Dasher

Hände hoch!

Dasher ist ein informationseffizientes Texteingabesystem, das über natürliche und kontinuierliche Zeigebewegungen gesteuert wird. Überall, wo der Weg über das "normale" Keyboard verwehrt ist, z. B. auf Palmtops oder bei der armlosen Bedienung von Computern, kommt Dasher zum Einsatz.

Dasher wird von der Inference Group an der Universität Cambridge entwickelt. Projektleiter David MacKay, Privatdozent für Physik, entwarf 1997 einen Prototyp der Texteingabeschnittstelle. Die erste Dasher-Version entstand in C und Tcl und war direkt als plattformunabhängige Software konzipiert, die auf Windows- und Linux-Plattformen lief. David Ward entwickelte Dasher von 1998 bis 2002 im Rahmen seiner Promotion weiter und führte viele Experimente durch, um das Programm zu dem zu machen, was es heute ist. 2002 fiel die Entscheidung, Dasher zu Open Source zu machen – viele Entwickler haben seitdem wertvolle Beiträge geleistet und Dasher auf weitere Plattformen portiert.

Die aktuelle Version 3.0.* läuft nicht nur unter Linux, sondern auch auf mehreren Windows-Versionen, auf Pocket PCs und unter MacOS X. Derzeit schreibt Dasher in englisch, deutsch, niederländisch, französisch, portugiesisch, spanisch und polnisch und beherrscht sogar IPA (International Phonetic Alphabet). RPM-Pakete fuer SuSE und Red Hat Linux, den Source Code und ein Debian-Paket (sowie Trainingstexte fuer mehrere Sprachen) gibt es auf der Heft-CD im Verzeichnis LinuxUser/dasher/.

Dasher lässt sich mit Joystick, Touchscreen, Trackball oder Maus einhändig steuern. Bei der armlosen Bedienung eines Computers arbeitet die Software mit Kopfmaus oder Eyetracker zusammen. Ein erfahrener Dasher-Benutzer schreibt mit der Eyetracker-Version ca. 25 Wörter pro Minute – das ist so schnell, wie man normalerweise mit der Hand schreibt. In der einhändigen Bedienung, z. B. mit der Maus, schafft man mit ein bisschen Training sogar 39 Wörter pro Minute. Zum Vergleich: Im Zehn-Finger-System auf der Tastatur schreiben geübte Nutzer ca. 40 bis 60 Wörter pro Minute.

Frei zum Abschuss

Schreiben mit Dasher ist ein Zoom-Prozess: Sie bewegen sich in eine Art alphabetisch geordnete Bibliothek hinein und steuern unterwegs. Dazu stellen Sie sich vor, dass alle Bücher, die mit "a" beginnen, links oben stehen, "z" befindet sich rechts unten. Die "Regale", auf denen die Buchstaben sind, werden in der Größe an die Wahrscheinlichkeit ihres Auftretens angepasst. Einem "x" wird so deutlich weniger Platz gegeben als einem "e".

Zu besseren Orientierung sind die Buchstabenfelder farbig. Für die deutsche Version sind Großbuchstaben beispielsweise im gelben Feld und Satzzeichen im unteren roten Feld zu finden. Leerzeichen sind für alle Sprachen als Unterstrich definiert. So genannte Trainingstexte liefern bekannte Wörter im Vorfeld – damit lassen sich häufige Einträge schneller und leichter erreichen. In Abbildung 1 sehen Sie beispielsweise, dass nach den drei Buchstaben "geh" zwei Vorschläge angeboten werden: der Buchstabe "t" (und anschließend das Wort "es", um den Satz "Wie geht es" zu vervollständigen) und die Zeichen "ört," (offenbar gibt es im Trainingstext eine Phrase "Wie gehört, ").

Abbildung 1: Schreibtraining – Bekanntes geht schneller

Hinter den Kulissen

Allgemeine Einstellungen wie z. B. die zuletzt gewählte Sprache oder die Zoom-Geschwindigkeit speichert Dasher zwischen den Sitzungen. Zusätzlich "merkt" sich Dasher während des Schreibvorgangs neue Wörter, die Sie benutzen. Diese trägt das Programm in Ihren "persönlichen" Trainingstext ein – so lernt die Software ständig dazu.

Neben den Trainingstexten gibt es so genannte Alphabete für jede Sprache. In einer XML-Datei sind Zeichensätze definiert. Jeweils einem Zeichen, das im Dasher-Buchstabenfeld erscheint, wird ein Zeichen zugewiesen, das tatsächlich gedruckt wird. Für einen Zeilenumbruch steht in der XML-Datei beispielsweise:

<s d="¶" t="
"/>

Das erste Argument (d="¶") ist das Neuer-Absatz-Symbol (in Unicode-Notation), das Sie beim Zoomen in die Zeichen sehen; das zweite Argument (t=" ") ist die HTML-Escape-Sequenz für LF (Line Feed). Durch die Wahl von XML als Format ist es sehr einfach, fehlende Zeichen selbst hinzuzufügen. Bei den Satzzeichen im deutschen Alphabet fehlt beispielsweise das Semikolon. Abhilfe schafft ein neues Element <s t=";" d=";"/> (Abbildung 2).

Abbildung 2: alphabet.xml anpassen

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