In dieser Ausgabe stellen wir Ihnen eine Distribution für Gehörlose, eine kompakte Live-CD und einen umfangreichen Werkzeugkasten für Notfälle vor.

Oralux

Oralux (http://www.oralux.org) ist eine Distribution für sehbehinderte Benutzer. Als Basis dient Knoppix, das die Entwickler um das Text-To-Speech- (TTS) Programm flite erweitert haben. Nach dem Start der CD und dem Abschluss der Hardware-Erkennung hören Sie zur Begrüßung einen Hahnenschrei. Wenn Sie über das TTS-Programm DECTalk verfügen, können Sie es jetzt installieren, andernfalls findet Flite Verwendung. Haben Sie sich für ein TTS-Programm entschieden, startet automatisch emacspeak, eine Variante des Editors emacs. Emacspeak liest jeden Buchstaben bei der Eingabe und auch alle Emacs-Kommandos vor. Wenn Sie den eingetippten Text vorgelesen haben wollen, bewegen Sie den Cursor über den Text, dann wird der Buchstabe unter dem Cursor gelesen.

Flite liest Text- oder WAV-Dateien vor. Zum Starten geben Sie dem Programm einfach den Namen der Datei als Parameter mit. Englische Texte liest flite langsam und verständlich, bei anderen Sprachen wird es schwierig, da das Programm unbekannte Wörter buchstabiert.

Zur Zeit unterstützt Oralux leider nur Englisch, die Autoren versprechen aber, das System auf Nachfrage auch an andere Sprachen anzupassen. Um ein Linux-System vollständig für Sehbehinderte benutzbar zu machen, fehlt noch eine akustische Ausgabe der Programmausgaben, Oralux ist aber ein guter Ansatz.

Der Arbeitsplatz in der Hosentasche

VectorLinux (http://www.vectorlinux.com) ist eine Platz sparende Distribution, die auf Slackware Linux 9.0 basiert und auch auf älterer Hardware noch flott läuft. Seit kurzem gibt es auch von dieser Distribution eine Live-CD, die keinerlei Installation auf der Festplatte benötigt. Das ISO-Image ist etwa 180 MByte groß und passt so noch auf eine Mini-CD. Eine Installation auf der Festplatte oder ein dauerhaftes Speichern der Anwenderdaten ist leider nicht vorgesehen.

Die Distribution startet schnell, die automatische Hardware-Erkennung arbeitet zuverlässig. Auch auf einem Pentium 1 mit 200 Mhz Takt waren nach wenigen Minuten X und ICEwm auf dem Bildschirm (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der ICEwm-Desktop von VectorLinux

Die Software-Ausstattung ist komplett: Enthalten sind die Textverarbeitung Abiword, das E-Mail-Programm Sylpheed, die Browser Opera und Dillo. Als Dateimanager findet Xfe Verwendung.

Abbildung 1: Desktop-Software von Vector Linux

Als Editoren hat VectorLinux Bluefish und Nedit an Bord, für den Musikgenuss sorgt xmms. Zum Aufbau von Verbindungen ins Internet bietet die Distribution Helferlein für Modem-Verbindungen und DSL.

Vector Linux ist eine Alternative zu Knoppix für ältere Rechner, die bei Knoppix schlapp machen oder unbenutzbar langsam sind.

Universalwerkzeug aus Frankreich

Francois Dupoux hat eine Rettungs-CD (http://systemrescuecd.sourceforge.net/) zusammengestellt, die sich durch zwei grafische Werkzeuge von anderen ähnlichen Werkzeugsammlungen abhebt: SystemRescueCD enthält QParted und PartGUI zum Bearbeiten und Anlegen von Partitionen, Tools zum Arbeiten mit den gebräuchlichen Dateisystemen ext2, ext3, ReiserFS und vfat, die Editoren joe und vi zum Bearbeiten von Text, den Dateimanager Midnight Commander und cdrecord, um Daten auf eine CD-R zu brennen. Die Partitionierungsprogramme Qtparted und PartGui hat Francois Dupoux mit Qt/Embedded neu übersetzt, so dass sie ohne X Window im Framebuffer laufen.

Besonders nützlich für Laptops mit einem kombinierten DVD- und CD-Brenner-Laufwerk ist die Möglichkeit, das gesamte System in den Arbeitsspeicher zu kopieren, so dass Sie die Rettungs-CD entnehmen und einen Rohling zur Datensicherung in das Laufwerk legen können. Dazu geben Sie am Boot-Prompt nach dem Start cdcache ein.

SystemRescueCD ist eine gut zusammengestellte Werkzeugsammlung für Datenrettung und Systemeinrichtung.

