Video-CDs, DVDs oder MPEGs – deren Wiedergabe ist unter Linux mit MPlayer kein Problem. Wir zeigen, wie Sie das Allround-Genie und die passenden Codecs richtig installieren und konfigurieren.
Für die unzähligen Video-Formate und -Codecs gibt es unter Linux fast genau so viele Player zum Abspielen. Ständig neue Software zu installieren, ist allerdings eine unbefriedigende Lösung. Zum einen lässt jede Installation neuer Programme den Festplattenplatz schrumpfen; zum anderen ist es wenig sinnvoll, zehn Tools zu nutzen, wenn es ein Programm gibt, das alle Formate abspielen kann.
Das MPlayer-Projekt [1] bietet eine Lösung für dieses Problem. Der gleichnamige Player spielt momentan die meisten unterschiedlichen Formate ab und ist das beliebteste Video-Tool unter Linux. Einmal richtig installiert ist das Programm zwar kinderleicht zu bedienen, doch der Weg dorthin ist holprig, und es gilt, einige Stolpersteine zu umgehen. Wir zeigen, wie Sie die häufigsten Fehler bei der Installation vermeiden. Dabei kommt die erst kürzlich veröffentlichte Milestone-Release MPlayer 0.90 zum Einsatz.
Wir gehen auf die Installation aus den Sourcen ein, da die Pakete der verschiedenen Distributionen oft nur für die i586-, manchmal sogar nur für die i386-Architektur, optimiert sind. Prozessor-Features wie z. B. MMX2 oder SSE2 kommen dabei überhaupt nicht zum Einsatz, was teilweise zu sehr deutlichen Geschwindigkeitseinbußen beim Abspielen führt. Außerdem fehlen in fertig gepackten MPlayer-Versionen oft einige nützliche Features. Kompiliert man MPlayer selbst, macht die Vielzahl der aktivierten Features MPlayer zur echten Multimedia-Zentrale.
Vorbereitungen
Bevor MPlayer überhaupt zum Einsatz kommen kann, sind einige Vorbereitungen zu treffen. In den Standard-Installationen mancher Distributionen fehlen ein paar Pakete, ohne die man z. B. die digitalen Sound-Kanäle von DVDs nicht nutzen kann. Deswegen gilt es zunächst, diese fehlende Software nachzuinstallieren. Tabelle 1 zeigt, nach Distributionen geordnet, wichtige Pakete, die vor der MPlayer-Installation auf dem System vorhanden sein sollten.
Tabelle 1: Pakete, die MPlayer braucht
| SuSE | Red Hat | Mandrake | Debian | Beschreibung |
|---|---|---|---|---|
| gtk-devel | gtk+-devel | libgtk+1.2-devel | libgtk1.2-dev | GTK1-Entwicklungsdateien |
| libdv-devel | libdv2-devel | libdv2-dev | LibDV-Entwicklungsdateien | |
| libpng-devel | libpng3-devel | libpng-dev | PNG-Entwicklungsdateien | |
| libjpeg-devel | libjpeg62-devel | libjpeg62-dev | JPEG-Entwicklungsdateien | |
| libungif-devel | libungif4-devel | libungif4-dev | GIF-Entwicklungsdateien | |
| alsa-devel | libalsa2-devel | libasound2-dev | ALSA-Entwicklungsdateien | |
| libvorbis-devel | libvorbis-devel | libvorbis0-devel | libvorbis0-dev | OGG/Vorbis-Entwicklungsdateien |
| XFree86-GLX-devel | libMesaGLU1-devel | xlibmesa3-dev | OpenGL-Entwicklungsdateien | |
| libdvdread-devel | libdvdread2-devel | libdvdread3-dev | DVD-Read-Entwicklungsdateien |
Kasten 1: Sonderfall: libdvdread/libdvdcss
Obwohl sie in Tabelle 1 nicht aufgeführt ist, sollte eine weitere Bibliothek installiert werden: libdvdcss erlaubt transparenten Zugriff auf eine DVD bei gleichzeitiger Entschlüsselung von eventuell vorhandenen CSS-Mechanismen. Das Content Scrambling System kommt bei DVDs sehr häufig zum Einsatz. Weil der rechtliche Status des Einsatzes dieser Bibliothek aber umstritten ist (siehe auch den Artikel über Ogle), liefern die großen Distributoren sie nicht im Paketformat aus. Die Installation der Bibliothek, die Sie unter [2] finden, funktioniert genau wie die Installation anderer Pakete. MPlayer kann auch ohne die Bibliothek genutzt werden, wird dann aber die meisten DVDs nicht abspielen können.
