Ordnung im digitalen Schuhkarton
Halbautomatische Nachbearbeitung von Fotoserien
Eine Ausbeute von fünf qualitativ guten Fotos auf einem Film mag frustrieren, ist für Amateure aber keinesfalls schlecht – nicht umsonst verschießen Profi-Fotografen Unmengen an Filmmaterial. Auch bei digitalen Schnappschüssen verbessert sich dieses Verhältnis nur dadurch, dass man offensichtlich missglückte Bilder bereits auf der Kamera löscht.
Doch gibt es hier immerhin den Lichtblick der digitalen Nachbearbeitung: Liegen die "überlebenden" Bilder der ersten Auslese einmal auf der Festplatte vor, geht die Operation "Bilder löschen" in die zweite Runde. Die übriggebliebenen Bilddateien wollen sinnvoll auf der Festplatte geordnet und auch dann korrekt nach Aufnahmedatum und -uhrzeit benannt werden, wenn die Kamera in der falschen Zeitzone agiert. Aufnahmen, bei denen die Kamera senkrecht stand, müssen gedreht werden, und tote Pixel verlangen nach Retusche. Genug Arbeit für mehrere verregnete Wochenenden – doch es geht auch schneller.
Für viele dieser Arbeiten ließe sich GIMP hernehmen, wären da nicht einige gravierende Nachteile: Das Programm erlaubt keine Serienbearbeitung, so dass man sich nur um ein Bild auf einmal kümmern kann. Zum einmaligen Ansehen der Aufnahmen in voller Größe, um zu beurteilen, ob sie etwas geworden ist, eignet es sich – da zu umständlich – ebenfalls schlecht.
Zudem führt jeder Bearbeitungsschritt – jedes Laden und Speichern mit GIMP – zu Informationsverlusten: Fotos, insbesondere von Digitalkameras, liegen meist im JPEG-Format vor. Jede JPEG-Kompression, auch die Neukompression eines wiederausgepackten JPEG-Bilds, verringert die Bildqualtät: Man sieht das auch an der Größe der von GIMP gespeicherten Datei – sie ist wesentlich kleiner als die Originaldatei.
Digitalkameras legen nicht nur die Bilddaten selbst in ihren JPEG-Files ab, sondern auch zusätzliche Information wie Aufnahmezeitpunkt oder Belichtungszeit im sogenannten EXIF-Header. Bei der Nachbearbeitung mit GIMP und den meisten anderen Bildbearbeitungsprogrammen gehen diese beim Abspeichern verloren.
Genügend Gründe, um sich nach Alternativen zur Fotobearbeitung umzuschauen. Dieser Artikel zeigt, wie man mit diversen Bildbearbeitungswerkzeugen arbeitet, die nicht unbedingt zum Standardumfang aller Linux-Distributionen gehören und deswegen häufig erst installiert werden müssen. Wie dies vonstatten geht, beschreibt Kasten 1. Dem Thema "digitaler Fotoausdruck" widmet sich ein Artikel im nächsten Heft.
Kasten 1: Installation der Bildbearbeitungssoftware
Soweit der folgende Text keine abweichenden Angaben macht, lassen sich alle genannten Programme bei SuSE, Red Hat u. ä. als RPM-Paket mit
rpm -Uvh Paketdateiname .rpm
installieren. Meldet der Paketmanager dabei fehlende, zusätzlich benötigte Pakete, müssen die erst eingespielt werden, ehe Sie einen erneuten Installationsversuch starten. Mandrake-Linux-User sparen sich diesen Aufwand, indem sie das Paket statt mit rpm von Vornherein mit
urpmi Paketdateiname .rpm
einspielen. Halten Sie dabei Ihre Installations-CDs bereit! Sollten für Red Hat gedachte Pakete unter Mandrake nicht laufen, entfernen Sie sie wieder mit rpm -e Paketname.
Damit im Quellcode vorliegende Pakete kompiliert werden können, benötigen Sie die Paketgruppe Entwicklung (Development) o. ä. aus dem Paketinstallationsprogramm Ihrer Distribution. Installieren Sie auch unbedingt die -devel-Pakete der Bibliotheken, die das zu übersetzende Programm benötigt! Anschließend reichen in den meisten Fällen die Kommandos
tar -xvzf name .tar.gz cd name ./configure make su -root-Passwort make install
Abweichendes erfahren Sie in den README- und/oder INSTALL-Dateien der Pakete wie auch im Folgenden.
