Einen schicken Blickfang für den Desktop mag fast jeder – wäre da nur nicht das schlechte Gewissen ob der Nutzlosigkeit solcher Spielereien. Bubblemon und Wmfishtime bieten neben der bunten Erscheinung handfeste Informationen.
deskTOPia
Wie Ihr Linux-Desktop aussieht, bestimmen allein Sie. Mit deskTOPia nehmen wir Sie regelmäßig mit auf die Reise ins Land der Window-Manager und Desktop-Umgebungen, stellen Nützliches und Farbenfrohes, Hingucker und hübsches Spielzeug vor.
Während Desktop-Umgebungen Informationsprogramme aller Couleur schon mitbringen, müssen die Benutzer einfacher Fenster-Manager sich erst einmal nach passenden Anwendungen umsehen. Eine Uhr braucht fast jeder und ein grafischer Systemmonitor ist ein praktisches Gimmick – dementsprechend unüberschaubar ist die Auswahl an Programmen dieses Typs. Die DockAppswmfishtime und bubblemon[1] stechen aus der Masse hervor, erfüllen sie diese trivialen Aufgaben doch auf ausgesprochen kreative Art und Weise.
Sofern Ihr Distributor keine passenden Pakete anbietet, kommt vor dem Vergnügen erst einmal die Fleißaufgabe des Kompilierens.
Die Installation
Um die beiden Anwendungen zu nutzen, sollten Sie einen Window Manager verwenden, der Unterstützung für Dock Applikationen anbietet. Neben WindowMaker [2] kommen u. a. pwm[3] oder waimea[4] in Frage.
Übersetzung und Installation beider Programme erledigen die Befehle make und make install. Letzteres müssen Sie wie üblich als Superuser root ausführen. Ein configure-Skript bringt keines der beiden Programme mit, so dass Sie im Fall von wmfishtime vor dem Kompilieren die Datei Makefile anpassen sollten, um das Programm nach /usr/local/bin statt nach /usr/X11R6/bin zu installieren. Öffnen Sie dazu die Datei Makefile mit dem Editor Ihrer Wahl, und ersetzen Sie die Zeile
PREFIX = $(DESTDIR)/usr/X11R6
durch
PREFIX = /usr/local
Wem die Stunde schlägt
Nach dem Aufruf von wmfishtime & ziert eine analoge Uhr der anderen Art Ihre Arbeitsoberfläche. Der neue Zeitmesser ist ein virtuelles Aquarium (Abbildung 1). Beim Betrachten der in der Seenlandschaft herumschwimmenden Fische kann man die Uhrzeiger im Vordergrund schon mal vergessen.

Abbildung 1: Wmfishtime nach dem Start
Wem es auf dem Beobachtungsposten zu langweilig wird, der kann auch selbst aktiv werden und mit Hilfe des Mauszeigers die Fische in alle Richtungen verscheuchen. Sobald Sie den Zeiger Ihres Schreibtischnagers über wmfishtime bewegen, ergreifen die scheuen Wassertiere die Flucht und kehren erst zurück, wenn die Bedrohung verschwunden ist. Da diese Spielerei im Verbund mit Zeitmessung und Datumsanzeige am unteren Rand wenig Nutzen bietet, hat der Programmautor eine Mail-Benachrichtigungfunktion eingebaut. Diese aktivieren Sie durch den Aufruf
wmfishtime -c &
Wmfishtime überwacht in diesem Fall die Datei, auf welche die Umgebungsvariable MAIL zeigt. Deren Inhalt verrät der Befehl
echo $MAIL
Gewöhnlich hat Ihr Distributor diese Variable auf einen korrekten Wert gesetzt. Wenn neue E-Mail eintrifft, weist wmfishtime mit wucherndem Seetang am unteren Fensterrand darauf hin (Abbildung 2).

