Digitale Kameras unter Linux nutzen

Anschlusskunde

01.10.2003
Digitale Fotokameras sind für Linux heute kein Problem mehr. Aktuelle USB-Modelle sind dank des USB-Mass-Storage-Treibers nichts anderes als Wechselspeicher-Medien. Nur ältere Geräte brauchen manchmal spezielle Treiber für proprietäre Übertragungsprotokolle. Dank Zusatz-Tools wie gPhoto2 können Sie aber auch den Großteil dieser Modelle unter Linux nutzen.

Je nachdem, welche Digitalkamera Sie verwenden, unterscheidet sich das Speichern von Fotos, aber auch die Übertragung zum PC. Derzeit existieren mit SmartMedia, Compact Flash, MMC, SD, XD und dem Memory Stick sechs verschiedene Standards für Speichermedien. Hinzu kommen gerade bei älteren Modellen proprietäre Übertragungsformate – einige besonders alte benutzen die serielle Schnittstelle. Das heißt, dass Linux viele Wege kennen muss, um an die aufgenommenen Fotos zu gelangen.

USB-Mass-Storage

Am einfachsten geht alles mit Digitalkameras, die das USB-Mass-Storage-Format unterstützen und so als Wechselmedium einsetzbar sind. Ist die Kamera eingeschaltet und über ein USB-Kabel mit dem PC verbunden, können Sie das Medium einfach mounten. Vorher müssen Sie von Hand einen entsprechenden Eintrag in der Konfigurationsdatei /etc/fstab anlegen. Die sollte folgende Zeilen enthalten:

/dev/sda1  /mnt/camera    vfat      ro,noauto,user  0 0
usbdevfs   /proc/bus/usb  usbdevfs  noauto          0 0

Der erste Eintrag definiert die Gerätedatei, über die die Kamera angesprochen wird. Das darf keine USB-Gerätedatei sein, sondern muss eine SCSI-Gerätedatei sein, weil das USB-Mass-Storage-Modul einen SCSI-USB-Emulationstreiber benuzt und dem Betriebssystem vorgaukelt, dass es sich um ein SCSI-Gerät handelt. Hat Ihr PC keine anderen SCSI-Geräte oder CD-Brenner, sollte Ihre DigiCam stets unter der Gerätedatei /dev/sda1 zu finden sein. Alternativ durchsuchen Sie Ihr System mit

cdrecord --scanbus

nach vorhandenen SCSI-Geräten und ermitteln so die richtige Gerätedatei. Mit

mount /mnt/camera

binden Sie die DigiCam ein.

Genauso können Sie auch USB-Cardreader einbinden. Beachten Sie, dass bei 6in1-Readern jeder der Slots über eine eigene Partitions-ID angesprochen wird – also heißen die verschiedenen Schächte /dev/sda1/, /dev/sda2, /dev/sda3 usw.

Proprietäre Formate und gPhoto2

Einige Kameras lassen sich nicht so einfach nutzen, sie kennen das Mass-Storage-Protokoll nicht oder verwenden ein proprietäres. Manche Geräte speichern die Bilder auch auf einem internen Chip, der nicht mit einem externen Lesegerät genutzt werden kann. In diesen Fällen hilft gPhoto2: Es unterstützt sowohl alte serielle als auch neue USB-Digitalkamera-Modelle. Bereits der Vorgänger gphoto hatte eine grafische Oberfläche, ist aber veraltet und nicht mehr zu gebrauchen. Die Liste der Geräte, die die neue Version unterstützt, finden Sie unter [2].

Abbildung 1: Über das Konfigurationsmenü von Digikam wählen Sie Kameramodell und Schnittstelle aus, um an die Fotodaten zu gelangen

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