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Von der Muse geküsst

out of the box: MuSE

01.06.2003 Im Zeitalter von DSL machen genügend Bandbreite und Tools wie Icecast Live-Audio-Streaming vom eigenen Rechner aus möglich. Doch womit den Icecast-Server füttern? Mit MuSE steht eine komfortable Streaming-Quelle zur Verfügung.

out of the box

Es gibt tausende Tools und Utilities für Linux. "out of the box" pickt sich die Rosinen raus und stellt pro Monat ein Progrämmchen vor, das wir für schlichtweg unentbehrlich oder aber zu Unrecht wenig beachtet halten.

Ein Name wie MuSE weckt sofort Assoziationen an die schönen Künste – und obwohl das Akronym die sperrige Bezeichnung "Multiple Streaming Engine" abkürzt, geht der Gedanke in die richtige Richtung: Hinter MuSE verbirgt sich ein allgemeines Werkzeug zum Mischen von bis zu sechs Audiokanälen, die entweder durch das Abspielen lokaler MP3- und Ogg Vorbis-Dateien oder durch Streams von Shoutcast/Icecast-Servern belegt sein dürfen. Zusätzlich kann der Mikrofoneingang der Soundkarte als Signal zugemischt werden.

Das Ergebnis gibt MuSE lokal über die Soundkarte aus und/oder schickt es als Stream an einen Icecast-Server. Dieser verbreitet das Signal an alle mit ihm verbundenen Clients weiter.

Selbst gebaut

Damit sich MuSE beim Kompilieren automatisch prozessorspezifisch optimiert, lohnt es sich, das Programm aus seinem Quelltext selbst zu übersetzen. Damit das geht, müssen der C/C++-Compiler gcc, die gtk-Bibliothek samt Header-Dateien und der MP3-Encoder lame installiert sein. Die Bibliotheken und Header-Dateien für Ogg Vorbis sind optional: Liegen sie auf dem System vor, werden sie benutzt, wenn nicht, bleibt MuSE auf MP3-Dateien beschränkt.

Das MuSE-Quellarchiv finden Sie auf der Heft-CD oder unter http://muse.dyne.org/. Eine ausreichend aktuelle Version von lame (3.93.1) kopieren Sie von http://lame.sourceforge.net/.

Dieses Paket muss als erstes kompiliert und installiert werden:

tar xzf lame-3.93.1.tar.gz
cd lame-3.93.1
./configure && make
su   (root-Passwort eingeben)

make install ; strip /usr/local/bin/lame
exit

Im zweiten Schritt übersetzen Sie MuSE:

tar xzf MuSE-0.8.tar.gz
cd MuSE-0.8
./configure --with-x && make
su   (root-Passwort eingeben)

make install ; strip /usr/local/bin/muse
exit

Ohne Sendemast

Auch ohne Icecast-Server ist MuSE durchaus zu gebrauchen. So können Sie "lokale Trockenübungen" machen, bevor Sie wirklich auf Sendung gehen. Dazu starten Sie das Programm mit der Befehlszeile muse & aus einem X-Terminal wie xterm oder konsole.

Abbildung 1: MuSE mit vier Kanälen

Im obersten Bereich seiner grafischen Oberfläche (Abbildung 1) befinden sich sechs Buttons, die von links nach rechts die Funktionen Let's stream (zum Streaming-Server verbinden), Add channel (Kanal hinzufügen), Line In (Mikrofon einblenden), Speaker (Wiedergabe über lokale Soundkarte), Vumeters (Aussteuerungsanzeige) und Hall of Fame (Liste der Programmierer) anbieten.

Wer lieber auf der Kommandozeile operiert (etwa weil der auserkorene Rechner gar keine grafische Oberfläche installiert hat), gibt dem configure-Skript bei der Installation zusätzlich die Option --with-rubik mit und startet MuSE mit dem Befehl muse -g ncurses (Abbildung 2).

Abbildung 2: Der Textmodus

In der grafischen Variante verfügt jeder Kanal über seinen eigenen Satz Bedienelemente. Dazu zählen Lautstärkeregler, Play-, Stopp- und Pausetaste sowie Songpositionsanzeige. Da sich alle Kanäle unabhängig voneinander bedienen lassen, fungiert MuSE ohne Weiteres als einfaches digitales Mischpult mit mehreren Abspiellisten und Überblendeffekten. In Abbildung 1 spielt die Musik nur auf den Kanälen 3 und 4 Musik, auf letzterem mit auf 30 Prozent reduzierter Lautstärke. Das Kontextmenü der rechten Maustaste nimmt neue Songs in die Playliste des jeweiligen Kanals auf oder entfernt bereits aufgeführte.

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