Alternative für kleine Saurier

OpenZaurus 3.2 in Betrieb nehmen

01.06.2003
Echte Linuxer installieren ihre Rechner selbst – auch dann, wenn es sich dabei um PDAs handelt. Der Sharp Zaurus kann seine Stärken nach dieser Prozedur noch besser ausspielen.

Der Sharp PDA Zaurus SL-5500 erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit unter Linux-Usern, vor allem, weil darauf Linux vorinstalliert ist. Sei es nun, weil man an die Grenzen dieses Systems mit der Benutzeroberfläche Qtopia stößt, sei es, dass man einen Linux-Rechner, und sei es noch so ein kleiner, selbst installieren und komplett mit freier Software ausstatten will – Gründe gibt es viele, zu OpenZaurus [1] zu greifen. Diese vollkommen Open-Source-basierte Distribution steht dem Originalsystem in nichts nach. Im Gegenteil: Sie bietet mehr, erst recht in der Version 3.2, die Ende März freigegeben wurde. Dennoch ist sie nichts für Faule: Schließlich fällt beim Selbstinstallieren und -konfigurieren mehr Arbeit an als bei einem System, bei dem der Hersteller diese bereits geleistet hat.

Abbildung 1: Das neue "Gesicht" des PDAs

Dass der Zaurus bereits im Originalzustand beim Booten Linux-Feeling verbreitet, dass es die Möglichkeit gibt, mit der eingebauten Mini-Tastatur eine Shell zu nutzen, dass die Qt-basierten, grafischen Programme vom Look&Feel angenehm an (ebenfalls Qt-basierte) KDE-Software erinnern, erfreut die Herzen der Linuxer. OpenZaurus führt dieses Konzept noch ein wenig weiter und installiert von sich aus eine Menge Zusatz-Tools, die vom Linux-Desktop her bekannt sind. Für die grafische Oberfläche sorgt das OPIE-Projekt [2,3] mit seiner freien Weiterentwicklung von Qtopia.

Für das Betriebssystem selbst greift OpenZaurus auf einen aktualisierten Kernel 2.4.6 zurück, in den viele Patches einflossen, so dass er mehr PDA-Zubehör unterstützt als das original mit dem Zaurus ausgelieferte Linux. Gerade im Bereich WLAN wurde hier viel verbessert.

Abbildung 2: System-Informationen

Speicher-Fragen

Was OpenZaurus wirklich interessant macht, hat jedoch mit Verwaltung zu tun. In erster Linie der des Speicherplatzes: Zwar kann der Benutzer den mit der Software nicht vermehren, aber immerhin vor der Installation entscheiden, wie er die ständig knappe Ressource verteilt: Will er mehr Speicherplatz für Software(-dateien) haben, oder doch lieber mehr Arbeitsspeicher, um richtig viele Programme gleichzeitig laufen lassen zu können?

Auch bei der Software-Verwaltung bietet OpenZaurus Linux-gewohnten Usern – Netzwerkanschluss vorausgesetzt – mehr Komfort: Das Package-Management der Distribution erinnert an Debian; die Programmpakete lassen sich über die Kommandozeile mit ipkg oder über den grafischen Paket-Manager AQPkg verwalten.

Doch in erster Linie bleibt der Zaurus ein PDA und soll entsprechende Aufgaben verrichten. Daher stattet OpenZaurus ihn mit Kalender und Adressbuch aus OPIE aus, auch beim Datenabgleich muss man (nicht einmal Windows gegenüber) Abstriche machen. Darüber hinaus sind unzählige Tools verfügbar, vom Mail-Programm angefangen über die Embedded-Version des Konquerors (Abbildung 3) und den OPIE Mediaplayer 2 bis hin zu Samba oder rsync [4].

Abbildung 3: Surfen mit dem Embedded Konqueror

Flash-Installation

Neugierig geworden? Um OpenZaurus 3.2 zu installieren, benötigt man vor allem erst einmal eine 32 MB CompactFlash Card. Darauf kommt das OpenZaurus-Image, das ins ROM des PDAs geflasht wird. Die Karte sollte FAT16-formatiert sein, was sie im Normalfall bereits ab Werk ist.

Nun muss sich der Nutzer für ein Kernel-Image von [1] entscheiden. Empfehlenswert ist zImage-5500-40memory-24storage.bin, das genügend Platz für Software bereitstellt, aber auch viele Programme gleichzeitig laufen lassen kann. Dieses benennt er in zImage um. Zusätzlich lädt er das Image initrd.bin mit dem künftigen Root-Dateisystem herunter.

