deskTOPia: XPenguins

Aus LinuxUser 09/2003

deskTOPia: XPenguins

Antarktische Invasion

Ob mit Farbverlauf oder Hintergrundbild: Statische Desktops sind langweilig. Das Programm XPenguins bringt Leben auf den Bildschirm und sorgt für vergnügliche Ablenkung.

deskTOPia

Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.

Alljährlich wiederholt sich für Besucher des Tierparks Hellabrunn dasselbe Schauspiel: Sobald die Temperaturen unter den Gefrierpunkt fallen, treten die Königspinguine zusammen mit einem Tierpfleger einen Marsch über das Gelände an. Wer es nicht vor Ort miterlebt, bekommt das Spektakel vom Fernsehen ins heimische Wohnzimmer geliefert. Die flanierenden Frackträger sind verschiedenen Nachrichtensendungen regelmäßig eine Meldung wert.

Linux-Anwender müssen jedoch nicht auf Minusgrade warten, um sich an freilaufenden Pinguinen zu ergötzen. Das Programm xpenguins[1] von Robin Hogan bevölkert Ihren Desktop-Hintergrund temperaturunabhängig und pflegeleicht mit einer ganzen Schar Linux-Maskottchen.

Aufzucht

Sofern Sie xpenguins nicht auf Ihren Distributions-CDs finden, können Sie Ihr Glück mit dem RPM-Paket des Programmautors versuchen. Haben Sie damit keinen Erfolg, kompilieren Sie die Anwendung selbst. Das gestaltet sich recht unkompliziert, da xpenguins lediglich die Development-Pakete von XFree86 und der libxpm benötigt. Den Quellcode finden Sie auf der XPenguins-Homepage und auf unserer Heft-CD.

Entpacken Sie das Tar-Archiv und wechseln Sie in das entstandene Verzeichnis xpenguins-2.2. Dort konfigurieren, kompilieren und installieren Sie die Software mit dem Dreisatz ./configure ; make ; make install. Standardmäßig wird xpenguins in die Verzeichnisse unterhalb von /usr/local installiert, weshalb Sie make install als Benutzer root aufrufen müssen.

Nach der Installation können Sie xpenguins unter jedem Fenster-Manager verwenden, lediglich bei kwin von KDE ist ein wenig Vorarbeit nötig, da KDE standardmäßig ein Fenster über das Root-Window stülpt. Bei KDE-Versionen ab 3.1 aktivieren Sie im Kontrollzentrum die Option Enable icons on desktop im Menü Desktop / Behavior.

Zwar zerstört xpenguins sowohl unter KDE als auch unter GNOME die Desktop-Icons, zeichnet Sie jedoch neu, sobald das Programm beendet wird.

Pinguine-Parade

Der erste Aufruf von xpenguins erfolgt mit Eingabe von

xpenguins

Verzichten Sie darauf, dem Befehl ein & anzuhängen. Sie bekommen dann zwar Ihren Prompt nicht wieder, können das Programm jedoch über die Tastenkombination [Strg-C] jederzeit beenden.

Nach Eingabe dieses Befehls fallen acht Pinguine vom oberen Desktop-Rand. Einige schlagen in der Luft Salti, andere benutzen einen Strauß Luftballons, um damit für einen gebremsten Fall und eine weiche Landung zu sorgen.

Eine solche ist nicht selbstverständlich: Da Pinguine nicht fliegen können, bedeutet der Sturz aus großer Höhe Lebensgefahr für sie, und einige der Tierchen ereilt tatsächlich ein frühes Ende, wenn Sie unsanft auf einem Fensterrahmen oder dem unteren Bildschirmrand landen.

Der entsetzte Anwender sieht dann noch kurz Blut spritzen, und wenig später tritt der Dahingeschiedene als Engel mit Heiligenschein seine letzte Reise an. Der zeitgleich herabsegelnde Ersatzmann tröstet nur wenig, bringt aber die Pinguinpopulation wieder auf den ursprünglichen Stand. Um nicht selbst zum Todesboten zu werden, sollten Sie Ihre Fenster nicht allzu ruckartig verschieben.

Auch die weitere Beobachtung des Geschehens ist einen Blick wert: Statt nach der Landung nur auf Fensterrahmen hin- und herzulaufen, lassen sich Ihre Desktop-Bewohner einiges zum Zeitvertreib einfallen. Die sportlichen Vertreter packen ihr Skateboard aus, manche haben ein gutes Buch mitgebracht, und hin und wieder erscheint ein arbeitsames Exemplar mit Schutzhelm und Presslufthammer.

Wenn Sie nur lang genug warten, werden Sie auch Pinguine sichten, die sich mit ihrer Flugunfähigkeit nicht abfinden wollen und sich mit einem kleinen Rotor auf dem Kopf hubschrauberartig den Weg nach oben bahnen.

Hege und Pflege

Damit Ihnen bei der Betrachtung des bunten Treibens nicht irgendwann langweilig wird, hat der Autor vorgesorgt und XPenguins mit vielen zusätzlichen Parametern ausgestattet. Beliebig kombinierbar sorgen diese für noch mehr Abwechslung auf dem Desktop.