Abbildung 2: Wmfishtime überwacht den Eingang neuer Mails
Sobald Sie die E-Mail mit einem Programm Ihrer Wahl abgerufen haben, verschwindet die Vegetation, und Sie haben wieder freien Blick auf die Datumsanzeige. Wer seine Post mit einem Mail-Programm und nicht mit Fetchmail abholt, hat hier jedoch das Nachsehen: wmfishtime informiert ihn nur über den Eingang von System-Mails.
Alle meine Entchen
Um nicht nur Zeit und Post im Blick zu haben, sondern auch die Auslastung des Systems, starten Sie bubblemon. Was kann eine auf einer Wasseroberfläche hin- und herschwimmende Ente denn schon über das System erzählen, fragen Sie sich nach dem ersten Start vielleicht (Abbildung 3).

Abbildung 3: Bubblemon in Aktion
Eine ganze Menge, sofern Sie in bester Naturforscher-Manier genau hinschauen. Im Laufe Ihrer Arbeit ändert sich der Wasserstand, und auch die manchmal das Wasser heftig aufquirlenden Blasen signalisieren etwas. Sicher haben Sie schon erraten, dass die Höhe des Wasserstands den benutzten Speicher Ihres Systems anzeigt. Steigt das Wasser immer höher, erledigt Ihr System gerade eine besonders speicherintensive Aufgabe. Der “Sprudelgrad” dagegen gibt Aufschluss über die CPU-Auslastung. Absolut ruhiges Wasser weist auf einen ebenso ruhigen Zustand Ihres Prozessors hin. Beginnen Sie jedoch mit einer rechenintensiven Aufgabe, etwa dem Kompilieren eines Programms, fängt das Wasser mehr oder weniger heftig an zu sprudeln. Als zusätzlicher Indikator der CPU-Auslastung fungiert die Prozentanzeige unten in der Mitte.
Unter der Oberfläche
Diese Informationen reichen zwar aus, um sich ein grobes Bild vom Zustand des Systems zu machen, aber manchmal will man es doch genauer wissen. Hinter der idyllischen Oberfläche verbergen sich zwei Informationsbildschirme, die hologrammartig eingeblendet werden. Wenn man den Mauszeiger ins bubblemon-Fenster bewegt, erscheint ein Monitor, der im oberen Bereich den System Load in numerischer Form und im unteren Bereich als Verlaufsdiagramm anzeigt (Abbildung 4).

Abbildung 4: System Load-Anzeige von bubblemon.
Halten Sie beim Hineinfahren ins Fenster die [Umschalt]-Taste gedrückt, sehen Sie stattdessen einen Speichermonitor mit unten einem Diagramm und oben dem Wert des benutzten Arbeits- und Auslagerungsspeichers in Kilobytes und in Prozent (Abbildung 5). Bevorzugen Sie die Angaben in Megabytes, starten Sie bubblemon mit dem Parameter -k.

