Home / LinuxUser / 2003 / 10 / Halbautomatische Nachbearbeitung von Fotoserien

Newsletter abonnieren

Lies uns auf...

Folge LinuxCommunity auf Twitter

Top-Beiträge

Eingedost
(161 Punkte bei 4 Stimmen)
Aufteiler
(161 Punkte bei 4 Stimmen)

Heftarchiv

LinuxUser Heftarchiv

EasyLinux Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Ubuntu User Heftarchiv

Partner-Links:

Das B2B Portal www.Linx.de informiert über Produkte und Dienstleistungen.

Aufmacher Artikel

Ordnung im digitalen Schuhkarton

Halbautomatische Nachbearbeitung von Fotoserien

01.10.2003 Immer dann, wenn es um die Bearbeitung hunderter, im JPEG-Format abgelegter Fotos geht, ist GIMP nicht der Weisheit letzter Schluss. Hier spielen speziell Kommandozeilenprogramme ihre Stärken aus.

Eine Ausbeute von fünf qualitativ guten Fotos auf einem Film mag frustrieren, ist für Amateure aber keinesfalls schlecht – nicht umsonst verschießen Profi-Fotografen Unmengen an Filmmaterial. Auch bei digitalen Schnappschüssen verbessert sich dieses Verhältnis nur dadurch, dass man offensichtlich missglückte Bilder bereits auf der Kamera löscht.

Doch gibt es hier immerhin den Lichtblick der digitalen Nachbearbeitung: Liegen die "überlebenden" Bilder der ersten Auslese einmal auf der Festplatte vor, geht die Operation "Bilder löschen" in die zweite Runde. Die übriggebliebenen Bilddateien wollen sinnvoll auf der Festplatte geordnet und auch dann korrekt nach Aufnahmedatum und -uhrzeit benannt werden, wenn die Kamera in der falschen Zeitzone agiert. Aufnahmen, bei denen die Kamera senkrecht stand, müssen gedreht werden, und tote Pixel verlangen nach Retusche. Genug Arbeit für mehrere verregnete Wochenenden – doch es geht auch schneller.

Für viele dieser Arbeiten ließe sich GIMP hernehmen, wären da nicht einige gravierende Nachteile: Das Programm erlaubt keine Serienbearbeitung, so dass man sich nur um ein Bild auf einmal kümmern kann. Zum einmaligen Ansehen der Aufnahmen in voller Größe, um zu beurteilen, ob sie etwas geworden ist, eignet es sich – da zu umständlich – ebenfalls schlecht.

Zudem führt jeder Bearbeitungsschritt – jedes Laden und Speichern mit GIMP – zu Informationsverlusten: Fotos, insbesondere von Digitalkameras, liegen meist im JPEG-Format vor. Jede JPEG-Kompression, auch die Neukompression eines wiederausgepackten JPEG-Bilds, verringert die Bildqualtät: Man sieht das auch an der Größe der von GIMP gespeicherten Datei – sie ist wesentlich kleiner als die Originaldatei.

Digitalkameras legen nicht nur die Bilddaten selbst in ihren JPEG-Files ab, sondern auch zusätzliche Information wie Aufnahmezeitpunkt oder Belichtungszeit im sogenannten EXIF-Header. Bei der Nachbearbeitung mit GIMP und den meisten anderen Bildbearbeitungsprogrammen gehen diese beim Abspeichern verloren.

Genügend Gründe, um sich nach Alternativen zur Fotobearbeitung umzuschauen. Dieser Artikel zeigt, wie man mit diversen Bildbearbeitungswerkzeugen arbeitet, die nicht unbedingt zum Standardumfang aller Linux-Distributionen gehören und deswegen häufig erst installiert werden müssen. Wie dies vonstatten geht, beschreibt Kasten 1. Dem Thema "digitaler Fotoausdruck" widmet sich ein Artikel im nächsten Heft.

Kasten 1: Installation der Bildbearbeitungssoftware

Soweit der folgende Text keine abweichenden Angaben macht, lassen sich alle genannten Programme bei SuSE, Red Hat u. ä. als RPM-Paket mit

rpm -Uvh Paketdateiname.rpm

installieren. Meldet der Paketmanager dabei fehlende, zusätzlich benötigte Pakete, müssen die erst eingespielt werden, ehe Sie einen erneuten Installationsversuch starten. Mandrake-Linux-User sparen sich diesen Aufwand, indem sie das Paket statt mit rpm von Vornherein mit

urpmi Paketdateiname.rpm

einspielen. Halten Sie dabei Ihre Installations-CDs bereit! Sollten für Red Hat gedachte Pakete unter Mandrake nicht laufen, entfernen Sie sie wieder mit rpm -e Paketname.

