Distri-Bits

01.10.2003

Im Herbst kommen die alten Klamotten wieder aus dem Schrank: So gibt es ein Comeback von KDE 1.1, und die wohl älteste, aktiv weiterentwickelte Distribution Slackware präsentiert sich in einer Version zum Mitnehmen. Ganz neue Akzente setzt eine interessante Multimedia-Distribution, bei der Mozilla im Mittelpunkt steht.

Wiedersehen mit alten Bekannten

Bis der Linux-Rechner samt grafischer Oberfläche hochgefahren ist, kann man bei modernen Distributionen mit KDE schonmal eine Runde Kaffee trinken gehen. "Viel zu lahm!", befand Lars Otte und entwickelte TDE, das "Turbo Desktop Environment" (http://www.kefk.net/Linux/Desktop/TDE/) mit der Maßgabe, dass bereits ein 486er mit 100 MHz und 64 MB RAM zum vernünftigen Arbeiten reichen soll.

Ursprünglich lediglich als Desktop gedacht, entpuppt sich das aktuelle TDE II als eigenständige Distribution basierend auf Debian "Woody" und bringt neben KDE 3.1 die KDE-Version 1.1 (Abbildung 1) als Alternative für ältere Rechner mit. Anders als das originale KDE der ersten Generation kommt letzteres mit Flash-Karten-Lesern und Speicherstäbchen klar, deren Inhalt der Dateimanager kfm anzeigt.

Die Installation unterscheidet sich zunächst nicht von Debian; nach der Konfiguration des Basissystems startet aber NeST. Das launisch "Noch ein Setup Tool" benannte Werkzeug, in dem man das KDE-Kontrollzentrum wiedererkennt, richtet das X Window System und das eigentliche TDE ein.

Genau an diesem Punkt ist jedoch Geduld gefragt: TDE wird dabei nämlich vollständig aus den Quellen neu kompiliert – gerade bei der Zielgruppe der älteren Rechner sollten Sie dafür ein paar Stunden einplanen. Auf einem Pentium I MMX mit 200 MHz dauerte das Übersetzen von Qt und KDE 1.1 etwa neun Stunden.

Dass der Autor keine fertig kompilierten Pakete anbietet und diesen Umstand auch in der Dokumentation verschweigt, ist denn auch äußerst unbefriedigend. Letztere macht ohnehin den Schwachpunkt der Distribution aus: Die Installationsanleitung reiht lediglich ein paar Screenshots ohne weiterführende Erklärungen auf.

Abbildung 1: Der KDE-1.1-Desktop von TDE

Die Software-Ausstattung lässt dank KDE wenig zu wünschen übrig. Kfm ist als Browser natürlich nicht mehr auf der Höhe der Zeit; Mozilla 1.0 übernimmt bei Bedarf die Vertretung. OpenOffice erleichtert die Büroarbeit, X-CD-Roast brennt CDs. Über NeST, das in KDE integriert ist, lassen sich auch im laufenden Betrieb die wichtigsten Systemeinstellungen bequem vornehmen (Abbildung 2).

Abbildung 2: NeST unter KDE 1.1

Was älteren Rechnern Beine macht, ist auf modernen Maschinen unglaublich schnell. So lohnt sich TDE auch für neuere Hardware – bei einem CD-Preis von fünf Euro bei http://www.liniso.de/shop_shop.php#128 allemal eine interessante Investition.

Slackware live und in Farbe

Tomas Matejicek hat eine Live-CD der aktuellen Slackware-Distribution zusammengestellt. Unter http://www.slackware-live.org finden Sie das 195 MB große ISO-Image, das Sie auf eine Mini-CD brennen. Slackware Live bringt zwei Window-Manager mit: Für leistungsschwache Maschinen steht mit fluxbox (Abbildung 3) ein kompakter Window-Manager zur Verfügung; wer über mehr Rechen-Power verfügt, startet KDE in der aktuellen Version 3.1.3 (Abbildung 4).

Abbildung 3: Slackware Live mit Fluxbox

Nach dem Start loggen Sie sich als root mit dem Passwort toor ein. Sie richten das X Window System durch Eingabe von gui oder fastgui ein, falls Sie fluxbox verwenden möchten. Ein Skript erkennt die Grafik-Hardware und erzeugt eine X-Konfiguration in der Datei /etc/X11/XF86Config; durch Eingabe von startx startet dann X.

