Möchten Sie eine Foto-CD erstellen, welche mit den meisten handelsüblichen DVD-Playern wiedergegeben werden kann, sollten Sie sich zunächst überlegen, welches Dateiformat sich hierfür anbietet. Einige DVD-Player sind beispielsweise in der Lage, einfache Daten-CD mit JPEG-Dateien abzuspielen, andere Player unterstützen das Kodak-Foto-CD-Format. Eine solche Foto-CD zu erstellen, gestaltet sich eigentlich denkbar einfach: Konvertieren Sie Ihre Bilddaten einfach in das passende Bildformat und erzeugen Sie eine Daten-CD mit den neuen Dateien.
Beide Lösungen haben aber einen entscheidenden Nachteil: Menüstrukturen einzubinden ist nicht möglich, die Navigation ist unübersichtlich, Fotos können nicht mit Audio-Kommentaren oder Musik hinterlegt werden, und zudem kann noch lange nicht jeder DVD-Player so erstellte CDs nutzen.
Eine gelungenere Lösung ist das Brennen der Fotodaten in Form einer VCD oder SVCD, wozu die Bilddaten in ein Still-MPEG-Format umgewandelt wird, welches später von jedem DVD-Player erkannt wird, der VCDs und SVCDs unterstützt.
Vorbereitungen
Damit Sie eine Foto-CD unter Linux erezugen können, sollten Sie folgende Pakete auf Ihrem System installiert haben:
- ImageMagick
- MJpegtools
- CDRDao
- VCD Imager ImageMagick sollte in jeder aktuellen Distribution enthalten sein; grundlegend gilt dies auch für die MJPEG-Tools – in der Praxis werden Sie jedoch feststellen, dass die den Distribitionen beiliegende Version nicht alle Funktionen enthält. Um diese dennoch nutzen zu können, müssen Sie die MJPEG-Tools manuell kompilieren und installieren. Da für die Übersetzung des Pakets einige Voraussetzungen erfüllt sein müssen, gestaltet sich die Installation recht aufwändig. Legen Sie in Ihrem /tmp-Verzeichnis zunächst ein Unterverzeichnis /tmp/mjpeg an. Von der Homepage des MJPEG-Projekts [1] laden Sie nun die folgenden Pakete herunter oder kopieren sie von der Heft-CD (LinuxUser/videocd/):
- jpeg-mmx.0.1.4.tar.gz
- quicktime4linux-1.4-patched-2.tar.gz
- libmovtar.0.1.3.tar.gz
- mjpegtools-1.6.1.90.tar.gz Die heruntergeladenen Pakete entpacken, kompilieren und installieren Sie nun durch Eingabe der folgenden Befehle:
tar xvzf jpeg-mmx.0.1.4.tar.gz cd jpeg-mmx-0.1.4 ./configure && make cd .. tar xvzf libmovtar-0.1.3.tar.gz cd libmovtar-0.1.3 ./configure --with-jpeg-mmx=/tmp/mjpeg/jpeg-mmx-0.1.4 make && make install cd .. tar xvzf quicktime4linux-1.4-patched-2.tar.gz cd quicktime4linux-1.4-patch ./configure && make cd .. tar xvzf mjpegtools-1.6.1.90.tar.gz cd mjpegtools-1.6.1.90 ./configure --with-jpeg-mmx=/tmp/mjpeg/jpeg-mmx-0.1.4 --with-quicktime=/tmp/quicktime4linux-1.4-patch --enable-large-file make && make install
Bechten Sie, dass nicht alle Quell-Pakete mit make install instlliert werden dürfen. Die MJPEg-Tools sollten nun vollständog bereitstehen.
Foto-SVCDs über die Kommandozeile
Besonders flexibel, wenn auch nicht gerade komfortabel, können Sie Foto-CDs über die Kommandozeile erstellen. Dazu verwenden Sie zunächst einige Konvertierungsfunktionen der MJPEG-Tools. Wandeln Sie Ihre JPEG-Bilder zunächst ins MJPEg-Format um. Dazu können Sie den folgenden Kommandozeilenbefehl verwenden:
jpeg2yuv -f 25 -j pic001.jpg -I p -n 1 ….
Hierdurch wird das JPEG-Bild in ein MJPEG-Movie umgewandelt. Die Option -f 25 gibt hierbei an, dass ein Video im europäischen Fernsehstandard PAL erzeugt werden soll. Das Deinterlacing erfolgt mit Hilfe der Option -I p. Dass aus dem Bild ein Still-MJPEG erzeugt wird, erledigt die Option -n 1: Sie sorgt dafür, dass tatsächlich nur ein Frame kodiert wird. Dies ist deutlich praktischer als das Kodieren eines längeren Zeitraums, da hierdurch Platz gespart wird; DVD-Player kommen mit diesen Dateien später trotzdem klar.
Bilder einer digitalen Fotokamera besitzen meist eine deutlich höhere Auflösung als auf dem Fernseher darstellbar ist. Aus Kapazitäts- und Kompatibilitätsgründen empfiehlt es sich daher, das erstellte Videomaterial direkt zu skalieren. Hierzu können Sie das Hilfsprogramm yuvscaler nutzen, das Sie wie folgt als Filter verwenden:
jpeg2yuv -f 25 -j pic001.jpg -I p -n 1 | yuvscaler -O SIZE_704x480 ….
Mit der Erstellung des YUV-Videostroms ist die Erstellung des SVCD-kompatiblen Formats aber noch nicht abgeschlossen. Zusätzlich muss das Videomaterial nun noch ins MPEG-Format umgewandelt werden. Hierzu verlängern Sie obige Pipeline um einen mpeg2enc-Aufruf:
jpeg2yuv -f 25 -j pic001.jpg -I p -n 1 | yuvscaler -O SIZE_704x480 | mpeg2enc -a 2 -T 200 -n p -f 7 -o pic1.m2v
Mit der Option -a 2 aktivieren Sie das Bildformat 4:3. Für Bilder im Kleinbildformat ist dieses optimal geeignet. Mit -T 200 legen Sie die maxiamle Größe der JPEG-Bilddatei auf 200 KB fest. Dies ist der höchste einstellbare Wert. Damit tatsächlich eine Video-CD im PAL-Format erzeugt wird, muss die Option -n p angegeben werden. Das SVCD-Format wird dabei durch die Option -f 7 festgelegt. Abschließend muss das so erzeugte Video noch gemultiplext werden. Übergeben Sie dazu die neu erstellte Datei pic1.m2v an das Programm mplex:
mplex -f 7 -o stillpic1.mpg pic1.m2v
Den gleichen Vorgang wiederholen Sie nun für alle Bilder, die Sie Ihrer Foto-CD hinzufügen möchten.



