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Auf die Röhre geschaut

Pipeline-Bildschirmschoner unter Linux und Windows im Vergleich

01.04.2003 Bildschirmschoner stellen heutzutage neben Hochleistungs-3D-Spielen die einzige Möglichkeit dar, die Gesamt-Performance des Rechners auszunutzen. Doch Pipeline ist nicht gleich Pipeline, wie unser Test zeigt.

Moderne Rechner sind für die alltägliche Anwendung völlig überdimensioniert, Prozessoren jenseits der Zwei-Gigahertz-Grenze werden faktisch nur noch im Leerlauf betrieben. Besonders kritisch ist dies bei Büro-PCs: Während im Heimbereich hin und wieder Spiele den Prozessor richtig durchheizen, bleibt die CPU im Büro meist nur lauwarm. Abhilfe bringen Temperatur-gesteuerte Lüfter, die ihre Drehzahl stets so einregulieren, dass die CPU immer mit voller Betriebstemperatur läuft.

Auf PCs mit starren Kühlsystemen muss man sich einiger Tricks bedienen, um den Rechner zumindest hin und wieder auszulasten. Am besten eignet sich dafür ein anspruchsvoller Bildschirmschoner – anders als ein stets im Hintergrund laufender Prozess mit konstanter Leistungsaufnahme stört der Bildschirmschoner nicht den normalen Arbeitsfluss, sondern nutzt die Pausen.

Vorreiter Windows

Unter Windows war die Rechner-Auslastung noch nie ein Problem: Bereits unter Windows 95 waren die Bildschirmschoner sehr aufwendig gestaltet und hielten den Prozessor auf Trab. Das machte sich insbesondere beim CD-Brennen bemerkbar, wenn der Bildschirmschoner startete und durch die Rechenlast der Datenpuffer des Brenners leer lief – die CD war dann unbrauchbar. Abhilfe schaffte die Einführung von BURNPROOF, dem Puffer-Leerlauf-Schutz in den Brennern.

Unter Linux scheiterte die Programmierung besonders aufwendiger Bildschirmschoner lange Zeit an den nicht unterstützten 3D-Funktionen der Grafikkarten. Inzwischen gehört 3D-Support jedoch zum guten Ton jeder Distribution, so dass sich etwa "Pipes" aus dem Bildschirmschoner-Paket xscreensaver der SuSE Linux Professional 8.1 auf fast jedem Rechner ohne Probleme benutzen lässt. Für einen Geschwindigkeitsvergleich zogen wir zudem den Bildschirmschoner "Pipes (GL)" aus dem KDE-Kontrollzentrum von KDE 3.03 heran, sowie "Röhren" von Windows XP Home. Der Testrechner war wie üblich ein Athlon 1 GHz auf einem Gigabyte GA7-DXR-Mainboard mit 128 MB RAM, als Grafikkarte kam die auch in Büros verbreitete ATI Rage 128 zum Einsatz.

Die Einstellungsmöglichkeiten der Windows-Röhren sind nicht sehr umfangreich: Nur Oberflächenstruktur, Verbindungselement, Zahl der Röhren und Geschwindigkeit lassen sich bestimmen (Abbildung 1). Besonders schade ist, dass die Röhren "nahtlos" aneinander gefügt werden, das ergibt ein vergleichsweise tristes Aussehen (Abbildung 2). Die Möglichkeit, mehrere Röhren gleichzeitig laufen zu lassen, ist für Besitzer besonders schneller Rechner mit einem oder mehreren Prozessoren interessant: So kann die Systembelastung mit einfachen Mitteln erhöht werden. Die Laufzeit der Windows-Pipes ist mit drei bis zehn Sekunden zu kurz, zumal der zur Verfügung stehende Raum kaum ausgefüllt wird.

Abbildung 1: Die Einstellungsmöglichkeiten des Windows-Röhren-Bildschirmschoners lassen etwas zu wünschen übrig. Uns fehlten die Möglichkeiten, Spielereien (engl. "gadgetry") einbauen und die Röhren längere Zeit laufen zu lassen

Abbildung 2: Das Erscheinungsbild der Windows-Pipes ist insgesamt sehr eintönig. Die Rohre werden nahtlos aneinander gesetzt, einzig das Verbindungsstück bei Kurven lässt sich geringfügig variieren

Triste KDE-Röhren

Deutlich schlechter als die Windows-Röhren schnitten die KDE-Pipes ab. Der starr gewählte Blickwinkel auf den zu füllenden virtuellen Raum und die mehr als triste Farbwahl machten keinen guten Eindruck (Abbildung 3). Wie bei den Windows-Röhren fehlt auch den KDE-Pipes die Möglichkeit, Zubehör einbauen zu lassen, und die Rohrstücke werden wie unter Windows nahtlos aneinander gesetzt. Die Einstellungen der KDE-Pipes im KDE-Kontrollzentrum erlauben lediglich, die Zahl der gleichzeitig laufenden Röhren zu wählen, weitere Anpassungsmöglichkeiten gibt es nicht. Leider haben es die KDE-Entwickler versäumt, bei KDE 3.1 diese erhebliche Schwachstelle auszumerzen, was die Frage nach dem Grund für eine neue Major-Release aufwirft.

Abbildung 3: Trist und eintönig sind die KDE-Pipes, weder der Blickwinkel noch die Farben lassen sich verbessern, Absteller und Manometer fehlen völlig. Dies hat sich auch im neuen KDE 3.1 nicht gebessert

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


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