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Retusche

Fotobearbeitung mit Gimp

01.10.2003
Reisezeit ist Fotozeit, doch leider gelingen die Schnappschüsse nicht immer. Nicht so schlimm – Gimp poliert Ihre Bilder wieder auf Hochglanz. Kratzer, Risse, Flecken und rote Augen verschwinden in Windeseile. Außerdem zeigen wir, wie Sie auch ohne Urlaub zu Reisefotos kommen.

Der Zahn der Zeit nagt auch am besten Foto. Mit Gimp [1], einigen Script-Fu-Anwendungen und etwas Fingerspitzengefühl polieren Sie Ihre Erinnerungsstücke auch Jahre nach dem Mallorca-Urlaub wieder auf.

Wenn Sie trotz Urlaub auf Balkonien Ihr Porträt vor einem malerischen Hintergrund herumzeigen möchten oder nur einige rote Augen und Unreinheiten ausbessern wollen, hat Gimp die Lösung parat.

Abbildung 1: Das Werkzeugfenster
Abbildung 2: Die Pinselauswahl

Rote Augen

Die berüchtigten roten Augen sind für Hobby-Fotografen ein unvermeidbares Manko. Gerne will man sie loshaben bevor man ein Bild für Bewerbungen benutzt.

Zoomen Sie in Ihrem Bild an das gerötete Auge so nah heran, dass Sie es wie in Abbildung 3 als Ganzes sehen.

Abbildung 3: Bedürfen der Verschönerung: Auge und Zähne

Wählen Sie Airbrush-Werkzeug ("Mit variablem Druck airbrushen") (Abbildung 1) mit dem kleinsten Circle Fuzzy als Pinsel (Abbildung 2). Übersprühen Sie die roten Augen schwarz, aber passen Sie auf, dass Sie dabei die weiße Lichtreflektion in der Pupille nicht versehentlich miteinfärben. Dies vermeiden Sie, indem Sie die roten Stellen am Rand der Reflexion mit weißer statt mit schwarzer Farbe übersprühen. Eine leichte Vergrößerung der Spiegelung fällt nicht auf, solange sie sich auf in beiden Augen gleichmäßig auswirkt.

Bei Fehlern brauchen Sie nicht in Panik zu geraten, [Strg-Z] macht Änderungen jederzeit rückgängig. Wieviele Undo-Schritte Gimp zulässt, hängt von Ihrer Konfiguration ab. Da sich nicht alle Skript-Aktionen rückgängig machen lassen, empfiehlt sich dennoch regelmäßiges Zwischenspeichern.

Augenringe

Keinen guten Eindruck hinterlassen Augenringe auf einem Porträt. Das Werkzeug Abwedeln oder Nachbelichten (Abbildung 1) eignet sich hervorragend, um diese Übermüdungserscheinung zu beseitigen.

Mit einem Doppelklick auf ein Werkzeug-Icon öffnet sich dessen Einstellungsdialog. Im Falle von Abwedeln oder Nachbelichten stellen Sie dort eine Belichtungsrate von etwa 5% sowie die Methode (Typ) Abwedeln ein. Angeklickte Stellen erhellen sich damit um den angegebenen Faktor. Wie oft eine solche Behandlung nötig ist, hängt vom Bild ab. Das Beispiel in Abbildung 3 war nach dreimaligem "Abwedeln" perfekt.

Kasten 1: Installation externer Skripte

Gimp zeigt im Menü Xtns / Script-Fu alle Skripte an, die es beim Start in den Verzeichnissen /usr/share/gimp/1.2/scripts/ oder ~/.gimp-1.2/scripts/ findet. Um dieses zu erweitern genügt es, die entsprechende Datei in eines dieser Verzeichnisse zu kopieren. Der Punkt Xtns / Script-Fu / Auffrischen aktualisiert das Menü während einer laufenden Gimp-Session.

