Digitale Fotokameras sind für Linux heute kein Problem mehr. Aktuelle USB-Modelle sind dank des USB-Mass-Storage-Treibers nichts anderes als Wechselspeicher-Medien. Nur ältere Geräte brauchen manchmal spezielle Treiber für proprietäre Übertragungsprotokolle. Dank Zusatz-Tools wie gPhoto2 können Sie aber auch den Großteil dieser Modelle unter Linux nutzen.
Je nachdem, welche Digitalkamera Sie verwenden, unterscheidet sich das Speichern von Fotos, aber auch die Übertragung zum PC. Derzeit existieren mit SmartMedia, Compact Flash, MMC, SD, XD und dem Memory Stick sechs verschiedene Standards für Speichermedien. Hinzu kommen gerade bei älteren Modellen proprietäre Übertragungsformate – einige besonders alte benutzen die serielle Schnittstelle. Das heißt, dass Linux viele Wege kennen muss, um an die aufgenommenen Fotos zu gelangen.
USB-Mass-Storage
Am einfachsten geht alles mit Digitalkameras, die das USB-Mass-Storage-Format unterstützen und so als Wechselmedium einsetzbar sind. Ist die Kamera eingeschaltet und über ein USB-Kabel mit dem PC verbunden, können Sie das Medium einfach mounten. Vorher müssen Sie von Hand einen entsprechenden Eintrag in der Konfigurationsdatei /etc/fstab anlegen. Die sollte folgende Zeilen enthalten:
/dev/sda1 /mnt/camera vfat ro,noauto,user 0 0 usbdevfs /proc/bus/usb usbdevfs noauto 0 0
Der erste Eintrag definiert die Gerätedatei, über die die Kamera angesprochen wird. Das darf keine USB-Gerätedatei sein, sondern muss eine SCSI-Gerätedatei sein, weil das USB-Mass-Storage-Modul einen SCSI-USB-Emulationstreiber benuzt und dem Betriebssystem vorgaukelt, dass es sich um ein SCSI-Gerät handelt. Hat Ihr PC keine anderen SCSI-Geräte oder CD-Brenner, sollte Ihre DigiCam stets unter der Gerätedatei /dev/sda1 zu finden sein. Alternativ durchsuchen Sie Ihr System mit
cdrecord --scanbus
nach vorhandenen SCSI-Geräten und ermitteln so die richtige Gerätedatei. Mit
mount /mnt/camera
binden Sie die DigiCam ein.
Genauso können Sie auch USB-Cardreader einbinden. Beachten Sie, dass bei 6in1-Readern jeder der Slots über eine eigene Partitions-ID angesprochen wird – also heißen die verschiedenen Schächte /dev/sda1/, /dev/sda2, /dev/sda3 usw.
Proprietäre Formate und gPhoto2
Einige Kameras lassen sich nicht so einfach nutzen, sie kennen das Mass-Storage-Protokoll nicht oder verwenden ein proprietäres. Manche Geräte speichern die Bilder auch auf einem internen Chip, der nicht mit einem externen Lesegerät genutzt werden kann. In diesen Fällen hilft gPhoto2: Es unterstützt sowohl alte serielle als auch neue USB-Digitalkamera-Modelle. Bereits der Vorgänger gphoto hatte eine grafische Oberfläche, ist aber veraltet und nicht mehr zu gebrauchen. Die Liste der Geräte, die die neue Version unterstützt, finden Sie unter [2].

Abbildung 1: Über das Konfigurationsmenü von Digikam wählen Sie Kameramodell und Schnittstelle aus, um an die Fotodaten zu gelangen
Autoerkennung von Digitalkameras
Über die Kommandozeile können Sie mit gPhoto2 nach angeschlossenen Digitalkameras suchen. Geben Sie dazu in einem Terminalfenster folgenden Befehl ein:
gphoto2 --auto-detect
gphoto2 zeigt alle am seriellen und USB-Port angeschlossenen und eingeschalteten Kameras an. Die entsprechende Ausgabe könnte so aussehen:
Modell Port ——————– Fuji: A204 usb
Detaillierte Informationen zu gPhoto2 erhalten Sie mit:
gphoto2 --summary
Bild-Dateien herunterladen
Findet gPhoto2 Ihre Digicam, können Sie alle darauf gespeicherten Fotos, Videos oder Sound-Dateien herunterladen. Damit das einfach bleibt, bietet das Programm eine Reihe praktischer Funktionen. Mit
gphoto2 --list-files
zeigt es an, in welchen Unterverzeichnissen Bilder liegen. Möchten Sie alle Bilder auf einmal von der Kamera laden, geben Sie
gphoto2 --get-all-files
ein. Die Dateien werden automatisch in das aktuelle Verzeichnis kopiert, aus dem heraus Sie den Befehl aufgerufen haben. Neben Bilddateien werden dabei auch Video- und Audio-Dateien heruntergeladen.
Sind an Ihrem PC mehrere digitale Kameras angeschlossen, können Sie auch ein einzelnes Gerät auswählen. Mit
gphoto2 --port usb --camera Modell -P
würden Sie beispielsweise nur die Bilder einer angeschlossenen USB-Kamera herunterladen, die auf die Bezeichnung Modell hört. (Der Name wird bei der Autoerkennung angezeigt.) Nicht immer will man alle Bilder gleichzeitig herunterladen. Der Befehl
gphoto2 --port usb --camera Modell -p "1-9"
überspielt lediglich die Bilder 1 bis 9 auf Ihren PC.