Mit dem Aufruf xpenguins -n $ZAHL legen Sie fest, wieviele Pinguine sich gleichzeitig auf Ihrem Desktop tummeln sollen. Bei einer Auflösung von 1024×768 sorgt der Aufruf von xpenguins -n 40 für einen angenehmen Wuselfaktor, ohne dass die Vögel sich gegenseitig auf die Füße treten (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der Desktop als Pinguin-Kolonie

Abbildung 1: Der Desktop als Pinguin-Kolonie

Eine jugendfreie Variante des Desktop-Spielzeugs beschert Ihnen der Parameter -b, mit dem Sie die Blutspritzer bei tödlich verunglückten Vögeln entfernen.

Ein zusätzlich angehängtes -a eliminiert auch die himmelfahrenden Engelspinguine. Offenbar eine Spielerei für sadistische Naturen ist der Parameter -s, der es Ihnen ermöglicht, die putzigen Tierchen mit einem Mausklick zu zerquetschen: Der Cursor verwandelt sich über dem Root-Window in eine Zieloptik, und als Strafe für Ihre grausame Gesinnung müssen Sie bis zum Beenden von xpenguins auf alle Root-Menüs, wie etwa eine Fensterliste oder das Kontextmenü verzichten.

Interessant für ältere Rechner sind die Optionen -r und –nice $ZAHL1 $ZAHL2. Bei -r geht das Programm davon aus, dass all Ihre Fenster rechteckig sind, wodurch Rechenzeit gespart wird. Sofern Sie eine Fensterdekoration mit geraden Rändern verwenden, merken Sie keinen Unterschied zu dem normalen Aufruf von xpenguins.

Merkwürdige Effekte ergeben sich jedoch, wenn Sie eine Fensterdekoration mit ungewöhnlichen Formen verwenden, wie sie zum Beispiel einige Enlightenment-Themes mitbringen.

Mit dem –nice-Parameter gestartet, liest das Programm alle fünf Sekunden /proc/loadavg aus. Übersteigt die Systemlast den zuerst hinter –nice angegebenen Wert, wird die Anzahl der Pinguine reduziert; steigt die Systemlast gar auf den zweiten angegebenen Wert, verschwinden die Tiere ganz. Sie kehren dann erst zurück, wenn Ihr System keine anderen arbeitsintensiven Aufgaben mehr zu versehen hat. Für Desktop-Systeme ist der folgende Aufruf eine gute Wahl:

xpenguins --nice 1.0 1.5

Pause für die Pinguine

Wem die Südpol-Bewohner allzu verspielt sind, für den bietet xpenguins noch ein weiteres Goodie: Das Programm unterstützt Themes, und einige sind schon in der Grundausstattung enthalten. Was alles zur Auswahl steht, erfährt man mit xpenguins -l. Ausgewählt wird ein Theme durch folgenden Aufruf:

xpenguins -t $THEME-NAME

Bei den Themes, deren Name Leerstellen enthält, müssen Sie diesen in Anführungszeichen setzen.

Neben dem Standard-Theme Penguins gibt es das Federvieh noch in zwei weiteren Ausführungen. Nostalgiker entscheiden sich für die Classic Penguins, und Anwender mit hoher Bildschirmauflösung wählen das Big Penguins-Theme, damit ihnen keine Einzelheit entgeht.

Die Schildkrötenliebhaber unter Ihnen sollten einen Blick auf Turtles werfen. Wer gar Bill auswählt, sieht sich mit dem Protagonisten des Spiels xbill konfrontiert, der immer wieder innehält, um Windows auf einen Linux-Rechner aufzuspielen. Mit dem Aufruf werden für Linux-Anwender Alpträume wahr, wogegen die oben schon erwähnten ruckartigen Fensterbewegungen helfen.

xpenguins -n 50 -t Bill

Um die Akteure mehrerer Themes gleichzeitig auf dem Desktop zu haben, geben Sie den -t-Parameter einfach mehrmals an und ein xpenguins –all kombiniert alle vorhandenen Themes und verwandelt Ihren Bildschirm in einen Multikulti-Desktop (Abbildung 2).

Abbildung 2: XPenguins stellt auch alle Themes gleichzeitig dar

Abbildung 2: XPenguins stellt auch alle Themes gleichzeitig dar

Reichen Ihnen fünf Themes nicht aus, finde Sie auf der Homepage des Autors im Verzeichnis contrib/ noch weitere Themes. Die Theme-Dateien müssen nach dem Auspacken noch in das richtige Verzeichnis kopiert werden, beispielsweise mit:

cp -a themes/@L: * /usr/local/share/xpenguins/themes/

Glossar

Root-Window

Von diesem Wurzel-Fenster Ihres Desktops leiten sich alle anderen ab. Anders als normale Fenster hat es keinen Rahmen, sondern bildet den Desktop-Hintergrund.

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