Multimedia am Computer wird immer mehr zum Alltag. Das größte Hindernis für den PC-Ersatz im Wohnzimmer ist die Geräuschkulisse aktueller Systeme. Wir stellen Ihnen Hardware zum Bau eines geräuschlosen Linux-Videorekorders vor.
Alles heiße Luft, so könnte man aktuelle Rechner treffend charakterisieren: Ein bis zwei Netzteillüfter, jeweils ein weiterer lärmt auf CPU, Mainboard-Chipsatz und Grafikkarte, die Festplatte muss auch noch gekühlt werden, und ein Zusatzlüfter an der Vorderseite soll dem Rechner eine kühle Brise verschaffen. Ein aktueller Computer mit 2,5-GHz-Prozessor setzt 100 bis 200 Watt in Wärme um, und mit der Zahl der Lüfter steigt der Lärmpegel gewaltig.
Niedriger CPU-Takt
Eine Alternative sind niedrig getaktete, stromsparende Prozessoren, die rein passiv gekühlt werden können. Die Chip-Schmiede Via stellte auf der CeBIT 2003 das ultra-kompakte Epia-Mainboard vor, das bereits mit einem Intel-kompatiblen C3-Prozessor bestückt ist. Bis zu einer Taktfrequenz von 600 MHz lassen sich Mainboard und Prozessor rein passiv kühlen, wir wählten deshalb das Modell ME6000P für rund 130 Euro von [3].
Das Mainboard ist im ITX-Formfaktor gefertigt und nur 17 x 17 cm
2groß. Man kann es getrost als Einplatinen-Computer bezeichnen, da es neben CPU, Chipsatz und Grafikkarte auch mit allen nötigen Schnittstellen ausgestattet ist: Es gibt einen PCI-Slot, zwei IDE-Kanäle, Floppy-Anschluss, Netzwerk, Sound, TV-Ausgang, 4 x USB 2.0, 2 x Firewire, 2 x seriell, 1 x parallel und 2 x PS/2. Die Linux-Unterstützung ist gut, lediglich für X benötigt man den Server von Via [1] oder muss den Framebuffer-X-Server benutzen.
Das Gehäuse Yeong-Yang Casper A106 für 60 Euro wurde von Tech-Case [3] geliefert. Es ist recht kompakt und sieht nicht auf den ersten Blick wie ein Computer aus, das CD-Laufwerk verschwindet zum Beispiel hinter den Acrylglas-Abdeckungen in der Mitte, Schalter und Schnittstellen sind hinter Klappen verborgen.
Lüfterloses Netzteil
Das eingebaute 70-Watt-Netzteil ersetzten wir durch ein rein passiv gekühltes 110-Watt-Netzteil für 125 Euro, ebenfalls von [3]. Das Netzteil besteht aus zwei Teilen, dem externen Trafo und einem internen Spannungswandler, der jedoch zu klein für die Netzteil-Aussparung im Gehäuse war. Wir konnten den internen Wandler deshalb nur mit einer Schraube befestigen, weitere Probleme gab es nicht.
Das Casper-Gehäuse ist sehr geräumig, es bietet Platz für vier PCI-Steckkarten, eine Festplatte und ein Diskettenlaufwerk sowie einem CD-ROM (Abbildung 1). Die Wärmeableitung führt über die Gehäusedeckel, ein Lüfter war nicht erforderlich – die Innentemperatur liegt allerdings bei gut 40 Grad, und der Mainboard-Chipsatz wird durchaus bis 60 Grad heiß.

Abbildung 1: Das Gehäuse ist kompakt, bietet aber genug Platz für einen Videorekorder mit CD-Laufwerk und ein bis zwei Festplatten. Dank der passiven Kühlung ist im Betrieb nur die Festplatte zu hören, die Betriebstemperatur beträgt allerdings gut 40 Grad.
DVB-Karten
Bei den DVB-Karten gibt es eine große Auswahl, leider funktionieren nicht alle mit VDR. Unbedenklich sind die Karten von Hauppauge [4] und Technotrend [5], egal ob sie für Sat, Kabel oder terrestrischen Empfang ausgelegt sind. Die Treiber wurden maßgeblich von den Mitarbeitern bei Convergence [6] geschrieben.