Damit im Quellcode vorliegende Pakete kompiliert werden können, benötigen Sie die Paketgruppe Entwicklung (Development) o. ä. aus dem Paketinstallationsprogramm Ihrer Distribution. Installieren Sie auch unbedingt die -devel-Pakete der Bibliotheken, die das zu übersetzende Programm benötigt! Anschließend reichen in den meisten Fällen die Kommandos

tar -xvzf name.tar.gz
cd name
./configure
make
su -root-Passwort
make install

Abweichendes erfahren Sie in den README- und/oder INSTALL-Dateien der Pakete wie auch im Folgenden.

Ggqview [1] gehört bei vielen Distributionen schon zum Lieferumfang; alternativ bietet die Web-Seite des Projekts neben dem Quellcode RPMs für Red Hat 7.x, 8 und 9 zum Download an; für letztere allerdings nur die instabile 1.3.x-Version. Zur Installation benötigt man mindestens GTK+ 1.2.x und gdk-pixbuf 0.10.0 für gqview 1.2.x bzw. GTK+ 2.2.x für gqview 1.3.x.

Flphoto [2] liegt lediglich Mandrake Linux seit Version 9.1 bei; die Projektseite bietet außer dem Quellcode nur eine RPM-Datei für Red Hat Linux an. Installiert sein muss mindestens libfltk 1.x (http://www.fltk.org/); aber erst libgphoto2, libcups und libexif (http://libexif.sf.net/) samt entsprechenden -devel-Paketen für die Kompilation sorgen für den vollen Funktionsumfang.

Jhead [4] 2.0 wird in Mandrake 9.2 (http://www.mandrakelinux.com/en/cookerdevel.php3) enthalten sein, Mandrake 9.1 bringt eine ältere Version mit, SuSE und Red Hat verzichten ganz darauf. Die jhead-Web-Seite bietet den Quellcode, RPMs für Red Hat und ausführbare Binärdateien für verschiedene Betriebssysteme. Letztere kopiert man einfach nach /usr/local/bin/ und setzt mit

chmod 755 jhead

Ausführungsrechte für alle. Beides ist auch beim Selberkompilieren nach dem make-Aufruf nötig (es gibt kein make install in diesem Fall); hier kopiert man zudem die Manpage an Ort und Stelle:

cp jhead.1.gz /usr/share/man/man1
chmod 644 /usr/share/man/man1/jhead.1.gz

Die libjpeg-Bibliothek [5] liegt jeder Distribution bei; damit sollte auch jpegtran überall zur Verfügung stehen. Wenn nicht, müssen Sie eventuell ein Zusatzpaket von Ihren Installations-CDs (wie libjpeg-progs unter Mandrake Linux) einspielen. ImageMagick> [6] bringt normalerweise jede Distribution mit. Im Zweifelsfall weist die Projektseite den Weg zu den Quellcode-Paketen, RPMs für alle Red-Hat-Versionen (im linux-Unterverzeichnis der Mirrors) und binären .tar.gz-Paketen (im binaries-Unterverzeichnis). Die Installation des Binärpakets beschreibt die QuickStart.txt-Datei auf den Downloadservern.

Mit jpegpixi-Paketen [7] versorgt lediglich Debian und zukünftig Mandrake 9.2 seine User. Zur Kompilation des Quellcode-Pakets benötigen Sie die libjpeg-Bibliothek und das zugehörige -devel-Paket.

Gut vorgeschaut

Zunächst geht es darum, die Bilder auf dem Bildschirm zu sichten. Des besseren Überblicks wegen empfiehlt sich eine Thumbnail-Ansicht. Im Konqueror aus KDE 3.x erreichen Sie diese Funktion über das Menü Ansicht / Vorschau (Abbildung 1).

Je nach KDE-Version aktivieren Sie anschließend den Punkt Vorschauen anzeigen oder wählen gleich die Dateitypen, zu denen Konqueror ein Vorschaubild erstellen soll – im Falle der Fotos etwa den Punkt Bilder, wie in Abbildung 1 zu sehen. Nach und nach verwandeln sich nun die Dateisymbole in entsprechende Vorschaubildchen. Ist das nicht der Fall, überprüfen Sie, ob im Menü Ansicht / Anzeigemodus Symbol-Ansicht oder Mehrspaltige Ansicht eingestellt ist.