Ggqview [1] gehört bei vielen Distributionen schon zum Lieferumfang; alternativ bietet die Web-Seite des Projekts neben dem Quellcode RPMs für Red Hat 7.x, 8 und 9 zum Download an; für letztere allerdings nur die instabile 1.3.x-Version. Zur Installation benötigt man mindestens GTK+ 1.2.x und gdk-pixbuf 0.10.0 für gqview 1.2.x bzw. GTK+ 2.2.x für gqview 1.3.x.
Flphoto [2] liegt lediglich Mandrake Linux seit Version 9.1 bei; die Projektseite bietet außer dem Quellcode nur eine RPM-Datei für Red Hat Linux an. Installiert sein muss mindestens libfltk 1.x (http://www.fltk.org/); aber erst libgphoto2, libcups und libexif (http://libexif.sf.net/) samt entsprechenden -devel-Paketen für die Kompilation sorgen für den vollen Funktionsumfang.
Jhead [4] 2.0 wird in Mandrake 9.2 (http://www.mandrakelinux.com/en/cookerdevel.php3) enthalten sein, Mandrake 9.1 bringt eine ältere Version mit, SuSE und Red Hat verzichten ganz darauf. Die jhead-Web-Seite bietet den Quellcode, RPMs für Red Hat und ausführbare Binärdateien für verschiedene Betriebssysteme. Letztere kopiert man einfach nach /usr/local/bin/ und setzt mit
chmod 755 jhead
Ausführungsrechte für alle. Beides ist auch beim Selberkompilieren nach dem make-Aufruf nötig (es gibt kein make install in diesem Fall); hier kopiert man zudem die Manpage an Ort und Stelle:
cp jhead.1.gz /usr/share/man/man1 chmod 644 /usr/share/man/man1/jhead.1.gz
Die libjpeg-Bibliothek [5] liegt jeder Distribution bei; damit sollte auch jpegtran überall zur Verfügung stehen. Wenn nicht, müssen Sie eventuell ein Zusatzpaket von Ihren Installations-CDs (wie libjpeg-progs unter Mandrake Linux) einspielen. ImageMagick> [6] bringt normalerweise jede Distribution mit. Im Zweifelsfall weist die Projektseite den Weg zu den Quellcode-Paketen, RPMs für alle Red-Hat-Versionen (im linux-Unterverzeichnis der Mirrors) und binären .tar.gz-Paketen (im binaries-Unterverzeichnis). Die Installation des Binärpakets beschreibt die QuickStart.txt-Datei auf den Downloadservern.
Mit jpegpixi-Paketen [7] versorgt lediglich Debian und zukünftig Mandrake 9.2 seine User. Zur Kompilation des Quellcode-Pakets benötigen Sie die libjpeg-Bibliothek und das zugehörige -devel-Paket.
Gut vorgeschaut
Zunächst geht es darum, die Bilder auf dem Bildschirm zu sichten. Des besseren Überblicks wegen empfiehlt sich eine Thumbnail-Ansicht. Im Konqueror aus KDE 3.x erreichen Sie diese Funktion über das Menü Ansicht / Vorschau (Abbildung 1).
Je nach KDE-Version aktivieren Sie anschließend den Punkt Vorschauen anzeigen oder wählen gleich die Dateitypen, zu denen Konqueror ein Vorschaubild erstellen soll – im Falle der Fotos etwa den Punkt Bilder, wie in Abbildung 1 zu sehen. Nach und nach verwandeln sich nun die Dateisymbole in entsprechende Vorschaubildchen. Ist das nicht der Fall, überprüfen Sie, ob im Menü Ansicht / Anzeigemodus Symbol-Ansicht oder Mehrspaltige Ansicht eingestellt ist.
