Die Textverarbeitung

Auf den ersten Blick macht die Textverarbeitung einen soliden Eindruck. Bei der täglichen Arbeit vermisst man jedoch schnell die eine oder andere Funktion. Bei der Wahl eines neuen Dokumentes existieren keinerlei Vorlagen – diese unterstützt übrigens keine der drei ThinkFree-Anwendungen. Die einzigen beiden fest eingebauten Typen "Dokument" und "Web-Dokument" unterscheiden sich nicht voneinander.

Des Weiteren vermissen wir neben Eingabehilfen, die über die automatische Erkennung und Formatierung eines Internet-Links hinaus gehen, auch einen Thesaurus und die Silbentrennung. Ebenfalls wünschenswert wäre eine Rechtschreibkorrektur im Hintergrund, wie sie in anderen Programmen längst üblich ist.

Das Einbinden von Bildern gelingt nur unverändert: Selbst einfache Bildmanipulationen, wie Drehen oder Spiegeln muss eine externe Bildbearbeitung übernehmen. Lediglich eine Anpassung der Größe, Dehnen und Stauchen sind möglich. Auch ein Textumfluss kann nicht definiert werden. Offenbar behandelt ThinkFree Bilder ähnlich wie Textzeichen. Wer z. B. Buchstaben über einer Grafik plazieren möchte, geht leer aus. Dafür lässt sich eine Imagemap komfortabel anlegen: Hierzu zieht man mit der Maus einen Rahmen um die gewünschten Regionen auf, der anschließend mit einer Internet-Adresse verknüpft wird.

Auch bei der Anzeige von Bildern zeigte sich ThinkFree nicht ganz problemfrei: In einigen Fällen war die Darstellung nicht korrekt, in anderen fehlten die Bilder plötzlich ganz. Grafische Elemente wie einfache Rechtecke oder Kreise werden nicht angeboten. Immerhin darf sich der Benutzer ein paar bunte Pfeile aus der gut bestückten ClipArts-Sammlung aussuchen.

Die mageren Formatierungsfunktionen machen auch vor den Zeichen nicht halt. Bunte Logos oder aufwendig gestaltete Titelzeilen sind nicht möglich. Immerhin lassen sich die Buchstaben nebst ihrem Hintergrund einfärben und mit einem Rahmen versehen – eine solche Formatierung erstreckt sich allerdings stets über die gesamte Breite einer Zeile.

Abbildung 3: Der Stylist speichert Formatierungen, die sich später einfach wieder abrufen lassen. Einige der Formatierungen (z. B. der gelbe Hintergrund) beziehen sich immer nur auf die komplette Zeile

Die Mängelliste lässt sich noch fortsetzen: Fußnoten nebst Kopf- und Fußzeilen glänzen durch komplette Abwesenheit, und mehrere Spalten müssen umständlich mit den minimalistischen Tabellenfunktionen oder Tabulatoren simuliert werden. Letztere existieren nicht in mehreren Typen, so dass Text an ihnen zwangsweise linksbündig ausgerichtet wird.

Eine interessante Funktion haben wir dann doch noch entdeckt: Unter dem Menüpunkt "Frames" lassen sich die Dokumentenfenster in mehrere Teile aufsplitten und so verschiedene Dokumente oder Teilbereiche gleichzeitig einsehen. Gerade bei großen Dateien kann die Arbeit so erleichtert werden. Als kleines Schmankerl können diese Fenster als HTML-Frameset exportiert werden.

Während der gesamten Arbeit mit Write hat man das Gefühl, eher einen Internet-Seiten-Editor als eine Textverarbeitung vor sich zu haben. So bieten viele Dialoge an, HTML-spezifische Attribute einzustellen oder zusätzliche "Tags" (HTML-Befehle) mit anzugeben. Dies erklärt auch, warum Write bei Serienbriefen, Inhaltsverzeichnissen oder Formeln passen muss. Alles, was über einfache Dokumente hinaus geht, ist nicht sein Ding.

Tabellenkalkulation

Im Vergleich zur Textverarbeitung ist die Tabellenkalkulation ThinkFree Calc etwas besser ausgestattet, kann aber nicht mit dem Konkurrenten aus StarOffice mithalten. So fehlen insbesondere Funktionen, die beim Auswerten und Ausfüllen großer Tabellen helfen. Zudem stören auch hier immer wieder kleinere Unzulänglichkeiten: So existieren bei den Datumsformatierungen ausschließlich amerikanische Darstellungsformen. Eigene Formate lassen sich nur über den Typ "Custom" definieren.

Abbildung 4: Die Tabellenkalkulation ThinkFree Calc in Aktion – unterhalb der Tabelle wurde ein Diagramm eingefügt

Der Funktionsassistent sollte dem Benutzer beim Erstellen von komplexen Bedingungen und Formeln hilfreich zu Seite stehen. In Calc ist er in der Praxis unbrauchbar, da er lediglich die vorhandenen Funktionen nach Kategorien ordnet. Eine Möglichkeit, mehr als eine Funktion anzuwenden, fehlt ebenso wie eine Beschreibung der jeweils ausgewählten Funktion. Letztere findet sich nur in der Online-Hilfe, die man aber bei geöffnetem Assistenten nicht benutzen kann. Zu allem Überfluss tauchen einige der angebotenen Formeln gar nicht erst in der Hilfe auf oder sind dort ausgeschwärzt (siehe Abbildung 5).

Abbildung 5: Die Hilfe von Thinkfree ist ziemlich wortkarg und erklärt nicht alle Funktionen, wie hier an den ausgeschwärzten Punkten zu erkennen ist

Fröhlicher stimmen da schon der gut ausgestattete Diagrammassistent und die Möglichkeit, auch beliebige, nicht zusammenhängende Zellen zu markieren. ThinkFree Calc ist übrigens die einzige Komponente des Office-Pakets, die das Anlegen von Kopf- und Fußzeilen auf dem Ausdruck erlaubt.

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