Zeitkorrektur

Wer der Nachwelt nicht nur die Schnappschüsse überliefern, sondern dieser eine zeitliche Einordnung erlauben will, freut sich über die EXIF-Header, die Datum und Uhrzeit der Aufnahme speichern. Leider weiß die Kamera nur so gut über beides Bescheid, wie der Benutzer sie eingestellt hat. Zeitzonenreisende, die vergessen, ihre Kamera umzustellen (aber auch alle, die die Umstellung zwischen Sommer- und Winterzeit verschlafen), bekommen Fotos mit falschem Zeitstempel.

Zum Glück lässt sich dieser Fehler nachträglich ohne großen Aufwand korrigieren – wieder einmal mit jhead.

Nehmen wir an, Sie haben in Rio de Janeiro in Brasilien Bilder aufgenommen, aber vergessen, die Kamera von der Mitteleuropäischen Sommerzeit auf die entsprechende brasilianische Zeit umzustellen. Daher weisen die Bilder den Zeitstempel der um fünf Stunden späteren europäischen Zeit auf. Um die Zeit der Fotos um diese fünf Stunden "zurückzudrehen", verwenden Sie folgenden Befehl:

jhead -ta-5 *.jpg

Auf die Kommandozeilenoption -ta folgt eine relative Angabe der Zeit, um die die Aufnahmezeit verschoben werden soll. Zeitlich in die Vergangenheit geht es mit dem Vorzeichen -, mit dem +-Zeichen in die Zukunft. Die Zeitangabe selbst kann, wie hier gezeigt, in ganzen Stunden, aber auch in Stunden und Minuten (etwa -ta+3:30) erfolgen. Für einen Tag (z. B. wenn das Datum Ihrer Kamera falsch eingestellt ist) setzen Sie 24 Stunden ein.

Wer suggestiv das Datum der letzten Änderung an der Datei (das ls -l anzeigt) zum Aufnahmedatum erheben will, wendet folgendes Kommando an:

jhead -ft *.jpg

Es ist sogar möglich, die von der Kamera vergebenen, nichtssagenden Dateinamen durch Namen zu ersetzen, die sich aus dem Aufnahmedatum und der Uhrzeit herleiten:

jhead -n *.jpg

Beachten Sie dabei, dass jhead in diesem Fall nur Dateien mit Kamera-typischen Namen (also Namen mit vielen Ziffern) umtauft. Dadurch bleiben manuell veränderte Dateinamen verschont. Um wirklich alle Dateien umzubenennen, verwenden Sie

jhead -nf *.jpg

jhead erlaubt sogar die Vergabe beliebig personalisierter Dateinamen und bietet viele weitere Möglichkeiten der Manipulation von EXIF-Headern und JPEG-Dateien. Lesen Sie mehr darüber in der Manpage: man jhead.

Glossar

tote Pixel

Unglücklicherweise sind oftmals einige Zellen des Bildsensors einer Digitalkamera defekt; sie liefern ein konstantes Signal, z. B. einen hellgrünen Punkt. Diese toten Pixel fallen je nachdem, was sich an ihrer Stelle im Foto befindet, mehr oder weniger stark auf. Ein Beispiel zeigt Abbildung 6.

JPEG

Abkürzung für "Joint Photographic Experts Group"; bezeichnet den von dieser Gruppe entwickelten Standard zur Kompression digitaler Fotos. Im Gegensatz zu den verlustfreien Standardkompressionsverfahren mit gzip oder bzip2 werden hier Informationen aus den Bildern entfernt, die das menschliche Auge nicht oder kaum wahrnimmt. Damit erreicht man extrem hohe Kompressionsraten, die man jedoch mit Informationsverlust bezahlt: Wiederholtes Aus- und Wiedereinpacken führt irgendwann zum völligen Verlust des Bildes. JPEG dient als Standardbildformat bei Digitalkameras und bei der Darstellung von Fotos im WWW. Zum Komprimieren von Zeichnungen und Screenshots eignet sich das Format nicht, dort gibt es hässliche Artefakte.

EXIF

Das "Exchangeable Image File Format" dient als Standardformat zur Speicherung von Bildinformationen in digitalen Bildern. Digitalkameras speichern Hersteller, Kameramodell, Aufnahmedatum und -uhrzeit, Brennweite, Belichtungszeit, Blende, Blitzeinstellung usw. auf diese Art und Weise in jedem Foto.

Thumbnail

Englisch für "Daumennägel"; stark verkleinerte Darstellung von Bilddateien, die es ermöglicht, sehr viele Bilder auf einmal auf dem Bildschirm anzuzeigen. Sowohl moderne Dateimanager als auch spezielle Programme zur Anzeige von Bildern sowie Web-Fotoalben unterstützen dies. Auf dem Bildschirm von Digitalkameras bekommen Sie oft eine Thumbnail-Anzeige, wenn Sie im Wiedergabemodus den Zoom-Hebel in Weitwinkelrichtung bewegen.

Kontextmenü

Menü, das auf einen Klick der rechten Maustaste auf ein Element einer grafischen Programmoberfläche erscheint.

CUPS

Das "Common Unix Printing System" [3] dient mittlerweile den meisten Linux-Distributionen als Standarddrucksystem. Es löste den bisher verwendeten LPD ("Line Printer Daemon") ab, da es viele Vorteile beim Einsatz moderner Drucker und beim Druck in Netzwerken bietet. Insbesondere lässt es sich einfacher konfigurieren, zudem gibt es seinen Benutzern Zugriff auf die gesamte Funktionalität des Druckers bzw. des Druckertreibers.

