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Bildbetrachter im Vergleich

01.10.2003 Zum Durchforsten des digitalen Fotoarchivs greift man zunächst zu einem Bildbetrachtungsprogramm – und noch einem und noch einem. Keins gleicht dem anderen, so dass Orientierungshilfe im Dschungel Not tut.

Open-Source-Entwicklung handelt unter anderem davon, dass jemand lernen möchte, eine bestimmte Programmieraufgabe zu lösen. So verwundert es nicht, dass es Software-Kategorien gibt, in denen es nur so von Projekten wimmelt. Dazu gehören Texteditoren, Adressbücher oder auch Bildbetrachtungsprogramme: Eye of GNOME, Digikam, PixiePlus, xv, xnview – die Liste könnte noch länger werden, doch bereits an dieser Auswahl für den Artikel zeigt sich, wie sehr sich Programme dieser Kategorie unterscheiden.

Zwar erfüllen alle die Mindestanforderung, Bilder in den gängigsten Bitmap-Grafikformaten PNG, GIF und dem für Fotofreunde unabkömmlichen JPEG anzuzeigen, doch schon bei BMP und TIFF schert Digikam aus. WMF kann nur Pixie, dafür kommt xnview mit jeder Menge exotischer Formate klar. Was die Viewer darüber hinaus bieten, verlangt von der Anwenderin, sorgfältig das Beste für die zu lösenden Aufgabe zu wählen.

Beim GNOME-Programm Eye of GNOME (http://www.gnome.org/softwaremap/projects/eog) handelt es sich um einen kleinen, kompakten Bildbetrachter für alle, die nur schnell ihre Bilder ansehen möchten.

Gehören Diashow und Ansteuerung einer Digitalkamera zu den Anforderungen, fällt die Wahl auf Digikam. Fast schon die Möglichkeiten einer Grafikbearbeitungssoftware bieten PixiePlus, xnview und xv, ersteres bringt zudem Dateimanager-Funktionen mit und bietet die weniger gewöhnungsbedürftige Benutzeroberfläche.

Das Auge des Gnomes

Den Preis für den innovativsten Programmnamen nimmt für diesen Artikel Eye of GNOME (Abbildung 1) entgegen. Doch diese kreative Bezeichnung setzt leider die Daumenregel außer Kraft, der zufolge sich beinahe jedes Programm mit seinem durchgängig klein geschriebenen Namen auf der Kommandozeile aufrufen lässt: Für das GNOMEsche Auge, das wir uns in der etwa SuSE 8.2 beiliegenden Version 2.2.0 anschauten, lautet der entsprechende Befehl eog &.

Meist findet sich auch ein passender Eintrag im Start-Menü der Desktop-Umgebung (bei SuSE z. B. Graphik / Ansicht / Eye of GNOME Bildbetrachter), doch nur die Kommandozeile erlaubt es, mehrere Bilder auf einmal zu öffnen. So zaubert

eog *.[Jj][Pp]* &

alle JPEG-Dateien aus dem Arbeitsverzeichnis auf den Bildschirm – jedes Bild in einem eigenen Fenster mit eigenem Hauptmenü, was bei einer größeren Fotosammlung schnell unübersichtlich wird.

Abbildung 1: Der Bildbetrachter Eye of GNOME

Alle Funktionen beziehen sich jeweils nur auf das aktuelle Fenster: Mit Zoom in, Zoom out, Normal Size und Best Size bietet das Menü View Möglichkeiten zum Verkleinern und Vergrößern, zum Anzeigen in Normalgröße bzw. dem Fenster angepasst. Alternativ erreichen Sie diese Funktionen über die entsprechenden Schaltflächen in der Symbolleiste. View / Full Screen vergrößert das Foto auf Bildschirmgröße, wobei das Menü verschwindet. Zum Verkleinern drücken Sie anschließend einfach die [Esc]-Taste.

Das Menü Edit erlaubt es, das Bild zu spiegeln (Flip Horizontal und Flip Vertical) oder zu drehen: Rotate Clockwise dreht es um 90 Grad nach rechts, Rotate Counter Clockwise nach links.

Bleibt noch der Menüpunkt Preferences übrig: Hier erwartet Sie die einsame Registerkarte Image Viewer mit der aktivierten Einstellung Interpolate image on zoom. Sie sorgt beim Ändern der Bildgröße durch Interpolation für eine bessere Auflösung. Mit Indicate Transparency stellen Sie eine Hintergrundfarbe für transparente Bilder ein.

Das Hilfemenü Help / Contents beschreibt recht ausführlich zusätzliche, aber noch nicht implementierte Funktionen wie das Ändern des Dithering- oder des Interpolationsalgorithmus. Schön, dass die Anwenderin so von den Plänen des Entwicklers erfährt, doch sorgen diese Beschreibungen eines fiktiven Ist-Zustands erst einmal für Verwirrung.

