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Netzwerk aus der Steckdose: Corinex Powerline-Ethernet-Adapter im Test

01.04.2003 Ethernet aus der Steckdose, eine lange angekündigte Technik wird praxisreif. Doch nicht als Zugang zum Internet, sondern zur leichteren Vernetzung in Gebäuden sind die beiden Testgeräte gedacht, die wir unter Linux ausprobiert haben.

Powerline Ethernet, die Computer-Vernetzung über Stromkabel, machte in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen. Mehrere Energieversorger kündigten an, mit der Vernetzung über herkömmliche Stromkabel eine Konkurrenz zu ISDN und DSL als schnellen Internet-Zugang anzubieten. Im letzten Jahr folgte dann der Totalausstieg, inzwischen ist Internet über Stromkabel kein Thema mehr. Die Energieversorger gaben als Gründe meist die hohen Kabellängen, Übertragungsprobleme und hohe Störpegel an.

Die Geräte des kanadischen Herstellers Corinex sind für die Vernetzung im Haus gedacht, haben also einen Großteil der Probleme von "Internet aus der Steckdose" nicht. Bei den PowerNet-Ethernet-Adaptern handelt es sich um externe Geräte mit je einem Netzwerkanschluss und – wen wundert's – einem Stromanschluss. Die vom Hersteller angegebene Datenrate von 14 MBit/s konnten wir auch unter Laborbedingungen nicht erreichen, doch dazu später mehr. Um das Abhören zu erschweren, werden die Daten mit 56-Bit DES verschlüsselt – kein unlösbares Problem für Angreifer, aber auch nicht leicht zu knacken.

DES-Verschlüsselung

Der Schlüssel muss bei allen Powerline-Geräten eines Netzwerks identisch eingestellt werden, insgesamt kann ein Netz maximal 16 Geräte umfassen. Die dafür nötige Software wird mitgeliefert, ist aber nur Englisch und funktioniert nur unter Windows – die Einrichtung mit VMware scheiterte, der angeschlossene Powerline-Adapter wurde nicht gefunden. Der deutsche Distributor Kraftcom hat für die nahe Zukunft ein Linux-Konfigurationsprogramm angekündigt.

Abbildung 1: Der Schlüssel für die 56-Bit DES-Verschlüsselung muss über ein Windows-Programm für jedes Gerät eingestellt werden. Unter VMware fand das Programm den angeschlossenen Powerline-Adapter nicht

Der Betrieb mehrerer Netze im gleichen Haus ist ebenfalls möglich, je nach Störungen kommen sie sich jedoch ins Gehege und begrenzen die Datenrate gegenseitig. Für die angeschlossenen Computer stellt das Netz aus Powerline-Geräten einen Netzwerk-Hub dar, es ist also völlig transparent und bedarf keiner besonderen Einrichtung.

Schwieriges Übertragungsmedium

Die Datenübertragung im Stromnetz erfolgt mit einer speziellen Modulationsart (Orthogonal Frequency Division Multiplexing, OFDM) im Bereich von 4,5 bis 21 MHz, in etwa vergleichbar mit einem analogen Modem. Das Stromnetz birgt allerdings einige Tücken: Das Kabel ist nicht gegen Ein- und Ausstrahlungen geschirmt, Steckdosen und Übergänge sind nur verdrillt oder geklemmt, und Verzweigungen, Verlängerungskabel oder Mehrfachsteckdosen sind an der Tagesordnung. Weitere Störfaktoren sind angeschlossene Geräte: Schaltnetzteile, wie sie bei Computern und Videorecordern üblich sind, Mikrowellenherde und getaktete Kochfelder strahlen Störungen in das Stromnetz ein und belegen ganze Frequenzbänder. Insgesamt denkbar schlechte Voraussetzungen für eine hohe Datenrate.

Anders als die bekannten Wechselsprechanlagen funktionieren die Powerline-Ethernet-Adapter auch in unterschiedlichen Stromkreisen eines Hauses, mitunter sogar über die Grundstücksgrenze hinweg in der ganzen Straße. Corinex gibt 200 m als maximale Reichweite an. Mit zunehmender Entfernung und Anzahl der Leitungsübergänge (Klemmleisten, Sicherungen, Stromzähler, Stecker) nimmt die maximale Datenrate allerdings drastisch ab. Für die Verbindung über Stromkreise hinweg (also bei verschiedenen Phasen) wird das so genannte Leitungsübersprechen ausgenutzt: Bei nebeneinander liegenden Leitungen im Sicherungskasten oder im Hausanschluss wird das hochfrequente Datensignal in die benachbarten Leitungen eingestrahlt. Je länger die Kabel parallel geführt werden, desto stärker ist das Signal in der Nachbarleitung. Für Problemfälle gibt es auch spezielle Phasenkoppler, die vom Elektriker in den Sicherungskasten eingebaut werden und das Signal in hoher Qualität auf allen Leitungen verteilen.

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Infos zum Autor

Mirko Dölle

Redakteur für Linux bei c't, Heise Zeitschriften Verlag; ehemals Competence Center Hardware/Linux-Magazin, Linux New Media AG


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LinuxUser 03/2012

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