Ob gepflegte Mozartklänge am Rechner die Konzentration fördern oder es sich bei 80er-Jahre-Pop besonders gut programmieren lässt – die individuellen Vorlieben mögen variieren, doch dass Musik am Arbeitsplatz die Produktivität steigert, darüber sind sich viele einig. Kein Wunder, dass Soundkarten und Desktop-Rechner schon fast zusammengehören.
Unter KDE kümmert sich der aRts-("analog realtime synthesizer"-)Daemon artsd [1] um Klang jeglicher Art. Sound-Programme übergeben ihm die abzuspielenden Daten und brauchen sich anschließend nicht weiter um die Klangausgabe zu kümmern. Der aRts-Server wiederum kommuniziert mit der Soundkarte über das passende Kernel-Modul. Dabei ist es egal, ob kommerzielle OSS-("Open Sound System"-)Treiber [2], ein Kernel-eigenes Sound-Modul oder ALSA ("Advanced Linux Sound Architecture" [3]) den Rechner zum Tönen bringen. (ALSA findet voraussichtlich mit der nächsten stabilen Linux-Version 2.6 offiziell ihren Weg in den Kernel.)
Aufnehmen, abmischen …
Damit Musik aus der Stereoanlage den Weg in den PC findet, schließt man diesen wie ein Kassettendeck an die Anlage an. An den Ausgang Tape am Verstärker kommt der Eingang der Soundkarte, den dazugehörigen Verstärkereingang verkabelt man mit dem Soundkarten-Ausgang. Damit landet alles, was der Verstärker hinausschickt, im Rechner und lässt sich dort beliebig verarbeiten.
Um Musik aufzunehmen muss der aRts-Server richtig eingestellt sein. Dafür zuständig zeichnet der Punkt Sound & Multimedia / Sound-System (bei SuSE 8.1 Klänge / Soundserver) im KDE-Kontrollzentrum. Der entscheidende Punkt heißt Volle Duplex-Fähigkeit aktivieren (Abbildung 1). Angekreuzt erlaubt er es dem Sound-Server, Töne gleichzeitig aufzunehmen und abzuspielen.
Für die Aufnahme zuständig ist seit KDE 3.1.0 Arnold Krilles Programm krec aus dem kdemultimedia-Paket – nicht zu verwechseln mit Gerd Knorrs ähnlich gelagertem KRecord [6]. Soll nur eine einzelne Datei mitgeschnitten werden, legt man diese zunächst mit Datei / Neue Datei an. Einfaches Drücken von N hat den selben Effekt. Per Rechtsklick auf die Zeile mit der neuen Datei bestimmt man diese über den Kontextmenü-Punkt In diese Datei aufnehmen zum Speicherplatz für die aufzunehmenden Klangdaten. Ein Klick auf den roten Aufnahmeknopf nimmt die im KDE-Mixer KMix (Abbildung 2) gewählte Klangquelle auf.
Welcher Eingang das ist (gewöhnlich das Mikrofon oder die eingehende Leitung), legt man mit Hilfe der roten Lämpchen unterhalb der Regler fest, von denen immer nur eines angeknipst werden kann. Der Regler IGain verstärkt das Eingangssignal: Je weiter er aufgedreht wird, desto mehr. Damit die Aufnahme nicht übersteuert, empfiehlt es sich an dieser Stelle, Maß zu halten.
Über den Reglern befinden sich Lämpchen, die man per Mausklick an- und ausschaltet. "Leuchtet" ein solches nicht, ist das entsprechende Gerät stumm geschaltet.
Kasten 1: aRts-Abstürze bei Debian
Für Debian-Benutzer, die sich streng an die offiziellen stabilen Pakete der Woody-Version halten, ist immer noch KDE 2 der aktuelle Stand. Wer dennoch KDE 3.x (etwa von der CD aus Heft 04/2003 oder von http://download.kde.org/) installiert hat, bezahlt diesen Mut mit artsd-Abstürzen, wenn der Server seine Module in der "falschen" Reihenfolge lädt. Dieser Bug war den KDE-Entwicklern zu Redaktionsschluss bekannt [4], aber leider noch nicht behoben.
Der Fehler macht sich zum Beispiel beim Starten von krec bemerkbar, wenn das Programm versucht, das aRts-Modul Synth_STEREO_COMPRESSOR zu laden. Vermeiden lässt sich der daraus resultierende artsd-Absturz, indem man das Modul Synth_STEREO_FIR_EQUALIZER manuell vor der Benutzung von krec (und anderen Programmen) lädt. noatun erlaubt dies über das Menü Einstellungen / Effekte (Abbildung 3). Allerdings bringt auch dieser etwas umständliche Workaround keine Entwarnung: Bei unseren Versuchen verabschiedete sich artsd trotzdem hin und wieder unvermittelt und musste mit dem erwähnten Modul neu gestartet werden. Bis zur Beseitigung des Bugs werden Debian-Nutzer wohl mit diesem Ärgernis leben müssen.
… und wiedergeben
Zum Abspielen der gebräuchlichen Klangformate bringt das kdemultimedia-Paket zwei Alternativen mit: noatun und Kaboodle (das nichts mit der gleichnamigen Netzwerk-Visualisierungssoftware von http://www.kaboodle.org/ zu tun hat). Beide Programme geben neben Videoformaten und exotischen Klangdateien auch Wave-, MP3- und Ogg-Vorbis-Dateien problemlos wieder. Die Unterschiede liegen im Funktionsumfang: Kaboodle bezeichnet sich selbst als "schlanken KDE-Multimediaabspieler", während noatun zusätzliche Funktionen wie eine Stückliste, einen integrierten Lautstärkeregler und einen Equalizer bietet.
Auch für den populären Multimedia-Player xmms [5,10] existiert ein Plugin für den aRts-Server. Damit nicht aRts-kompatible Programme bei laufendem KDE direkt das verwendete Soundkarten-Modul ansprechen können, muss man den aRts-Daemon jedoch mit
killall artsd
beenden, da dieser die Soundkarte blockiert. Um dessen Neustart braucht sich der User nicht kümmern, dafür sorgen automatisch neu aufgerufene Programme, die auf artsd zugreifen wollen. Damit das reibungslos funktioniert, sollte man solche Tools erst starten, wenn keine anderen Anwendungen mehr versuchen, direkt mit der Soundkarte zu kommunizieren.



