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Linux auf Umwegen

Intel-Linux unter MacOS X

01.06.2003 Wer einen Rechner von Apple angeschafft hat, wird sich auch die Linux-Frage stellen: Eine Parallelinstallation von Linux für PowerPC ist möglich aber nicht leicht. Mit dem PC-Emulator Virtual PC geht es schneller.

Sicher ist die Einrichtung eines Intel-Linux-Systems in einer virtuellen Maschine auf einem Mac nicht die Standardanwendung für Virtual PC – in der neuen Version geht es in erster Linie um die Emulation von Windows, so wird beispielsweise das Startmenü von Windows XP in das OS-X-Panel integriert.

Die Möglichkeiten, Windows unter Virtual PC zu installieren, haben uns bei diesem Test aber nicht interessiert; wir haben anhand einer aktuellen Distribution (Mandrake Linux 9.1) nur die Linux-Tauglichkeit von Virtual PC unter die Lupe genommen.

Installation

Die Installation von Virtual PC selbst ist so unproblematisch, wie Apple-Anwender das gewohnt sind; interessant wird es erst mit der Linux-Einrichtung.

Zum Anlegen einer neuen virtuellen Maschine klickt mal einfach auf Neu und wird dann durch eine Reihe von Dialogen geführt. Hier können die folgenden Einstellungen vorgenommen werden:

Abbildung 1: In der Liste der möglichen Gastbetriebssysteme findet sich auch ein Eintrag für Linux

*

Verfahren: Der Hersteller Connectix (der vor kurzem die Virtual-PC-Sparte an Microsoft verkauft hat) bietet so genannte OS Packs an, in denen ein vorkonfigurierter virtueller Rechner mit (beispielsweise) Windows XP enthalten ist. Mangels entsprechendem Linux-OS-Pack ist hier PC manuell erstellen die richtige Wahl.

  • Quelle: Hier kann eine bereits erstellte virtuelle Festplatte übernommen werden. Für eine Erstinstallation ist die einzig richtige Wahl Betriebssystem auf leerem PC installieren.
  • Gastbetriebssystem: Der Wunsch, Linux zu installieren, ist dem Hersteller offensichtlich nicht fremd, denn neben DOS und sieben verschiedenen Windows-Versionen findet sich auch ein Eintrag Linux.
  • Im folgenden Dialog Arbeitsspeicher wird eingestellt, wieviel RAM der virtuelle Rechner besitzen soll. Die Vorgabe von 64 MB ist für einen Apple-Rechner in der Standardausstattung (also meist mit 256 MB RAM) sicher vernünftig, damit der übrigen Software noch genug Speicher bleibt. Auf einem großzügiger ausgestatten System darf es aber auch mehr sein – wir haben im Test auf einem iMac mit 768 MB Speicher 256 MB für das virtuelle Linux abgezweigt.
  • Undo-Laufwerke: Diese auch von VMware bekannte Technik erlaubt es, die seit dem letzten Booten vorgenommenen Änderungen an der Festplatte beim Ausschalten des virtuellen PCs rückgängig zu machen. Das ist interessant für Software-Tests, da sich eine standardisierte Testumgebung so bei jedem Neustart wieder herstellen lässt. Windows-Anwender, die Erfahrungen mit dem Zerschießen des gesamten Systems durch eine einzige Programminstallation haben, werden das zu schätzen wissen; für unseren Linux-Test haben wir das Feature deaktiviert gelassen.
  • Ziel: Virtual PC legt die Rechner im Home-Verzeichnis des Benutzers unterhalb von ~/Documents/Virtual PC List/ ab. Diese Vorgabe kann man übernehmen und dem Rechner einen Namen geben.
  • Zum Schluss werden alle Einstellungen zusammen gefasst, und ein Klick auf Erstellen beendet die Konfiguration.

Abbildung 2: In der Liste der möglichen Gastbetriebssysteme findet sich auch ein Eintrag für Linux

Der neue Rechner landet nun in der Liste der virtuellen PCs und kann nach Auswahl mit einem Klick auf Start aktiviert werden. Interessant ist übrigens, dass hier an keiner Stelle nach der Festplattengröße gefragt wurde.

Bei eingelegter Mandrake-CD meldete sich prompt der Isolinux-Boot-Loader, bootete den Kernel und startete das Installationssystem. Die ersten Schritte verliefen problemlos, allerdings führte die Auswahl einer Radmaus zum völligen Verlust der Maus, so dass wir nochmal neu starteten. Übernimmt man für die Maus die Vorgabe Standard, geht es problemlos weiter.

Abbildung 3: Die Linux-Installation beginnt: Der virtuelle PC bootet von der Mandrake-CD

Dank leerer, unpartitionierter (virtueller) Platte musste Mandrakes Installer nicht seine FAT- und NTFS-Resize-Fähigkeiten ausspielen, sondern konnte die einfachste aller Installationsvarianten (Freien Platz verwenden) vorschlagen. Ein schneller Wechsel auf die Konsole (wie gewohnt mit [Ctrl-Alt-F1] – die Sondertasten sind korrekt belegt) zeigte, dass hier eine virtuelle 16-GB-Platte eingerichtet wurde. Dieser Plattenplatz wird auf der echten Platte aber nicht belegt: Vor dem Kopieren der Mandrake-Pakete benötigte das Mandrake-Verzeichnis 329 MB, danach 1,6 GB.

Abbildung 4: Das virtuelle System ist mit einer 16-GB-Platte ausgestattet – dieser Platz wird aber nicht wirklich belegt

Für das Kopieren der Pakete von der echten CD auf die virtuelle Festplatte benötigt Virtual PC über 50 Minuten – wie zu Zeiten von 1x-CD-Laufwerken ist also hier wieder die Bemerkung "und nun ist Zeit für eine Tasse Kaffee" erlaubt.

Probleme hatte die Mandrake-Installation auf diesem virtuellen PC mit der Grafikkarte; Virtual PC emuliert eine etwas veraltete S3 Trio64. Nach dem Klick auf Grafikumgebung nicht eingerichtet -- Konfigurieren wurde die Karte zwar erkannt, ein anschließender Test mit 1024x768 Punkten bei 24 Bit Farbtiefe scheiterte jedoch (Abbildung 5). Nach dem Runterregeln auf 16 Bit funktionierte die Anzeige aber tadellos.

Abbildung 5: In 24 Bit Farbtiefe ist die Anzeige des X-Servers nicht darstellbar …

Abbildung 6: … aber die Umstellung auf 16 Bit löst die Probleme

Nach Abschluss der Installation und einem Reboot (der virtuellen Maschine) erschien der Mandrake First Time Assistant; der anschließende Start von KDE dauerte etwa zwei Minuten. Auch beim Aufruf kleinerer X-Anwendungen wie xterm vergehen einige Sekunden, bevor ein neues Fenster auf dem Desktop erscheint. Ein Blick in /proc/cpuinfo verrät, dass sich der emulierte Prozessor als eine mit 350 MHz getaktete "ConnectixCPU" ausgibt – subjektiv ist der virtuelle PC aber langsamer als ein entsprechend getakteter älterer Intel-PC: Ein zum Vergleich herangezogener AMD-K6-III mit 400 MHz war deutlich flinker.

Abbildung 7: Das installierte Linux bootet im virtuellen PC

Netzwerk: Kein Problem

Die geringe Geschwindigkeit bleibt der einzige Kritikpunkt, und gegenüber PC-basierten Emulatoren wie VMware muss man Virtual PC zugute halten, dass hier ein PC-Prozessor auf der PowerPC-Plattform emuliert wird, während die "Intel-auf-Intel"-Lösungen für Gast und Host die gleiche Prozessorarchitektur verwenden – das kostet natürlich Zeit. In allen anderen Bereichen kann Virtual PC punkten: Dank eines integrierten DHCP-Servers, der über die virtuelle Netzwerkkarte des PCs erreichbar ist, ist das Linux-System an den Mac angebunden und kann sogar aus dem Stand auf das Internet zugreifen (siehe auch Abbildung 6).

Die Maus, die bei der Arbeit im PC-Fenster dort gefangen ist, kann jederzeit über die [Apfel]-Taste gelöst werden; am besten hält man diese gedrückt, während man den Mauszeiger aus dem Virtual-PC-Fenster herauszieht.

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Infos zum Autor

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer

Hans-Georg Eßer ist Chefredakteur der Zeitschrift EasyLinux, Doktorand an der Uni Erlangen-Nürnberg und seit Mitte der 90er begeisterter Linux-Anwender.


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LinuxUser 03/2012

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