Knoppix mit Power

Gute Nachrichten für die Benutzerinnen der PowerPC-Plattform: Mittlerweile gibt es erste Erfolge in der Portierung von Knoppix auf PowerPC. Fabian Ernst hat auf dem LinuxTag in tage- und nächtelanger Arbeit ein Grundsystem zum Laufen gebracht. Enthalten sind die Konsoleanwendungen, die Entwicklerpakete und das X Window System. Da die Kompression, mit deren Hilfe Knoppix bei der x86-Version 2 GB Software auf der CD unterbringt, noch nicht funktioniert, ist der Platz auf der CD sehr beschränkt: KDE ist nicht dabei. Fabian Frank besitzt keinen Rechner mit PowerPC-Prozessor; daher ruft er andere Entwickler auf, den begonnenen Weg weiter zu gehen.

Wagemutige laden sich das ISO-Image unter http://debian.tu-bs.de/knoppix/powerPC/ aus dem Netz.

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+++ Mandrake +++ Mandrake +++

Mandrake Linux entließ in diesen Tagen die erste Beta der Version 9.1 in die freie Wildbahn. Im Mittelpunkt stehen diesmal nicht neue Funktionen, sondern eine Stabilisierung der vorhandenen Software. Mandrake Linux 9.1 wird Kernel 2.4.21, den GCC in der Version 3.3.2, Mozilla 1.4, KDE 3.1.2, XFree86 4.3 und Apache 2.0.47 enthalten. Noch Ende Juli sollte laut Roadmap eine zweite Beta-Version auf den Servern bereit stehen, der dann noch mindestens zwei Release Candidates folgen werden. Mit der Fertigstellung der Distribution ist etwa Mitte September zu rechnen. Unter http://www3.mandrakelinux.com/en/92beta.php3 finden Sie eine Liste mit Servern, die die Distribution zum Download bereit halten.

+++ SuSE +++ SuSE +++

SuSE präsentiert eine erste Vorabversion von SuSE Linux für den neuen 64-Bit-Athlon-Workstation-Prozessor mit dem Umfang der Professional-Version. Die Beta-Version laden Sie kostenslos unter ftp://ftp.suse.com/pub/suse/x86-64/8.2-beta/ aus dem Netz. Das Produkt soll im Herbst fertig sein.

Auf dem LinuxTag stellte SuSE den Standard Server 8 für kleinere Organisationen und Firmen vor. Der Server ist vollständig grafisch administrierbar und erleichtert die Einrichtung verschiedener Dienste durch den Einsatz von Wizards. Mit dem Standard-Server lassen sich der Internet-Zugang, E-Mail-, Datei- und Druckdienste in einem kleinen Netz verwalten (http://www.suse.de).

+++ Gnoppix +++ Gnoppix +++

Gnoppix ist eine Live-Distribution, die wie Knoppix von einer CD läuft. Im Gegensatz zu Knoppix, das als Standard-Desktop KDE verwendet, kommt bei Gnoppix GNOME in der aktuellen Version 2.2 zum Zuge. Das Projekt ist mittlerweile bei Version 0.4.2 angelangt. Das ISO-Image steht auf der Projekt-Homepage zum Herunterladen bereit (http://www.gnoppix.org).

+++ ROCK Linux +++ ROCK Linux +++

Das Projekt ROCK Linux steht kurz vor der Fertigstellung von Version 2.0. ROCK Linux ist keine fertige Distribution – Anwender wählen sich vielmehr den Compiler, die Optimierungen für den Prozessor und die Pakete aus. ROCK übersetzt und installiert die Pakete dann komplett aus den Quellen. Auf dem Server des Projekts finden Sie targets für spezielle Anwendungen wie Router, Server, Mini-Distributionen oder für eine Desktop-Umgebung. (http://www.rocklinux.org).

+++ Red Hat +++ Red Hat +++

Der amerikanische Distributor gab bekannt, dass Red Hat Linux in Zukunft nicht mehr als "Boxed Version", also im Karton mit Handbüchern, sondern nur noch über das Internet, Zeitschriften und Bücher vertrieben wird. Red Hat begründet diesen Schritt damit, dass die Boxen zu teuer und beim Verkaufsstart ohnehin schon wieder veraltet seien. Zusätzlich sollen Open-Source-Entwickler stärker in Produktion und Pflege der Distribution eingebunden werden. Die mittlerweile erhältliche Beta 1 der nächsten Red-Hat-Version enthält einige Verbesserungen beim Installationsprogramm und etliche kleinere Korrekturen und Updates an den Paketen. Als Drucksystem wird jetzt CUPS verwendet, und der Boot-Manager LILO wurde durch GRUB ersetzt (http://www.redhat.com).

+++ LindowsOS +++ LindowsOS +++

Wer LindowsOS ausprobieren möchte, ohne die Festplatte neu zu partitionieren, findet auf der Lindows-Homepage die LindowsCD, die ein Live-Dateisystem enthält und eine zum Arbeiten ausreichende Software-Ausstattung mitbringt. Die CD kostet 29,99 US-$ (http://www.lindows.com).

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