Distri-Bits
SuSE live
Von SuSEs neuester Version 8.2 (siehe Seite 63) gibt es nun auch eine Live-CD-Ausgabe, SuSE Linux 8.2 LiveEval genannt. Sie ist als ISO-Datei unter ftp://ftp.suse.com/pub/suse/i386/live-eval-8.2/ oder alternativ auf den unter http://www.suse.com/us/private/download/ftp/germ_mirrors.html gelisteten Mirror-Servern erhältlich.
Anders als Knoppix kann sie nicht auf Festplatte installiert werden, und damit gibt es natürlich auch keine Möglichkeit zur Aktualisierung des Systems oder einzelner Pakete. So bleibt unter anderem die Beschleunigung für 3D-Grafikkarten von NVidia außen vor. (Hierzu müsste ein Update von der Nvidia-Web-Seite eingespielt werden.)
Nützlich erweist sich die CD für alle, die speziell in SuSE-Linux reinschnuppern oder wissen wollen, ob der Nürnberger Distributor die Hardware des eigenen Systems unterstützt. Ob man die Kaufentscheidung für einen neuen Rechner davon abhängig macht, ob Knoppix oder die SuSE-Live-CD davon bootet, dürfte eher von den eigenen Distributionsvorlieben (und vom guten Willen des PC-Händlers) bestimmt werden.
Happy Birthday, BSD!
Dieses Jahr purzeln die Jubiläen bei den freien Unix-Betriebssystemen nur so: Ende März feierte NetBSD seinen zehnten Geburtstag, und im November begeht FreeBSD [2,3] dasselbe Wiegenfest. Beider Wurzeln (wie auch die der dritten Schwester OpenBSD) gehen sogar noch weiter zurück, bis auf das Jahr 1969. Der Namensbestandteil BSD steht nämlich für die "Berkeley Software Distribution" der University of California, Berkeley. Wer es nicht glaubt, kann sich den Stammbaum auf ftp://ftp.leo.org/pub/FreeBSD/branches/-current/src/share/misc/bsd-family-tree ansehen.
Doch auch solche ehrwürdigen Wurzeln schützen nicht davor, zum Spielball der Politik zu werden, wie das OpenBSD-Projekt (http://www.openbsd.org/) Ende April erfahren musste: Die U.S. Defense Advanced Research Projects Agency (DARPA) stornierte kurzentschlossen geplante Fördermittel im Rahmen des 2,3 Millionen USD schweren "Portable Open-Source Security Enhancements project" (POSSE) der University of Pennsylvania, an dem das OpenBSD-Team maßgeblich beteiligt war, nachdem der kanadische Projektleiter Theo de Raadt der Torontoer Zeitung "The Globe and Mail" gegenüber seine Bedenken gegen den Iraq-Krieg und gegen die Förderung aus militärischen Mitteln geäußert hatte. Offiziell begründete DARPA-Sprecherin Jan Walker den Rückzug mit "Ereignissen der Weltpolitik und der entstehenden Bedrohung durch (militärisch, Anm. d. R.) zunehmend potente Nationalstaaten".
Der ausbleibende Geldsegen trifft das OpenBSD-Projekt insofern, als dass davon die Hotelkosten für das für Mai geplante "Hackathlon"-Entwicklertreffen von 60 OpenBSDlern in Calgary bestritten werden sollten: Obwohl die Flugtickets bereits privat gebucht waren, stornierte die University of Pennsylvania das Hotel kurzerhand, ohne den Entwicklern eine Übernahme des Vertrags anzubieten. Den durch die UPenn gezahlten Vorschuss von etwa 80 Prozent der Gesamtkosten (etwa 15300 USD) streicht das Hotel laut Vertrag ohne Gegenleistung ein.
In diesem Theater beinahe unter ging die Tatsache, dass das Schwesterprojekt FreeBSD (http://www.de.freebsd.org/) eine neue Produktionsversion 4.8 fertig gestellt hat, die einige Sicherheitslücken behebt und in der Portskollektion die Versionsnummern für GNOME auf 2.2, für KDE auf 3.1 und für XFree86 auf 4.3.0 herauf setzt. Im Gegensatz zum (im Januar veröffentlichten) 5.0er Entwicklungszweig ist die 4.x-Reihe für den Einsatz auf Produktionsmaschinen vorgesehen.
Infos
[1] Hans-Georg Eßer: "Alle Neune", LinuxUser 05/2003, S. 54 f., http://www.linux-user.de/ausgabe/2003/05/054-alleneune/
[2] Patricia Jung: "Dämonische Installation", LinuxUser 08/2002, S. 68 ff.
[3] Patricia Jung: "Software im Hafen", LinuxUser 02/2003, S. 75 ff.



