligkeit/Kontrast und sogar das Entfernen roter Augen auf Blitzfotos (im Menü Image / Touch-Up) beherrscht das Programm ebenfalls. Beim Drehen und Beschneiden verzichtet es auf die Neukompression der JPEG-Bilder und vermeidet so Qualitätsverluste.

Abbildung 4: flphoto vermag Fotos auf der Festplatte zwar nicht hin- und herzuschieben, kann aber sonst fast alles

flphoto ist auch für alle Formen der Präsentation gerüstet: Album / Slideshow startet eine Dia-Show, Album / Export exportiert alle Bilder des Albums für's Web, und die exzellente Druckfunktion (kein Wunder, flphoto stammt von Michael Sweet, dem Autor des Drucksystems CUPS) sorgt für Hochglanzabzüge.

Kein Widerspruch: Kommandozeile und Bilder

Bei grafischen Bildbearbeitungsprogrammen wendet man eine Bearbeitungsfunktionen in der Regel abhängig davon an, was man sieht. Das funktioniert gut mit wenigen Bildern; sollen jedoch hunderte von Dateien gleichermaßen bearbeitet werden, lässt sich das besser von der Kommandozeile aus bewerkstelligen. Noch erstaunlicher: Einige Aufgaben aus der visuellen Welt meistern zur Zeit überhaupt nur Kommandozeilenprogramme.

Zu den klassischen Einsatzzwecken für solche Filter-Tools zählt das Drehen von Fotos, die mit senkrecht gehaltener Kamera im Hochformat gemacht wurden. Selbst wenn die Kamera einen Orientierungssensor hat, speichert sie eine Bilddatei im Querformat mit dem auf der Seite liegenden Motiv. Bevor Sie Ihre Foto-Sammlung präsentieren, sollten Sie diese Aufnahmen auf jeden Fall drehen, auf dass sie in korrekter Orientierung erscheinen.

Für diese Aufgabe empfehlen sich jhead [4] und das Tool jpegtran aus dem Paket der JPEG-Library libjpeg [5]. jhead erhält die EXIF-Header; jpegtran dreht ohne Neukompression und damit ohne Qualitätsverlust.

Verfügt Ihre Kamera über einen Orientierungssensor (und haben Sie diesen beim Fotografieren aktiviert, siehe Abbildung 5) bringt folgender Befehl alle Fotos in die richtige Orientierung – vorausgesetzt, jhead liegt mindestens in Version 2.0 vor:

jhead -autorot *.jpg

jhead liest dabei die von der Kamera in die EXIF-Header der Fotos geschriebene Orientierungsinformation ein und dreht die Bilder entsprechend mit Hilfe von jpegtran. Leider kommt das Tool nicht mit allen Kamerahaltungen klar, es versagt etwa dann, wenn die Kamera auf dem Kopf steht (Auslöser nach unten) oder das Objektiv senkrecht nach oben oder nach unten zeigt.

Manuelles Drehen beherrschen auch ältere jhead-Versionen. Zwar erfüllt

jpegtran -rot 270 originalbild.jpg > gedrehtesbild.jpg

diese Aufgabe bereits, doch überträgt jpegtran den EXIF-Header aus originalbild.jpg nicht in die Zieldatei gedrehtesbild.jpg, zudem müssen Ausgangs- und Zieldatei verschiedene Namen tragen. Beide Probleme löst der Befehl

jhead -cmd "jpegtran -rot 270 &i > &o" bild.jpg

Mit der -cmd-Option kann jhead jedes beliebige JPEG-Bildmanipulationskommando aufrufen; jhead sichert dann die EXIF-Daten von bild.jpg, führt die gegebene Kommandozeile aus (wobei es für &i den Namen der Ausgangsdatei und für &o den Namen einer temporären Datei einsetzt), fügt die EXIF-Daten in letztere ein und ersetzt die Ausgangsdatei durch die temporäre Datei. So lässt sich jeder Bildbearbeitungsbefehl unter Erhalt des EXIF-Headers durchführen, insbesondere auch Manipulationen mit convert [8] aus dem ImageMagick-Paket [6].

jhead -cmd "..." spielt speziell dann seine Stärken aus, wenn das aufgerufene Kommando selbst nur ein explizit genanntes Bild verarbeiten kann, aber viele Grafikdateien in einem Rutsch manipuliert werden sollen. So dreht

jhead -cmd "jpegtran -rot 270 &i > &o" *.jpg

alle JPEG-Bilder im Arbeitsverzeichnis eins nach dem anderen; den Drehwinkel beschränkt jpegtran allerdings auf 90-Grad-Schritte:

  • -rot 90 dreht um 90 Grad nach rechts,
  • -rot 270 um 90 Grad nach links,
  • -rot 180 um 180 Grad.

