Aufgepeppte Kalenderdaten und widerspenstige Mail-Programme

Hätten Sie gern, dass Ihr Kalender nicht nur die deutschen Feiertage, sondern auch sportliche Ereignisse, die Geburtstage von Berühmtheiten oder Space-Shuttle-Starts anzeigt? Dann nichts wie zu http://www.icalshare.com/, http://www.icals.de/ und ähnlichen Web-Seiten, die für Apples Kalender-Programm iCal entsprechende Kalenderdaten bereit halten. "Mit diesen können auch KDE und KOrganizer seit der Version 3.1 etwas anfangen", verrät KOrganizer-Maintainer Cornelius Schumacher. "Man muss im Konqueror lediglich auf den Abonnieren-Link für die gewünschten Daten klicken, und schon öffnet KOrganizer diesen Kalender. Man kann ihn anschauen, lokal abspeichern und, falls gewünscht, mit Datei / Kalender zusammenführen... in den eigenen Kalender einfügen.

Anders als iCal aktualisiert KOrganizer diese Daten allerdings noch nicht automatisch. Das soll sich aber in der Version 3.2 ändern."

Sie sind sich sicher, die richtige Passphrase für Ihren geheimen GnuPG-Schlüssel [2,3] beim Signieren von E-Mails in KMail zu benutzen, und trotzdem behauptet das Programm, das Krypto-Plugin openpgp.so hätte herausgefunden, dass Sie gar keine Passphrase eingegeben haben? Lisiane Sztoltz Teixeira, die das brasiliano-portugiesische KDE-Übersetzungsteam leitet, bringt Licht in diese aus User-Sicht vollkommen absurde Fehlermeldung: "Alles, was das Krypto-Plugin Ihnen damit versucht mitzuteilen, ist, dass Sie kein gpg-agent-Programm am Laufen haben. Das Problem lässt sich lösen, indem Sie gpg-agent vor dem KDE-Start im Hintergrund automatisch aufrufen lassen. Das geht zum Beispiel, indem Sie den startkde-Eintrag in Ihrer X-Start-Datei ~/.xinitrc oder ~/.xsession wie folgt umrahmen:

eval $(gpg-agent --daemon)
startkde
killall gpg-agent

Das letzte Kommando sorgt dafür, dass nach Abschluss der KDE-Session alle GnuPG-Agenten-Prozesse beendet werden." Außerdem sollten Sie sich vergewissern, dass kein #-Zeichen am Zeilenanfang den Eintrag use-agent in Ihrer GnuPG-Konfigurationsdatei ~/.gnupg/gpg.conf auskommentiert.

Sollten Sie zu den Usern gehören, die KMid-Maintainer Antonio in den Ohren liegen, warum der KDE-Midi-Player immer noch nicht für Karaoke zu gebrauchen ist – hier kommt seine Antwort: "Momentan arbeitet KMid praktisch nur mit externen, an den Midi-Port der Soundkarte angeschlossenen Synthesizern zusammen oder mit Karten, die einen internen Midi-Synthesizer enthalten (leider werden das immer weniger, vermutlich, um den Preis der Hardware zu verringern). Aber auch mit anderen Soundkarten ist noch nicht alles verloren. Der Trick dabei: Lassen Sie den Software-Midi-Player Timidity als ALSA-Midi-Synthesizer arbeiten.

Starten Sie das Programm mit dem Kommando timidity -iA. Sollte Ihre Soundkarte merkwürdige Knall- und Piepslaute von sich geben, setzen Sie die Sampling-Rate im aRTs-Konfigurationsdialog des Kontrollzentrums auf 48000 und geben Timidity diesen Wert durch die Kommandozeilenoption -s 48000 mit auf den Weg.

Abbildung 6: Sie wollten schon immer einmal Mozart in Karaoke zum Besten geben?

Wenn Sie jetzt kmid starten, finden Sie im Midi-Einstellungen...-Dialog ein neues ALSA device. Dann lassen sich Midi-Dateien abspielen, Timidity emuliert den Synthesizer, und KMid begleitet Sie wie in Abbildung 6 zu 'Dies Irae' aus Mozarts Requiem (die Datei finden Sie in $KDEDIR/share/apps/kmid).

Damit sich das alles auch noch schön anhört, brauchen Sie ein gutes Set so genannter Timidity-Patches. Ich bevorzuge die EAWPatches, die man am besten anhand der Anleitung von http://www.onicos.com/staff/iz/timidity/doc/eawpat.html installiert."

Konsole-Tricks

Antonios KDE-Lieblingsfeatures haben interessanterweise nichts mit dem eigenen Programm, sondern mit dem KDE-X-Terminal Konsole zu tun. Das hat auch unter eingefleischten Kommandozeilen-Usern viele Freunde gewonnen, vor allem, weil ein Konsole-Fenster jede Menge Reiter mit (mindestens) ebensovielen Shells enthalten kann. Deren Namen (per Default Befehlsfenster, Befehlsfenster No. 2 usw. getauft) lassen sich für den aktuellen Tab mit [Strg-Alt-S] ändern. Aber wäre es nicht schön, wenn die Karteireiter von Anfang an etwas sinnvolles – etwa das aktuelle Verzeichnis – enthielten?