Abbildung 1

Abbildung 1: Der Konqueror mit aktivierter Thumbnail-Anzeige

Um die Bildqualität wirklich zu beurteilen, sind die Thumbnails allerdings zu klein; hier benötigen Sie eine bildschirmfüllende Darstellung oder gar eine Anzeige in Originalgröße, bei der ein Bildschirm-Pixel einem Foto-Pixel entspricht. In Konqueror erfordert das einige Klimmzüge: Zunächst doppelklicken Sie das Foto, scrollen sich dann durch das in Originalgröße angezeigte Bild und kehren anschließend mit dem Zurück-Symbol wieder zu den Thumbnails zurück.

Einfacher geht es mit speziell für Bildanzeige und elementare Bildbearbeitung vorgesehenen Programmen wie gqview [1] und flphoto [2]. Beide zeigen neben einer Liste der Thumbnails das gerade ausgewählte Foto groß an, und diese Großansicht lässt sich beliebig zoomen. Bei gqview (Abbildung 2) müssen die Thumbnails gegebenenfalls durch Klick auf das Symbol ganz links in der Symbolleiste (Indexbilder anzeigen) aktiviert werden.

gqview ist erste Wahl, wenn es ums Einsortieren der Fotos in Ordner oder das Löschen unerwünschter Aufnahmen geht. Ein Rechtsklick auf das Bild oder den Indexeintrag links genügt, und ein Menü mit den verfügbaren Funktionen erscheint. Bildbearbeitungs- bzw. Retuschefunktionen bringt das Programm zwar nicht mit, dafür lassen sich im Bearbeiten-Untermenü des Kontextmenüs benutzerdefinierte Programme für diese Zwecke einbinden. Wie das genau geht, steht in Kasten 2.

Abbildung 2

Abbildung 2: Das Kontextmenü der Bildanzeige im gqview-Hauptfenster bietet alle wichtigen Funktionen zum Ordnen der Fotos auf der Festplatte sowie das in Kasten 2 beschriebene, frei konfigurierbare "Bearbeiten"-Menü

Kasten 2: Bildbearbeitung mit

gqview

gqview erlaubt es über das Bearbeiten-Untermenü des Kontextmenüs zu einem Bild, beliebige externe Tools auf diese Datei anzuwenden. Standardmäßig stehen hier Programme wie GIMP, Electric Eyes usw. zur Verfügung. Mit Bearbeiten / Einstellungen ... im gqview-Hauptmenü fügen Sie eigene Werkzeuge hinzu: Wählen Sie im dann erscheinenden Dialog die Registerkarte Bearbeitungsprogramme. Dort finden Sie acht Eingabezeilen-Paare vor, in die Sie jeweils rechts die aufzurufende Kommandozeile, links den Text, der als Menüeintrag erscheinen soll, hineinschreiben. Der Platzhalter %f in der Kommandozeile steht für den Namen der zu bearbeitenden Bilddatei.

Die hier eingetragenen Programme müssen nicht unbedingt grafische Applikationen sein, auch nicht-interaktive Kommandozeilenprogramme können verwendet werden, so etwa die Skripte aus diesem Artikel (rotateleft %f, rotateright %f, removedeadpixels %f). Abbildung 3 zeigt ein Beispiel.

Abbildung 3

Abbildung 3: Die hier definierten Bildbearbeitungsfunktionen füllen das "Bearbeiten"-Menü von Abbildung 2

Vorbereitungen zur Präsentation

flphoto (Abbildung 4) kann zwar keine Fotos auf der Festplatte hin- und herbewegen, stellt ansonsten aber eine integrierte Umgebung zur Fotobearbeitung dar. Wenn erforderlich, lädt sie Fotos über den Menüpunkt Album / Import / Camera sogar direkt von der Digitalkamera und stützt sich dabei auf GPhoto2.

flphoto fasst Bilder in Listen, sogenannten "Alben", zusammen, fügt Bilddateien oder Verzeichnisse über Album / Import hinzu, löscht Bilder aus dem Album (nicht von der Festplatte), und erlaubt es, die Fotos durch Ziehen der Thumbnails mit der Maus umzuordnen. Die gängigsten Bildbearbeitungsfunktionen wie Drehen, Beschneiden, Skalieren (alle im Menü Image / Transform), Helligkeit/Kontrast und sogar das Entfernen roter Augen auf Blitzfotos (im Menü Image / Touch-Up) beherrscht das Programm ebenfalls. Beim Drehen und Beschneiden verzichtet es auf die Neukompression der JPEG-Bilder und vermeidet so Qualitätsverluste.

