Netzwerk aus der Steckdose: Corinex Powerline-Ethernet-Adapter im Test

Hoch spannend!

Ethernet aus der Steckdose, eine lange angekündigte Technik wird praxisreif. Doch nicht als Zugang zum Internet, sondern zur leichteren Vernetzung in Gebäuden sind die beiden Testgeräte gedacht, die wir unter Linux ausprobiert haben.

Powerline Ethernet, die Computer-Vernetzung über Stromkabel, machte in den vergangenen Jahren immer wieder Schlagzeilen. Mehrere Energieversorger kündigten an, mit der Vernetzung über herkömmliche Stromkabel eine Konkurrenz zu ISDN und DSL als schnellen Internet-Zugang anzubieten. Im letzten Jahr folgte dann der Totalausstieg, inzwischen ist Internet über Stromkabel kein Thema mehr. Die Energieversorger gaben als Gründe meist die hohen Kabellängen, Übertragungsprobleme und hohe Störpegel an.

Die Geräte des kanadischen Herstellers Corinex sind für die Vernetzung im Haus gedacht, haben also einen Großteil der Probleme von "Internet aus der Steckdose" nicht. Bei den PowerNet-Ethernet-Adaptern handelt es sich um externe Geräte mit je einem Netzwerkanschluss und – wen wundert's – einem Stromanschluss. Die vom Hersteller angegebene Datenrate von 14 MBit/s konnten wir auch unter Laborbedingungen nicht erreichen, doch dazu später mehr. Um das Abhören zu erschweren, werden die Daten mit 56-Bit DES verschlüsselt – kein unlösbares Problem für Angreifer, aber auch nicht leicht zu knacken.

DES-Verschlüsselung

Der Schlüssel muss bei allen Powerline-Geräten eines Netzwerks identisch eingestellt werden, insgesamt kann ein Netz maximal 16 Geräte umfassen. Die dafür nötige Software wird mitgeliefert, ist aber nur Englisch und funktioniert nur unter Windows – die Einrichtung mit VMware scheiterte, der angeschlossene Powerline-Adapter wurde nicht gefunden. Der deutsche Distributor Kraftcom hat für die nahe Zukunft ein Linux-Konfigurationsprogramm angekündigt.

Abbildung 1: Der Schlüssel für die 56-Bit DES-Verschlüsselung muss über ein Windows-Programm für jedes Gerät eingestellt werden. Unter VMware fand das Programm den angeschlossenen Powerline-Adapter nicht

Der Betrieb mehrerer Netze im gleichen Haus ist ebenfalls möglich, je nach Störungen kommen sie sich jedoch ins Gehege und begrenzen die Datenrate gegenseitig. Für die angeschlossenen Computer stellt das Netz aus Powerline-Geräten einen Netzwerk-Hub dar, es ist also völlig transparent und bedarf keiner besonderen Einrichtung.

Schwieriges Übertragungsmedium

Die Datenübertragung im Stromnetz erfolgt mit einer speziellen Modulationsart (Orthogonal Frequency Division Multiplexing, OFDM) im Bereich von 4,5 bis 21 MHz, in etwa vergleichbar mit einem analogen Modem. Das Stromnetz birgt allerdings einige Tücken: Das Kabel ist nicht gegen Ein- und Ausstrahlungen geschirmt, Steckdosen und Übergänge sind nur verdrillt oder geklemmt, und Verzweigungen, Verlängerungskabel oder Mehrfachsteckdosen sind an der Tagesordnung. Weitere Störfaktoren sind angeschlossene Geräte: Schaltnetzteile, wie sie bei Computern und Videorecordern üblich sind, Mikrowellenherde und getaktete Kochfelder strahlen Störungen in das Stromnetz ein und belegen ganze Frequenzbänder. Insgesamt denkbar schlechte Voraussetzungen für eine hohe Datenrate.