Shell-Skripte

Programm, dass die gleichen Kommandos benutzt, die üblicherweise an der Kommandozeile (z. B. in einem Terminalfenster) verwendet werden. Der Name "Shell-Skript" leitet sich vom Systemprogramm ab, dass die Shell-Skripte (und auch die Kommandozeileneingaben) verarbeitet, und "Shell" genannt wird. Die erste Zeile eines Shell-Skripts (#!/bin/sh) zeigt an, welche Shell den Rest des Skripts abarbeiten soll, hier ist es die Standard-Shell /bin/sh.

$*

Die Shell ersetzt diese Zeichenkette beim Ausführen der entsprechenden Shell-Skript-Zeile durch die Kommandozeilenparameter beim Skript-Aufruf, in den hier gezeigten Skripten also durch die Namen der zu verarbeitenden Bilddateien.

Der Autor

Till Kamppeter leitet das http://linuxprinting.org-Projekt und arbeitet als Entwickler für's Drucken und Digital Imaging bei MandrakeSoft in Paris. Er ist auch auf vielen Open-Source-Events anzutreffen, wo er seine Arbeit in Vorträgen und mit Ausstellungsständen präsentiert.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Ähnliche Artikel

  • JPEG-Bilder automatisch umbenennen und verlustlos bearbeiten
    Digitalkameras vergeben weder sinnvolle Dateinamen, noch drehen sie Bilder automatisch. Eine Handvoll Linux-Programme schafft Abhilfe: Sie geben Fotodateien sinnvolle Namen und manipulieren JPEGs verlustlos. So schaffen Sie Ordnung in der Fotosammlung und schonen beim Betrachten Ihr Genick.
  • Drucken digitaler Fotos
    Moderne Desktop-Tintendrucker taugen durchaus zum Ausdrucken digitaler Fotos – wenn man den einen oder anderen Punkt beachtet.
  • Zusatzinformationen zu Digitalfotos
    Der perfekte Schnappschuss gelang im letzten Urlaub. Doch wie waren die Kameraeinstellungen? Die EXIF-Informationen eines Digitalfotos geben Auskunft darüber, unter welchen Umständen ein Bild zustande kam und vieles mehr.
  • Anschlusskunde
    Digitale Fotokameras sind für Linux heute kein Problem mehr. Aktuelle USB-Modelle sind dank des USB-Mass-Storage-Treibers nichts anderes als Wechselspeicher-Medien. Nur ältere Geräte brauchen manchmal spezielle Treiber für proprietäre Übertragungsprotokolle. Dank Zusatz-Tools wie gPhoto2 können Sie aber auch den Großteil dieser Modelle unter Linux nutzen.
  • Würdiger Rahmen
    Mit den Programmen aus dem Imagemagick-Paket zaubern Sie im Handumdrehen schicke HTML-Galerien, die sich nicht nur ins Web stellen, sondern auch auf CD/DVD brennen lassen.
Kommentare
Kompliziert
werner suter (unangemeldet), Donnerstag, 29. August 2013 15:36:02
Ein/Ausklappen

Hier wird auf Panik gemacht..
Ich bearbeite meine Fotos immer mit Gimp!
Für mich ist es wichtig, dass das Aufnahmedatum stimmt, und dieses ist noch immer nach der bearbeitung und speichern im jpg-Format vorhanden. Also ich weiss nicht wie gut das hier recherchiert wurde. Ich bin skeptisch und verlasse mich lieber auf mein Opensource-Programm anstatt teure Programme mit komplizierter installation.



Bewertung: 132 Punkte bei 15 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
-
Re: Kompliziert
werner suter (unangemeldet), Donnerstag, 29. August 2013 15:39:48
Ein/Ausklappen

Ach ja, Blendenzahl, ISO ect sind übrigens ebenfalls immer noch nach der bearbeitung vorhanden..


Bewertung: 122 Punkte bei 13 Stimmen.
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

Infos zur Publikation

LU 01/2015: E-Books im Griff

Digitale Ausgabe: Preis € 4,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Ubuntu 14.10 und VirtualBox
Tim Schürmann, 08.11.2014 18:45, 0 Kommentare

Wer Ubuntu 14.10 in einer virtuellen Maschine unter VirtualBox startet, der landet unter Umständen in einem Fenster mit Grafikmüll. Zu einem korrekt ...

Aktuelle Fragen

PCLinuxOS Version 2014.08 "FullMonty" Umstellung auf deutsch
Karl-Heinz Welz, 19.12.2014 09:55, 3 Antworten
Hallo, liebe Community, ich bin 63 Jahre alt und möchte jetzt nach Jahrzehnten Windows zu Linux...
ICEauthority
Thomas Mann, 17.12.2014 14:49, 2 Antworten
Fehlermeldung beim Start von Linux Mint: Could not update ICEauthority file / home/user/.ICEauth...
Linux einrichten
Sigrid Bölke, 10.12.2014 10:46, 5 Antworten
Hallo, liebe Community, bin hier ganz neu,also entschuldigt,wenn ich hier falsch bin. Mein Prob...
Externe USB-Festplatte mit Ext4 formatiert, USB-Stick wird nicht mehr eingebunden
Wimpy *, 02.12.2014 16:31, 0 Antworten
Hallo, ich habe die externe USB-FP, die nur für Daten-Backup benutzt wird, mit dem YaST-Partition...
Steuern mit Linux
Siegfried Markner, 01.12.2014 11:56, 2 Antworten
Welches Linux eignet sich am besten für Steuerungen.