Ein weiteres Manko sei nicht verschwiegen: Da jhead die EXIF-Daten an der Manipulation vorbeischleust, bleibt der darin enthaltene Thumbnail gekippt; seine horizontale Auflösung übersteigt weiterhin die vertikale.

Um Tipparbeit zu sparen, lohnt es sich, zwei kleine Shell-Skripte anzulegen. Eines namens rotateleft füllen Sie mit folgendem Inhalt:

#!/bin/sh
jhead -cmd "jpegtran -rot 270 &i > &o" $*

In eine zweite neue Datei namens rotateright schreiben Sie

#!/bin/sh
jhead -cmd "jpegtran -rot 90 &i > &o" $*

Machen Sie beide Dateien mit

chmod 755 rotateleft rotateright

ausführbar, und schieben Sie sie nach /usr/local/bin. Sofern dieses Verzeichnis im Suchpfad liegt, drehen Sie Ihre Bilder ab jetzt einfach mit rotateleft bild1.jpg nach links bzw. mit rotateright bild2.jpg nach rechts.

Weg mit den toten Pixeln!

Massenbildverarbeitung via Kommandozeile lohnt sich auch beim Entfernen toter Pixel: Solange man die Kamera nicht wechselt, sorgen die Defekte im Bildsensor für Fehlstellen, die sich auf allen Bildern an der gleichen Stelle befinden (Abbildung 6).

Abbildung 6: Ein toter Pixel (der hellgrüne Punkt in der Mitte) im vergrößerten Ausschnitt eines Bildes. Dass er verwischt aussieht, liegt an der JPEG-Kompression

Die Retusche-Aufgabe selbst übernimmt jpegpixi [7]; für die Automatisierung des Korrekturprozesses in einer Bilderserie zeichnet wieder einmal jhead verantwortlich. Zum Bestimmen der Positionen der toten Pixel benötigen Sie ein Programm, das Bilder nicht nur anzeigt, sondern auch die Koordinaten des Pixels angibt, über dem sich der Mauszeiger befindet. Sowohl GIMP als auch display aus dem ImageMagick-Paket eignen sich dazu; mit GIMP geht es am einfachsten.

jpegpixi macht nichts anderes, als die auf der Kommandozeile angegebenen Bildbereiche durch eine Interpolation der Umgebung zu ersetzen – das funktioniert natürlich auch bei anderen Störelementen, nicht nur bei toten Pixeln. Dabei komprimiert das Tool nur die Bild-Datenblöcke neu, in denen es etwas wegretuschiert. Da es die übrigen Blöcke nicht antastet, bleibt die Bildqualität weitestgehend erhalten.

Als Erstes müssen Sie die defekten Pixel des Bildsensors Ihrer Kamera finden. Hierzu nehmen Sie ein absolut schwarzes Foto auf, das Sie anschließend am Bildschirm untersuchen. Halten Sie dafür etwas Schwarzes direkt vor das Objektiv (bei einigen Kamera-Typen, z. B. Spiegelreflexkameras, lassen Sie einfach die Schutzkappe auf der Linse). Unterbelichten Sie extrem, indem Sie die Blende möglichst weit schließen und eine möglichst kurze Belichtungszeit wählen. Bei Kameras ohne manuelle Steuerungsmöglichkeit stellen Sie zumindest die Belichtungskorrektur auf den dunkelstmöglichen Wert. Auf jeden Fall schalten Sie den Blitz aus, damit kein Licht durch den Spalt zwischen Objektiv und schwarzem Gegenstand eindringt. Da sowieso nur homogenes Schwarz abgebildet werden soll, braucht die Kamera nicht fokussieren zu können. Stellen Sie als Auflösung diejenige ein, mit der Sie die zu retuschierenden Fotos gemacht haben!

Laden Sie das Schwarzbild in GIMP, und zoomen Sie es soweit auf, dass ein Bildpixel auf einem Pixel des Monitors dargestellt wird (im Kontextmenü des Bilds Ansicht / Zoom / 1:1). Alternativ zoomen Sie mit den Tasten [=] und [-].

Suchen Sie nach hellen Pixeln auf der schwarzen Fläche! Wenn Sie keine finden, darf sich Ihre Kamera eines optimalen Bildsensors rühmen, und Sie brauchen nichts retuschieren. Finden Sie jedoch tote Pixel, zoomen Sie die entsprechenden Bereiche stärker, z. B. ins Verhältnis 4:1, und fahren den Mauszeiger an die linke obere Ecke eines imaginären Quadrats, das den Defekt vollständig bedeckt. Lesen Sie die Koordinaten unten links im GIMP-Bildfenster ab. Gehen Sie mit der Maus zur unteren rechten Ecke des Quadrats, und notieren Sie auch deren Koordinaten. Sollte GIMP anstatt von Pixelkoordinaten (ganze Zahlen, keine Einheit) Maße in Zentimetern oder Zoll anzeigen, schalten Sie im Kontextmenü mit Ansicht / Punkt für Punkt in den "Punkt-für-Punkt"-Modus um.

