… mit ihrem guten Namen

Flexibler mounten mit Dateisystemnamen

01.09.2003
Wer mehrere Linux-Systeme parallel installieren oder einfach auf einen neuen Computer umziehen möchte, hat viel zu tun: Dateien kopieren, Bootloader und Kernel-Parameter anpassen, und bloß die Zuordnung der Mount-Punkte nicht vergessen. Machen Sie es sich doch einfach und nennen Sie die Dateisysteme beim Namen.

Die folgende Anleitung richtet sich an Linux-Benutzer, die mehrere Distributionen auf einem Rechner betreiben, ihren Rechner umrüsten oder wechseln wollen, ohne Linux neu zu installieren. Sie kann zudem als Erweiterung für den Multi-Distributions-Artikel aus LinuxUser 03/2003 [1] angesehen werden, den Sie auf unserer Homepage nachlesen können.

In Sachen Gerätenamen nimmt es Linux sehr genau: Bei IDE-Festplatten bestimmt die Position am Controller über den Gerätenamen, während SCSI-Festplatten in der Reihenfolge ihrer SCSI-ID benannt werden. Die Gerätenamen der Partitionen leiten sich aus dem Gerätenamen der Festplatte plus der Nummer der jeweiligen Partition in der Partitionstabelle ab – /dev/hdb6 ist also der sechste Eintrag auf der Slave-Festplatte am primären IDE-Controller.

Mit den Gerätenamen /dev/hdb6 bezeichnet Linux die genaue Position, an dem es das Dateisystem der Partition findet – ohne Gewähr dafür, dass es sich um die gewünschten Daten handelt. So ist /dev/hda6 zum Beispiel ein logisches Laufwerk im erweiterten Bereich der Festplatte – löscht der Benutzer etwa mittels fdisk die Partition hda5, rücken alle anderen Partitionen auf: Aus hda6 wird hda5, und hda7 ist jetzt hda6. Linux greift weiterhin auf /dev/hda6 zu, landet aber nun auf der falschen Partition. Besonders schwerwiegend sind solche Partitionsverwechslungen beim Systemstart – das Endergebnis ist meist ein Kernel-Panic, und man muss die Rettungs-CD bemühen.

Mauerblümchen Partitionsnamen

Deutlich flexibler ist es, den Dateisystemen Namen zu geben und diese für den Systemstart heranzuziehen – ändert sich dann die Reihenfolge der Partitionen oder verlegen Sie die Daten gar auf eine andere Festplatte, findet sich Linux trotzdem zurecht. Während des Systemstarts prüft der Linux-Kernel alle gefundenen Partitionen und bestimmt dann den Namen der Dateisysteme.

Red Hat Linux war die erste große Distribution, die an Stelle der Gerätenamen die Dateisystemnamen verwendete – allerdings sind die Namen vorgegeben und lassen sich während der Installation nicht ohne weiteres ändern. Bei SuSE Linux ab Version 8.1 kann man zwar die Namen frei wählen, muss dafür aber bei der Partitionierung in den Experten-Modus wechseln. Für die meisten wird daher die manuelle Umstellung interessant sein – zumal sie für alle Distributionen gleich ist.

Namensvergabe

Die Unterstützung für Dateisystemnamen, englisch als Volume Label oder auch nur als Label bezeichnet, bringen nicht alle Dateisysteme mit. Derzeit kann Linux nur bei Ext-2, Ext-3, Reiser-FS und XFS die Namen der Dateisysteme auswerten und setzen.

Bei Ext-2 und Ext-3 verwenden Sie den Befehl:

tune2fs -L Name /dev/Gerätename

Bei Reiser-FS, das SuSE Linux nach wie vor standardmäßig als Root-Dateisystem einsetzt, müssen Sie folgenden Befehl eingeben:

reiserfstune -l Name /dev/Gerätename

Die Dateisystemnamen dürfen maximal 16 Zeichen lang sein und sollten nur aus Buchstaben, Zahlen sowie den Zeichen Punkt, Minus, Unterstrich und Schrägstrich bestehen. Theoretisch sind auch andere Zeichen möglich, sie können aber im Zusammenhang mit Administrationsprogrammen der Distributionen oder System-Tools zu Problemen führen, auch wenn der Systemstart noch funktioniert. Wir empfehlen Ihnen, lediglich Zahlen und die Buchstaben "a" bis "x" in Kleinschreibung zu verwenden – das lässt sich im Notfall auch bei amerikanischer Tastaturbelegung im Rettungssystem problemlos eingeben.

Gemeinsam genutzte Dateisysteme sollten nach ihrem Inhalt benannt werden, die Home-Partition zum Beispiel mit "home" und eine etwaige Boot-Partition mit "boot". Für die Root-Partition empfehlen wir Ihnen den Namen und die Versionsnummer der Distribution – bei SuSE Linux 8.2 zum Beispiel "suse82", für Red Hat Linux 9.A "redhat9a" und Mandrake Linux 9.1 "mandrake91". Damit verhindern Sie eine Namenskollission, falls Sie später einmal mehrere Distributionen gleichzeitig installieren möchten.

Dateisystemtabelle <I>/etc/fstab<I> anpassen@KL:Für die Umstellung der Dateisystemtabelle <I>/etc/fstab<I> auf Volume Labels müssen Sie die Gerätenamen durch die Dateisystemnamen ersetzen. In der Datei <I>/etc/fstab<I> sind alle Dateisysteme eingetragen, die beim Systemstart automatisch oder später durch den Benutzer von Hand eingebunden werden können. Uns interessiert die erste Spalte, hier sind die Gerätenamen der Partitionen eingetragen:

/dev/hda3    /               reiserfs   defaults              1 1
/dev/hda5    swap            swap       pri=42                0 0
devpts       /dev/pts        devpts     mode=0620,gid=5       0 0
proc         /proc           proc       defaults              0 0
usbdevfs     /proc/bus/usb   usbdevfs   noauto                0 0
/dev/cdrom   /media/cdrom    auto       ro,noauto,user,exec   0 0
/dev/dvd     /media/dvd      auto       ro,noauto,user,exec   0 0
/dev/fd1     /media/floppy   auto       noauto,user,sync      0 0

Die Gerätenamen in der ersten Spalte können Sie durch den Namen des Dateisystems (nicht zu verwechseln mit dem Dateisystemtyp in der dritten Spalte) ersetzen. Zudem müssen Sie "LABEL=" voranstellen. Die fstab sieht nach der Änderung also folgendermaßen aus:

LABEL=suse82 /               reiserfs   defaults              1 1
/dev/hda5    swap            swap       pri=42                0 0
devpts       /dev/pts        devpts     mode=0620,gid=5       0 0
proc         /proc           proc       defaults              0 0
usbdevfs     /proc/bus/usb   usbdevfs   noauto                0 0
/dev/cdrom   /media/cdrom    auto       ro,noauto,user,exec   0 0
/dev/dvd     /media/dvd      auto       ro,noauto,user,exec   0 0
/dev/fd1     /media/floppy   auto       noauto,user,sync      0 0

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