SuSE für Windows-Umsteiger

Aus LinuxUser 04/2003

SuSE für Windows-Umsteiger

Rundum-Sorglos-Paket

Wir schreiben es immer wieder: Die Installation von Linux ist einfach und in wenigen Minuten zu erledigen. Auf Rechnern mit vorinstalliertem XP weigert sich aber noch die NT-Partition zu schrumpfen, und nach der Installation fehlen vielen Anwendern die gewohnten Microsoft-Office-Programme. SuSE Office Desktop löst beide Probleme.

Wer Windows-NT-Partitionen verlustfrei verkleinern wollte, musste bisher vor der Linux-Installation mit einem Partitionierer wie Partition Magic an die Platte gehen – der SuSE Office Desktop liefert ein ähnliches Tool namens Acronis OS Selector 8.0 mit. Von den vier CDs in der Box belegt es eine für sich: Diese ist boot-fähig, alternativ kann das Programm aber auch unter Windows gestartet werden.

Für unseren Test haben wir einen aktuellen Standard-Noname-PC verwendet und für Windows XP eine einzige Partition angelegt, die die gesamte Platte füllt: Das ist das typische Schreckensszenario für eine Linux-Installation, denn die eingebauten Repartitionierer von SuSE und Mandrake Linux kommen mit der NT-Partition nicht klar und verweigern die Installation.

Spaß mit Seriennummern

Nach Einlegen der OS-Selector-CD wird von dieser CD gebootet. Das Programm benötigt zwingend eine FAT-Partition, und so ist der erste Schritt, nach Eingabe der 25-stelligen Seriennummer die bestehende XP-Partition ein wenig zu verkleinern und eine 15-MB-FAT-Partition anzulegen. Dieser Schritt ist automatisch und kann auch nicht angepasst oder übersprungen werden. Danach bootet das System automatisch neu von CD, und im Programm darf zum zweiten Mal der 25-Zeichen-Schlüssel eingegeben werden. Diesmal erkennt das Programm die FAT-Partition, installiert sich dort und im Master Boot Record und fordert zum erneuten Start – diesmal ohne CD – auf.

Abbildung 1: OS Selector schafft Platz für eine kleine FAT-Partition

Abbildung 1: OS Selector schafft Platz für eine kleine FAT-Partition

Jetzt startet der Boot-Selektor aus dem Boot-Sektor heraus und scannt (nur beim ersten Start) die vorhandenen Partitionen. Für die XP-Partition können Sie nun einen Namen vergeben, aus der Liste können Sie zum Beispiel “Windows XP Home” auswählen. Danach landen Sie im Boot-Menü, das hier die Optionen Windows und Start von Boot-Diskette anbietet. Es soll aber Platz für Linux geschaffen werden, und dazu wählen Sie den Menüpunkt Extras/Disk Administrator.

Partitionierung

Es erscheint eine Übersicht der Partitionen, bereits markiert ist die NT-Partition C:, und über Partition/Größe ändern rufen Sie einen Dialog auf, in dem Sie die Größe anpassen können. Die Partition kann dabei wahlweise von vorne oder von hinten verkleinert werden; einfacher ist es sicher, hinten Platz abzuschneiden, weil dann keine Daten auf der Platte verschoben werden müssen. Dazu ziehen Sie einfach mit der Maus das Partitionsende nach links; alternativ können Sie im Feld Größe die neue Größe für die XP-Partition angeben. Per Mausklick auf OK schließt sich das Fenster; die Änderungen werden aber erst durchgeführt, wenn Sie auch die Partitionsliste mit OK verlassen und in der folgenden Sicherheitsabfrage Ja wählen.

Abbildung 2: In der Übersicht steht ganz oben die zu verkleinernde NTFS-Partition

Abbildung 2: In der Übersicht steht ganz oben die zu verkleinernde NTFS-Partition

Abbildung 3: Die neue Größe für die NT-Partition auswählen

Abbildung 3: Die neue Größe für die NT-Partition auswählen

Der Repartitionierungschritt einer 20-GB-Partition auf 10 GB war in fünf Sekunden erledigt, und danach startete der Boot-Manager neu. An dieser Stelle kann die SuSE-Installations-CD eingelegt werden.