Abbildung 2: Im Konfigurationsmenü von Digikam legen Sie unter “General” zum Beispiel die Größe der Previews fest
JPEG-Bilder drehen@KL:Möchten Sie die Bilder drehen – etwa, weil es sich um eine Hochkantaufnahme handelt – soll bei der Rotation kein zusätzlicher Qualitätsverlust auftreten. Die Kommandozeile bietet hierzu zwei Möglichkeiten. Die einfachere ist der Befehl
jpegtran -copy bild1.jpg -rotate 90
Das Bild wird so um 90 Grad im Uhrzeigersinn gedreht. Die gleiche Funktion bieten natürlich alle Bildbearbeitungsprogramme. Der Nachteil ist: Vorhandene Exif-Informationen gehen verloren. Um diese zu erhalten, nutzen Sie das Konvertierungstool jpegtran in Kombination mit dem Exif-Parser jhead:
jhead -cmd `jpegtran -rotate 90 -outfile &o &` bild1.jpg
Digikam Entwicklerversion
Einige der beschriebenen Funktionen sind in der aktuellen stabilen Version von Digikam noch nicht enthalten. Sie können die neuesten Sourcen von der Homepage des Projekts herunterladen und das Programm manuell kompilieren.
Thumbnails auslesen
Neben den Bildern speichern die meisten Digitalkameras auch Thumbnails für die Vorschau, gPhoto2 kann direkt darauf zugreifen:
gphoto2 --get-thumbnail
Grafische Frontends
Im Internet finden Sie eine Menge grafischer Frontends für gPhoto2. Trotz der Vielfalt hat sich mit Digikam ein Standard-Tool herauskristallisiert, das in den meisten Distributionen mitgeliefert wird. Digikam überzeugt mit vielen praktischen Funktionen. Mit wenigen Mausklicks haben Sie nach der Konfiguration bereits die ersten Bilder von Ihrer Digitalkamera geladen. Über das grafische Frontend speichern und katalogisieren Sie sie in eigenen Alben. Die Bilder eines Albums zeigt die Hauptseite des Programms als Thumbnails, deren Größe sie aus vier Alternativen wählen können. Sie können sie als Dia-Show abspielen oder einfache Bearbeitungen wie Rotationen oder Kontrastoptimierung durchführen. Jedes Bild lässt sich mit einem Kommentar versehen.
Mit zusätzlichen Plugins können Sie Digikam sogar noch erweitern – unter anderem auch um das Feature, Bilder aus dem RAW-Format in ein beliebiges anderes zu konvertieren.

Abbildung 3: Digikam greift auf Digitalkameras auch als USB Mass Storage Device zu. Nutzen Sie diese Einstellung als Standard, wenn es keinen Treiber für Ihre Kamera gibt. Unter Path Settings tragen sie den Mount-Pfad der Kamera ein
Praxiseinsatz von Digikam
Um Digikam benutzen zu können, konfigurieren Sie Ihre Digitalkamera über die Menüzeile unter Configure / Setup. Unter dem Karteikartenregister Camera Settings wählen Sie Ihr Gerät aus. Stellen Sie dazu sicher, dass sich die Kamera im Überspielmodus befindet und mit dem PC verbunden ist. Als erstes sollten Sie über die Schaltfläche Auto-Detect versuchen, die Kamera erkennen zu lassen – es geht aber auch manuell.
Wählen Sie dazu über das Listfeld das gewünschte Kameramodell aus. Auf der rechten Seite geben Sie an, ob die Kamera über eine serielle oder USB-Schnittstelle mit Ihrem PC verbunden ist. Die Wahl haben Sie hier nur bei den Modellen, die beide Anschlüsse besitzen oder in beiden Varianten erhältlich waren. USB-Kameras benötigen keine weiteren Einstellungen; bernehmen Sie die Einstellungen über die Schaltfläche Apply. Bei seriellen Kameras sollten Sie zusätzlich angeben, an welcher seriellen Schnittstelle sie angeschlossen sind.
Sollte es mit einer USB-Kamera zu Problemen kommen, können Sie alternativ den USB-Mass-Storage-Treiber verwenden. Dazu müssen Sie zunächst das Speichermedium, wie im Artikel beschrieben, als Wechselmedium mounten. Wählen Sie dann als Kameramodell den Eintrag USB-Mass-Storage und geben sie als Verzeichnis den Mount-Pfad an. Das Hauptmenü von Digikam zeigt nun den Inhalt Ihres Home-Verzeichnisses an. Unten links finden Sie die von Ihnen gewählte Kamera. Klicken Sie diesen Eintrag an, um eine Übersicht aller auf der Kamera gespeicherten Dateien zu erhalten – diese werden Ihnen als kleine Thumbnails angezeigt. Um einzelne Bilder herunterzuladen, halten Sie die Steuerungstaste gedrückt und klicken alle gewünschten Bilder an. Rufen Sie dann über die Menüzeile Download Images / Selected auf.
Fazit
USB-Mass-Storage-Treiber, GPhoto2 und Digikam bilden eine leistungsfähige Einheit und gestatten es, fast alle DigiCams mit Linux zu benutzen – dank der einfachen und intuitiven Oberfläche von Digikam auch einsteigertauglich. Die Kommandos von gPhoto2 können zudem in eigenen Skripten benutzt werden, zum Beispiel, um alle Bilder in einem Rutsch von der Kamera herunterzuladen, zu konvertieren und deren Bildgröße zu ändern.