"Ist die Shell-Variable PROMPT_COMMAND gesetzt, zeigt Konsole die Ausgabe des darin definierten Kommandos im Karteikartenkopf an. Diese setzen Sie zum Beispiel, indem Sie Ihre ~/.bashrc um die Zeilen in Listing 2 erweitern.

Listing 2

Setzen der <I>PROMPT_COMMAND<I>-Variablen in der <I>.bashrc<I>

# PROMPT_COMMAND nur setzen, wenn wir grafisch arbeiten
if test "$DISPLAY" ; then
 export PROMPT_COMMAND='echo -ne "\033]30;`echo $PWD | sed -e "s/^.@L: *\(.\{20\}\)$/\1/"`\007\033]31;$PWD\007"'
fi
Abbildung 7: Wenn PROMPT_COMMAND entsprechend gesetzt ist, zeigt Konsole das jeweilige Arbeitsverzeichnis in den Tab-Reitern

Ab jetzt starten (fast) alle Shells in Konsole so, dass der jeweilige Reiter wie in Abbildung 7 die letzten 20 Zeichen der Pfadangabe für das aktuelle Arbeitsverzeichnis zeigt. (Ohne diese Verkürzung würden die Konsole-Tabs unter Umständen ewig breit.)

Arbeiten Sie innerhalb einer Konsole auf verschiedenen Rechnern, zahlt es sich aus, die Kontrolle darüber zu behalten, welcher Reiter zu welcher Maschine gehört. Das lässt sich über die Definition entsprechender Sitzungstypen via Einstellungen / Konsole einrichten... / Sitzung bewerkstelligen."

Abbildung 8: Remote-Sessions dürfen sich auch gern farblich unterscheiden

In diesem Dialog erstellen Sie eine neue Sitzung, indem Sie zumindest die ersten zwei Felder im Abschnitt Allgemein ausfüllen und auf Sitzung speichern... klicken (Abbildung 8). "Im Feld Ausführen tragen Sie statt des Kommandoaufrufs bash für eine lokale Shell zum Beispiel

ssh -C user@entfernter.rechner

ein (die Option -C sorgt dafür, dass der SSH-Datenstrom komprimiert wird), ändern das Icon in eines ab, das Sie schnell wiedererkennen, und passen bei Bedarf das Farbschema an – so erkennen Sie schon an der Hintergrundfarbe, auf welchem Rechner Sie gerade arbeiten."

Glossar

Pager

Allgemein eine Applikation, mit der man etwas "seitenweise" durchstöbern kann (englisch: page == Seite). Auf der Kommandozeile erlaubt es zum Beispiel der Pager less, eine Datei "seitenweise" durchzuscrollen. Überträgt man den Begriff "Seite" auf den Desktop, so sieht man von virtuellen Desktops immer nur einen, also eine "Seite". Mit dem kleinen, in die KDE-Kontrollleiste (das Panel) eingebetteten Applet, das mit einer Reihe von Vierecken die einzelnen virtuellen Arbeitsflächen symbolisiert, kann man somit "seitenweise" von einem Arbeitsbereich zum nächsten wechseln.

KDE-I/O-Slaves

Bei den "Eingabe-Ausgabe-Sklaven" (kioslaves) handelt es sich um kleine Code-Einheiten, die den Zugriff auf beliebige Datenquellen managen. Zum Beispiel weiß der HTTP-I/O-Slave kio_http alles über das Senden und Empfangen von Daten zu und von einem Web-Server. Er kennt sich mit SSL, Encoding und den verschiedenen Headern aus, die während des Datenaustauschs verwendet werden. Möchten Entwickler in einem KDE-Programm auf eine Web-Page zugreifen, brauchen sie sich selbst nicht mehr mit solchen Details auseinandersetzen. Sie verwenden einfach kio_http, der sich um den Rest kümmert.

Midi

"Musical Instruments Digital Interface", ein Standard zur Steuerung elektronischer Musikinstrumente.

ALSA

Die "Advanced Linux Sound Architecture" versorgt Linux mit Audio- und Midi-Funktionalität.

Infos

[1] Heike Jurzik: "Sicher senden", LinuxUser 07/2003, S. 81 ff.

[2] Jörg Mudrack, Patricia Jung: "Schloss für die Post", LinuxUser 05/2002, S. 28 f., http://www.linux-user.de/ausgabe/2002/05/028-pgp/pgp-1.html

[3] Patricia Jung: "Signier-Party", LinuxUser 06/2003, S. 71 ff.

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