Abbildung 4: Slackware Live mit KDE 3.1.3

Die Auswahl an Software ist umfangreich und gut durchdacht. Zum Browsen steht der Konqueror bereit, KMail und KNode kümmern sich um E-Mail und News, das komplette KOffice bietet für Büroarbeiten seine Dienste an. Unterhaltung bieten der Video-Player gmplayer und der Audio-Player Noatun. Mit k3b brennen Sie CDs, Quanta und Kate sind als Editoren dabei.

Byzantinistik

ByzantineOS (http://byzgl.sourceforge.net/) ist eine Live-Distribution mit Schwerpunkt Internet und Multimedia. Das nur 40 MB große ISO-Image enthält metacity als Window-Manager, Mozilla als Browser, mplayer als Videospieler und xmms für Audiodateien. Die gesamte grafische Oberfläche ist mit XUL gestaltet: Das ist die Sprache, in der auch die Oberfläche von Mozilla programmiert wird. Nach dem flotten Start läuft Mozilla im Vollbild gleichsam als Desktop, von einem Tab aus starten Sie die einzelnen Programme.

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+++ Mandrake +++ Mandrake +++

Kurz nach Redaktionsschluss veröffentlichte der französische Distributor den ersten Release Candidate von Mandrake Linux 9.2. Gegenüber der letzten Beta-Version gibt es bis auf die Aktualisierung von KDE auf Version 3.1.3 keine neuen Programme, sondern nur Fehlerkorrekturen. MandrakeSoft plant zur Zeit keine weiteren Release Candidates, es ist also gut möglich, dass mit Erscheinen dieses LinuxUser-Ausgabe bereits die endgültige Version fertig ist (http://www.mandrakelinux.com/en/92beta.php3).

+++ kmLinux +++ kmLinux +++

Die neueste Version der besonders in Schulen verwendeten Distribution steht zum Download bereit. kmLinux 4.0 basiert auf SuSE Linux 8.2 und zeichnet sich durch eine besonders einfache Installation aus. Die ISO-Images mit 495 und 542 MByte Größe finden Sie auf der Projekt-Homepage http://www.lernnetz-sh.de/kmlinux.

+++ Damn Small Linux +++ Damn Small Linux +++

Das Westentaschen-Linux (http://www.damnsmalllinx.org/) entwickelt sich mit atemberaubender Geschwindigkeit. Neu in der aktuellen Version 0.45 sind die Unterstützung für das Drucken auf Postscript-Druckern und der Web Browser Dillo in einer verbesserten Version, die nun auch Frames und das von Mozilla und Konqueror bekannte "Tabbed Browsing" unterstützt. Der Window Manager Fluxbox und die X-Anwendungen laufen jetzt nicht mehr mit root-Rechten, sondern unter der Benutzerkennung damnsmall.

+++ MoviX +++ MoviX +++ MoviX +++

Die Multimedia-Distribution MoviX (http://movix.sourceforge.net/) ist in der stabilen Version 0.8 erhältlich. MoviX unterstützt jetzt verschiedene Infrarot-Fernbedienungen, und die Größe des Systems wurde weiter reduziert. Neu ist die Möglichkeit, die X-Window-Version MoviX2 von einem USB-Stick zu booten. Auch haben die Entwickler die Unterstützung der Mini-ITX-Mainboards von Epia weiter verbessert.

+++ Gentoo Linux +++ Gentoo Linux +++

Seit Anfang August liegt die beliebte Distribution in Version 1.4 vor. Neu ist vor allem die Möglichkeit, ein komplettes System von zwei CDs zu installieren, ohne alles selbst kompilieren zu müssen. Informationen zum Download und zur Installation finden Sie auf http://www.gentoo.org/; unsere Heft-CD bootet ein kleines Gentoo-System und erlaubt die Installation.

+++ dyne:bolic +++ dyne:bolic +++

Dyne:bolic GNU/Linux, eine Live-Distribution mit dem Schwerpunkt Audio-, Video- und Bildbearbeitung (http://www.dynebolic.org), liegt in einer ersten Beta-Version vor. Wie Knoppix läuft das System vollständig von der CD, eine Installation ist nicht notwendig. Als Window Manager verwendet dyne:bolic Windowmaker. Neben der Grafikbearbeitung unterstützt die Distribution das Streamen, also das Übertragen von Audiodaten über das Internet, mit dem Programm Muse, das bereits fix und fertig eingerichtet ist.

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