Distri-Bits

01.08.2003

Sechs Jahre lang arbeitete er für den Prozessorhersteller Transmeta – im Juni verkündete Linux-"Vater" Linus Torvalds seinen Wechsel zum "Open Source Development Lab" OSDL, wo seine Arbeitsaufgabe ganz offiziell in der Weiterentwicklung des Linux-Kernels besteht. Das von Firmen wie Hewlett Packard, IBM, Intel und NEC finanzierte Entwicklungslabor wird auch die Arbeit von Ext3-Entwickler Andrew Morton bezahlen, dem designierten Maintainer der nächsten Anwender-Kernel-Generation 2.6. Doch nicht nur Kernel-Hacker wechseln ihre Arbeitsplätze, auch bei den Distributionen werden die Karten diesen Sommer kräftig gemischt.

Red Hat vom Nachbarn

Mit einer auf Red Hat 9 basierenden Distribution namens Aurox (http://www.aurox.org/) will die Warschauer Firma Software-Wydawinictwo Sp. z o.o. den deutschsprachigen Markt erobern. 10,50 Euro kostet das aus sechs CDs (drei mit Binärpaketen, drei mit Quelltexten) bestehende Paket im Zeitschriftenhandel; die Images stehen aber auch unter ftp://ftp.task.gda.pl/site/aurox/ zum Download bereit.

Abbildung 1: Lernprogramme

Die Herausgeber ergänzten Red Hat um die inzwischen erhältlichen Updates, Video- und MP3-Player, Lernprogramme für Physik, Mathematik, Astronomie, Fremdsprachen und Geometrie (Abbildung 1) sowie wissenschaftliche Software; dennoch besteht die Distribution komplett aus Open-Source-Programmen. Von den Amerikanern übernimmt Aurox 9 alias "Sunrise" GNOME 2.2 im Blue-Curve-Einheitslook als Standarddesktop; KDE 3.1.1 muss nachinstalliert werden (Abbildung 2). XFree86 4.3.0 ermöglicht das Ändern von Bildschirmauflösung und Farbtiefe, ohne dass der X-Server neu gestartet werden muss.

Abbildung 2: Der KDE-Desktop von Aurox im Blue-Curve-Gewand

Als Büroprogramm bringt Aurox OpenOffice in der Version 1.0.2 mit, mit Hilfe von CUPS finden Drucker Anschluss. Neben Konqueror sind die Browser Galeon und der nicht mehr ganz taufrische Mozilla 1.2.1 mit an Bord. Evolution 1.2.2 dient als Informationszentrale. Xine und MPlayer sorgen für Musik und bewegte Bilder; die MP3-Unterstützung, die Red Hat aus den Programmen entfernte, aktivierten die polnischen Entwickler wieder.

Dank der einfachen, schnellen Installation und der sicheren Hardwareerkennung (beides erbt Aurox von Red Hat) eignet sich die Distribution sehr gut für Einsteiger, die rasch zu einem funktionierenden System kommen wollen.

R.I.P: Linux Router Project

Es war einmal eine netzwerkorientierte Minidistribution, die auf eine 3,5 Zoll-Diskette passte und zur Einrichtung von Routern, Thin Clients und Thin Servern diente: David Cinege stellt frustriert die Weiterentwicklung seines Linux-Router-Projekts LRP ein, das unter anderem die Grundlage für die Embedded-Linux-Distribution Embedix von Lineo bildete, die nach der Übernahme von Lineo durch Metrowerks in der Weiterentwicklung OpenPDA den Sharp Zaurus zum Leben erweckt.

Auf der Projekt-Seite http://www.linuxrouter.org/ begründet Cinege seinen Schritt damit, dass er nicht länger bereit und finanziell nicht der Lage sei, Arbeit in ein Projekt zu investieren, von dem andere profitieren, ohne jemals etwas beizutragen. Speziell enttäuscht ihn die Mitnehmerhaltung der alten Lineo-Mutter Caldera, die Linux derzeit ihrerseits unter ihrem neuen Namen SCO Group Urheberrechtsverletzungen unterstellt. Zu Redaktionsschluss hat sich noch kein neuer Maintainer für LRP gefunden.

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