Sonne, Mond und Sterne
XEphem 3.5.2
Blick aus dem All
Über das View-Menü lassen sich der Sternenhimmel (Sky View), unser Sonnensystem (Solar System) oder auch einer von sechs Planeten in einem eigenen Fenster anzeigen, welches mit entsprechenden Menüs und Buttons ausgestattet ist. Mond, Mars und Jupiter sind mit der realen Oberflächentextur überzogen, und auf Wunsch werden auch weitere Merkmale (Krater etc.) oder Landeplätze (Apollo auf dem Mond, Pathfinder auf dem Mars usw.) angezeigt. Die Monde der Planeten fehlen ebensowenig wie der Sternenhimmel-Hintergrund (nur mit "Field Stars") – alle Features dürfen ein- und ausgeschaltet werden. Für die Erde, deren Oberfläche leider nur mit Konturen dargestellt wird, gibt es noch eine besondere Funktionalität: Per Internet-Verbindung zum Space Science and Engineering Center der Universität Wisconsin kann die Erdkugel mit der aktuellen Wetterkarte überzogen werden (siehe Abbildung 5). Außerdem lassen sich maximal drei Objekte auf die Erdkugel projizieren, z. B. die Position eines Satelliten oder des Mondes, wobei auch eine Spur über einen bestimmten Zeitraum darstellbar ist. So wäre dann der Weg des Kernschattens auf der Erdoberfläche bei einer Sonnenfinsternis zu sehen.
Blick ins All
Das "Sky-View"-Fenster stellt den Sternenhimmel vielfältig konfigurierbar dar. Zusätzlich zu den Menüs sind viele Buttons und Schieberegler um den Fensterinhalt angeordnet. Zunächst wird der Sternenhimmel als Kugelprojektion präsentiert, mit sämtlichen Markierungen und Beschriftungen. Bei der Kugelprojektion befindet sich der Betrachter innerhalb einer Halbkugel ("Himmelssphäre"), an deren "Innenfläche" die Sterne und sonstigen Objekte projiziert werden. Das Blickfeld beträgt immer 180°, entspricht also etwa einer Aufnahme mit einem Fischaugenobjektiv. Da eine dreidimensionale Hohlkugel auf einem zweidimensionalen Bildschirm dargestellt wird, treten dabei unweigerlich Verzerrungen auf. Die alternative Projektion ist zylindrisch, d. h. die Himmelssphäre wird auf die Mantelfläche eines Zylinders projiziert. Dabei hat man – sofern aktiviert – einen ebenen Horizontverlauf; die Verzerrungen werden hier aber extremer in Richtung der beiden Himmelspole (am deutlichsten sichtbar bei aktiviertem Koordinatennetz). Der erwähnte Horizont kann eine rote Linie bei Höhe 0 (Meeresspiegel) oder eine per Datei definierte Landschaftskontur sein; unterhalb des Horizonts ist dann wie in der Realität nichts zu sehen.
An weiteren Markierungen bietet XEphem hier alles, was der Sternenfreund erwartet, so z. B. die Ekliptik, den Himmelsäquatoroder ein Liniennetz der Himmelskoordinaten. Die Sternbilder können in ihren modernen Grenzen oder den bekannten Figuren markiert werden, beschriftet mit den lateinischen Namen oder Abkürzungen. Die Sterne aus dem YBS-Katalog zeigen ihren Namen (soweit vorhanden) oder den griechischen Buchstaben analog zu ihrer Helligkeit (Alpha ist der hellste), wie es Johannes Bayer 1603 in seinem Sternatlas Uranometria festgelegt hat. Alle anderen Objekte – Planeten, Satelliten, Galaxien, Gasnebel etc. – sind ebenfalls auf Wunsch als Punkte mit oder ohne Beschriftung darstellbar. Mit drei Schiebereglern lässt sich der Himmelsausschnitt verschieben und vergrößern bzw. verkleinern. Klickt man mit der rechten Maustaste auf ein Objekt, öffnet sich ein Popup mit weiteren Informationen, wie z. B. Auf- und Untergangszeit, Helligkeit, Koordinaten usw. Weiterhin finden sich hier Menüfunktionen, mit denen das Objekt zentriert oder gezoomt werden kann. Außerdem lässt sich dessen Spur vor dem Sternenhintergrund zeichnen (z. B. Oppositionschleifen). Will man einfach nur wissen, ob und wann ein Planet nachts überhaupt sichtbar ist, wäre das Ausprobieren verschiedener Zeitpunkte im "Sky-View"-Fenster sehr mühsam. Daher gibt es unter den vielen nützlichen Fenstern auch ein Sichtbarkeitsdiagramm (siehe Abbildung 6).
Wie eingangs erwähnt, werden auch die Erde umkreisende Objekte unterstützt. Da bietet sich als Informationsquelle natürlich die Internationale Raumstation ISS an, die ja momentan im Aufbau ist. Am einfachsten laden Sie die aktuellen Bahnelemente direkt über die Web-Update-Funktionalität, indem Sie im aktivierten Eingabefeld Search during download for "ISS" eingeben und dann auf Get in der ersten Zeile der Vorgabe-URLs klicken (stations.txt). Anschließend wird mit Assign to ... ObjX die ISS dem benutzerdefinierten Objekt X zugewiesen. Nun öffnen Sie das "Sky-view"-Fenster und schalten am besten sämtliche unnötigen Markierungen, wie z. B. das Gitter, Galaxien etc., aus. Im Hauptfenster-Menü Data wählen Sie Search memory, define ObjX,Y,Z, und in dem Fenster wird das aktuelle ObjX – also ISS – angezeigt. Ein Klick auf Sky point zentriert und markiert die ISS nun im "Sky-view"-Fenster. Mit den Schiebereglern sollte dann der Anblick so eingestellt werden, dass die ISS am rechten Rand ist. Per rechter Maustaste über der ISS öffnen Sie das Popup-Menü und wählen Create Trail. Ins Feld Start tragen Sie am besten "Now" und als Intervall Custom 0:01 (eine Minute, sonst sind die Abstände der Bahnpositionen zu groß) ein. Number of tick marks kann auf 10 gesetzt werden, und ein Klick auf Ok zeichnet nun die Bahn der ISS am Nachthimmel (siehe Abbildung 7). Die Bahnelemente sollten nicht älter als wenige Monate sein, damit die berechneten Bahnpositionen nicht zu stark abweichen.



