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Mobile Präsentationen

PoqetPresenter

01.05.2003 Wie üblich entstand der Vortrag erst am Abend vor dem großen Auftritt – jetzt wäre es gut, ihn in der S-Bahn nochmal durchzugehen. Wenn Sie einen Sharp-Zaurus-PDA Ihr Eigen nennen, kein Problem: PoqetPresenter spielt mit OpenOffice Impress erstellte Diashows auf dem PDA ab.

Neben dem wenig überzeugenden HancomPresenter [1] zum Betrachten von MS-Powerpoint-Dateien gibt es mit PoqetPresenter [2] seit kurzem ein Programm, das OpenOffice-Impress-Präsentationen auf dem Sharp Zaurus anzeigt. Noch fehlt zwar eine Editierfunktion, doch stehen die Chancen gut, dass das Präsentationsprogramm in zukünftigen Versionen um die Fähigkeit zum Bearbeiten der Folien erweitert wird. Wir testeten PoqetPresenter auf einem Zaurus mit der Original-Sharp-Software.

Installation

Auf der Projekt-Homepage stellt der Autor ein fertig geschnürtes Paket namens poqetp_0.0.6_arm.ipk zur Verfügung. Das darin enthaltene Programm ist mit 864 kByte sehr groß und sollte daher am besten auf einer CompactFlash- oder SD-Karte Platz finden, um den internen Speicher des PDAs nicht unnötig zu belasten. Zusätzlich benötigen Sie die Bibliothek zlib [3] für die Dekomprimierung der Daten aus der Präsentation.

Am einfachsten geht die Installation mit dem Qtopia Desktop [4] vom Linux-PC aus. Sie kopieren die einzuspielenden Programmpakete ins Local Package Repository (normalerweise das Verzeichnis ~/qtopia-local), stecken den Zaurus in seine Cradle und wählen das Symbol Add/Remove Software im Hauptfenster des Desktops (Abbildung 1). Für den Fall, dass die Verbindung zwischen Desktop und Zaurus nicht automatisch funktioniert, finden Sie in Kasten 1 eine Anleitung, wie Sie sie manuell aufbauen.

Abbildung 1: Programme installieren mit Qtopia Desktop

Der rechte Teil des Programmfensters listet alle Softwarepakete auf dem Zaurus, im Local Package Repository und in den Feeds auf, die Qtopia Desktop durchsucht. Nicht eingespielte Pakete kennzeichnet ein roter Punkt. Zur Installation markieren Sie die Programmpakete zlib und poqetp und klicken auf das Symbol Install in der Werkzeugleiste. Anschließend finden Sie das PoqetPresenter-Symbol auf dem Zaurus im Anwendungen-Tab von Qtopia.

Kasten 1: Keine Verbindung zum Zaurus

Manche Linux-Distributionen erkennen den Zaurus nicht automatisch, wenn er in seine Cradle gesteckt wird. In diesem Falle müssen Sie dem Linux-Kernel ein Modul hinzufügen, das eine Netzwerkverbindung über das USB-Kabel ermöglicht. Als root geben Sie dazu in einem Terminalfenster den Befehl insmod usbdnet ein. Anschließend konfigurieren Sie das Netzwerk auf der USB-Verbindung mit dem Befehl ifconfig usb0 192.168.129.200 netmask 255.255.255.255 und legen eine route fest, damit der PC den Zaurus findet: route add -host 192.168.129.201 usb0. Jetzt sollte das Steckersymbol unten rechts in der Statuszeile von Qtopia Desktop von rot auf grün wechseln und die Verbindung damit hergestellt sein. Um das Koppeln von PC und Zaurus zu vereinfachen, bietet es sich an, die nötigen Befehle in ein kleines Skript zu packen, das Sie dann zum Verbinden von PC und PDA aufrufen.

Nach dem Programmstart gibt sich der Presenter spartanisch; er zeigt einen leeren Bereich für die Präsentationen, eine Werkzeug- und eine Menüleiste. Durch Auswahl von File / Open aus dem Menü laden Sie eine OpenOffice-Impress-Präsentation. Daraufhin zeigt PoqetPresenter die erste Folie an (Abbildung 2).

Abbildung 2: PoquetPresenter

Folie für Folie

Text und Grafiken stellt das Programm korrekt dar, auch Farbverläufe gibt es richtig wieder. Wegen der eingeschränkten Schriftauswahl auf dem Zaurus kommt es gelegentlich zu Darstellungsfehlern, bei denen sich Textfelder überlagern. Auch mit einigen Sonderzeichen hat PoqetPresenter Probleme.

Mit dem Schieberegler unter der Folie oder den Pfeilbuttons in der Werkzeugleiste blättern Sie durch die Präsentation. Die Vergrößerung stellen Sie in der Liste magnification im unteren Fensterbereich ein.

Praktischerweise zeigt das Programm Folien auch im Querformat an (Abbildung 4) und blendet dabei alle anderen Bildschirmelemente aus. So lassen sich kleinere Texte deutlich besser lesen als im Hochformat. Um die Folie zu drehen, wählen Sie Fullscreen Mode aus der Liste mit den Vergrößerungsstufen. Zum Blättern im Vollbildmodus dient die Cursortaste.

Abbildung 3: Die Original-Präsentation in OpenOffice Impress…

Abbildung 4: … im Querformat auf dem Zaurus

Über die Karteireiter am unteren Fensterrand erreichen Sie Seiten mit weiteren Informationen zur geöffneten Datei. Hinter dem Reiter Notes verbirgt sich ein Textfeld, das die Notizen anzeigt, die Sie sich beim Erstellen der Präsentation zu den einzelnen Folien gemacht haben (Abbildung 5). Dummerweise fügt das Programm dabei keine Zeilenumbrüche ein, so dass die Anwenderin gezwungen ist, den Notizentext zum Lesen horizontal zu scrollen.

Abbildung 5: Notizen zur Präsentation

Hinter dem Reiter Meta schließlich finden Sie Informationen zum Aufbau der Datei, zur Sprache und zum Erstellungsdatum.

Mit dieser Funktionsausstattung eignet sich PoqetPresenter zum Betrachten kleinerer Dateien, die nicht besonders grafiklastig sind. Sollte Ihnen das zu wenig erscheinen, lohnt es sich dennoch, das Programm im Auge zu behalten: So plant der Autor die Darstellung eingebetteter Text- und Tabellendokumente.

Glossar

Feed

Ein Verzeichnis auf einem Web-Server, das Programmpakete für den Zaurus bereit hält. Die Pakete lassen sich direkt aus dem Web installieren.

Qtopia

Die von der norwegischen Firma Trolltech geschriebene grafische Oberfläche des Sharp Zaurus.

Modul

Ein Modul erweitert den Linux-Kernel um Funktionen, die nicht immer benötigt werden und deshalb nicht fest einkompiliert sind.

Infos

[1] Frank Wieduwilt: "Das Westentaschenbüro", LinuxUser 02/2003, S. 66 ff.

[2] http://poqetp.sourceforge.net/

[3] http://www.killefiz.de/zaurus/showdetail.php?app=386

[4] http://www.trolltech.com/download/qtopia/

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LinuxUser 06/2012

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