Distri-Bits

01.05.2003

Überall spießt, wächst und gedeiht es im Linux-Universum; neue Knospen, Blüten und Früchte, wohin das Auge blickt. Da kommt Freude auf im Wonnemonat!

Wurzeln

Nach drei Pre-Release-Versionen ist es nun geschafft: Distributionsgroßmutter Slackware ([1], http://www.slackware.com/) liegt in der neuen Version 9.0 vor. Sie basiert auf dem Kernel 2.4.20; als Compiler kommt der GCC 3.2.2 zum Einsatz. KDE 3.1, GNOME 2.2 und XFree86 4.3.0 sorgen – so gewünscht – für die grafische Oberfläche. Die Entstehungsgeschichte dieser Version lässt sich im Changelog unter http://www.slackware.com/changelog/current.php?cpu=i386 nachlesen.

Während Patrick Volkerdings Distribution dieses Jahr bereits ihr zehnjähriges Jubiläum feiert und damit die älteste Linux-Distribution ist, die sich aktuell noch in Entwicklung befindet, tut sich auch etwas in der deutschen Slackware-User-Gemeinde: Anfang des Jahres durfte die deutschsprachige Projektseite unter http://www.slackforum.de/ auf ihr einjähriges Bestehen zurück blicken.

Früchte und neue Triebe

Nicht die großen, kommerziellen Distributionen waren der Star der CeBIT vom 18. bis 24. März 2003 in Hannover, sondern die neue Version 3.2 der Ein-CD-Distribution Knoppix (http://www.knopper.net/knoppix/). Ihr Schöpfer Klaus Knopper am Rheinland-Pfalz-Stand war ein heißbegehrter Gesprächspartner, und wo immer es Knoppix-CDs gab (unter anderem auf der KDE-Präsenz am Open Booth im Linuxpark), gingen die weg wie warme Semmeln.

Knoppix 3.2 enthält KDE 3.1, Evolution 1.2.1, OpenOffice 1.0.2 und KOffice 1.2.1. Die Distribution bietet die Möglichkeit, auf dem Gastrechner ein eigenes Home-Verzeichnis einzurichten("persistent home", siehe auch [2]), und eine neue Boot-Option sorgt dafür, dass die persönliche Konfiguration nicht nur auf Diskette, sondern auch auf Festplatte oder einem Memory Stick gespeichert werden kann.

Per default fährt nach dem Booten der KDE-Desktop hoch, und das will ein gerade gestartetes Projekt ändern: Gnoppix soll eine auf Knoppix basierende CD-Distribution für GNOME-Benutzer werden. Außer dem Austausch des Standard-Desktops planen Alexander Wirt und Andreas Müller mit ihrem Team ein grafisches Werkzeug, das eine einfache Installation auf der Festplatte ermöglicht.

Die Hardware-Erkennung wird das Programm discover übernehmen. Damit rückt auch eine Gnoppix-Version für PowerPCs in den Bereich des Möglichen.

Die Gnoppix-Homepage http://www.gnoppix.org/ gibt unter anderem Antwort auf die Frage, wann die erste Version erscheinen wird: Geplant ist eine auf GNOME 2.2 basierende Ausgabe zur Jahresmitte, spätestens zum Linuxtag 2003. Snapshots oder ähnliche Vorversionen standen zum Redaktionsschluss noch nicht zum Download zur Verfügung.

Zweige

Knoppix ist praktisch, doch auf eine CD im Scheckkartenformat passt die Distribution nicht. Diese Lücke will Marcus Möller mit miniwoody 1.0 schließen. Die kleine Distribution auf der Basis von Debians stabiler Ausgabe woody will die Größenbeschränkung von 180 MB für 8-cm-CD-Rohlinge nicht überschreiten und dennoch eine Installationsbasis für ein vollwertiges Betriebssystem zur Verfügung stellen.

Obwohl einige Hilfe geboten wird, sollten interessierte Anwender vorab wissen, wie eine Debian-Installation abläuft und wie der Internet-Zugang unter dieser Distribution zu konfigurieren ist. Als Desktop-Umgebung liegt zwar KDE 3.1.0 bei, aber nur eine Teilmenge: Auf die großen Multimedia-Anwendungen, Spiele usw. wurde verzichtet, um Platz zu schaffen.

Das ISO-Image für miniwoody liegt unter ftp://miniwoody:miniwoody@miniwoody.mine.nu/ zum Download bereit.

Abbildung 1: Der miniwoody-Desktop

Blütenzauber

Wer Linux auf der PlayStation 2 (PS2) von Sony installieren möchte, wird bei der Firma xRhino fündig: Deren Distribution BlackRhino GNU/Linux liegt aktuell in der Version 1.0 vor. Wie der Name vermuten lässt, basiert BlackRhino auf Debian.

Voraussetzung für die Installation ist das Linux-Kit für die PS2 von Sony, das aus der Konsole einen PC mit Festplatte, Tastatur, Maus usw. macht. BlackRhino GNU/Linux 1.0 enthält über 1200 Software-Pakete und lässt sich weiter ausbauen. Kostenloser Download, eine FAQ, ein Howto und weitere Informationen finden sich auf Web-Seite http://blackrhino.xrhino.com/.