Strahlend weiße Zähne

Eigentlich sollten weiße Zähne Sache der Zahnbürste sein, auf die Schnelle hilft das Skript Colorize [2]. Dieses färbt einen ausgewählten Bereich um, ohne die Abstufungen zu vernichten.

Das rote Quadrat links unten im Bildfenster öffnet die sogenannte Quick-Mask-Ansicht (Abbildung 4). Malen Sie darin mit einem weißen Pinsel die Zahnflächen aus. Wenn Sie mit dem schwarzen Kreis-Icon neben dem Quick-Mask-Icon wieder in die normale Ansicht zurückkehren, hat Gimp diese Stellen markiert.

Ein Rechtsklick auf die Auswahl öffnet das Menü, das Colorize-Skript finden Sie unter Script-Fu / xMedia. In dessen Dialogfenster ändern Sie die Farbe in weiß. Mit einem Klick auf OK ist Dr. Gimp fertig mit der Reinigung. Gegen hartnäckige Verfärbungen hilft eine zweite Behandlung.

Wenn die Farbabstufungen im Bild deutlich genug sind, markiert statt der Quick Mask der Zauberstab das Gebiss. Klicken Sie damit auf einen Zahn und falls nötig mit gehaltener [Umschalt]-Taste auf die anderen, bis alle Zähne selektiert sind.

Abbildung 4: Kein Zahnfleischbluten: In der Quick Mask ist das Bild rot eingefärbt

Schönheitsflecken

Fältchen, Pickel, Unreinheiten – aber auch Kratzer, Risse und Flecken – bessert der Schönheitschirurg Gimp aus.

Zoomen Sie mit der Lupe so nah an die zu reparierende Stelle, dass Sie Details erkennen, aber den Überblick behalten. Wählen Sie das Klon-Werkzeug mit Circle Fuzzy in einer kleinen Ausführung aus. Nun lassen Sie sich durch einen Doppelklick auf das Werkzeug-Icon die dazugehörigen Einstellungen anzeigen und aktivieren unter Ausrichtung den Punkt Ausgerichtet: Damit bleibt der Winkel und die Entfernung zwischen Pinsel und Vergleichsstück immer gleich.

Suchen Sie sich eine Stelle in der direkten Umgebung der Unreinheit, mit der Sie die Korrektur vornehmen wollen. Mit gehaltener [Strg]-Taste verwandelt sich der Cursor in ein Fadenkreuz, und ein Klick nimmt den anvisierten Punkt als Vorlage auf. Übermalen Sie damit von innen nach außen den auszubessernden Fleck, bis das bloße Auge den Unterschied kaum noch wahrnimmt.

Um nach Änderungen schnell einen Gesamteindruck zu gewinnen, öffnen Sie mit [Strg-Umschalt-N] das Navigationsfenster. Damit vergrößern und verkleinern Sie den Bildausschnitt flexibel.

Anschließend erledigt das Airbrush-Werkzeug die Feinarbeit mit dem kleinsten Circle-Fuzzy-Pinsel. Wenn Sie jetzt [Strg] festhalten, verwandelt sich der Cursor in eine Pipette. Sie übernimmt eine angeklickte Farbe für das ausgewählte Werkzeug. Wählen Sie zunächst eine eher helle Stelle in der direkten Umgebung der Korrekturstelle und übermalen Sie mit dem Airbrush den störenden Fleck.

Wenn Sie im äußeren Bereich die helleren gegen dunklere Farbtöne austauschen, wirkt Ihr Bild noch realistischer. Verschiedene Klon-Vorlagen und Pinsel – z. B. Confetti oder Galaxy statt Circle Fuzzy – sorgen ebenfalls für Variationen und einen natürlichen Eindruck. Abschließend mildert der Schmierfinger die Übergänge.

Urlaubsfotos auch zu Hause

Hat die Kamera ausgerechnet vor den Pyramiden gestreikt? Trotzdem wollen Sie dieses Bild bei der Diaschau nicht vermissen? Wenn Sie es mit der Wahrheit nicht ganz so genau nehmen, hilft Gimp bei der Rekonstruktion.