Codecs
Für die verschiedenen Formate müssen noch einige der so genannten Codecs installiert werden. Hier kommt eine weitere Stärke von MPlayer zum Tragen: Mit speziellen Windows-Bibliotheken (im .dll-Format) lässt sich der Player dazu bringen, Windows-spezifische Dateiformate (z. B. .wmv) abzuspielen. Das MPlayer-Projekt stellt Libraries für einige spezielle Formate auf seiner Website zum Download bereit. Es ist ratsam, bei der Installation der Codecs ein gewisses System zu verfolgen, um nicht den Überblick zu verlieren.
Installieren Sie zuerst die Win32-Codecs, um MPlayer Unterstützung für die meisten Windows-Formate beizubringen. Laden Sie dazu von [3] das Codec-Paket runter und entpacken Sie es ins Verzeichnis /usr/lib/win32. Werfen Sie anschließend einen Blick auf [4], wo Sie eine Reihe anderer Codecs finden. Welche davon Sie installieren wollen, bleibt Ihnen selbst überlassen. Prinzipiell sollte aber jede Datei, die Sie herunterladen, in ein eigenes Verzeichnis unter /usr/lib entpackt werden. Dabei verwenden Sie als Verzeichnisnamen am besten den Namen der Datei ohne die .tar.bz2-Endung. So würde das Archiv qt6dlls.tar.bz2 z. B. nach /usr/lib/qt6dlls entpackt. Wenn Sie sich die Verzeichnisnamen an dieser Stelle notieren, haben Sie auch gleich die nötigen Informationen für den Aufruf des configure-Skripts bei der MPlayer-Installation.
Die Codecs für das beliebte DivX-Format finden Sie unter [5]. Nach Entpacken des Tarballs kopieren Sie die Dateien, die auf .h enden, nach /usr/include und die Dateien, die .so im Namen haben, nach /usr/lib.
in medias res
Die Quelltexte der aktuellen MPlayer-Version finden Sie unter [6] zum Download. Weil sich bei der Entwicklung von MPlayer in sehr kurzer Zeit sehr viel ändert, sollten Sie sicherstellen, dass Sie die jeweils aktuellste Version herunterladen – bei Redaktionsschluss war dies die 0.90.
Entpacken Sie die Quelltexte mit tar xvfj MPlayer-X.XX.tar.bz2. Wechseln Sie ins Verzeichnis der entpackten Sourcen und verschaffen Sie sich mit ./configure --help einen Überblick über die Optionen des Skripts. Beachten Sie besonders die prozessorspezifischen Eigenschaften unter dem Eintrag Advanced Options. Welche Mechanismen Ihr Prozessor unterstützt, finden Sie im Zweifelsfall mit cat /proc/cpuinfo heraus. Die Features stehen dort im Feld flags.
Die automatische Erkennung des configure-Skripts für die verschiedenen Codecs funktioniert in der Regel sehr gut. Wird dennoch einmal ein Codec, den Sie sicher installiert haben, nicht richtig erkannt, geben Sie dem Skript diesen explizit mit auf den Weg. Liegen beispielsweise die Win32-.dll-Dateien für den RealPlayer 9 in /usr/lib/rp9win32dlls und werden trotzdem nicht erkannt, hilft die Option --with-reallibdir=/usr/lib/rp9win32dlls weiter.