SuSE 8.1 installieren

Hinter den drei SuSE-CDs verbirgt sich ein normales SuSE Linux 8.1 Personal. Dank der bereits geleisteten Partitionierungsarbeit findet YaST den freien Platz, und Sie können den Partitionierungsvorschlag übernehmen. Passen auch die übrigen Angaben, installieren Sie das System in wenigen Minuten mit den Standardeinstellungen, dazu werden die ersten beiden CDs benötigt. Mit der Standardinstallation wird der OS Selector wieder überschrieben, da SuSE den Boot-Loader GRUB in den Master Boot Record schreibt – das ist aber nicht weiter tragisch, da er seinen Zweck schon erfüllt hat.

Über SuSE Linux selbst soll an dieser Stelle nicht viel gesagt werden; einen ausführlichen Test können Sie in Ausgabe 12/2002 nachlesen.

Abbildung 4: SuSE Office Desktop nach der Installation

Abbildung 4: SuSE Office Desktop nach der Installation

Microsoft Office einrichten

Interessant ist nun noch die zweite Beigabe zum Office-Desktop-Paket, die Windows-Emulation CrossOver Office. Klicken Sie auf das Assistent-Icon und wählen Sie dann Microsoft Software installieren. Beim ersten Aufruf dieser Funktion wird CrossOver Office eingerichtet. Die CrossOver-Dateien landen dabei im Unterverzeichnis cxoffice Ihres Home-Verzeichnisses. Aus einer Liste von Programmpaketen wählen Sie die Software aus, die Sie einrichten wollen, zum Beispiel Microsoft Office. Klicken Sie dann auf Add. Nach Einlegen der CD und Auswahl des CD-Devices wird die Office-CD gemountet und das Installationsprogramm gestartet.

Abbildung 5: Installation von Microsoft Office 2000

Abbildung 5: Installation von Microsoft Office 2000

Die eigentliche Office-Installation läuft exakt so ab, wie Sie das von Windows kennen; es dauert nur alles ein wenig länger als gewohnt. Am Ende werden Sie aufgefordert, den Rechner neu zu starten – das können Sie problemlos bestätigen, handelt es sich doch nur um einen Neustart der Windows-Emulation. Ohne Wartezeit geht es sofort weiter, und die Office-Installation wird abgeschlossen. Es folgt noch ein “Windows Update”, danach können Sie die Zuordnung von Standardprogrammen zu Dokumenttypen anpassen und schließlich das CrossOver-Installationsprogramm schließen.

Abbildung 6: Übersicht der installierten Windows-Programme und TrueType-Fonts

Abbildung 6: Übersicht der installierten Windows-Programme und TrueType-Fonts

Auf dem Desktop finden Sie nun ein neues Icon Internet Explorer: Dieser ist nämlich bei Microsoft Office enthalten. Die eigentlichen Office-Programme Word, Excel und Outlook finden Sie im KDE-Startmenü unter Windows Applications/Programs/. Ein kurzer Test mit Word zeigt, dass die Integration sehr gut gelungen ist: Word startet trotz Emulation in wenigen Sekunden – das ist deutlich schneller als etwa der Start von StarOffice. Ein 600-Seiten-Word-Dokument ließ sich problemlos öffnen und bearbeiten. StarOffice zeigte sich beim Einlesen des gleichen Dokuments deutlich zäher, aber der Vergleich ist natürlich nicht fair: Während Word sein eigenes Dokumentenformat lesen durfte, ist es für StarOffice ein Fremdformat. Nach Speichern im nativen StarOffice-Format konnte die Datei schneller gelesen werden, im Vergleich war Word aber immer noch schneller.

Abbildung 7: Bei eingerichtetem Internet-Zugang lässt sich der Internet-Explorer sofort nutzen

Abbildung 7: Bei eingerichtetem Internet-Zugang lässt sich der Internet-Explorer sofort nutzen

Abbildung 8: Mit Word läuft trotz Emulationsschicht auch die Verarbeitung großer Word-Dokumente zügig ab

Abbildung 8: Mit Word läuft trotz Emulationsschicht auch die Verarbeitung großer Word-Dokumente zügig ab

Wichtige Komfort-Funktionen wie Copy & Paste zwischen Windows- und Linux-Anwendungen und die Verwendung des Mausrads zum Scrollen in Word-Dokumenten oder Web-Seiten im Internet Explorer funktionieren.

Runde Sache

Mit 129,90 Euro ist SuSEs Office Desktop kein Schnäppchen. Für den hohen Preis erhält man aber ein umfassendes Paket, das die zwei häufigsten Probleme von Windows-Linux-Umsteigern löst: Die Partitionierung von NTFS-Partitionen und der Einsatz der beliebtesten Windows-Programme werden hier komfortabel ermöglicht.

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