Bevor es Ernst wird, empfiehlt sich ein Backup aller relevanten Daten, denn nach dem Flashen des Betriebssystems ist auf dem Zaurus erst einmal nichts mehr installiert. Das Flashen selbst erfordert einiges an Finger-Akrobatik: Man nimmt den Zaurus, stöpselt das Netzkabel direkt in den PDA, öffnet hinten das Batteriefach (vorher auf Replace Battery stellen) und drückt dann gleichzeitig [C] und [D] sowie zusätzlich noch Full Reset im unteren Teil des Akkufachs.

Danach sollten die Batterie- und die Mail-Leuchte angehen. Passiert dies nicht, hat das Flashen nicht funktioniert, und man muss von vorne anfangen. Nach etwa fünf Minuten schalten sich die Lampen wieder aus. Jetzt führt man einen erneuten Full Reset aus, schließt das Batteriefach und stellt den dortigen Schieber wieder auf Normal Operation. Nach dem Anschalten begrüßt OpenZaurus seinen Installateur, und man sieht, wie der PDA bootet.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 

Related content

  • Synchronisations- und Datensicherungsprogramme für den Sharp Zaurus
    Selbst wenn der Sharp Zaurus ein nicht gerade billiges Gerät ist: Viel wertvoller sind die darauf abgelegten Daten und Dokumente. Wir stellen Programme vor, mit denen Sie die auf dem PDA gespeicherten Daten sicher aufbewahren.
  • PoqetPresenter
    Wie üblich entstand der Vortrag erst am Abend vor dem großen Auftritt – jetzt wäre es gut, ihn in der S-Bahn nochmal durchzugehen. Wenn Sie einen Sharp-Zaurus-PDA Ihr Eigen nennen, kein Problem: PoqetPresenter spielt mit OpenOffice Impress erstellte Diashows auf dem PDA ab.
  • Pocketop-Tastatur für den Sharp Zaurus
    Der Sharp Zaurus bringt fast alles mit, was man für ein mobiles Büro benötigt – nur die Eingabe längerer Texte wird mit dem integrierten Keyboard schnell zur Qual. Hier schafft die Pocketop-Tastatur Abhilfe.
  • Basis-Software für den Sharp Zaurus
    Im Gegensatz zur Monokultur der PocketPC-Familie haben Saurierfreundinnen die Auswahl zwischen einer ganzen Reihe verschiedener Systeme für ihren PDA.
  • Internet-Anwendungen für den Sharp Zaurus
    Ist der Zaurus-PDA erst einmal "drin" im Netz, stellt sich die Frage: Was soll er dort? Der folgende Artikel stellt interessante Anwendungen vor.
Kommentare

Infos zur Publikation

title_2014_08

Digitale Ausgabe: Preis € 5,95
(inkl. 19% MwSt.)

Mit der Zeitschrift LinuxUser sind Sie als Power-User, Shell-Guru oder Administrator im kleinen Unternehmen monatlich auf dem aktuelle Stand in Sachen Linux und Open Source.

Sie sind sich nicht sicher, ob die Themen Ihnen liegen? Im Probeabo erhalten Sie drei Ausgaben zum reduzierten Preis. Einzelhefte, Abonnements sowie digitale Ausgaben erwerben Sie ganz einfach in unserem Online-Shop.

NEU: DIGITALE AUSGABEN FÜR TABLET & SMARTPHONE

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist auch ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!       

Tipp der Woche

Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Schnell Multi-Boot-Medien mit MultiCD erstellen
Tim Schürmann, 24.06.2014 12:40, 0 Kommentare

Wer mehrere nützliche Live-Systeme auf eine DVD brennen möchte, kommt mit den Startmedienerstellern der Distributionen nicht besonders weit: Diese ...

Aktuelle Fragen

Server antwortet mit falschem Namen
oin notna, 21.07.2014 19:13, 0 Antworten
Hallo liebe Community, Ich habe mit Apache einen Server aufgesetzt. Soweit, so gut. Im Heimnet...
o2 surfstick software für ubuntu?
daniel soltek, 15.07.2014 18:27, 1 Antworten
hallo zusammen, habe mir einen o2 surfstick huawei bestellt und gerade festgestellt, das der nic...
Öhm - wozu Benutzername, wenn man dann hier mit Klarnamen angezeigt wird?
Thomas Kallay, 03.07.2014 20:30, 1 Antworten
Hallo Team von Linux-Community, kleine Zwischenfrage: warum muß man beim Registrieren einen Us...
openSUSE 13.1 - Login-Problem wg. Fehler im Intel-Grafiktreiber?
Thomas Kallay, 03.07.2014 20:26, 8 Antworten
Hallo Linux-Community, habe hier ein sogenanntes Hybrid-Notebook laufen, mit einer Intel-HD460...
Fernwartung für Linux?
Alfred Böllmann, 20.06.2014 15:30, 7 Antworten
Hi liebe Linux-Freunde, bin beim klassischen Probleme googeln auf www.expertiger.de gestoßen, ei...