Bonzai Linux

Miniatur-Debian

Debian hat den Ruf, schwierig zu installieren zu sein. Bonzai Linux will das Gegenteil beweisen und zudem zeigen, dass ein vollständiges Desktop-Linux auf einen Mini-CD-Rohling passt.

Die einen gehen nie ohne Zahnbürste aus dem Haus, die anderen tragen auf einer scheckkartengroßen CD immer eine Linux-Distribution im Portemonnaie bei sich. Wenn Ihnen derzeit ein Exemplar der zweiten Spezies begegnet, stehen die Chancen gut, dass die CD Bonzai Linux [1] (vormals "Miniwoody") enthält, eine stark geschrumpfte Version der aktuellen stabilen Ausgabe der Debian-Distribution namens Woody.

Im Gegensatz zu Knoppix [2], einem Debian-Abkömmling, der vollständig von CD-ROM läuft, muss Bonzai Linux auf Festplatte installiert werden. Im Gegenzug schleppt man jedoch keine normalgroße CD mit sich herum: Die 180 MB passen vollständig auf einen 8cm-CD-Rohling. Wir testeten Version 1.5, die Sie unter [1] oder bei Versendern wie LinISO [3] bekommen.

Auf die Platte!

Sofern Ihr PC von CD bootet, legen Sie die Bonzai-Linux-CD einfach ins Laufwerk und starten Ihren Rechner neu. Für ältere Rechner, die diese Möglichkeit nicht bieten, müssen Sie zunächst Start-Disketten erstellen. Im Verzeichnis dists/woody/main/disks-i386/current/images-1.44/bf2.4/ auf der Installations-CD finden Sie die Datei rescue.bin, die der Befehl

dd if=/rescue.bin of=/dev/fd0u440

auf eine leere Diskette kopiert. Zusätzlich benötigen Sie noch eine Root-Diskette, deren Image der Debian-FTP-Server unter [4] bereitstellt. Dieses bannen Sie mit

dd if=/root.bin of=/dev/fd0u440

auf eine zweite Floppy. Starten Sie den Rechner von der Rescue-Diskette, fordert er sie nach kurzer Zeit auf, diese Root-Diskette einzulegen. Kurz darauf begrüßt Sie das textbasierte Debian-Installationsprogramm.

Dieses spricht auf Wunsch im ersten Teil deutsch; nach dem Neustart des Systems geht es allerdings in englischer Sprache weiter. Zur Partitionierung der Festplatte kommt das nicht sehr komfortable Kommandozeilenprogramm cfdisk zur Anwendung. Lassen Sie sich von dessen spartanischer Oberfläche nicht abschrecken – das Debian GNU/Linux Anwenderhandbuch [5] hilft mit Screenshots und Erklärungen weiter. Auch ein Blick in die Bonzai-Linux-Installationshilfe [6] oder ins Web-Forum [7] lohnt sich. Im Zweifel übernehmen Sie die vom Installationsprogramm vorgeschlagenen Werte.

Je nach Hardware warten allerdings weitere Stolperstellen auf Sie, z. B. bei der Konfiguration des X-Servers. Auf unserem Test-System gab es beispielsweise Probleme mit älteren Monitoren und NVIDIA-Grafikkarten. Wenn Sie vom Installationsprogramm zur Auswahl eines Monitors aufgefordert werden, sollten Sie die Option Medium wählen und die gewünschte Auflösung und Bildwiederholfrequenz manuell einstellen. Die automatische Hardware-Erkennung arbeitet hingegen sehr gut: So funktionierten Radmäuse beispielsweise auf Anhieb.

Für eine Distribution, die als anfängertauglich angepriesen wird, bleiben allerdings zu viele Fragen bei der Installation offen – zu groß ist die Gefahr, etwas falsch zu machen. Schön wäre daher eine Art "Express-Einrichtung", die sichere Standardwerte übernimmt und nur an wenigen Stellen Eingriffe des Benutzers nötig macht.

Es ist angerichtet

Einmal installiert begrüßt ein grafischer Login-Bildschirm den Anwender. Nach der Anmeldung startet KDE in der aktuellen Version 3.1.2 (Abbildung 1).

Abbildung 1: Der KDE-Desktop von Bonzai Linux

Ein Blick ins K-Menü zeigt schnell, wie wenig Platz eine Mini-CD bietet: Bis auf den Editor Kate, das Multitalent Konqueror und einige Konfigurationswerkzeuge glänzen Anwendungsprogramme durch Abwesenheit – nicht einmal eine einfache Textverarbeitung (z. B. Abiword oder gar KOffice) ist dabei. Auch ein E-Mail-Programm sucht der Benutzer vergeblich. Somit taugt das System in der Grundausstattung für die tägliche Arbeit erstmal nicht. Doch Abhilfe naht: Über das Internet installieren Sie mit Hilfe der Debian-Paketverwaltung Programme für alle nur denkbaren Aufgaben.

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