Abbildung 5: Speicher-Monitoring mit bubblemon
Auch für den Fall, dass Sie einen dieser Monitore länger im Auge behalten möchten, ist vorgesorgt. Ein Klick mit der rechten Maustaste ins Fenster fixiert die Anzeige. Aufheben können Sie diesen Zustand, indem Sie kurz mit dem Mauszeiger ins Fenster hinein- und direkt wieder herausfahren. Wenn Sie diese detaillierten Informationen nicht interessieren, schalten Sie sie durch einen Aufruf der Art
bubblemon -c -m &
ab. Der Parameter -c deaktiviert den Systemlastmonitor und -m den Speicherbildschirm. Erscheint Ihnen nur die Ente zu albern, machen Sie ihr mit dem Aufrufparameter -d (für -“duck”) den Garaus.
Immer zu Diensten
Zusätzlich zu all diesen Features hat der Programmautor noch die Möglichkeit eingebaut, durch Klick mit der linken oder der mittleren Maustaste in das bubblemon-Fenster ein Programm Ihrer Wahl zu starten. Dafür geben Sie das oder auch die gewünschten Programme bei dem Start von bubblemon als letzten Aufrufparameter an. Am besten verdeutlicht dies ein Beispiel. Der Aufruf
bubblemon -k sylpheed "xterm -e vim"
bewirkt folgendes: Wenn man mit der linken Maustaste in das bubblemon-Fenster klickt startet das Mail-Programm sylpheed, klickt man mit die mittleren, startet ein Kommandozeilenfenster xterm, in dem der Editor vim läuft. Da im zweiten Befehlsaufruf Leerstellen vorkommen, muss man ihn in Anführungszeichen setzen.
Was wäre eine Ente, die nicht quaken kann? Der Programmautor hat vorgesorgt: Im Unterverzeichnis misc des Quellcodes von bubblemon liegen die Datei wak.wav, die beim Abspielen ein Quakgeräusch ertönen lässt, und ein Shell-Skript mit dem lautmalerischen Titel wakwak.sh. Letzteres verwendet das Kommando play aus dem Paket sox, das Sie eventuell nachinstallieren müssen. Mit dem Befehl
chmod +x wakwak.sh
machen Sie das Skript ausführbar, mit einem Editor sollten Sie anschließend noch den vollständigen Pfad zur Datei wak.wav hineinschreiben. Wenn Sie bubblemon nun mit wakwak.sh als Parameter starten, können Sie Mitarbeiter im selben Raum mit einem einfachen Mausklick auf bubblemon durch fröhliches Gequake in den Wahnsinn treiben.
Kasten 1: Aquarium und Ententeich für immer@KL:Natürlich will man die nützlichen Helferlein nicht bei jedem Systemstart einzeln aufrufen. Für Abhilfe sorgt ein Eintrag in der Datei <I>.xinitrc<I> oder – je nach Konfiguration – in <I>.xsession<I> im Home-Verzeichnis. Unter SuSE 8.1 beispielsweise fügen Sie die beiden Aufrufe einfach in die <I>.xinitrc<I> unterhalb der Zeile “# Add your own lines here…” ein:
bubblemon wakwak.sh & wmfishtime -c &
Nutzen Sie die Applikationen unter WindowMaker, haben Sie es noch einfacher. Klicken Sie mit der mittleren Maustaste auf den Fensterrand, und ziehen Sie das Fenster nach rechts ins Dock. Mit einem Rechtsklick auf den Fensterrand öffen Sie das Kontextmenü, aus dem Sie den Punkt Settings auswählen. Im folgenden Einstellungsmenü tragen Sie Ihre Programmaufrufe in das Feld Application path and arguments ein, setzen einen Haken vor die Option Start when Window Maker is started und bestätigen die Auswahl mit Klick auf OK. Von nun an erledigt WindowMaker das Starten der DockApps.
Glossar
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DockApps
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Ursprünglich vom Fenster-Manager WindowMaker stammende kleine Anwendungen, die in angedockter Form am Bildschirmrand laufen. Von der Größe her mit GNOME Panel Applets vergleichbar, gibt es für fast jeden Zweck eine Dock Applikation. DockApps sind so beliebt, dass sie inzwischen auch von anderen Fenster-Managern unterstützt werden.
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System Load
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Der auch als Systemlast bezeichnete Wert berechnet sich aus der Anzahl der Prozesse, die innerhalb eines bestimmten Intervalls entweder auf die CPU oder die Festplatte warten mussten. Auf Desktop-Systemen liegt der System Load meistens unter 2.
Infos
[1] http://www.ne.jp/asahi/linux/timecop/
[2] Joachim Moskalewski: “Fensterbauer”, LinuxUser 09/2000, S. 64, http://www.linux-user.de/ausgabe/2000/09/064-desktopia/wmaker.html
[3] Joachim Moskalewski: “Schlicht ausgeklügelt”, LinuxUser 01/2002, S. 57
[4] Andrea Müller: “Aloha Waimea”, LinuxUser 01/2003, S. 64