Um die Bildqualität wirklich zu beurteilen, sind die Thumbnails allerdings zu klein; hier benötigen Sie eine bildschirmfüllende Darstellung oder gar eine Anzeige in Originalgröße, bei der ein Bildschirm-Pixel einem Foto-Pixel entspricht. In Konqueror erfordert das einige Klimmzüge: Zunächst doppelklicken Sie das Foto, scrollen sich dann durch das in Originalgröße angezeigte Bild und kehren anschließend mit dem Zurück-Symbol wieder zu den Thumbnails zurück.
Einfacher geht es mit speziell für Bildanzeige und elementare Bildbearbeitung vorgesehenen Programmen wie gqview [1] und flphoto [2]. Beide zeigen neben einer Liste der Thumbnails das gerade ausgewählte Foto groß an, und diese Großansicht lässt sich beliebig zoomen. Bei gqview (Abbildung 2) müssen die Thumbnails gegebenenfalls durch Klick auf das Symbol ganz links in der Symbolleiste (Indexbilder anzeigen) aktiviert werden.
gqview ist erste Wahl, wenn es ums Einsortieren der Fotos in Ordner oder das Löschen unerwünschter Aufnahmen geht. Ein Rechtsklick auf das Bild oder den Indexeintrag links genügt, und ein Menü mit den verfügbaren Funktionen erscheint. Bildbearbeitungs- bzw. Retuschefunktionen bringt das Programm zwar nicht mit, dafür lassen sich im Bearbeiten-Untermenü des Kontextmenüs benutzerdefinierte Programme für diese Zwecke einbinden. Wie das genau geht, steht in Kasten 2.
Kasten 2: Bildbearbeitung mit
gqviewgqview erlaubt es über das Bearbeiten-Untermenü des Kontextmenüs zu einem Bild, beliebige externe Tools auf diese Datei anzuwenden. Standardmäßig stehen hier Programme wie GIMP, Electric Eyes usw. zur Verfügung. Mit Bearbeiten / Einstellungen ... im gqview-Hauptmenü fügen Sie eigene Werkzeuge hinzu: Wählen Sie im dann erscheinenden Dialog die Registerkarte Bearbeitungsprogramme. Dort finden Sie acht Eingabezeilen-Paare vor, in die Sie jeweils rechts die aufzurufende Kommandozeile, links den Text, der als Menüeintrag erscheinen soll, hineinschreiben. Der Platzhalter %f in der Kommandozeile steht für den Namen der zu bearbeitenden Bilddatei.
Die hier eingetragenen Programme müssen nicht unbedingt grafische Applikationen sein, auch nicht-interaktive Kommandozeilenprogramme können verwendet werden, so etwa die Skripte aus diesem Artikel (rotateleft %f, rotateright %f, removedeadpixels %f). Abbildung 3 zeigt ein Beispiel.
Vorbereitungen zur Präsentation
flphoto (Abbildung 4) kann zwar keine Fotos auf der Festplatte hin- und herbewegen, stellt ansonsten aber eine integrierte Umgebung zur Fotobearbeitung dar. Wenn erforderlich, lädt sie Fotos über den Menüpunkt Album / Import / Camera sogar direkt von der Digitalkamera und stützt sich dabei auf GPhoto2.
flphoto fasst Bilder in Listen, sogenannten "Alben", zusammen, fügt Bilddateien oder Verzeichnisse über Album / Import hinzu, löscht Bilder aus dem Album (nicht von der Festplatte), und erlaubt es, die Fotos durch Ziehen der Thumbnails mit der Maus umzuordnen. Die gängigsten Bildbearbeitungsfunktionen wie Drehen, Beschneiden, Skalieren (alle im Menü Image / Transform), Helligkeit/Kontrast und sogar das Entfernen roter Augen auf Blitzfotos (im Menü Image / Touch-Up) beherrscht das Programm ebenfalls. Beim Drehen und Beschneiden verzichtet es auf die Neukompression der JPEG-Bilder und vermeidet so Qualitätsverluste.
flphoto ist auch für alle Formen der Präsentation gerüstet: Album / Slideshow startet eine Dia-Show, Album / Export exportiert alle Bilder des Albums für's Web, und die exzellente Druckfunktion (kein Wunder, flphoto stammt von Michael Sweet, dem Autor des Drucksystems CUPS) sorgt für Hochglanzabzüge.



