Es wird immer schlimmer. Täglich. Es ist nichts besonderes mehr; jeder hat es, jeder kann es. Galt noch vor kurzem als Guru, wer – übernächtigt und verraucht – einen Shell-Prompt auf einem x-beliebigen Notebook vorzeigen konnte, so klatscht Otto Normaluser heute leichthändig eine Volksdistribution auf jedes Intel-Notebook. Wer sich abheben will, wählt das Designstück: Notebooks von Apple sind immer für Hingucker gut. Exotische, ansehnliche Hardware, kombiniert mit Linux, garantiert den Geek-Faktor. Doch auch damit ist jetzt leider Schluss – und schuld ist Yellow Dog Linux.
Die Firma Terra Soft Solutions [1] aus dem US-Bundesstaat Colorado verkauft Yellow Dog Linux in der aktuellen Version 3.0 für Computer mit einer PowerPC-CPU. Die Hardware-Anforderungen erfüllen alle halbwegs aktuellen Macs ab G3-Prozessor und einige Vorläufer. Wir haben uns eine Box [2] geholt: Schon das GUI-Design, das hier "Wonderland" heißt aber "Bluecurve" ähnelt wie ein Ei dem anderen, enttarnt Yellow Dog Linux als eine Red-Hat-Variante, die für den PowerPC kompiliert und angepasst wurde. Angepasst ist aber eigentlich kein angemessener Begriff für die vielen Verbesserungen, die Terra Soft eingearbeitet hat. Ein Trost bleibt den Tüftlern: Kleinigkeiten wie die deutsche Tastenbelegung müssen noch nachgezogen werden. Im übrigen genießt der Apple-Besitzer alle Vorteile, die ein aktuelles Red Hat Linux in Version 9 bietet (Abbildung 1).
Die Firma Apple liefert ihre Notebooks ausschließlich mit dem vorinstallierten hauseigenen Betriebssystem Mac OS X aus, das die gesamte Festplatte belegt. Da es bislang keine zuverlässigen Tools gibt, um die HFS+-Partitionen dynamisch zu verkleinern, müssen für eine Linux-Installation das Mac-Betriebssystem und alle persönlichen Daten und Anwendungen weichen. Vor der Neupartitionierung sollten Sie daher Ihre Daten sichern.
Die Installation folgt verschiedenen Schritten, je nachdem, wie viele Betriebssysteme Sie auf dem Rechner haben möchten; für eine Parallelinstallation von Linux und Mac OS X müssen Sie zunächst das Mac OS installieren, da dessen Bootloader alle fremden überschreibt. Möchten Sie ausschließlich Linux laufen lassen, beginnen Sie einfach bei der Yellow-Dog-Linux-Installation.
Bei Apples Installationsprogramm ist ein komfortables Partitionierungstool dabei: Legen Sie den Plattenplatz in einem Aufwasch mit der Neuinstallation von Mac OS X fest.
Sie brauchen die beiden Installations-CDs von Apple. Legen Sie die erste CD ein, und starten Sie den Rechner neu. Der Installer läuft mit dem Fenster Mac OS X installieren an. Wählen Sie im Menü Installer den Eintrag Festplatten-Dienstprogramm öffnen... Im geteilten Fenster des Festplatten-Dienstprogramms sehen Sie links die Volumes: Über dem Eintrag für die eingelegte Installations-CD steht der Eintrag für die Festplatte, etwa "27,95 GB TOSHIBA", versetzt darunter den Eintrag für die bestehende Partition, zum Beispiel "Macintosh HD".
In der Default-Konfiguration können Sie wegen der unzureichend angepassten Tastenbelegung unter X zwar die deutschen Umlaute und das ß erzeugen, nicht aber bestimmte, für die Arbeit unter Linux wichtige Sonderzeichen wie das At-Symbol, das Pipe-Symbol oder die Tilde. Auf der Konsole funktionieren nicht einmal die Umlaute.
Um sich unter X die Sonderzeichen zu verschaffen, die auf einer gewöhnlichen PC-Tastatur über die [AltGr]-Taste eingegeben werden, ist es nötig, die Keymaps zu editieren. Hierzu existiert ein HOWTO [3], das unter anderem die folgenden Schritte angibt:
Die Umlaute bringt man auch auf die Konsole. Dafür müssen die gezippten Keymaps vor dem Editieren extrahiert und danach wieder komprimiert werden.
Entpacken Sie die Gzip-Datei /lib/kbd/keymaps/i386/qwertz/de-latin1-nodeadkeys.map.gz mit dem Kommando gunzip. Fügen Sie der extrahierten Datei eine weitere Zeile keycode 125 = AltGr an und komprimieren Sie die Datei wieder mit gzip. Die geänderte Tastaturbelegung muss zunächst aktiviert werden. Dazu rufen Sie – unter X – das Konfigurationstool redhat-config-keyboard auf. (Die redhat-config-Tools sind tatsächlich unter diesen Namen auf dem System vorhanden.) Nun funktionieren zumindest die [AltGr]-Sonderzeichen auf der Konsole. Für die Umlaute ersetzen Sie in der Datei /etc/sysconfig/i18n die Zeile SYSFONT="lat0-sun-16" durch SYSFONT="lat9w-16". Künftig kann auch die Konsole Deutsch.