Öffnen Sie ein Foto von sich und eines vom fiktiven Ziel Ihrer Reise. Passende Landschaftsaufnahmen finden Sie beispielsweise in zahlreichen Online-Fotoarchiven (Kasten 2).

Kasten 2: Foto-Archive

http://images.google.com/ ist eine gute Anlaufstelle, um das WWW nach Bildern zu durchforsten.

Die Fotoarchive http://www.sxc.hu/ und http://www.morguefile.com/ weisen darauf hin, dass sich die Fotografen bei Verwendung ihrer Bilder über einen Hinweis freuen. Sowohl private als auch kommerzielle Benutzung ist kostenlos. http://www.dieBlen.de/ hat ähnliche Bedingungen, allerdings ist eine Benachrichtigung bei Weiterverwendung verpflichtend. Bilder von http://www.photocase.de/ sind ebenfalls frei verfügbar, wenn ein Verweis auf die Quelle dabeisteht. http://www.fotodatenbank.com/ besteht auf einen Hinweis auf die eigene Homepage und bei gedruckten Veröffentlichen auf zwei Belegexemplare. Für Privatanwender ebenfalls kostenlos ist http://www.intuitivmedia.net/, kommerzielle Benutzer können für $ 9,95 eine Lizenz erwerben.

Mit der Quick-Mask-Funktion markieren Sie die Personen-Umrisse, die im neuen Foto erscheinen sollen. Fahren Sie den Rand genau nach, um so wenig Hintergrund wie möglich mitzunehmen. Nun malen Sie den Inhalt der Umrisse mit einem größeren Pinsel aus.

Nach dem Verlassen des Quick-Mask-Modus kopiert [Strg-C] die Markierung in den Zwischenspeicher. Erzeugen Sie nun im Hintergrundbild eine neue Ebene der Füllart Transparent, die Sie mit [Strg-N] im Dialogfenster Ebenen, Kanäle und Pfade erschaffen. Deren Größe kann der des Gesamtbilds entsprechen. Ungenutzte Fläche bleibt transparent und so ist gewährleistet, dass ausreichend Platz ist.

In diese Ebene fügt nun [Strg-V] den Inhalt des Zwischenspeichers ein. Schieben Sie diesen an den gewünschten Platz, Vordergrund- und Hintergrundebenen lassen sich nun separat skalieren und bearbeiten. Das Ergebnis kann wie Abbildung 3 aussehen.

Abbildung 5: Ein selbstgemachtes Urlaubsfoto

Texteffekte

Dass es sich bei einem Urlaubsfoto um eines vom Rügen-Urlaub vor etlichen Jahren handelt, sieht man ihm nicht an. Das Textwerkzeug oder der Filter dynamischer Text im Menü Filter / Render. Der Filter ist flexibler, das Textwerkzeug spielt seine Stärke im Erstellen von Schriftzügen aus. Klicken Sie mit letzterem auf die Stelle, wo der Text stehen soll. Das erscheinenden Dialogfenster erlaubt es, Textgröße, -art und -inhalt festzulegen. Diagonale und mehrzeilige Texte erstellt der dynamische Textfilter.

All diese Anmerkungen können Sie wie andere Objekte beliebig verschönern. Passen Sie beispielsweise den Farbverlauf dem Bild an oder verleihen Sie dem Text mit dem Transformationswerkzeug Schwung.

Farblose Zeiten

Abbildung 6: Das Original

Sie möchten statt einer Urlaubsfahrt lieber eine Zeitreise unternehmen? Das Skript Altes Foto, das Sie im Menü unter Script-Fu / Dekoration finden, lässt Ihr modernes Digitalfoto wie eines aus Ihrer Jugend aussehen – oder aus der Ihrer Großeltern (Abbildung 7).