Exotische Pflanzen

Dem Reiz von Apples neuen PowerBook-Laptops können sich auch immer mehr Linuxer nicht entziehen. Doch mag MacOS X noch so ein schickes Unix sein – manchmal schlägt das Heimweh trotzdem wieder zu. Mit Yellow Dog Linux 3.0 schickt Terra Soft Solutions (http://www.yellowdoglinux.com/), der bekannteste kommerzielle Linux-Distributor für PowerPCs, ein Dreivierteljahr nach der letzten Ausgabe 2.3 endlich eine neue Version ins Rennen.

Abbildung 2: Anaconda, der Installer von Yellow Dog Linux 3.0

Auf drei Binär- und drei Sourcen-CDs verteilt sich die Red-Hat- und RPM-basierte Distribution, die vom roten Hut sowohl das einheitliche Aussehen des GNOME-2.2- und KDE-3.1-Desktops namens "Wonderland" alias "Bluecurve" als auch den Anaconda-Installer erbt (Abbildung 2). Mit Mac-On-Linux 0.9.68 (http://www.maconlinux.org/) lassen sich sowohl Mac OS X als auch ältere Mac-OS-Versionen unter XFree86 4.3 starten, so dass der Zugriff auf essentielle Mac-Anwendungen auch unter Linux erhalten bleibt. Als Kernel kommt Linux 2.4.20 zum Einsatz, für die Übersetzung des Quellcodes sorgt die GNU Compiler Collection 3.2.1.

Ab dem 16. April sollen die Boxen (ab 25 USD für das reine CD-Set bis hin zur T-Shirt-Handbuch-Installationssupport-Ausgabe zu 85 USD) lieferbar sein. Ob deutsche Yellow-Dog-Distributeure wie Linuxland und J.F.Lehmanns Fachbuchhandlung die Distribution wieder ins Programm nehmen, war zu Redaktionsschluss noch unbekannt. Zu hoffen steht, dass der Yellow-Dog-FTP-Server (und damit auch die unter http://www.yellowdoglinux.com/resources/ftp_mirrors.shtml gelisteten Spiegel-Server) nach Erscheinen dieses Hefts wieder die traditionelle Download-Möglichkeit bieten.

Frische Bambussprossen

Allen finanziellen Problemen zum Trotz hat Mandrakesoft (http://www.linux-mandrake.com/) mit Mandrake 9.1 (Codename Bamboo) eine neue Distribution freigegeben. Diese bleibt dem Prinzip der Benutzerfreundlichkeit treu und bietet unter anderem ACPI-Support, die Möglichkeit, NTFS-Partitionen in der Größe zu verändern, sowie eine verbesserte Netzwerkkonfiguration.

Beim Design der beiden bekanntesten Oberflächen, KDE und GNOME, geht der Distributor aus Frankreich einen ähnlichen Weg wie Red Hat und vereinheitlicht das Design sowie die Menüstruktur. Mandrake 9.1 basiert auf Kernel 2.4.21 und enthält XFree86 4.3, KDE 3.1, GNOME 2.2 sowie OpenOffice 1.0.2.

Drei Varianten sind verfügbar: Standard, PowerPack und ProSuite. Die Standard Edition mit zwei CDs kostet 39 Euro, die PowerPack-Version mit sieben CDs 69 Euro, und die ProSuite Edition, die zusätzlich eine DVD enthält, 199 Euro.

Reif

Seit Anfang April stapeln sich im Fachhandel die Kartons mit SuSE Linux 8.2. Die neue Version des Nürnberger Distributors, die auch über http://www.suse.de/ erhältlich ist, basiert auf dem 2.4.20er Kernel und XFree86 4.3. Für den Desktop liegen u. a. KDE 3.1 und GNOME 2.2 bei.

Homebanker und Trader werden Moneyplex 2002 und ActiveTrader interessant finden. Bei GNOME ist GNU Cash dabei, das auch den HBCI-Standard ("Home Banking Computer Interface") erfüllt. Das von SuSE optimierte OpenOffice 1.0.2 enthält neben einer Sammlung von Formatvorlagen jetzt auch eine Schnellstartfunktion.

YaST2 kommt in neuer Optik daher und kann noch während der Installation aktuelle Sicherheitspakete, sofern vorhanden, vom SuSE-Server ziehen und mitinstallieren. ISDN-Nutzer dürften sich über erweiterte Funktionen freuen, die jetzt auch über YaST2 steuerbar sind.

Auch an die Laptop-Nutzer wurde gedacht. Ihnen dient ein Profilmanager zur Verwaltung mehrerer System-Konfigurationen. Damit können Anwender, die ihr Notebook in unterschiedlichen Rechnerumgebungen nutzen, mit einem Knopfdruck Peripheriegeräte wie Drucker, Scanner und Netzwerkkonfiguration an das jeweilige Umfeld anpassen.

SuSE bietet die Distribution wieder in zwei Ausgaben an: Der empfohlene Verkaufspreis für die Heimanwenderversion SuSE Linux 8.2 Personal, bestehend aus drei CDs, Benutzerhandbuch und 60 Tagen Installationssupport, liegt bei 49,90 EUR. Die SuSE Linux 8.2 Professional (fünf CDs, zwei DVDs, Benutzer- und Administratorenhandbuch, 90 Tage Installationssupport) ist für 79,90 EUR zu haben. Das SuSE Linux 8.2 Professional Update kostet 49,90 EUR. (Marianne Wachholz/Patricia Jung/pju)

Abbildung 3: SuSE Linux 8.2 Professional

Infos

[1] Patricia Jung, Hans-Georg Eßer: "Handgemacht", LinuxUser 01/2002, S. 34 ff.

[2] Marianne Wachholz: "Distri-Bits", LinuxUser 02/2003, S. 20

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