Unabhängig von den Parametern für die Prozessor-Optimierung und die Codecs sollten Sie dem configure-Skript noch folgende Argumente mitgeben:
--prefix=/usr --enable-dvdread --disable-mpdvdkit --confdir=/etc/mplayer --enable-gui --enable-menu --disable-libfame --enable-css
Die sorgen dafür, dass MPlayer später nach /usr/bin installiert wird und die Konfigurationsdateien in /etc/mplayer landen. Außerdem aktivieren Sie so die Benutzung von libdvdread, die Installation des GTK+-Frontends für den Player und die Unterstützung von DVD-Menüs. Mit der vorletzten Option wird die fame-Bibliothek deaktiviert, die momentan noch einige Probleme bereitet, und die letzte Option schaltet die Verwendung der libdvdcss ein.
Ob die Erkennung der Codecs und der Bibliotheken funktioniert hat, sehen Sie entweder an den Meldungen des Skripts oder an der Zusammenfassung, die am Ende des configure-Laufs erscheint. Wenn alle Pakete aus Tabelle 1 installiert sind, sollte die Zusammenfassung ungefähr so aussehen, wie in Abbildung 1.
Die Kommandos make und make install sorgen dafür, dass MPlayer nun kompiliert und installiert wird.
Hübsch verkleidet
Als letzten Schritt verpassen Sie der grafischen Oberfläche noch eine Verkleidung (engl. “skin”) und entsprechende Schriften. Wechseln Sie dazu in das Verzeichnis /usr/share/mplayer/ und überprüfen Sie, ob dort ein Ordner font existiert. Erstellen Sie diesen notfalls und wechseln Sie hinein. Laden Sie anschließend alle Dateien von [7] in dieses Verzeichnis herunter. Beim Entpacken der Archive hilft eine kleine for-Schleife weiter:
for a in *; do tar xvfj "$a"; done
Die Installation der Skins für MPlayers GUI verläuft prinzipiell genauso. Falls das Verzeichnis /usr/share/mplayer/Skin noch nicht existiert legen Sie es an. Auf der Download-Seite von MPlayer [6] finden Sie in der Sektion Skins verschiedene Oberflächen. Haben Sie sich für ein Design entschieden, laden Sie die Datei herunter und entpacken sie ins Skin-Verzeichnis. Natürlich dürfen hier auch weitere Verkleidungen liegen. Wichtig ist nur, dass Sie einen symbolischen Link namens default anlegen, der auf Ihre Lieblingsoberfläche zeigt, z. B.: ln -s Blue default.
Damit jeder Benutzer Zugriff auf die MPlayer-Dateien hat und das Programm verwenden darf, führen Sie das Kommando chmod -R a+r * im Verzeichnis /usr/share/mplayer aus. Im eigenen Home-Verzeichnis der Benutzer hilft ein weiterer Symlink dem Player beim Finden der richtigen Schriftart: Im versteckten Verzeichnis ~/.mplayer/ muss ein Link namens subfont.ttf angelegt werden und auf /usr/share/mplayer/font/iso-8859-7/arial/arial.ttf zeigen:
ln -s /usr/share/mplayer/font/iso-8859-7/arial/arial.ttf ~/.mplayer/subfont.ttf
Gestartet wird der Player auf der Kommandozeile mit dem Befehl mplayer & oder gmplayer & (für das GUI). Beide Programme verstehen die gleichen Optionen, von denen Tabelle 2 die wichtigsten zeigt.
Tabelle 2: Wichtige Parameter für MPlayer
-dvd 1 |
startet die Wiedergabe der DVD in /dev/dvd |
-dvd 1 -dvd-device /dev/hdc |
startet die Wiedergabe der DVD in /dev/hdc |
-vcd 1 |
startet die Wiedergabe der (S)VCD in /dev/cdrom |
-vcd 1 -cdrom-device /dev/hdc |
startet die Wiedergabe der (S)VCD in /dev/hdc |
-gui Name (gmplayer) |
benutzt die Oberfläche Name anstatt der Default-Verkleidung |