Abbildung 7: Ein neues "altes" Foto

Wenn im Dialogfenster alle Effekte bis auf Sepia deaktiviert sind, bleibt die ursprüngliche Qualität des Bildes erhalten; es wird dann lediglich entfärbt zu einem Schwarz-Weiß-Foto.

Kunstgriffe

Die Rubrik Künstlerisch im Filter-Menü bietet an, Fotos einen gänzlich anderen Touch zu verleihen. Teilweise lässt sich aus den Ergebnissen jedoch das Original nur noch erahnen.

Ähnlich wie der dort enthaltene Ölgemälde-Filter wirkt aquarel [3]. Es erreich oft ein ansprechenderes Ergebnis, da es den Öl-Effekt in mehreren kleinen Schritten unter Verwendung von Weichzeichnern aufbaut (Abbildung 8).

Abbildung 8: Ein Aquarell

Lomo und Davo

Liebhaber der Lomo-Kameras [5], die sich unter anderem durch eine extrem lange Belichtungszeit auszeichnen, finden im Lomo-Skript [4] einen unverzichtbaren Leckerbissen. Ein Foto sieht nach der Anwendung aus wie mit einem solchen Apparat aufgenommen: Die Farben leuchten stärker, nach außen hin verschwimmt das Bild (Abbildung 9).

Abbildung 9: Der Lomo-Effekt

Der Davo-Effekt [4] stammt aus der Feder des selben Autors. Er verwischt das Bild nicht in alle Richtungen, sondern wahlweise horizontal (Landscape) oder vertikal (Portrait) (Abbildung 10).

Abbildung 10: Zum Vergleich: Der Davo-Effekt

Rahmen

Möchten Sie Ihre neuen Fotos und Kunstwerke würdig vorführen, sollte dies im richtigen Rahmen geschehen. Gimp bietet zahlreiche Möglichkeiten einer stilvollen Umrandung.

Für das Skript Rand abschrägen wählen Sie mit [Strg-A] zunächst das gesamte Bild aus. Im Kontextmenü unter Auswahl / Verkleinern schrumpfen Sie die Auswahl um 20 Pixel, damit sich der Rahmen vom Bild abhebt. Nun rufen Sie den Menüpunkt Script-Fu / Dekoration / Rand abschrägen auf. Die Einstellung Dicke gibt an, wie hart der Übergang gezogen werden soll: Je höher dieser Parameter gesetzt ist, desto weicher wird der Rand gezeichnet. Das Ergebnis zeigt Abbildung 11.

Abbildung 11: Bild mit abgeschrägtem Rand

Andere Möglichkeiten bieten Script-Fu / Dekoration / Rahmen ausblenden und Rahmen hinzufügen. Ersteres franst die Ränder aus, die zweite Funktion legt einen Balken in gewählter Farbe und Breite um das Bild.

Runde Ecken rundet die Ecken eines Bildes ab und hinterlegt es auf Wunsch mit einem Schlagschatten. Dieser Effekt, der im Menü unter Script-Fu / Schatten / Schlagschatten auch einzeln zur Verfügung steht, erweckt den Eindruck, das Bild liege räumlich über dem Hintergrund (Abbildung 12).

Abbildung 12: Runde Ecken mit Schlagschatten

Script-Fu / Dekoration / Dia schließlich verwandelt ein Foto in ein Dia. Mit den optionalen Bildüberschriften erstellt man damit übersichtliche Fotoreihen (Abbildung 13).

Abbildung 13: Ein Dia

Glossar

Script-Fu

Ein Gimp-Makro, das mehrere Arbeitschritte auf ein Bild oder Ausschnitt anwendet.

Der Autor

Peter Hüwe ist Gimp-Fan und versucht als solcher immer, sein Lieblingstool ins rechte Licht zu setzen. Wenn er nicht gerade malt oder schreibt, beschäftigt er sich trotzdem recht viel mit dem PC und lernt mittlerweile auch einige Programmiersprachen.

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