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Blick in die Ferne

Fernsehen und Videotext mit Linux

Lauter kleine Werkzeuge

Außer den zuvor beschriebenen TV- und Videotext-Programmen enthält der Xawtv-Tarball eine Sammlung kleiner Kommandozeilen-Tools.

v4lctl steuert Video4linux-Geräte von der Kommandozeile. Es dient beispielsweise dazu, einen Sender einzustellen oder den Fernsehton einzuschalten, etwa um die Nachrichten nur zu hören:

v4lctl -c /dev/video1 setstation cnn
v4lctl -c /dev/video1 volume mute off

Die Manpage listet jede Menge weitere Möglichkeiten auf.

xawtv-remote kennt ähnliche Parameter wie v4lctl, greift allerdings nicht direkt auf ein Video4linux-Gerät zu, sondern reicht das Kommando an ein gerade laufendes xawtv (oder motv) weiter. So ermöglicht xawtv-remote unter anderem ein Skript-basiertes Umschalten des Senders.

Das Programm record nimmt Sound auf und speichert ihn als Wav-File. Es hat eine Pegelanzeige eingebaut und kann sowohl interaktiv als auch per Kommandozeile gesteuert werden. record -h zeigt die Optionen in einer Übersicht.

webcam schnappt sich Bilder von einer Kamera, versieht sie mit einem optionalen Text und Zeitstempel und kopiert sie per FTP oder SSH auf einen anderen Rechner.

Viele TV-Karten haben einen Radio-Tuner eingebaut, den das Programm radio anspricht und so auch den Radio-Genuss unter Linux garantiert.

Zukunftspläne

Bislang musste der Anwender xawtv immer neu starten, um zwischen verschiedenen Video4linux-Geräten und Betriebsmodi (mit/ohne Xvideo) hin- und herzuschalten. Das soll sich in Version 4.0 ändern. Diese neue Version wird auch DVB (digitales Fernsehen) unterstützen. Xawtv steuert dann DVB-Tuner und dekodiert Mpeg-2, so dass auch die billigen Karten ohne Hardwaredecoder laufen.

Da der Umbau einige größere interne Umstellungen erfordert und viel Code aufgeräumt werden muss, wird die neue Version noch etwas auf sich warten lassen. Für die Ungeduldigen gibt es Snapshots [8] aus dem Entwicklungszweig, die allerdings die Gefahr bergen, dass sie nicht funktionieren.

Glossar

API

"Application Programming Interface", hier: Schnittstelle zwischen den Programmen und dem Linux-Kernel. Ein Programm greift über die API-Funktionen des Linux-Kernels auf Hardware-Treiber zu.

Xvideo

Eine Erweiterung des X-Servers für Video, die X11-Programmen zwei zusätzliche Möglichkeiten bietet: die Ansteuerung von Video-Hardware und Farbraum-Konvertierung von YUV nach RGB, welche Skalierung von Video-Frames ermöglicht.

PCI-PCI-Transfer

PCI-Geräte können die Kontrolle über den PCI-Bus übernehmen (Busmaster) und selbstständig Datentransfers initiieren. Meistens transferieren sie die Daten vom oder zum Hauptspeicher (DMA - Direct Memory Access), was jeder moderne Festplatten-Controller auch macht. Um Daten direkt von einem PCI-Gerät zum anderen zu schicken, gibt es den PCI-PCI-Transfer. Der Umweg über den Hauptspeicher entfällt dann.

Frames

Ein Einzelbild in einem Videofilm bezeichnet man als Frame. Nach europäischer PAL-Norm sendet ein Fernsehsender 25 Bilder pro Sekunde. xawtv muss beim TV-Empfang also 25 Einzelbilder pro Sekunde von der Karte holen und diese über die Grafikkarte auf den Bildschirm bringen.

Der Autor

Gerd Knorr ist langjähriger Linux-Hacker und kümmert sich derzeit vorwiegend um Video4linux (Xawtv, Kernel, Bttv und Saa7134-Treiber).

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