Linux ganz einfach?
Die neue Version 4.0 von LindowsOS im Test
Alles automatisch
Beim Erkunden des Systems fällt als erstes auf, dass alle Programme mit Root-Rechten gestartet sind. An keiner Stelle weist die Installationsroutine darauf hin, dass weitere Benutzer angelegt werden können, geschweige denn sollten. Gerade unerfahrene Benutzer, die die Zielgruppe von LindowsOS darstellen, werden also ihr System immer als Root benutzen. Warum LindowsOS die offensichtlichen Stärken eines Multi-Benutzer-Betriebssystems nicht nutzt, ist nicht nachzuvollziehen. Positiv fällt auf, dass keine unnötigen Netzwerk-Dienste gestartet werden. In der Testkonfiguration wurden lediglich der CUPS- sowie der Lisa-Daemon gestartet. Auch die Netzwerkkarte war dank DHCP sofort startklar. Leider wurde aber bei einer statischen Einrichtung des Netzwerks der DHCP-Client nicht beendet, so dass die gerade eingegebene Konfiguration nach kurzer Zeit wieder verschwand. Erst ein manuelles Beenden des DHCP-Clients behob dieses Problem. Eine ISDN-Karte einzurichten, ist immer noch nicht möglich. Lindows bietet lediglich die Möglichkeit, ein Modem oder eine DSL-Verbindung zu konfigurieren.
Den über das Netzwerk angeschlossenen Drucker hat LindowsOS zwar korrekt erkannt, jedoch reagierte der Konfigurationsdialog sofort nach dem Start auf keine Eingaben mehr. Auch KGhostview stürzte beim Drucken von Dokumenten ab. Über lpr zu drucken, hat sich als unproblematisch erwiesen.
Software kostenpflichtig
Wie schon in früheren Versionen bietet Lindows ein für Linux sehr ungewöhnliches System zum Installieren weiterer Software-Pakete an. Es nennt sich "Click-n-Run" (Abbildung 2). Im so genannten "Warehouse" hat der Anwender eine Auswahl von über 1500 Paketen, die er über einen einzigen Klick installiert. Voraussetzung zur Nutzung des Warehouse ist eine Mitgliedschaft. Sie kostet 4,95 US-Dollar im Monat oder 49,95 US-Dollar im Jahr. Da die Auswahl an Software auf der Installations-CD sehr spärlich ist, ist eine Mitgliedschaft zwingend nötig, um LindowsOS ernsthaft einzusetzen. Die Auswahl an vorinstallierter Software beschränkt sich, wie bei Version 3.0 auch, auf die Mozilla-Suite, ein paar Multimedia-Programme, einen Text-Editor und eine Hand voll kleinerer Werkzeuge.
Wer sich zusätzlich zu seiner Mitgliedschaft noch bei http://my.lindows.com/ kostenlos anmeldet, erhält die Möglichkeit, alle Software-Pakete, die er über das Warehouse installiert hat, in einer Liste zu speichern und diese bei der Neuinstallation von LindowsOS auf einem anderen Computer abzurufen. So wird gewährleistet, dass Click-n-Run immer alle nötigen Pakete direkt installiert.
Als Extras bietet Lindows die Pakete Lindows Office für 39,95 US-Dollar und Virus Safe sowie Surf Safe für jeweils 29,95 US-Dollar für Mitglieder an. Lindows Office soll die Migration von Windows nach Linux erleichtern. Es enthält Office-Programme, die kompatibel zu denen von Microsoft Office sein sollen. Virus Safe ist ein Viren-Scanner, und Surf Safe hilft, bestimmte Web-Seiten zu blocken. Vor allem als Kindersicherung ist das durchaus nützlich.
Da LindowsOS auf Debian basiert und auch alle Debian-Werkzeuge wie Apt mitbringt, ist es möglich, Debian-Pakete per apt-get install zu installieren. Lindows hat die Datei /etc/apt/sources.list bereits entsprechend vorbereitet, so dass der Anwender sie nicht mehr bearbeiten muss. Diese Methode, Pakete zu installieren, bietet sich an, wenn Anwender die Mitgliedschaft bei Lindows vermeiden wollen.
Standardmäßig hat LindowsOS die Mozilla-Suite für WWW und Mail eingestellt. Das Layout des Desktops ist nicht optimal. Dem Benutzer bietet sich von Anfang an lediglich ein Desktop; wenn er weitere hinzufügt, steht er erst einmal im Regen: Der Pager, mit dem er zwischen den Desktops wechselt, wird nicht gestartet. Er muss von Hand in das Panel integriert werden. Da sich LindowsOS an absolute Anfänger richtet, ist diese Herangehensweise nicht akzeptabel.