Abbildung 4

Abbildung 4: flphoto vermag Fotos auf der Festplatte zwar nicht hin- und herzuschieben, kann aber sonst fast alles

flphoto ist auch für alle Formen der Präsentation gerüstet: Album / Slideshow startet eine Dia-Show, Album / Export exportiert alle Bilder des Albums für's Web, und die exzellente Druckfunktion (kein Wunder, flphoto stammt von Michael Sweet, dem Autor des Drucksystems CUPS) sorgt für Hochglanzabzüge.

Tip a friend    Druckansicht Bookmark and Share
Kommentare
Kompliziert
werner suter (unangemeldet), Donnerstag, 29. August 2013 15:36:02
Ein/Ausklappen

Hier wird auf Panik gemacht..
Ich bearbeite meine Fotos immer mit Gimp!
Für mich ist es wichtig, dass das Aufnahmedatum stimmt, und dieses ist noch immer nach der bearbeitung und speichern im jpg-Format vorhanden. Also ich weiss nicht wie gut das hier recherchiert wurde. Ich bin skeptisch und verlasse mich lieber auf mein Opensource-Programm anstatt teure Programme mit komplizierter installation.



Bewertung: Noch keine Bewertung abgegeben!
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht
-
Re: Kompliziert
werner suter (unangemeldet), Donnerstag, 29. August 2013 15:39:48
Ein/Ausklappen

Ach ja, Blendenzahl, ISO ect sind übrigens ebenfalls immer noch nach der bearbeitung vorhanden..


Bewertung: Noch keine Bewertung abgegeben!
Den Beitrag bewerten: Gut / Schlecht

1460 Hits
Wertung: 108 Punkte (5 Stimmen)

Schlecht Gut

Infos zur Publikation

Infos zur Publikation

LinuxUser 05/2014

Aktuelle Ausgabe kaufen:

Heft als PDF kaufen

LinuxUser erscheint monatlich und kostet in der Nomedia-Ausgabe EUR 5,95 und mit DVD EUR 8,50. Weitere Informationen zum Heft finden Sie auf der LinuxUser-Homepage.

Im LinuxUser-Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben für 3 Euro. Das Jahresabo (ab EUR 60,60) können Sie im Medialinx-Shop bestellen.

Tipp der Woche

Bilder vergleichen mit diffimg
Bilder vergleichen mit diffimg
Tim Schürmann, 01.04.2014 12:40, 1 Kommentare

Das kleine Werkzeug diffimg kann zwei (scheinbar) identische Bilder miteinander vergleichen und die Unterschiede optisch hervorheben. Damit lassen sich nicht nur Rätsel a la „Orignial und Fäls...

Aktuelle Fragen

programm suche
Hans-Joachim Köpke, 13.04.2014 10:43, 8 Antworten
suche noch programme die zu windows gibt, die auch unter linux laufen bzw sich ähneln sozusagen a...
Funknetz (Web-Stick)
Hans-Joachim Köpke, 04.04.2014 07:31, 2 Antworten
Bei Windows7 brauche ich den Stick nur ins USB-Fach schieben dann erkennt Windows7 Automatisch, a...
Ubuntu 13.10 überschreibt immer Windows 8 Bootmanager
Thomas Weiss, 15.03.2014 19:20, 8 Antworten
Hallo Leute, ich hoffe das ich richtig bin. Ich habe einen Dell Insipron 660 Ich möchte gerne Ub...
USB-PTP-Class Kamera wird nicht erkannt (Windows-only)
Wimpy *, 14.03.2014 13:04, 15 Antworten
ich habe meiner Frau eine Digitalkamera, AGFA Optima 103, gekauft und wir sind sehr zufrieden dam...
Treiber
Michael Kristahn, 12.03.2014 08:28, 5 Antworten
Habe mir ein Scanner gebraucht gekauft von Canon CanoScan LiDE 70 kein Treiber wie bekomme ich de...