Unter Angabe des oberen linken Eckpunkts und der Kantenlänge des Quadrats entfernen Sie ein totes Pixel aus einem Bild originalbild.jpg wie folgt:

jpegpixi originalbild.jpg korrigiertesbild.jpg 350,1609,8 1585,865,8

Die Testbildauswertung dieser Kamera ergab zwei Defekte, einen mit den Koordinaten (350,1609) für die obere linke und (358,1617) für die untere rechte Ecke sowie einen zweiten, den das durch (1585,865) und (1593,873) definierte Quadrat beschreibt. Beide Quadrate haben eine Kantenlänge von acht Pixeln. Die korrigierte Bildversion landet in korrigiertesbild.jpg. Unterziehen Sie zunächst das schwarze Testbild dieser Behandlung; es sollte dabei vollkommen schwarz werden.

Eine gesamte Bilderserie korrigieren Sie mit folgendem Skript removedeadpixels automatisch:

#!/bin/sh
jhead -cmd "jpegpixi &i &o 350,1609,8 1585,865,8" $*

Nach /usr/local/bin verschoben und ausführbar gemacht, retuschieren Sie alle Bilder in einem Verzeichnis mit dem Kommando

removedeadpixels *.jpg

Zeitkorrektur

Wer der Nachwelt nicht nur die Schnappschüsse überliefern, sondern dieser eine zeitliche Einordnung erlauben will, freut sich über die EXIF-Header, die Datum und Uhrzeit der Aufnahme speichern. Leider weiß die Kamera nur so gut über beides Bescheid, wie der Benutzer sie eingestellt hat. Zeitzonenreisende, die vergessen, ihre Kamera umzustellen (aber auch alle, die die Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit verschlafen), bekommen Fotos mit falschem Zeitstempel.

Zum Glück lässt sich dieser Fehler nachträglich ohne großen Aufwand korrigieren – wieder einmal mit jhead.

Nehmen wir an, Sie haben in Rio de Janeiro in Brasilien Bilder aufgenommen, aber vergessen, die Kamera von der Mitteleuropäischen Sommerzeit auf die entsprechende brasilianische Zeit umzustellen. Daher weisen die Bilder den Zeitstempel der um fünf Stunden späteren europäischen Zeit auf. Um die Zeit der Fotos um diese fünf Stunden "zurückzudrehen", verwenden Sie folgenden Befehl:

jhead -ta-5 *.jpg

Auf die Kommandozeilenoption -ta folgt eine relative Angabe der Zeit, um die die Aufnahmezeit verschoben werden soll. Zeitlich in die Vergangenheit geht es mit dem Vorzeichen -, mit dem +-Zeichen in die Zukunft. Die Zeitangabe selbst kann, wie hier gezeigt, in ganzen Stunden, aber auch in Stunden und Minuten (etwa -ta+3:30) erfolgen. Für einen Tag (z. B. wenn das Datum Ihrer Kamera falsch eingestellt ist) setzen Sie 24 Stunden ein.

Wer suggestiv das Datum der letzten Änderung an der Datei (das ls -l anzeigt) zum Aufnahmedatum erheben will, wendet folgendes Kommando an:

jhead -ft *.jpg

Es ist sogar möglich, die von der Kamera vergebenen, nichtssagenden Dateinamen durch Namen zu ersetzen, die sich aus dem Aufnahmedatum und der Uhrzeit herleiten:

jhead -n *.jpg

Beachten Sie dabei, dass jhead in diesem Fall nur Dateien mit Kamera-typischen Namen (also Namen mit vielen Ziffern) umtauft. Dadurch bleiben manuell veränderte Dateinamen verschont. Um wirklich alle Dateien umzubenennen, verwenden Sie

jhead -nf *.jpg

jhead erlaubt sogar die Vergabe beliebig personalisierter Dateinamen und bietet viele weitere Möglichkeiten der Manipulation von EXIF-Headern und JPEG-Dateien. Lesen Sie mehr darüber in der Manpage: man jhead.

Glossar

tote Pixel

Unglücklicherweise sind oftmals einige Zellen des Bildsensors einer Digitalkamera defekt; sie liefern ein konstantes Signal, z. B. einen hellgrünen Punkt. Diese toten Pixel fallen je nachdem, was sich an ihrer Stelle im Foto befindet, mehr oder weniger stark auf. Ein Beispiel zeigt Abbildung 6.

