Digitaler Linux-Videorekorder: VDR 1.2

Modulares Heimkino

Der digitale Videorekorder VDR hat einen großen Sprung gemacht: Mit Version 1.2 ist er zum modularen Alleskönner geworden – vom DVD-Player über Spielekonsole bis hin zum Anrufbeantworter, und fast täglich kommen neue Funktionen hinzu.

Die Entwicklung des DVB-Treibers und von VDR ist seit der letzten stabilen Release 1.0.4 im Sommer 2002 mit riesigen Schritten voran gegangen. Insgesamt ist VDR deutlich leistungsfähiger und stabiler geworden, was gerade Besitzern nur einer DVB-Karte zugute kommt.

Die wohl auffälligste Veränderung ist, dass man mit nur einer DVB-Karte mehrere Kanäle gleichzeitig aufzeichnen und ansehen kann. Die Sache hat allerdings einen Haken: Alle Aufnahmen und der gerade eingestellte Kanal müssen auf dem selben Transponder liegen – in der Praxis bedeutet das, dass man bei der gleichen Sendergruppe bleiben muss: So senden etwa Sat 1, Pro-7, Kabel 1 und N24 auf dem gleichen Transponder, während RTL, RTL-2, Vox und Super-RTL auf einem anderen Transponder sind. Sollen mehrere Transponder gleichzeitig empfangen werden, muss man entsprechend mehrere DVB-Karten einbauen. In der Praxis sind ohne weiteres drei bis vier Aufnahmen gleichzeitig möglich, allerdings muss dann die Festplatte Schritt halten – sonst kann es zu Bildstörungen kommen, wenn die Empfangspuffer voll laufen.

Auch für die Verwendung von zwei Karten mit einem Single-LNB gibt es inzwischen eine Lösung in Form eines Moduls – so kann man etwa bei DVB-Karten der Revision 1.3 (siehe Seite 61) mit einem Sat-Eingang und einem -Ausgang die zweite Karte einfach am Ausgang der ersten anschließen. Das beschränkt die empfangbaren Transponder jedoch auf die gleiche Polarisationsebene (horizontal oder vertikal) sowie die gleiche Bandlage (Hi-Band oder Lo-Band).

Modularer Aufbau

Bis einschließlich Version 1.0.4 waren alle Erweiterungen für VDR wie MP3-Player, DVD-Player oder (S)VCD-Player Patches, die direkt in die Quellen von VDR eingebaut wurden. Bei einer neuen VDR-Version mussten deshalb jedes Mal alle Patches überarbeitet werden – dabei kamen sich die Patches durchaus ins Gehege, so dass man eine strikte Reihenfolge einhalten oder zwei Patches zunächst zusammenführen musste, bevor sich etwa DVD- und MP3-Player gleichzeitig einbauen ließen.

Mit der ersten Entwicklerversion 1.1.0 führte Klaus Schmidinger das Plugin-Konzept ein. Alle VDR-Erweiterungen arbeiten nun über eine definierte Plugin-Schnittstelle, die sich auch über verschiedene Versionen hinweg (fast) nicht verändert. Damit haben die Programmierer mehr Zeit, sich um die eigentliche Funktion ihrer Plugins zu kümmern.

Mit dem Plugin-Support explodierte die Zahl der VDR-Erweiterungen regelrecht, bei Drucklegung gab es fast 50 Zusatzmodule: Angefangen beim Sleep-Timer, der den Rechner nach einer bestimmten Inaktivität herunterfährt, über die Einbindung analoger TV-Karten und ISDN-Anrufbeantworter bis hin zu den beliebten DVD-, MP3- und (S)VCD-Playern. VDR hat sich damit vom "einfachen" Videorekorder zum heimischen Multimedia-Zentrum aufgeschwungen.

Vorbereitung

Die Installation beschreiben wir anhand der Distributionen SuSE Linux 8.2 Professional und Red Hat Linux 9.0 Professional. SuSE Linux 8.2 Personal reicht nicht aus, dort fehlen die erforderlichen Compiler und Bibliotheken. Wer VDR nicht selbst übersetzen möchte, findet auf der Heft-CD eine fertige Mini-Distribution, deren Einrichtung auf Seite 54 beschrieben wird.

Bei SuSE 8.2 installieren Sie über YaST 2 die Paketgruppe Entwicklung (erweitert) nach, sie enthält unter anderem die Kernel-Quellen, die anschließend in /usr/src/linux liegen. Kopieren Sie zudem noch die Kernel-Konfiguration /boot/vmlinuz.config nach /usr/src/linux/.config und rufen Sie dann im Verzeichnis /usr/src/linux den Befehl make menuconfig auf. Es startet die Kernel-Konfiguration, die Sie mit [Esc] unmittelbar wieder verlassen und die Einstellungen speichern.

Unter Red Hat 9.0 muss der gesamte Kernel ersetzt werden, da mit ihm die DVB-Treiber nicht kompilieren. Entpacken Sie den Kernel 2.4.21 der Heft-CD, sie finden ihn unter LinuxUser/kernel/linux-2.4.21.tar.bz2, im Verzeichnis /usr/src. Anschließend legen Sie einen symbolischen Link an:

cd /usr/src
ln -s linux-2.4.21 linux

Die Red-Hat-Kernel-Konfiguration finden Sie unter /boot/config-2.4.18-6, kopieren Sie die Datei nach /usr/src/linux/.config und rufen Sie im Verzeichnis /usr/src/linux den Befehl make menuconfig auf.

Im Menü Loadable module support des Kernels müssen Sie nun die Option Set version information on all module symbols deaktivieren. Verlassen Sie die Kernel-Konfiguration und speichern Sie die Einstellungen. Mit dem Befehl make dep modules modules_install bzImage übersetzen Sie den Kernel, anschließend müssen Sie das Kernel-Binary /usr/src/linux/arch/i386/boot/bzImage noch unter /boot/vmlinuz-2.4.21 speichern und die Grub-Konfiguration entsprechend anpassen.

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