Der Sharp PDA Zaurus SL-5500 erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit unter Linux-Usern, vor allem, weil darauf Linux vorinstalliert ist. Sei es nun, weil man an die Grenzen dieses Systems mit der Benutzeroberfläche Qtopia stößt, sei es, dass man einen Linux-Rechner, und sei es noch so ein kleiner, selbst installieren und komplett mit freier Software ausstatten will – Gründe gibt es viele, zu OpenZaurus [1] zu greifen. Diese vollkommen Open-Source-basierte Distribution steht dem Originalsystem in nichts nach. Im Gegenteil: Sie bietet mehr, erst recht in der Version 3.2, die Ende März freigegeben wurde. Dennoch ist sie nichts für Faule: Schließlich fällt beim Selbstinstallieren und -konfigurieren mehr Arbeit an als bei einem System, bei dem der Hersteller diese bereits geleistet hat.
Dass der Zaurus bereits im Originalzustand beim Booten Linux-Feeling verbreitet, dass es die Möglichkeit gibt, mit der eingebauten Mini-Tastatur eine Shell zu nutzen, dass die Qt-basierten, grafischen Programme vom Look&Feel angenehm an (ebenfalls Qt-basierte) KDE-Software erinnern, erfreut die Herzen der Linuxer. OpenZaurus führt dieses Konzept noch ein wenig weiter und installiert von sich aus eine Menge Zusatz-Tools, die vom Linux-Desktop her bekannt sind. Für die grafische Oberfläche sorgt das OPIE-Projekt [2,3] mit seiner freien Weiterentwicklung von Qtopia.
Für das Betriebssystem selbst greift OpenZaurus auf einen aktualisierten Kernel 2.4.6 zurück, in den viele Patches einflossen, so dass er mehr PDA-Zubehör unterstützt als das original mit dem Zaurus ausgelieferte Linux. Gerade im Bereich WLAN wurde hier viel verbessert.
Speicher-Fragen
Was OpenZaurus wirklich interessant macht, hat jedoch mit Verwaltung zu tun. In erster Linie der des Speicherplatzes: Zwar kann der Benutzer den mit der Software nicht vermehren, aber immerhin vor der Installation entscheiden, wie er die ständig knappe Ressource verteilt: Will er mehr Speicherplatz für Software(-dateien) haben, oder doch lieber mehr Arbeitsspeicher, um richtig viele Programme gleichzeitig laufen lassen zu können?
Auch bei der Software-Verwaltung bietet OpenZaurus Linux-gewohnten Usern – Netzwerkanschluss vorausgesetzt – mehr Komfort: Das Package-Management der Distribution erinnert an Debian; die Programmpakete lassen sich über die Kommandozeile mit ipkg oder über den grafischen Paket-Manager AQPkg verwalten.
Doch in erster Linie bleibt der Zaurus ein PDA und soll entsprechende Aufgaben verrichten. Daher stattet OpenZaurus ihn mit Kalender und Adressbuch aus OPIE aus, auch beim Datenabgleich muss man (nicht einmal Windows gegenüber) Abstriche machen. Darüber hinaus sind unzählige Tools verfügbar, vom Mail-Programm angefangen über die Embedded-Version des Konquerors (Abbildung 3) und den OPIE Mediaplayer 2 bis hin zu Samba oder rsync [4].
Flash-Installation
Neugierig geworden? Um OpenZaurus 3.2 zu installieren, benötigt man vor allem erst einmal eine 32 MB CompactFlash Card. Darauf kommt das OpenZaurus-Image, das ins ROM des PDAs geflasht wird. Die Karte sollte FAT16-formatiert sein, was sie im Normalfall bereits ab Werk ist.
Nun muss sich der Nutzer für ein Kernel-Image von [1] entscheiden. Empfehlenswert ist zImage-5500-40memory-24storage.bin, das genügend Platz für Software bereitstellt, aber auch viele Programme gleichzeitig laufen lassen kann. Dieses benennt er in zImage um. Zusätzlich lädt er das Image initrd.bin mit dem künftigen Root-Dateisystem herunter.
Bevor es Ernst wird, empfiehlt sich ein Backup aller relevanten Daten, denn nach dem Flashen des Betriebssystems ist auf dem Zaurus erst einmal nichts mehr installiert. Das Flashen selbst erfordert einiges an Finger-Akrobatik: Man nimmt den Zaurus, stöpselt das Netzkabel direkt in den PDA, öffnet hinten das Batteriefach (vorher auf Replace Battery stellen) und drückt dann gleichzeitig [C] und [D] sowie zusätzlich noch Full Reset im unteren Teil des Akkufachs.
Danach sollten die Batterie- und die Mail-Leuchte angehen. Passiert dies nicht, hat das Flashen nicht funktioniert, und man muss von vorne anfangen. Nach etwa fünf Minuten schalten sich die Lampen wieder aus. Jetzt führt man einen erneuten Full Reset aus, schließt das Batteriefach und stellt den dortigen Schieber wieder auf Normal Operation. Nach dem Anschalten begrüßt OpenZaurus seinen Installateur, und man sieht, wie der PDA bootet.



