Für Bequeme

Komfortabler bedienen lässt sich das GTK-Programm Eboard 0.8 [9], das im Gegensatz zu Xboard noch nicht im reichen Fundus der SuSE-Distribution enthalten ist. Auf einem mit den Devel-Paketen zu GTK 1.2.x (nicht GTK 2, bei SuSE gtk-devel) und Imlib1 (größer Version 1.9.7, bei SuSE imlib-devel) ausgestatteten Rechner reichen zur Kompilation des Quellcodes die Standardkommandos ./configure, make und su -c "make install" aus. Sofern /usr/local/bin im Suchpfad der Shell liegt, ruft das Kommando eboard & das Programm auf den Plan.

Wen an der Default-Einstellung stört, dass die schwarzen Figuren auf dunkelbraun gemaserten Feldern an mangelndem Kontrast leiden, setzt im Menü Einstellungen / Optionen / Erscheinung die Option Einfarbige Felder benutzen (Abbildung 6). Das Paket eboard-extras-1pl2.tar.gz von der Download-Seite [9] sorgt mit zusätzlichen Figurensätzen wie in Abbildung 7 für Abwechslung auf dem Schachbrett.

Abbildung 6: Eboard erlaubt es, Helligkeit und Farbe der hellen und dunklen Felder zu verändern
Abbildung 7: Der Eboard-Figurensatz Enquil Desert

Die ersten Schritte erklärt eine schön gestaltete Online-Hilfe. Eine Enttäuschung erlebt jedoch, wer versucht, sich in einen anderen Server als den FICS einzuloggen: Das funktioniert oft nicht, da Eboard den Benutzernamen nicht richtig überträgt. Die Nachfolgeversion 0.9, die nach Redaktionsschluss herauskam, unterstützt neben dem FICS offiziell auch den jeu.echecs.com-Server.

Abhängig von den Platzverhältnissen auf dem Desktop wechselt man bei Eboard zwischen den Fenstern Spielbrett, Konsole und Anzeigetafel durch Anklicken der gleichnamigen Buttons (der für die Anzeigentafel erscheint nur, wenn man auf einem Server eingeloggt ist) oder lässt über das Zuschalten von Fenster / Freistehende Konsole bzw. Fenster / Anzeigen auf Server mehrere davon gleichzeitig den Bildschirm bevölkern. Die Konsole zeigt während des Spiels Wortmeldungen des Gegners oder anderer Teilnehmer an.

Abbildung 8: Die Spielgesuche auf der Eboard-Anzeigentafel sortiert man durch Mausklick auf den Button "Zeit" nach der Bedenkzeit

Die Anzeigentafel (Abbildung 8) listet die Spielgesuche auf und entspricht somit dem Kommando sought. Anders als die oben beschriebenen Java-Tools tut es dies in Form einer Tabelle. Jede Anfragezeile enthält zehn Angaben, die die Parameter des jeweiligen seek-Kommandos (bzw. den Server-Default) aufnehmen. Ein Klick auf einen Spaltenkopf sortiert die Tabelle nach dem entsprechenden Kriterium auf- bzw. absteigend. Zur Auswahl markiert man ein Gesuch per Mausklick und klickt anschließend den Button Spiel anbieten an.

Damit Eboard timeseal (Kasten 2) nutzt, verschiebt man die ausführbare Datei mit

mv timeseal.Linux-i386 ~/.eboard/timeseal.Linux

unter dem von Eboard gewünschten Namen an Ort und Stelle. Gibt man nun auf dem Schach-Server das Kommando finger ein, sollte der mit der Anzeige Timeseal: On antworten.

Übrigens braucht man nicht erschrecken, wenn man seine E-Mail-Adresse in der Ausgabe des finger-Kommandos sieht. Diese ist für andere Spieler nicht sichtbar, da die Administratoren um Vertraulichkeit bemüht sind (vergleiche help finger und und help confidentiality).

Vor der Niederlage durch Zeitüberschreitung dürfte Eboard schon so manchen Spieler gerettet haben, da es auf eine rot blickende Anzeige umschaltet, wenn man in Zeitnot gerät. Auch Warntöne lassen sich einstellen.

Gibt man unter Einstellungen / Optionen / Autom. Speichern eine Datei an, hängt Eboard jede gespielte Partie im PGN-Format ans Ende dieser Datei an.

Kasten 2: Zeitkontrolle @KL:Klingelzeichen hin, optische Alarme her – die Schachuhren im Internet bleiben kompliziert: Da ein Schachzug, den ein Spieler über das Internet eingibt, nicht sofort beim Gegner ankommt, muss man zur eigentlichen Bedenkzeit eine gewisse Übertragungszeit einkalkulieren. Dies ist der Grund dafür, dass man im Internet-Schach oft einen Zeitzuschlag (Inkrement) vereinbart, den der Spieler pro ausgeführtem Zug erhält.

