Von der Glotze auf CD
Fernsehen, mitschneiden und Video-CDs brennen unter KDE
Was früher der Radio-Mitschnitt auf Kassette, ist, seit TV-Karten im heimischen Rechner fast zum guten Ton gehören, der Fernseh-Mitschnitt auf Video-CD. Kein Wunder, dass KDE hierfür alle nötigen Programme bietet, angefangen von der virtuellen Glotze bis hin zum entsprechend ausgestatteten Brennprogramm.
Erstere heißt KwinTV (http://www.kwintv.org/), eine Software, mit der sich die Computer-Flimmerkiste komfortabel bedienen lässt. Da deren neuer Maintainer George Staikos und seine Crew immer noch am endgültigen Update auf KDE 3.x basteln, stecken die Anwender derzeit allerdings in der Zwickmühle: Sie haben die Wahl zwischen KWinTV 0.8.x mit der alten Oberfläche, das in Version 0.8.12 auch bei der aktuellen SuSE-Distribution dabei ist, und dem KWinTV der Zukunft mit dem Frontend QtVision (Abbildung 1). Letztere basiert auf einer komplett neugeschriebenen Plugin-Architektur, durch die sich die Applikation künftig in viele Richtungen wird erweitern lassen.
QtVisions Alpha-Status mag den einen oder die andere abschrecken – in diesem Fall zu Recht: der Nachfolger ist noch wenig ausgereift und in aktuelleren Versionen als der mittlerweile über ein Jahr alten Alpha 1 nur direkt aus dem Versionskontrollsystem CVS, dem Arbeitsdepot der Entwickler, zu bekommen [1]. Aus diesem Grund besprechen wir im folgenden das alte Arbeitspferd [2], für dessen Installation unter Umständen KDE-2-Kompatibilitätspakete (bei Red Hat kde2-compat) einzuspielen sind.
Dieses starten Sie entweder über das K-Menü (bei SuSE Multimedia / Video / KWinTV) oder in einer Terminalemulation mit dem Befehl kwintv &.
Sie hören jetzt ein Rauschen und sehen ein grau rieselndes Bild? Prima, dann ist das Fernsehvergnügen nur noch ein paar Mausklicks entfernt. Präsentiert sich stattdessen ein blaues oder schwarzes Fenster, haben Sie entweder den falschen Treiber geladen oder den richtigen falsch konfiguriert. Ein erneuter Besuch im SuSE-Kontrollzentrum unter YaST2 Module / Hardware / TV-Karte dürfte jedoch im Falle der meisten SuSE-Anwender Abhilfe schaffen.
Alternativ nehmen Sie die nötigen Änderungen per Hand in der Datei /etc/modules.conf vor – Infos finden Sie zum Beispiel unter http://www.multimedia4linux.de/howto/DE-Video-TV-HOWTO-3.html oder in den übrigen Artikeln dieser Ausgabe zum Thema TV. Vergessen Sie bitte nicht, nach der Änderung den Befehl depmod -a aufzurufen und anschließend das betreffende Modul mit dem modprobe-Kommando neu zu laden.
Den Kanal schon voll?
Um KWinTV die richtigen Fernsehkanäle zu vermitteln, greifen Sie auf ein Helferlein namens Senderscan zurück, das sich über den Punkt Programm / Wizard in der Menüleiste aufrufen lässt. Klicken Sie zunächst den etwas unnötigen Informationsschirm per Next-Button weg. Auch der nächste Dialog zum Einstellen der Fernsehnorm bietet keine Tücken, da hier bereits PAL – und damit die im deutschsprachigen Raum übliche – eingetragen ist.
Erst die nächste Maske erfordert Entscheidungen: Sollen alle verfügbaren Frequenzen nach Fernsehkanälen durchsucht werden, oder soll sich der Wizard auf bestimmte Frequenzen beschränken? In der Regel lohnt es sich aus Gründen der Zeitersparnis, das Feld Scan whole frequency band zu deaktivieren und im darunter befindlichen Pulldown-Menü als Region Europe West anzugeben. Klicken Sie danach erneut auf den Next-Button und im nächsten Fenster auf Start. Sobald KWinTV alle verfügbaren Kanäle eingesammelt hat, finden Sie sich im Ausgangsbildschirm wieder, nur dass KWinTV diesmal stolz vermeldet, dass die Kanalsuche erfolgreich abgeschlossen wurde. Ein letzter Klick auf Finish, und das Fernsehvergnügen kann wie in Abbildung 2 beginnen.
Sollte die automatische Kanalsuche wider Erwarten scheitern, bleibt die Möglichkeit, die gewünschten Kanäle manuell einzustellen. Wählen Sie dazu Program / New an. Hier lässt sich über input source zusätzlich die Videoquelle konfigurieren – nur für den Fall, dass Sie nicht den TV-Tuner, sondern den Composite- oder S-Video-Eingang Ihrer Karte verwenden (Abbildung 3).
Ich glotz' TV!
Fernsehen im kleinen Programmfensterlein macht nicht wirklich Spaß, und so schalten Sie über den Menüpunkt Television / Full Screen, den gleichnamigen Menüpunkt im Kontextmenü der rechten Maustaste über dem Fernsehbild oder das Tastenkürzel [F] in den Vollbildmodus. Zur Rückkehr in den normalen Modus genügt ein rechter Mausklick und das Entfernen des Häkchens bei Full Screen.
Außer dem Fullscreen-Modus bietet Ihnen KWinTV noch andere Bildschirmgrößen, die Sie über die Unterpunkte von Television / Set Size einstellen. Sollten Ihnen dabei die Proportionen aus der Maus geraten – kein Problem, ein Klick auf Fix Aspect Ratio rückt das Bild wieder zurecht.
Die klassische Fernsehbedienung ersetzen die Pfeil-Buttons der Menüleiste. Der nach links schaltet einen Kanal nach unten, der nach rechts einen nach oben. Wer eine Infrarot-Fernbedienung besitzt, kann selbstverständlich auch diese benutzen. Konfiguriert wird sie via Settings / Configure IR Control.
Zusätzlich steht Ihnen unter dem Menüpunkt Program / Browser (Tastenkürzel [B]) ein so genannter Program Browser zur Verfügung, mit dem Sie neben Channel-Hopping auch Feintuning der Kanäle betreiben können. Wählen Sie dort den passenden Kanal aus, und klicken Sie dann auf das Icon mit dem Notizblock. Nun passen Sie auf dem Tab Options Feinheiten wie Helligkeit, Kontrast oder Farbe Ihrem persönlichen Geschmack an.
Die Audio-Einstellungen des Programms erreichen Sie via Audio / IhrAudiochip. Achten Sie dabei darauf, dass der Eingang zur Soundkarte entweder Line in oder Microphone ist und laut gestellt sein muss – sonst katapultiert Sie KWinTV zurück in Stummfilmzeiten. Den Toneingang stellen Sie übrigens über Settings / Configure KWinTV / Mixer ein. Die Voreinstellung Line in im Feld Select input source dürfte in der Regel passen.