Unter der grafischen Oberfläche läuft denn auch alles tadellos – bis auf die fehlende 3D-Unterstützung. Mit redhat-config-xfree86 holen Sie das nach: Im Fenster aktivieren Sie unter Erweitert die Checkbox für die 3D Hardware Beschleunigung; nach einem X-Neustart läuft auch Tuxracer schnell. Das System hat nicht nur die Grafikkarte bei der Installation richtig erkannt, sondern auch gleich den Sound-Chip erkannt und konfiguriert. Nun wäre es natürlich schade, wenn Sie zwar den KDE-Start, aber keine alten Mp3-Files mehr hören könnten – das YDL-Vorbild Red Hat setzt ja in der Voreinstellung nurmehr auf das freie Ogg-Format. Die Befürchtung ist jedoch unbegründet: Ohne die bekannten Paketodysseen im Internet lassen sich mit dem systemeigenen Audio Player (xmms) Songs im Mp3-Format anhören (Abbildung 3).
Das Kombi-Laufwerk sollten Sie mit ln -s /dev/scd0 /dev/dvd auf eine Gerätedatei verlinken, die Standardprogramme als DVD-Laufwerk annehmen. Installieren Sie dann Video-Player wie Xine nach, mutiert das iBook zum iKino. Für verschlüsselte DVDs benötigen Sie natürlich noch die libdvdcss-Pakete; Freshrpms ist für die Suche – wie auch für andere Pakete – ein guter Ausgangspunkt [4 und 5].
In unserem iBook war zusätzlich zum Standard-Netzwerkanschluss (10/100MBit-LAN) eine AirPort-Karte installiert, die zur Freude und zum Erstaunen automatisch erkannt und eingebunden wurde. Natürlich lässt sie sich mit ifconfig und iwconfig schalten. Beide Kommandos liegen im /sbin-Verzeichnis, das bei YDL wie bei Red hat nicht in Roots Standardpfad liegt.
Software nachzuinstallieren, ist unter YDL das reinste Vergnügen – einen Internet-Anschluss vorausgesetzt. Wie bei Debian lassen sich die Programme unter YDL mit den Apt-Tools verwalten. Mit apt-cache search Suchbegriff erfahren Sie beispielsweise, ob ein Paket mit dem Suchwort im Namen oder in der Beschreibung überhaupt verfügbar ist. apt-get install Programmname zieht das Programm aus dem Internet, installiert und konfiguriert es – oder meldet, dass es bereits installiert ist, was uns oft überrascht hat. (Wir hatten die "Vollinstallation" gewählt.)
In der Konfigurationsdatei /etc/apt/sources.list findet sich übrigens ein Fehler, auf den die YDL-Supportseite (Abbildung 4) hinweist: In einigen Zeilen ist dort ein falsches Archiv angegeben. Der korrekte Eintrag lautet main statt base.
Zusätzlich zu den Apt-Tools bietet YDL auch das von Terra Soft empfohlene Yum, den Yellow Dog Updater, an. Die Bedienung ist ähnlich einfach; welches System besser sei, ist ein Streit um des Kaisers Bart, weil unter YDL beide letztlich nur auf den RPM-Tools aufsetzen. Apt und Yum sind ungemein benutzerfreundlich, und wir haben sie auch nebeneinander eingesetzt, ohne dass wir Probleme bemerkt hätten.
Yellow Dog Linux 3.0 ist benutzerfreundlich, alltagstauglich und wirklich leicht zu installieren. Die hinzugefügte Mp3-Funktionalität und die vereinfachte Paketverwaltung macht die Kopie besser als das Original. Anders gesagt: Yellow Dog ist das bessere Red Hat – wenn man die Grundausstattung vergleicht. Natürlich ist es leichter, fertige RPMs für Intel-Hardware aufzutreiben, als für die noch exotische PowerPC-Architektur. Weil aber YDL genauso komplett wie Red Hat Linux ist, reicht es völlig aus. Das heißt, dass man künftig zu den "Normalos" gehört, wenn man Linux auf einem iBook oder einem Powerbook hat. Schlimm genug. Und dann hat Apple auch noch die Preise für die Geräte gesenkt.
Infos
[1] http://www.yellowdoglinux.com
[2] Box mit 6 CDs und englischem Handbuch für EUR 49,90; http://www.linuxland.de
[3] Christoph Ertelt und Thomas Ley, http://www.yellowdoglinux.com/support/solutions/ydl_general/keyboard_german.shtml