Eine bessere Lösung dieses Problems bietet das Programm timeseal (deutsch etwa: "Zeit-Siegel", sein ICC-Pendant heißt timestamp), das verhindert, dass die Übertragungszeit zu Lasten des Spielers gezählt wird. Es ermittelt, wieviel Zeit nötig ist, um einen Schachzug über das Internet zu übertragen, und korrigiert darauf hin die Schachuhr derart, dass die wahre Bedenkzeit übrig bleibt. Der Fairness halber sollten immer beide Spieler einer Partie timeseal verwenden, sonst ist derjenige, der ohne spielt, im Nachteil. Sehr schnelle ("Lightning"-) Partien kann man ohne diesen Helfer jedenfalls nicht vernünftig spielen. Um zu sehen, ob ein Spieler timeseal verwendet, gibt man das Kommando finger [Spieler] ein.

Drei Klassen von Bedenkzeiten werden auf dem Server unterschieden: Lightning, Blitz und Standard. Sie sind über die zu erwartende Gesamtbedenkzeit pro Spieler (Expected Duration Time) D definiert. Diese wiederum berechnet sich nach der Formel

D = ( S + 40 @L: * Inc / 60 ) Minuten

mit S als Startzeit in Minuten, Inc als Zuschlag in Sekunden und der Annahme, dass eine typische Partie 40 Züge währt. Bei einer Bedenkzeit von S = 2 Minuten und Inc = 12 Sekunden ist D = 10 Minuten. Beim Free Internet Chess Server spricht man von einer Lightning-Partie, wenn D kleiner als drei Minuten ist, und von einer Blitz-Partie, wenn D zwischen 3 und 15 Minuten liegt; alles Langsamere zählt zur Kategorie Standard. Beim Internet Chess Club sagt man statt "Lightning" "Bullet".

Weitere Informationen ruft man auf den Servern mit den Kommandos help timeseal_unix bzw. help unix-timestamp auf.

Schach-Ritter

Wo es ein GTK-Programm gibt, ist ein KDE-Äquivalent nicht weit: Das Schachbrett-Programm Knights [10] liegt auch SuSE bei. SuSE-8.1-Nutzer müssen sich allerdings mit der alten Version 0.56 zufrieden geben, wenn sie nicht selbst kompilieren wollen: Weder das Knights-0.6-RPM-Paket aus dem Download-Bereich von [10] (das tatsächlich vom SuSE-FTP-Server stammt) noch das von Sourceforge [11] funktionieren richtig. Zum Kompilieren des Knights-0.6-Quelltexts setzt man vor dem Ausführen von ./configure; make; make install die Umgebungsvariablen KDEDIR auf den Pfad zu KDE (unter SuSE 8.1 mit export KDEDIR=/opt/kde3) und QTDIR auf das Qt-3-Überverzeichnis (meist /usr/lib/qt3). Auf [12] findet sich ein recht ausführliches englischsprachiges KDE-Handbuch, das make install leider nicht mitinstalliert.

In einem separaten Paket auf [11] stecken Themes, die zusätzliche Figurensätze und Schachbretter enthalten, unter anderem Pinguine als Schachfiguren und die fast dreidimensionalen Staunton-Figuren, die Abbildung 9 zeigt.

Abbildung 9: Der Figurensatz "Staunton" auf dem Brett "Grey Tiles" in Knights 0.6

Ob online oder offline – sofern eine Schach-Engine installiert ist, kann man nicht nur aus einer Liste von Internet-Schach-Servern wählen (Abbildung 10), sondern sich auch mit dem eigenen Rechner messen. Bei Knights 0.6 funktionierte im Test unter SuSE 8.1 das Spielen gegen Crafty jedoch nicht: Crafty führte nur dann einen Zug aus, wenn der User auf einen anderen virtuellen Desktop klickte. Dieser Fehler zeigte sich auch mit Sjeng. Dagegen funktionierte es mit Phalanx und Gnu Chess. Der Grund hierfür ist unklar. Auch bei der Server-Wahl trübte sich das Testbild: Das Einloggen auf jeu.echecs.com funktionierte nicht.

Im Menü Settings / Configure Knights / Chess Servers lässt sich Timeseal per Klick auf den Button Modify für jeden Schach-Server einrichten – ein Test mit dem Free Internet Chess Server glückte tatsächlich.

Anders als X- und Eboard erlaubt es Knights jedoch (noch) nicht, beliebige Stellungen aufzubauen, um etwa Endspiele gegen eine Engine zu spielen.

Abbildung 10: Alternativen zu den vielbesuchten Schach-Servern ICC und FICS findet man direkt in Knights

Spielgesuche stellt Knights wie Eboard in einer Tabelle dar, doch lassen sie sich ab Version 0.6 auch in einem Sought Graph ähnlich wie in JavaBoard und Jin 2.07 anzeigen.

Abbildung 11: Die Spielgesuche zeigt Knights in Tabellenform oder als Graphen an

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