Anders als die bekannten Wechselsprechanlagen funktionieren die Powerline-Ethernet-Adapter auch in unterschiedlichen Stromkreisen eines Hauses, mitunter sogar über die Grundstücksgrenze hinweg in der ganzen Straße. Corinex gibt 200 m als maximale Reichweite an. Mit zunehmender Entfernung und Anzahl der Leitungsübergänge (Klemmleisten, Sicherungen, Stromzähler, Stecker) nimmt die maximale Datenrate allerdings drastisch ab. Für die Verbindung über Stromkreise hinweg (also bei verschiedenen Phasen) wird das so genannte Leitungsübersprechen ausgenutzt: Bei nebeneinander liegenden Leitungen im Sicherungskasten oder im Hausanschluss wird das hochfrequente Datensignal in die benachbarten Leitungen eingestrahlt. Je länger die Kabel parallel geführt werden, desto stärker ist das Signal in der Nachbarleitung. Für Problemfälle gibt es auch spezielle Phasenkoppler, die vom Elektriker in den Sicherungskasten eingebaut werden und das Signal in hoher Qualität auf allen Leitungen verteilen.

LinuxCommunity kaufen

Einzelne Ausgabe
 
Abonnements
 
TABLET & SMARTPHONE APPS
Bald erhältlich
Get it on Google Play

Deutschland

Ähnliche Artikel

  • LAN aus der Dose
    Powerline verspricht eine einfache Netzwerkanbindung auch dort, wo Kabel oder Funk nicht hinreichen – und das mit satten 200 Mbit/s. Wir haben nachgesehen, wie gut das Netzwerk aus der Steckdose mit Linux funktioniert.
  • Hardware News
  • Netzwerk aus der Steckdose
    Kabel zu hässlich, WLAN zu schwach? Mit PowerLAN-Adaptern vernetzen Sie Rechner ohne großen Aufwand über die Steckdose.
  • Workshop: LAN-Verkabelung selbst gemacht
    Auch zu Hause oder im kleinen Büro möchte man auf die Annehmlichkeiten eines kleinen Netzwerks nicht verzichten. Mit ein wenig Hintergrundwissen und etwas Werkzeug installieren Sie das Haus-LAN schnell selbst.
  • Netzwerk-Adapter SEH Intercon IC-55 und IC-105 einrichten
    In einem modernen Haushalt, in dem Vater, Sohn und Tochter ihren eigenen Computer benutzen, wird meist für jeden Rechner ein eigener Drucker gekauft. Dank Netzwerk-Adapter ist es aber gar nicht schwer, sich einen Familien-Drucker zu teilen.
Kommentare

Infos zur Publikation

LU 10/2016: Kryptographie

Digitale Ausgabe: Preis € 0,00
(inkl. 19% MwSt.)

LinuxUser erscheint monatlich und kostet 5,95 Euro (mit DVD 8,50 Euro). Weitere Infos zum Heft finden Sie auf der Homepage.

Das Jahresabo kostet ab 86,70 Euro. Details dazu finden Sie im Computec-Shop. Im Probeabo erhalten Sie zudem drei Ausgaben zum reduzierten Preis.

Bei Google Play finden Sie digitale Ausgaben für Tablet & Smartphone.

HINWEIS ZU PAYPAL: Die Zahlung ist ohne eigenes Paypal-Konto ganz einfach per Kreditkarte oder Lastschrift möglich!

Aktuelle Fragen

Soundkarte wird erkannt, aber kein Ton
H A, 25.09.2016 01:37, 2 Antworten
Hallo, Ich weiß, dass es zu diesem Thema sehr oft Fragen gestellt wurden. Aber da ich ein Linu...
Scannen nur schwarz-weiß möglich
Werner Hahn, 20.09.2016 13:21, 2 Antworten
Canon Pixma MG5450S, Dell Latitude E6510, Betriebssyteme Ubuntu 16.04 und Windows 7. Der Canon-D...
Meteorit NB-7 startet nicht
Thomas Helbig, 13.09.2016 02:03, 3 Antworten
Verehrte Community Ich habe vor Kurzem einen Netbook-Oldie geschenkt bekommen. Beim Start ersch...
windows bootloader bei instalation gelöscht
markus Schneider, 12.09.2016 23:03, 1 Antworten
Hallo alle zusammen, ich habe neben meinem Windows 10 ein SL 7.2 Linux installiert und musste...
Ubuntu 16 LTE installiert, neustart friert ein
Matthias Nagel, 10.09.2016 01:16, 3 Antworten
hallo und guten Abend, hab mich heute mal darangewagt, Ubuntu 16 LTE parallel zu installieren....