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TV-Karten unter Linux

01.08.2003

Spielen Sie mit dem Gedanken, den Computer mit einer TV-Karte aufzurüsten, lohnt sich ein Blick auf die einschlägigen Seiten im Internet, die Aufschluss darüber geben, welche Hardware unterstützt wird. Die Begriffe "tv card" und "linux" führen bei Google schon zu einer ganzen Menge von Treffern.

Ein sehr auführliche, wenn gleich sehr technische Seite ist http://[1]. Der Maintainer Holger Klemm, der die Seite bisher betreut hat, sucht nach Mithelfern, um die Website auf den aktuellen Stand zu bringen. Obwohl also ein wenig älter, ist die Seite doch hilfreich: Sie erläutert die Grundlagen, bietet eine Übersicht über gängige Karten und hilft bei der Einrichtung.

Dort findet sich ebenfalls ein Hinweis auf ein ungeliebtes Thema: GEZ. Computer mit TV-Karten gelten als vollwertige Fernsehgeräte, für die Fernsehgebühren fällig werden.

Anwender der SuSE-Distribution schauen am besten in die Hardware-Datenbank des Nürnberger Herstellers (Siehe http://[2]). Hier findet sich auch ein Artikel über die Einrichtung von TV-Tuner-Karten.

Statt im Internet zu suchen, können Sie aber auch auf dem heimischen Rechner mit der Recherche beginnen. Installieren Sie die Quellen des Kernels, wechseln Sie in das Verzeichnis mit den Quelltexten und schauen Sie in die Datei Documentation/video4linux/bttv/Cards. Diese enthält eine Übersicht, welche Geräte vom Modul bttv unterstützt werden. Dieses Modul ermöglicht den Betrieb des weit verbreiteten Brooktree-Chipsatzes. Brooktree ist mittlerweile von Conexant aufgekauft worden, die die Chips nun unter ihrem Namen vertreiben. Mit dieser Liste ist der Kauf einer unterstützten Karte einfach.

Weitere Hinweise zum Gebrauch des Moduls befinden sich auf der Homepage des Maintainers, der das Bttv-Module weiterentwickelt (http://[3]).

Das Bttv-Modul unterstützt keine Karten von Philips oder mit einem Zoran-Chipsatz – dafür sind andere Treiber notwendig. Im Zweifelsfall bauen Sie die Karte einfach ein und schauen mit dem Kommando lspci nach dem Chipsatz. Ein Beispiel:

[agrytz/agrytz]$ lspci | grep video
00:0a.0 Multimedia video controller: Brooktree Corporation Bt878 (rev 11)

Hier sehen Sie die Ausgabe für eine Karte mit einem Brooktree-Chipsatz mit der Bezeichnung Bt878. Diese Karte wird unterstützt. Es handelt sich dabei um eine TV-Karte von Hauppauge, die WinTV Express.

Verschiedene Karten bieten die Möglichkeit, das Radioprogramm zu empfangen, Videotext zu lesen oder sogar Signale von einem Videorekorder einzulesen. Auch hier lohnen sich ein Blick in die entsprechenden Listen und die Recherche im Internet.

Vergleich

Die Redaktion hatte die Gelgenheit, einige aktuelle TV-Karten der Firma Hauppauge sowie ein Modell der Firma Typhoon unter die Lupe zu nehmen. Wir geben anhand dieser Beipiele Hinweise zur Einrichtung der Karten.

Das einfachste Modell, die WinTV Express, bietet neben einem normalen 75-Ohm-TV-Eingang einen Composite-Video-Anschluss. Der Ton wird über ein externes Kabel aus dem Line-Out in die Sound-Karte umgeleitet. Darüber hinaus verfügt das Modell noch über einen Sound-Eingang.

Abbildung 1: Die WinTV Express rüstet den Linux-PC günstig zum Fernseher auf

Die Karte sollte von den meisten aktuellen Distributionen ohne Probleme unterstützt werden. Wir nutzten das Programm Xawtv für die Darstellung des Fernsehbildes. Ist die Karte einmal eingebaut, bleibt nur noch die Sendersuche. Diese geschieht mittels scantv. Das Programm fragt, sofern keine Optionen angegeben wurden, die wichtigsten Daten, wie Norm (PAL) und Frequenztabelle (Europe-West) interaktiv ab.

Anschließend ließ sich das TV-Programm wahlweise im Fenster- oder Vollbildmodus ansehen. Die Karte bietet lediglich Mono-Wiedergabe; für den einfachen Hausgebrauch ist sie aber durchaus ausreichend.

Wenn Sie die Karte dauerhaft in den Rechner einbauen, bietet es sich an, die Module bei Start des Rechners automatisch zu laden. Hierzu ist ein Eintrag in der Datei /etc/modules.conf notwendig. Diese Datei heißt auf älteren Systemen auch /etc/conf.modules, macht aber im Prinzip das gleiche.

Wir führen die nötigen Eintragungen exemplarisch für eine Karte mit Bttv-Chipsatz vor. Als erstes teilen sie dem System mit, welches Modul für ein bestimmtes Device geladen wird:

alias char-major-81 bttv
options bttv card=10 radio=0

Die Geräte mit der Major-Nummer 81 sind Videogeräte (/dev/video0, /dev/video1 etc.); die erste Zeile legt fest, dass diese mit dem Model bttv verwendet werden sollen. Die zweite Zeile beinhaltet die Optionen, die Sie dem Modul beim manuellen Laden auf der Kommandozeile mitgeben könnten. In diesem Fall teilen wir dem Kernel mit der Option card= mit, welche Karte er zu erwarten hat. Eine Übersicht über die möglichen Optionen finden Sie in der Datei Documentation/video4linux/bttv/CARDLIST im Verzeichnis der Kernel-Quellen.

Die zweite Option radio=0 bedeutet, dass mit keinem Radioempfang zu rechnen ist.

Angedockt

Sehr aussichtsreich und vor allem für Besitzer eines Notebooks interessant ist der TV-Adapter von Hauppauge, der an die USB-Schnittstelle angeschlossen wird. Das Gerät identifizierte sich beim Einstecken an den Rechner mit der Hersteller-ID 0x573 und der Produktnummer 0x4d21. Laut der Liste auf http://[4] gehört der Adapter zu den unterstützten Geräten.

Eine große Schwierigkeit bereitet allerdings die Tatsache, dass der Maintainer des Treibers mit einem Red-Hat-System arbeitet und daher die spezifischen Eigenarten des Distributions-eigenen Compiler berücksichtigt.

Abbildung 2: Die Win TV USB bietet sich vor allem Besitzer eines Notebooks an

Beim Test des Treibers auf einem Debian-System ließ sich das Modul nicht richtig übersetzen. Erst nach einigen Anpassungen lief der Übersetzungsvorgang durch. Anschließend ließ sich das Modul zwar laden, es traten aber zahlreiche Fehlermeldungen auf, die auf Schwierigkeiten bei der USB-Unterstützung hindeuten.

Trotz der Schwierigkeiten ist das Projekt sehr erfolgreich, und die Liste der unterstützen Geräte wird immer länger. Derzeit bereitet der Haupt-Maintainer einen Port auf den kommenden Kernel 2.6 vor. Die aktive Nutzergemeinde, die man unter http://[5] findet, liefert wichtige Hinweise, wenn Fehler auftreten.

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