VDR-Distribution LinVDR Version 0.1

Aus LinuxUser 08/2003

VDR-Distribution LinVDR Version 0.1

Videorekorder fix und fertig

Man nehme Mainboard, Festplatte und DVB-Karte, baue sie in ein schallgedämmtes Gehäuse und würze das ganze mit LinVDR – fertig ist der digitale Videorekorder.

Einen Videorekorder auf Basis von VDR aufzusetzen, erfordert, wie auf Seite 52 beschrieben, ziemlich viel Aufwand sowie etliche Bibliotheken und Zusatzprogramme – je nach Distribution muss man sogar das halbe Linux-System auswechseln, um die Treiber überhaupt übersetzt zu bekommen.

LinVDR-Distribution

LinVDR wurde maßgeblich von Thomas Koch entwickelt und ist eine Miniatur-Distribution mit einem fertig übersetzten und konfigurierten VDR. Das Linux-System von LinVDR basiert auf Debian Sid, ist jedoch stark verschlankt worden – so fehlt zum Beispiel das komplette Paket-Management. In der Version 0.1 [1] enthalten sind ein angepasster DVB-Treiber, VDR 1.2.0 mit einer veränderten Bedienoberfläche (Elchi-Patch) sowie die Plugins für DVD-Wiedergabe (nur unverschlüsselte DVDs), ein MP3-Player, ein (S)VCD-Player sowie der Sleep-Timer, der das System abschaltet, wenn man vor der Flimmerkiste einschläft.

Abbildung 1: Die Bedienoberfläche von VDR wurce durch den sogenannten Elchi-Patch verändert, er sorgt für die grafischen Symbole rechts oben sowie unterschiedliche Schriftarten

Abbildung 1: Die Bedienoberfläche von VDR wurce durch den sogenannten Elchi-Patch verändert, er sorgt für die grafischen Symbole rechts oben sowie unterschiedliche Schriftarten

Das LinVDR-Paket finden Sie auf der Heft-CD unter LinuxUser/linvdr/linvdr-0.1.tar.gz – mit knapp 24 MB ist die Distribution klein genug, um etwa auf ein völlig lautloses Flash-Laufwerk (Disk on Module [2]) für rund 35 Euro zu passen.

Abbildung 2: LinVDR enthält die Plugins für DVD, MP3 und (S)VCD. Das DVD-Plugin kann allerdings nur unverschlüsselte DVDs wie "Das fünfte Element" abspielen, da die CSS-Bibliothek fehlt

Abbildung 2: LinVDR enthält die Plugins für DVD, MP3 und (S)VCD. Das DVD-Plugin kann allerdings nur unverschlüsselte DVDs wie “Das fünfte Element” abspielen, da die CSS-Bibliothek fehlt

Installation

Ein Installationsprogramm gibt es in der Version 0.1 noch nicht, Sie können jedoch das Rettungssystem der Heft-CD benutzen, um die Distribution auf einem Rechner ohne Linux-System zu installieren. Dieses Rettungssystem [3], ebenfalls eine Debian-Distribution, enthält alle Werkzeuge, Editoren und Dienste, die man gewöhnlich zum Reparieren eines beschädigten Systems benötigt.

Starten Sie von der Rettungs-CD, das Root-Passwort lautet linux-user. Danach partitionieren Sie mit fdisk /dev/hda zum Beispiel die primäre Festplatte, wobei es egal ist, welche Partitionsnummer Sie verwenden. Wie oben bereits erwähnt, ist die Distribution nur 24 MB groß, jedoch benötigen Sie zusätzlichen Platz für die Aufnahmen – etwa 1,5 bis 1,8 GB pro Stunde. Eine Trennung von Betriebssystem und Aufnahmen ist nicht vorgesehen, lässt sich aber durch einen manuellen Eintrag in der Datei /etc/fstab nachträglich arrangieren.

LinVDR erwartet eine Ext3-Partition mit dem Namen linvdr als Systempartition und erkennt sie ausschließlich an ihrem Namen. Das ermöglicht, die VDR-Distribution ohne weitere Anpassungen parallel zu einem Linux- oder Windows-System zu betreiben. Folgender Befehl formatiert die Partition /dev/hda3 im Ext3-Format und setzt den Namen entsprechend:

mke2fs -j -L linvdr /dev/hda3

Nach dem Formatieren mounten Sie die Partition, wechseln hinein und entpacken das Paket mit der Distribution:

mount /dev/hda3 /mnt
cd /mnt
tar xzf /cdrom/LinuxUser/linvdr/linvdr-0.1.tar.gz

Bootloader installieren

Die Distribution ist weitgehend vorkonfiguriert, muss jedoch vor dem ersten Start in einigen Punkten an die Systemgegebenheiten angepasst werden. Wichtigster Punkt ist die Installation des Bootloaders, LinVDR verwendet standardmäßig Grub. Öffnen Sie zunächst die Datei /mnt/boot/grub/menu.lst mit einem Editor, zum Beispiel vi oder im Midnight Commander mc. Die folgenden Zeilen müssen Sie bearbeiten:

splashimage=(hd0,2)/boot/grub/image.xpm.gz
kernel  /boot/vmlinuz vga=0x314 root=/dev/hda3 quiet
kernel  /boot/vmlinuz root=/dev/hda3

In der Zeile beginnend mit splashimage müssen Sie die Partitionsangabe (hd0,2) ändern, wenn Sie nicht /dev/hda3 als Systempartition verwenden. Für /dev/hda1 lautet der korrekte Eintrag (hd0,0), für /dev/hda5 entsprechend (hd0,4). Die Partitionsangabe benötigen Sie gleich noch für die Bootloader-Installation.

In den beiden Zeilen beginnend mit kernel müssen Sie die Angabe root=/dev/hda3 entsprechend ändern, falls Sie nicht /dev/hda3 als Systempartition für das LinVDR-System verwenden.

Nach Speichern der Änderungen wird nun Grub im Master Boot Record (MBR) der Festplatte installiert. Dazu rufen Sie im Rettungssystem den Befehl grub –config /mnt/boot/grub/menu.lst auf. Die anschließende Überprüfung der Festplatten kann einige Minuten dauern, unmittelbar danach befinden Sie sich auf der Grub-Kommandozeile. Die folgenden Befehle installieren Grub und verlassen die Kommandozeile – die Angabe der Systempartition (hd0,2) müssen Sie gegebenenfalls wie oben beschrieben korrigieren.

root (hd0,2)
setup (hd0)
quit

Nach Aufruf des Kommandos setup (hd0) muss Grub in der vorletzten Zeile den Erfolg, “succeeded”, vermelden, andernfalls wiederholen Sie den Aufruf. Meldungen wie “failed (this is not fatal)” können Sie ignorieren.

Die weiteren Anpassungen erfolgen nun unter LinVDR, starten Sie dazu den Rechner neu. Am Login-Prompt loggen Sie sich als root ein, das Passwort lautet linvdr.

Systemanpassungen

Standardmäßig verwendet LinVDR den unter [4] vorgestellten Infrarot-Empfänger, als Standard-Fernbedienung ist das Modell 2416 von SM-Electronic mit Code 189 eingestellt. Um eine andere Fernbedienung anzulernen, beenden Sie zunächst VDR, laden das Modul lirc_serial und rufen dann irrecord auf:

/etc/init.d/runvdr stop
insmod lirc_serial
mv /dvb/config/lircd.conf /dvb/config/lircd.conf.old
/dvb/bin/irrecord /dvb/config/lircd.conf

Eine Anleitung, wie Sie die einzelnen Tasten zuweisen und welche Sie benötigen, finden Sie unter [4]. Wenn Sie die neue Fernbedienung angelernt haben, starten Sie VDR mit dem Befehl /etc/init.d/runvdr start neu.

Die Konfigurationsdateien von VDR sind im Verzeichnis /dvb/conf gespeichert, die Plugins unter /dvb/plugins. Ein Update einzelner Komponenten ist bei LinVDR nicht vorgesehen, entsprechend gibt es weder einen Compiler noch Bibliotheken oder Quellen auf dem System – allerdings lassen sich zusätzliche Plugins installieren, wenn sie auf einem anderen (Debian-) System übersetzt und alle nötigen Bibliotheken unter LinVDR nachinstalliert werden. Eine detaillierte Beschreibung von VDR 1.2 nebst Standard-Plugins finden Sie auf Seite 52.

Infos

[1] LinVDR von Thomas Koch und Mirko Dölle: http://linvdr.org/download/linvdr

[2] Disk on Module MDM-32/40V (Part-No. FM403205900100), Flash-Laufwerk mit 32 MB und 40-pol. IDE-Anschluss: http://www.ipc2u.de

[3] Timo’s Rescue-CD: http://rescuecd.sourceforge.net

[4] Thomas Koch, Mirko Dölle: “Ferngesteuert”, LinuxUser 12/2001 (http://www.linvdr.org/doku/vdr-2 und auf der Heft-CD unter LinuxUser/linvdr/doku/vdr-2/index.html) @KE:

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