JPEG

Abkürzung für "Joint Photographic Experts Group"; bezeichnet den von dieser Gruppe entwickelten Standard zur Kompression digitaler Fotos. Im Gegensatz zu den verlustfreien Standardkompressionsverfahren mit gzip oder bzip2 werden hier Informationen aus den Bildern entfernt, die das menschliche Auge nicht oder kaum wahrnimmt. Damit erreicht man extrem hohe Kompressionsraten, die man jedoch mit Informationsverlust bezahlt: Wiederholtes Aus- und Wiedereinpacken führt irgendwann zum völligen Verlust des Bildes. JPEG dient als Standardbildformat bei Digitalkameras und bei der Darstellung von Fotos im WWW. Zum Komprimieren von Zeichnungen und Screenshots eignet sich das Format nicht, dort gibt es hässliche Artefakte.

EXIF

Das "Exchangeable Image File Format" dient als Standardformat zur Speicherung von Bildinformationen in digitalen Bildern. Digitalkameras speichern Hersteller, Kameramodell, Aufnahmedatum und -uhrzeit, Brennweite, Belichtungszeit, Blende, Blitzeinstellung usw. auf diese Art und Weise in jedem Foto.

Thumbnail

Englisch für "Daumennägel"; stark verkleinerte Darstellung von Bilddateien, die es ermöglicht, sehr viele Bilder auf einmal auf dem Bildschirm anzuzeigen. Sowohl moderne Dateimanager als auch spezielle Programme zur Anzeige von Bildern sowie Web-Fotoalben unterstützen dies. Auf dem Bildschirm von Digitalkameras bekommen Sie oft eine Thumbnail-Anzeige, wenn Sie im Wiedergabemodus den Zoom-Hebel in Weitwinkelrichtung bewegen.

Kontextmenü

Menü, das auf einen Klick der rechten Maustaste auf ein Element einer grafischen Programmoberfläche erscheint.

CUPS

Das "Common Unix Printing System" [3] dient mittlerweile den meisten Linux-Distributionen als Standarddrucksystem. Es löste den bisher verwendeten LPD ("Line Printer Daemon") ab, da es viele Vorteile beim Einsatz moderner Drucker und beim Druck in Netzwerken bietet. Insbesondere lässt es sich einfacher konfigurieren, zudem gibt es seinen Benutzern Zugriff auf die gesamte Funktionalität des Druckers bzw. des Druckertreibers.

Shell-Skripte

Programm, dass die gleichen Kommandos benutzt, die üblicherweise an der Kommandozeile (z. B. in einem Terminalfenster) verwendet werden. Der Name "Shell-Skript" leitet sich vom Systemprogramm ab, dass die Shell-Skripte (und auch die Kommandozeileneingaben) verarbeitet, und "Shell" genannt wird. Die erste Zeile eines Shell-Skripts (#!/bin/sh) zeigt an, welche Shell den Rest des Skripts abarbeiten soll, hier ist es die Standard-Shell /bin/sh.

$*

Die Shell ersetzt diese Zeichenkette beim Ausführen der entsprechenden Shell-Skript-Zeile durch die Kommandozeilenparameter beim Skript-Aufruf, in den hier gezeigten Skripten also durch die Namen der zu verarbeitenden Bilddateien.

Der Autor

Till Kamppeter leitet das http://linuxprinting.org-Projekt und arbeitet als Entwickler für's Drucken und Digital Imaging bei MandrakeSoft in Paris. Er ist auch auf vielen Open-Source-Events anzutreffen, wo er seine Arbeit in Vorträgen und mit Ausstellungsständen präsentiert.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

Kommentare
Kompliziert
werner suter (unangemeldet), Donnerstag, 29. August 2013 15:36:02
Ein/Ausklappen

Hier wird auf Panik gemacht..
Ich bearbeite meine Fotos immer mit Gimp!
Für mich ist es wichtig, dass das Aufnahmedatum stimmt, und dieses ist noch immer nach der bearbeitung und speichern im jpg-Format vorhanden. Also ich weiss nicht wie gut das hier recherchiert wurde. Ich bin skeptisch und verlasse mich lieber auf mein Opensource-Programm anstatt teure Programme mit komplizierter installation.



Bewertung: 125 Punkte bei 13 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
-
Re: Kompliziert
werner suter (unangemeldet), Donnerstag, 29. August 2013 15:39:48
Ein/Ausklappen

Ach ja, Blendenzahl, ISO ect sind übrigens ebenfalls immer noch nach der bearbeitung vorhanden..


Bewertung: 113 Punkte bei 11 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht