…wieder flattern durch die Lüfte. Diese Zeile von Eduard Mörike kommt einem in den Sinn, wenn man die langen Reihen blauer SuSE-Kartons in den Geschäften betrachtet. Wir schauen nach, ob der Inhalt wirklich Frühlingsgefühle weckt.
Wie alle anderen großen Distributoren hat auch SuSE im April eine neue Version ausgeliefert. Anders als Red Hat verzichten die Nürnberger auf einen großen Versionssprung – nur die Nachkommastelle hat sich geändert.
Installation
Die Installation verläuft weitgehend automatisch. Nach Auswahl der gewünschten Sprache präsentiert SuSE dem Benutzer einen Installationsvorschlag, der für viele Anwender durchaus brauchbar sein dürfte. Die Kategorieüberschriften wie Maus oder Partitionierung sind anklickbare Links, über die man die Vorschläge des SuSE-Installers abändern kann. In den meisten Fällen gestaltet sich die Installation problemlos. Ein unschönes Problem trat jedoch auf einem Testrechner auf, auf dem bereits zwei Red-Hat-Versionen installiert waren. Das SuSE-Partitionierungsprogramm parted meldete, es könne mit der Partitionstabelle nichts anfangen und daher keine neuen Partitionen erstellen könne. Um die Installation fortzuführen, mussten wir manuell auf einer Konsole mit fdisk die Zielpartition anlegen. Kaum sind die Pakete auf der Platte, meldet sich neuerdings noch während des Installationsvorgangs das SuSE-Online-Update und bietet an, Release-Infos vom SuSE-Server zu ziehen und frische Patches einzuspielen.
Kosmetik
Beim ersten Start des Systems erwarten den Anwender weitere Neuigkeiten. Statt der ausführlichen Boot-Meldungen ziert nun ein Splash-Screen mit blauem SuSE-Chamäleon den Monitor – nur ein Fortschrittsbalken signalisiert, dass sich überhaupt etwas tut. Verantwortlich dafür ist der Eintrag splash=silent in der Konfigurationsdatei des Boot-Managers. Der Anmeldebildschirm selbst wartet mit Benutzerbildchen im Playmobil-Stil auf, die einen etwas freundlicheren Eindruck als die früheren Silhouetten machen.
Neuerungen und Verluste
Vor allem bei den Programmen hat sich einiges getan: KDE 3.1 sorgt mit Keramik-Stil für optische Auffrischung des Desktops, und auch GNOME-Liebhaber kommen in den Genuss einer neuen Version (2.2) ihrer Lieblingsumgebung, allerdings erst, wenn sie diese nachinstalliert haben. Dass nicht beide Desktop-Umgebungen zu einer Standardinstallation gehören, ist noch verständlich, die Entscheidung, Mozilla nicht per Default zu installieren, finden wir hingegen etwas unglücklich.
OpenOffice steht dem Anwender jetzt in Version 1.0.1 bei der täglichen Arbeit hilfreich zur Seite. Homebanker haben die Wahl zwischen einer Light-Version von Moneyplex und GnuCash. Bei GnuCash installiert SuSE die Entwicklerversion 1.8.0, die auch HBCI unterstützt.
Unter der Haube werkeln Kernel 2.4.20 und glibc 2.3.2. Entwickler freuen sich über den GNU-C-Compiler in Version 3.3.
Administrativ
Für vergessliche Administratoren hat sich SuSE etwas Besonderes einfallen lassen: Der SuSEWatcher wacht im Hintergrund über erhältliche Updates und informiert den Anwender, wenn es frische Patches gibt.
Das YaST2-Kontrollzentrum bietet wenig Neues, allerdings wurde die Gruppierung der Konfigurationsmodule im Bereich Netzwerk überarbeitet (Abbildung 1).
Einige Neuerungen kamen offenbar erst in letzter Minute hinzu, zumindest wurden Sie nicht mehr in das Konfigurations-Interface von YaST eingefügt. Glaubt man YaST2, werkelt immer noch der inetd als Steuerungsinstanz für die Netzwerkdienste. Tatsächlich installiert SuSE 8.2 jedoch inzwischen den xinetd und behält den inetd nur bei Updates von einer älteren SuSE-Version bei. Es handelt sich allerdings um einen rein optischen Fehler, YaST2 schreibt die Konfiguration brav in die richtige Datei (/etc/xinetd.conf).
Der kleine Versionssprung deutet schon an: Wirklich Großartiges hat sich nicht getan. Für Nutzer, die schnell und unkompliziert viel aktuelle Software auf dem Rechner haben wollen, lohnt sich jedoch ein näherer Blick auf SuSE 8.2.