Show und (Kamera-)Auslese

Wer unter KDE nicht mehr als Eye-of-GNOME-Funktionalität benötigt, bekommt im kdegraphics-Paket den trivialen Betrachter kview mitgeliefert. Doch damit braucht sich niemand abfinden, denn gleich zwei recht unterschiedlich gelagerte Programme – Digikam und PixiePlus – buhlen außerhalb der Kern-Pakete um die Gunst der User, beide interessanterweise mit Benutzeroberflächen in der klassischen Dreiteilung.

Auch bei Digikam (http://sourceforge.net/projects/digikam) besprechen wir an dieser Stelle die bei SuSE 8.2 mitgelieferte, aktuellste Version 0.5.1. Auf der Kommandozeile startet der Befehl digikam & das Programm. Der Nürnberger Distributor ordnet es aus unerfindlichen Gründen nicht in die Kategorie "Bildbetrachter" ein, sondern legt den entsprechenden Menüpunkt unter Multimedia / Video / Digikam ab.

Abbildung 2: Bilder mit Digikam anzeigen

Tatsächlich liest das Programm digitale Foto-, nicht jedoch Videokameras aus und zeigt die Datenträger der erkannten Hardware mitsamt ihren Verzeichnissen links unten im Hauptfenster an (Abbildung 2).

Eine neue Kamera richten Sie mit Configure / Setup und der Registerkarte Camera Settings ein. Hier bietet die Software eine beachtliche Auswahl an Kameratypen. Die Verbindung zur Kamera stellt das Menü Camera her. Mit dessen Hilfe laden Sie Fotos auf Ihren Rechner – oder auf die Kamera, und zwar entweder alle oder nur die mit der Maus und gedrückter [Strg]- bzw. [Umschalt]-Taste markierten.

Bilder verwaltet Digikam naheliegenderweise in Alben. Das sind nichts anderes als Verzeichnisse, die Sie mit Album / New Album anlegen, und die das Hauptfenster links oben auflistet. Digikam verwendet standardmäßig das Home-Directory als Startverzeichnis. Diese Einstellung lässt sich aber problemlos über das Menü Configure / Setup / General Settings im Feld Set Album Path abändern. Sobald Sie in diesen Ordner Bilddateien in gängigen Grafikformaten kopieren (und ihn anwählen), zeigt die rechte Fensterhälfte die Bilder als Thumbnail an und unterschlägt – anders als ein Dateimanager wie Konqueror – alle Nicht-Grafikdateien.

Sehen Sie an deren Stelle nur Rechtecke als Platzhalter, deaktivieren Sie im Menü Albums die Option Pause Thumbnail Generation, die sich beim Öffnen von Alben mit sehr vielen Grafikdateien bezahlt macht: Da das Generieren dieser Vorschaubildchen sehr viel Rechnerleistung beansprucht, kann der Rechner hier schon einmal ins Stocken geraten. Das Menü Configure / Setup / General Settings (Abbildung 3) bietet unter anderem die Möglichkeit, die Größe der Thumbnails festzulegen.

Ein Foto zeigt Digikam auf einen Doppelklick hin in seiner Originalgröße an. Ist die Option Use inbuilt image viewer im Settings-Dialog aktiv, kommt der eingebaute einfache Viewer zum Einsatz. Alternativ wählen Sie zur Anzeige einen anderen Bildbetrachter aus, zum Beispiel PixiePlus, KIconEdit, Kuickshow oder Kview.

Album / Delete Album löscht den markierten Ordner. Vorsicht: Auch wenn die rechte Seite nichts anzeigt, heißt das nicht, dass er tatsächlich leer ist.

Sie möchten sich eine Diashow mit den im Album befindlichen Fotos gönnen? Dann markieren Sie die zur allgemeinen Belustigung gedachten Bilder und klicken auf Album / SlideShow. Wenn Sie keine Bilder auswählen, zeigt Digikam alle an. Ein Klick auf ein Bild der laufenden Diashow öffnet ein Menü mit den Funktionen Pause und Exit. Die Diashow läuft auf Mausklick erst weiter, wenn man das Menü mit der [Esc]-Taste geschlossen hat.

Abbildung 3: Digikam einrichten

Im Settings-Dialog aus Abbildung 3 hinterlegen Sie, wie viele Sekunden zwischen zwei Bildern vergehen sollen, und ob Sie einen Übergangseffekt zwischen den Dias wünschen, der die Bilder von oben nach unten einblendet. Möchten Sie wissen, wie die Dateien zu den angezeigten Dias heißen? Die Option Show Filenames in SlideShow zeigt die Dateinamen entweder oben (At Top) oder unten (At Bottom) im Bild an.

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