Man unterscheidet zwischen so genannten Full-Featured- und Low-Budget-Karten: Die Full-Featured-Karten haben einen MPEG-2-Decoder, mit dem man das empfangene Sat-Signal ohne Belastung für die CPU auf dem Fernseher ausgeben kann – ihr Preis liegt zwischen 160 und 250 Euro, je nach Typ und Händler. Die Low-Budget-Modelle hingegen kosten nur zwischen 70 und 90 Euro, haben dafür aber nur den Empfangszweig ohne MPEG-2-Decoder und ohne TV-Anschluss. Sie sind optimal als Zweit- oder Drittkarte, um mehrere Sendungen gleichzeitig aufzeichnen zu können.

Abbildung 2: Die Full-Featured-Karten, Revision 1.6 links oben und Revision 2.1 links unten, unterscheiden sich nur im verwendeten Tuner. Die Low-Budget-Karten Hauppauge WinTV-Nova-s (rechts unten) und Technotrend WinDVB-s Budget2 (rechts mittig) sind absolut baugleich, die Satelco-Karte (rechts oben) hat einen anderen Tuner
Full-Featured-Karten
Die Full-Featured-Karten basieren alle auf dem Referenz-Design der Firma Technotrend, je nach Revision kommen jedoch verschiedene Tuner-Module zum Einsatz. Die Karten-Revision steht am oberen Platinenrand, so dass man die Modelle kaum verwechseln kann.
Die Technotrend DVB-s Revision 1.3 hat als einzige zwei Sat-Anschlüsse – einen Eingang und einen Ausgang. In der Praxis wird der Ausgang kaum genutzt, weshalb die Nachfolgemodelle Revision 1.6 und 2.1 nur noch den Eingang haben. Hauppauge [3] liefert mit der WinTV-Nexus nur noch die aktuelle Revision 2.1 aus. Die Karte ist mit 225 Euro die teuerste im Testfeld, im Lieferumfang sind aber noch eine Fernbedienung sowie ein Infrarot-Emfänger enthalten. Alternativ kann man problemlos die älteren Revisionen 1.3 und 1.6 einsetzen – sie werden im Betrieb zwar wärmer als die neue Revision 2.1, sind aber schon für 170 bzw. 180 Euro bei [5] zu bekommen.
Low-Budget-Karten
Beim Kauf einer Low-Budget-Karte ist Vorsicht geboten: Auch hier funktionieren derzeit nur die Technotrend-Modelle zuverlässig. Die gibt es von verschiedenen Anbietern und unter verschiedenen Namen, erfolgreich getestet wurden die Hauppauge WinTV-Nova-s (85 Euro), Technotrend WinDVB-s Budget2 (70 Euro bei [5]) und Satelco Standard PCI DVB-s (90 Euro bei [7]). Die Typhoon TV Sat DVB-s [8] hingegen lässt sich derzeit nicht mit VDR verwenden: Unter [9] gibt es zwar bereits Treibermodule, die Video4Linux-Unterstützung fehlt aber noch. Auch die sehr günstigen Technisat Skystar-2 sind noch nicht stabil – der aktuelle DVB-Treiber unterstützt sie zwar, doch noch ist kein Maintainer gefunden, der den Treiber weiter entwickelt und betreut.
Grundsätzlich lässt sich sagen, dass derzeit nur Karten mit dem Philips-SAA7146A-Chip zuverlässig unterstützt werden. Ein weiteres Problem sind die CA-Module zum Nachrüsten einer Crypto-Karte für Pay-TV: Sie lassen sich derzeit nur an einer Full-Featured-Karte benutzen, für die Low-Budget-Karten fehlt noch die Treiberunterstützung.
Infos
[1] Treiber-Seite von Via: http://www.viarena.com
[2] Homepage zum Epia-Mainbaord: http://www.epiacenter.de
[3] Tech-Case, Gehäuse, Mainboard, Netzteil: http://www.techcase.de
[4] Hauppauge, DVB-Karten: http://www.hauppauge.de
[5] DVB-Shop, DVB-Karten: http://www.dvbshop.tv
[6] Convergence: http://www.convergence.de
[7] Satelco, DVB-Karten: http://www.satelco.de
[8] Typhoon: http://www.typhoon.de
[9] DVB-Treiber für Typhoon DVB-s: http://www.metzlerbros.de/mbros/dvb




